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208« Wiesbaden. Dienstag, 17 December 1850«

Dittgx ete 3 e i i u ii g " «sprint, mit lluSnahme drâ Moniagâ, täglich in «wem Bogen. Der AdoanementSprctS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 !rv auS« mälW durch die Post belogen mit verZälintßmädigem Ansichiage, - gnseratr werden bereitwillig ausgenommen und stud bei der großen Verbreitung dergrtirn »ritung» BtW von wirk­samem Erfolge. Die ZaserattonSgebühren bettagen für die vtrrspaltige Prtttzeil» 3 Kreuzer.

Die Epoche dauernden Friedens.

XWenn nicht alle Zeichen trügen, so gehen wir einer Epoche dauernden Friedens entgegen!" ruft das Bundestagsorgan in seiner Sonntagsertrabeilage aus. Gewiß ein Ertragcdanke!Wenn nicht alle Zeichen trügen".... ja wenn nicht!...

Der Mann der das Wen» und daS Aber erdacht, Hat sicher aus Häckerling Gold schon gemacht!"

singt Bürger, und in der That gehört kein kleines Wun­der dazu, auS tiefem Drohen frievscliger Elemente, ans diesem Chaos, deutsche Zustände genannt, eine Epoche deS Friebens, des dauernden Friedens sogar zu gestal­ten. Der Friedensstand bedingt einen Zustand der Be­friedigung; nun fragen wir aber , wer ist denn jetzt zufrieden? Sind es die deutschen Großmächte, sind es die Mittel, oder die Kleinstaaten, sind eS die Fürsten,

sind die Völker, sind es die Absolutisten, so lange es ichch Konstitutionelle und Demokraten giebt, sind es die Konstitutionellen ohne Parlament und Bundesstaat, und sind es die Demokraten? Sind es die Aristokraten, oder die Bourgeoisie, die Kleinbürger oder der arme Mann? Wer ist zufrieden? Niemand! Somußdoit wohl von andern Friedensgründön, als von den aus allge­meiner Befriedigung hervorgehenden, die Rede sein. Der Friede, den die Buudestagspolitiker erwarten, ist der Friede des Zwaügcs und Schreckens, der Kirchhofs- friede, die Grabesruhe!Aber wenn nicht alle Zeichen trügen", so hat das deutsche Volk von oben bis unten und umgekehrt noch zu viel Lebenskraft und Jugend- fülle, als daß es so schnell todt zu kuriren wäre. Doch nein, die Zeichen unserer Gegner sagen aus, daß die Deutschen in den Jahren 48, 49 und 50 sich nur als jämmerliche Epigonen, als Nachgeburtler, ausgewiesen Ha­ven, daß sie ohne Befähigung zur Einheit und Frei­heit daß sie mit dem Fluche der Unfruchtbarkeit und ewigen Knechtschaft behaftet und deshalb durch Natur- nothwendigkeit zur Beute für ihre stärkeren und gott­begnadeteren russischen Nachbarn bestimmt sind!?

Es hieße Wasser in den Rhein tragen, wollten wir dieseZeichen" der Absolutisten anzweiflen. Jene Männer haben ihre Gründe, wir die andere: die Zu- funft wird zwischen ihnen und den Völkern entscheiden, und da die Völker ewig, die Individuen vergänglich sind, so haben jene jedenfalls mehr Grund, die Sache ruhig abzuwarten, als diese. War die Revolution wirk­lich so unfruchtbar, warum denn die Angst der Contre- revolution, warum der jetzige Terrorismus der Re­aktion? Das Jahr 48 hat Ideen zum Gemeingut, zum Lebenssaft der Menge gemacht, Ideen, so groß und aewaltig, daß eben deshalb ihreVerwirklichung nurlangsam zu Stande kommen kann. Denn alles Hehre, Welt­umgestaltende bricht sich nur langsam Bahn; nur das 'Flache, Triviale hat eine leichte Geburt, doch tafür auch nur Ephemeridenleben. Nicht Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte, nein Jahrtansende haben dazu ge­hört bis die ersten - Grundlehren des Christenthums ansingen, Gemeingut zu werden; und in noch nicht drei Jahren wäre die Frist abgelaufen, wo über tu Zukunft des modernen Staats in Deutschland abzu- urtheulen, wo der Wechsel der deutschen Völker aus Eintreibung ihres ersten Naturrechtes, eine Nation, eine Nation und als solche stark, geachtet und frei zu werden, verfallen wäre?

