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Freie Zeitung.

Freiherr uud Recht! ^

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Wiesbaden. Dienstag 10. December

1630,

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Zllr Geschichte des offiziellen Konstitutio­nalismus unserer Tage.

X Die Zeit der Verfolgung hat im konstitu­tionellen Oesterreich auch für die allergemäßigtsten Blätter begonnen. DiePresse", welche von Wien nach Olmütz vertrieben wurde, wird wahrscheinlich mit Neujahr eingehen. Das einzige Organ, das den Deutsch- böhmen noch geblieben war, dieDeutsche Zeitung aus Böhmen", ein Blatt von konservativer, doch deutscher Gesinnung, ist durch Erlaß vom Landespräsidium ver­boten worden. Als Motiv wird angegeben:Es ist befunden worden"....! Das Verbrechen, welches der Redakteur begangen, bestand außer seiner deutschen Gesinnung und seinem Streben für Böhmens Anschluß an Deutschland darin, daß er bei der Aufhebung des Versaffungseides in der Armee auf den Paragraph hin- gewiesen, wornach diese Maßregel eine Verfassungsver­letzung sei. Ferner meldet die offizielleOestr. Korr." mit dürren Worten:Dr. Galba, Privatdozent an der Wiener Universität, ist in Folge seiner Vorträge, die er über die Nationalitäten Oesterreichs, über Volks­souveränität u. s. w. hielt, seinem Posten enthoben worden." Das die Lehrfreiheit in Oesterreich! Sol­chen Zuständen gegenüber ist es eine Lächerlichkeit, daS ausgestreute Gerücht, daß die Einberufung der öster­reichischen Landtage Anfangs Januars erfolgen werde, als einen schlagenden Beweis des konstitutionellen Lebens in Oesterreich zu preisen, wie das in derOber- Post-Amts-Ztg." geschieht. Um Oesterreich treulich nachzueifern, hat die sächsische Regierung für das ganze Königreich die BerlinerConst. Ztg." verboten und dies in demselben Momente, wo der Minister einer Deputation der zweiten Kammer, welche bat,daß die Staatsregierung auf Herstellung einer allgemeine» Volks­vertretung hinwirken möge", amworrere, er sei ganz mit diesem Anträge einverstanden. Doch eine Regierung, welche nicht einmal eine freimüthige Presse zu dulden vermag, erklärt dadurch von vornherein, daß ihr der Konstitutionalismus nur Schinken für den Absolutis­mus ist. Was die kleinen Könige übrigens unterHer­stellung einer allgemeinen Volksvertretung beim Bun­destage verstehen, lehrt folgende Erklärung, welche der Minister des Auswärtigen in Folge jener Deputation am 4. Dez. in der zweiten sächsischen Kammer gab: Eingedenk der dem deutschen Volke gegebenen Zu­sagen sei die Regierungen bereit, ihre Meinung bei den demnächst in Dresden stattfindenden Conferenze» zu vertreten. Er nehme an, daß die Deputation unter dem Ausdruckeallgemeine Volksvertretung" keine aus allgemeinen (!!) Wahlen hcrvorgegangcne, wie die zum Frankfurter Parlament im Jahre 1848 verstanden habe, denn wenn dies der Fall gewesen wäre, so hätte die Regierung freilich dieser Auffassung den entschiedensten Wiederspruch entgegensteUm müssen. Die erste Natio­nalversammlung habe sehr traurige Erfahrungen gelie­

Kerkerbriefe von Kinkel.

(Fortsetzung.)

Ich glaube schreibt Ad. Stahr weiter, daß Sie, lieber S., diese Fragemente nicht ohne die tiefste Bewegung lesen werden. Es sind noch Jedem die Augen feucht geworden, dem ich sie mitgetheilt, und bas Herz im Leibe hat sich mir umgewendet, als Johanna Kin­kel sie mir zuerst vorlas. Noch rührender aber und erhebender ist ein anderer Brief, mit dem er, der Ge­fangene, vor dem die unendliche Wüste auf Lebenszeit gähnte, einer Freundin Trost zuspricht, welche sich sein furchbares Geschick so schwer zu Herzen genommen, daß ihrem Leben dadurch Gefahr drohte. Hören Sie, was und wie er zu ihr spricht, und bewurdern Sie mit mir die seltene Seelenstärke eines Mannes, der inmitten der Todespein ewiger Trennung von Allem, was ihm theuer, noch Worte der Erhebung für Andere hat, die um seinetwillen sich härmen und grämen.

An eine Freundin.

Spandau, August 1850.