Ja, auch wir sagen:Wenn nicht alle Zeichen trügen, so gehen wir einer Epoche dauernden Frieden-, entgegen!" Denn es ist uns nicht um den Krieg des Krieges wegen zu thun. Die Demokratie ist nicht ge- fommen, um den Völkern das Schwert zu bringen, sondern den Oelzweig des ewigen Friedens; sie 'stocht | 1849 die darin

gekommen, um zu zerstören, Mveru anfzubauen, : 5918 fl. 55kr. und beziehungsweise auf 10,627 fl.

nicht gekommen, um die Tage des eisernen MUtelâs,J aus ..... ^, g

Die Zeiten ter Barbarei und Gewaltherrschaft zu be- stätigen und zu verewigèi,, sondern um sie aufzuheben, ihre Wiederkehr unmöglich zu machen und an die-stelle ver Gewalt die Herrschaft des Rechts, an die der Roh­heit die der Bilduiig, an die der Ausbeutung der einen Klaffe durch die andere die Aufhebung der Klassen als Kasten und durch diese Aufhebung die -allgememe Unterstützung, die Bruderliebe zu setzen. ^Und diese großen Ziele werden erreicht, diese heiligen Saaten zur Reife gebracht, diese nothwendigen Früchte der Civilisation werden gepflückt, diese Zukunft wird aenwart werben, werden müssen, wemi is . göttliche Weltordnung gibt, wenn Bernuns im ichenbusen wohnt, wenn etwas Ewst^s das ( ' lurchpulset und durchwebt. Datz dies bu Fall, 4

diese Wahrheit Schritt vor Schritt sich zur Wirklich­keit gestalten werde, wer ist der Mensch, der seine fünf Sinne hätte und dies zu bezweifeln wagte? Wohl kann der Unsinn momentan siegen, wohl kann die Sonne sich verfinstern; doch die Wolken schwinden und die Lichtbringerin tritt mit neuer. Fülle und Herrlichkeit hervor. Wie wir daher auch heißen, wie uns Mei­nungen trennen, Streitpunkte entzweien mögen eins steht fest: wir Alle, welche aufrichtig Alles prüfen, um das Beste zn behalten, wir Alle, denen die ewigen Ideen, die den Menschen vom Thiere unterscheiden, keine Chimäre sind, wir Alle, die denken und nach Gedanken zu handeln uns bestreben, sind einig dar­über, daß nur im Zeichen der Wahrheit und Gerechtigkeit, im Zeichen derEntwicklnng und derAufklarunz, im Zeichen der Menschheitsverklärung undWeltumgestallung nach den ewigen Menschheitsgèdaukcu und Weltgesetzen, daß nur in diesem Zeichen der Sieg eines dauernden Friedens möglich, daß er aber in diesem Zeichen auch untrüg­lich gewiß ist. Alle die das Gute wollen, sind also nur über die Zeit, nicht über den Inhalt und die Be- dingnisse zu tiefem Frieden einig. Deshalb rufen wir unsern Cfegnern zu: Ja, Friede wird uns werden, doch nur ein Friede, der das Leben der Völker und die Vernichtung derer ist, welche den Geist verneinen; ja Friere wird es werden, doch nicht vor dem Kampfe, sondern durch daSRingen des Alten mit dem Neuen, bié dasjenige allein den Platz behauptet, das die höhere Weihe, die frische LebeuSfülle in sich trägt. Noch ist dieser Streit nicht ausgefochten, noch ist nicht aller Tage Abend. Die Reaktion jubelt:Ich habe gesiegt!" aber der'Weltgeist ruft ihr zu:Wenn Du gesiegt hast, so zeige'es im Schaffen!"" Aber bis jetzt hat die Reaktion nur zu zerstören gewußt; sogar alle ihre Schöpfungen waren nur Vernichtungen, ihre Triumpse nur Fortschritte für die Principien welche sich rascher al­ler Herzen bemächtigten, je heftiger sie verfolgt wur­den. Die Wahrheit, die sich frei entwickle» darf, dringt nur langsam und leise ins Innere der Völker; doch die verfolgte pocht mit DonnerschaU an und selbst die­jenigen, welchen ihren leisen Mahnungen lange taub waren, vernehmen sie und rufen :Herein!" Die Wahrheit ist nie gefährlicher, als wenn sie gleich dem Reh gehetzt wird; nur ungern vertauscht sie den Oel- zweig mit der scharfen Wehr und selbst an's Kreuz geschlagen, spricht sie noch:Herr, vergieb ihnen, denn sic wissen nicht, was sie thun!" Doch diese Fürbitte ist zugleich der Wahrspruch über ihre Spötter und Ver­ächter.

Assifettverhandlungen zu Wiesbaden.

Achtzehnter Proceß.

Anklage gegen den quieszirten Rezeptur- beamten Rudolph Braubach von Cronberg, wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder.

$ Wiesbaden, 14. Dec. Präsident: HofgerrchtS- rath Trepka; Staatsanwalt: Staatöproknrator-snb- stitut Flach; Vertheidiger: die Prokuratoren Braun und Wilhelms jun.

Der quiescirte Recepturbeamte Nevisionsrath JCu» do'.ph Braubach, 56 Jahre alt, ist angeklagt, daß er während seiner Dienstführung als Rezepturbeamter zu Cronberg auS der seiner Verwaltung übergebenen yieceptumine sich selbst einen Geldbetrag von 1821 fl. ruaeeignet und in der Absicht, diese verübte Verun­treuung im Dienste ju verstecken, an Herzogl. ^taats- Cassen-Direktiou wissentlich falsche Caßenbenchte in der Weise erstattet hat, daß er theils in die Cassen-

i 9 fr. berechneten Baarbestände jedesmal um 1821 fl. I höher aufnehmen ließ, als sie wirklich betrugen, theile ! auch in der am 4. November 1849 an die Herzog!. I Staats-Caffen-Direction eingesandten Abrechnung den ' Baarvorrath der Recepturcasse wissentlich dadurch um 1821 fl. zu hoch angegeben hat, daß er dieser Abrech- nnua als Beleg einen Vorschußschein beifügte, '" wel­chen unter pos. 15 der Baarvorrath der Herzoglichen Receptur zu 5918 fl. 55 kr. angegeben war wahrend derselbe 1821 fl. weniger betrug; event ne ll: daß er die oben bezeichneten falschen Casscnberlâ m der ! Absicht erstattet hat, einen von ihin in der Aeceptur- I fasse entdeckten Abgang von 1821 fl. zu verstecken.

Die Geschwornen erkennen ihn nur der eigenmäch­tigen Zueignung von 1821 fl. schuldig, alles Heinze

wird als nicht erwiesen angenommen. Urtheil des Gerichts­hofs: Drenstciitlasfung und Bezafhlung der Untersuchnngskosten, da der Angeklagte die ent» nominelle Summe ersetzt hat.

Deutschland.

12 Wiesbaden, 16. Dezember. Die vorgestrige Ässisensitznng, in der Herr Nevisionsrath Braubach von Kronberg wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder vor teil Geschwornen stand, hinterließ in ter über­wiegenden Mehrheit des Publikums einen so unange- nehmkll Eindruck, daß wir, demselben Worte zu ver­leihen, nicht umhin können. Wir halten uns natür­lich nur an das Formelle, ta wir, zu sehr gewohnt, den Spruch der Gerichte für unantastbar und heilig zu halten, das Materielle nicht zu berühren wagen.