Ihren Brief, verehrte Frau, habe ich erhalten, und auch die Erlaubniß, ihn zu beantworten, ist mir zu Theil geworden. Ich beginne diese Antwort m der besten Stimmung, die es hier gibt: soeben ^-abe ih am schönsten warmen Sommerabend einen Spa­

fert. Dies habe seinen Grund nicht sowohl in den Personen, als vielmehr in der Natur des Instituts, dessen Mitglieder von Consequenzen auf die extremsten Wege geführt worden seien, ohne es sonst zu wollen. Selbst konservative Männer seien durch die Gewalt des Princips weiter und weiter gedrängt worden; doch neben dem erstrebten idealen Deutschland habe ein rea­les fortbestanben, und so habe es natürlicherweise zwi­schen Idealismus und Wirklichkeit zu einem Zusammen­stoß kommen müssen, der große Opfer an Blut und Thränen gekostet. Eine solche Vertretung halte die Re­gierung für unheilvoll (!), wohl aber hege sie die Ansicht, daß eine Vertretung der Kammern möglich und aus­führbar sei, und daß so die einzelnen Länder Deutsch­lands am besten bei der Bundesgewalt vertreten wur­den, nachdem der Versuch, aus einem Staatenbunde einen Bundesstaat zu bilden, vollständig gescheitert. Der Minister schloß seine Rede mit einer Hindeutung auf das Unglück, welches ein wiederholen derartiger Versuche nothwendig wieder zur Folge haben müßte." Also zu deutsch: diese Volksvertretung reducirt sich auf eine Kammervertretung, auf einen bloßen Beirath, aus ein contrerevolutionâres Sicherheitsventil am Dampf­kessel Germania.

Ueber den Constitutionalismus in Preußen gibt die wiederholte Versicherung des ministeriellen Korrespon- ven aus Berlin in derO.P.A.Z." Aufschluß:Das Ministerium wird nicht nur im äußersten Fall (d. h. wenn nach der Vertagung die Gothaer immer noch störrisch bleiben, denn vom Volke kann in den preußi- chen nicht wohl die Rede sein, da das Volk nicht zu denselben gewählt hat!) trotz der Majorität einer Kammer zu regieren wissen, sondern auch unter größ­ter Anerkennung (d. h. von Oesterreich und Rußland 1) regieren können." Das ganze konstitutionelle System beruht auf der^âoâ^^ Deckung uev u-cazorclacen nndtn" demB u n des organ", wird es gepriesen, daß die Regierung eines konstitutionellen Staats trotz der Kammermajorität regieren wolle! Für diesen Trutz- Konstitutioualismus wirbt Manteuffel jetzt ein Mini­sterium der äußersten Rechten, wie es in Olmütz be­kanntlich verabredet sein soll. DerN. Pr. Z." zufolge soll Manteuffel (der Olmützer) Ministerpräsident und Minister des Auswärtigen, Präsident von Manteuffel Minister des Innern, Oberpräsident v. Witzleben Un- terrichtsminister werden. Schöne Aussichten! Um den heilsamen Schrecken in den Gothaern wach zu halten, wurde am 4. wieder die Abendnummer der Const. Z." mit Beschlag belegt. Welche Zukunft der Constitutionalismus überhaupt in Oesterresch und Preußen hat, lehrt die Vertragöurkunde zu der neuen heiligen Allianz, welche der russische Ge­sandte in Wien laut derKöln. Ztg." vorgelegt hat und worin für Oesterreich Vie formelle Aufhebung der konstitutionellen Charte vom 4. März als Forderung obenan steht, indem ausdrücklich ange­führt wird, daß wenn auch dieselbe in der praktischen

ziergang im Hofe gemacht, zwischen Reseda und Wein­laub, das voll von schweren Trauben hängt. Der Himmel war so blau und weit aufgeschlagen, und ein­zelne kleine Wolken segelten hoch und langsam vor­über. Sie hörens also: noch hier in diesem Norden reift die Traube, und hier auch in Spandau gibt es erquickende Augenblicke aus der allerfreuenven Hand der Natur.

Ihr Brief hat mich ebenso sehr erfreut, als die Vereitelung von Ihrem und Ihres Herrn Gemahls Besuche mich betrübte, und wo Sie von meinen lieben, schönen Kindern erzählen, da haben Thränen mir nicht gefehlt.-- In meinem letz­ten Briefe von Köln aus muß ich Ihnen recht als Egoist erschienen sein, da ich Ihnen nur von mir, von meinem Geschick und Hoffen schrieb. Allein ich war weit noch nicht zum Schluffe gekommen, als plötz­lich meine Versetzung hierher erfolgte, und so mußte ich rasch abbrechen. Daher beginne ich heute mit Ihnen. Ich war sehr um Ihre Gesundheit besorgt. Es sind nicht eben viele Menschen, die einst innrer Freiheit wiederzusehen ich mich sehne, und eben Sie sollten sich Ihrem durch Sie beglückten Hauff und Ihrem Freunde erhalten. Die Nachrichten meiner Johanna über Ihr Befinden und Ihr eigenes Schrei­ben beruhigen mich einigermaßen. Doch uns bei­den entnehme ich, daß noch immer Ihr Gefühls­leben den alten hohen Welle'ffchlag nicht abgethan