Zuerst fiel uns die außergewöhnliche Höflichkeit auf, mit der Assisenprasident und Staatsprocurator den An­geklagten anredeten. Herr Trepka fragte stets die Zeu gen :Ist das der Herr 3! e v i s i 0 ii s r a t h B r a u b a ch ?" und wenn zufällig den Lippen das gewohnte Wor Angeklagter" entschlüpft war, so suchte man es we- nigstens noch rasch dnrch ein vorgesetztesHerr" zu verbessern; nur Braun hatte den Takt, in seiner Ver­theidigung ganz einfachAngeklagter" zu reden Ferncr wurdè unser Mißfallen dadurch erregt, daß, alS^nach 1 Uhr die große Pause eintrat, der Assisenprasident denHerrn Revisionsrath Braubach" einlud, doch sein Mittagsmahl tumben Gemächern des Schützenhofs ein» zunehmen, während ein gewöhnlicher Angeklagter stets den schweren Gang durch die gaffende Menge antreten, und in der Zelle deS Criminalgefängnisses seine Kost verspeisen muß. Zum Dritten fragen wir, warum von demHerrn Revisionsrath Braubach" sein Leumunds- bericbt vorgeleseu worden lp, wie dies ohne jede Aus nähme bisher geschehen? Warum man gerade hier von einer solchen Gewohnheit abgestanden? $ih cytete man vielleicht die Lenmundsberichte von Kronberg und Montabaur möchten dem Angeklagten nicht günstig sein, und zu seiner Verurtheilung beitragen, wie solches die Erfahrung bei andern Angeklagten schon öfter gelebt t r Endlich können wirInicht umhin, bei dieser Gelegen­heit die Nonchalance^u tadeln, mit welcher der Eine der Herren Vertheidiger . seinen Platz verließ und sich auf die vorderste Bank der Geschworenen auflegte, alS ob er teil Geschworenen die Ueberzeugung von der lln» schuld^desHerrn RevisionsrathS" mit Gewalt ein» trichtern wolle. .

Wir müssen den Assisenhof und den staat^proku- rator darauf aufmerksam machen, daß eine solche Eom- toine, ganz'ausnahmsweise gegen einen Angeklagte- geübt, nicht im Stande ist, das Vertrauen auf die Um parthcilichkeit des Nichterstandes zu vermehren, jumal- wenn, wie in diesem Fall, ein |o gGudes Ur h r antragt und gefällt wird; und wunzchen zum Schlufs- jedem Angeklagten, daß er, ehe er vas Armesünder, stühlchen einnimmt, erstHerr Nevisionsrath" werde. XX Von der US, Anfangs Dezember. Die in No. 281 dieses Blattes enthaltene Entzegnnng auf umcrn Artikel vom November können wir, da der Hr. ^ZEor- refvouteut von Widerlegen redet, wonach er oie eagje besser wissen müßte, teiln jtnr, nicht unbeantwortet la>- sein sondern wollen die Sache, welche wir einer Dis­kussion werth erachten, weiter verfolgen und unsere An sichten näher zu begründen suchen.

Was wir in jenem Artikel gefügt, war einfach d Wahrheit und wir würden unS sehr ichämen, eine Sache fal ch ober verkehrt der Oesfentlichkcit zu uber- aeben Der Herr Correspondent hat aber, soviel chm die Sache auch bekannt sein mag, uns mch wider­legt, obgleich er davon redet; lontmt b.oS uu,ere 6 teruHÄ an das Kreisamt und die Regierung^ Re Au toritä? des AnSbacher Gemeinderaths in Schutz zu nedmen einseitig getadelt, ohne die leitenden Motive u in Betracht zu ziehen. Was uns besonders ^vnn- berührt von der in unserm Artikel durchaus tu

teil Altlutheranern. Die demokrütifche Partei unserer Gegend ist noch in keiner Art und Weg gegen d,e Partei der Altlutheraner ausgetreten; sonder M Errungenschaft der Religionsfreiheit wahrend, Re Sacy jener Partei stets unterstützt. Selbst * Artikel war gesagt, daß man- blos Mitlew geg n diese Leute habe und wo Mitleid vorhanden ist, da