Ausübung bereits so gut wie nicht eristirenv anzusehen sei, es doch noch besonders darauf ankoinme, auch ihrem äußern Rechtsbestande ein Ende zu machen und die Legitimität des göttlichen Rechts so von jedem Makel rein zu waschen. Der Konstitutionalismus als Pest und die KonstitätioneUen als Pestbeulen zu be­trachten, ist bekanntlich längst russische Staatsraison!

Preußen hat Alles erhalten, was eS gewünscht hat!"

* Dieses wenig oder sehr schmeichelhafte Kom- pliment wird dem Herrn von Manteuffel von einem seiner Vertrauten aus Berlin in derAgsb. Allg. Z." in einem Schreiben gemacht, das den Olmützer Vertrag mittheilt. Derselbe (natürlich ohne die ge Heimen Klauseln- lautet:

Bei den am gestrigen und heutigen Tage zwischen den Unterzeichneten stattgefundenen vertrauten Bespre­chungen, haben sich die folgenden Propositionen als mögliche Äusgleichuugspunkte der vorliegenden Diffe­renzen und geeignete Mittel zur Verhinderung von Con­flicten herausgestellt, und werden der schließlichen Ge­nehmigung der betreffenden hohen Regierungen schleu­nigst unterbreitet werden.

§. 1. Die Regierungen von Oesterreich und Preu- ßen erklären, daß es in ihrer Absicht liege, die end­liche und definitive Regulirung der kurhessischen und der holsteinischen Angelegenheit, durch die gemeinsame Entscheidung aller deutschen Regierungen herbeizuführeu.

8. 2. Um die Cooperation der in Frankfurt ver­tretenen und der übrigen deutschen Regierungen mög­lich zu machen, sollen in kürzester Frist von Seile der in Frankfurt vertretenen Buuveögliever, sowie von ötM P^npeus hup seiner «wouiu&m missär ernannt werden, welche über die gemeinschaft­lich zu treffenden Maßregeln in Einvernehmen zu tre­ten haben.

8. 3. Da es aber im allgemeinen Interesse liegt, daß sowohl in Kurhessen wie in Holstein ein gesetzmäßi­ger $), den Grundsätzen des Bundes entsprechender und die Erfüllung der Bundespflichten möglich machender Zustand (!) hergestellt werde, da ferner Oesterreich in sei­nem und im Namen der ihm verbündeten Staaten die zur Sicherung der Interessen Preußens von letzterem geforderten Garantien über die Occupation des Kur­staates in vollem Maße gegeben hat, so kommen tue beiden Regierungen von Oesterreich und Preußen für die nächste Behandlung der Frage und ohne Präjudiz für die künftige Entscheidung über Folgendes überein:

a) in Kurhessen wird Preußen der Aktion der von dem Kurfürsten herbeigerufenen Truppen kein Hinder­niß entgegenstellen sollen, und zu dem Ende Vie nö­thigen Befehle an die dort kommandirenpen Generale erlassen, um den Durchgang durch die von Preußen i besetzten Etappeustraßen zu gestatten. Die beiden Re,

hat Das .betrübt mich. Denn auf diese Weise wird auch der Süden Ihre Gesundheit uns schwer­lich wieder neu feststellen. Uno noch mehr betrübt es mich, daß ich wenigstens einen Theil Ihrer Auf­regung durch mein Geschick verschulde. Eben das trübt mich, Ihnen stets zu rathen, Sie, selbst der Leidende, dennoch zu ermuthigen. Wie ich damals im Herbste 1848, vorempfindend ein schweres Loos, in äußerlich noch glücklicher Lage Ihnen dennoch eine tiefe Schwer- ' muth entgegentrug, so erfüllt heute meinen Kerker die

Ahnung mit fröhlichem Schimmer, daß nun dieses daS letzte sein werde unter den eigenthümlich schweren und dunkeln Räthseln meines verschlungenen Lebens; daß hinter ihm durch eine frische Thätigkeit auf meinen allereigensten Lebensgebieten und auch durch die errungene Stille des Gemüths ein freudenreiches Leben mir auf­blüht. Diese Hoffnung hat mich selbst in den alle - größten Gefahren nicht verlassen. Wer ganz und un­bedingt in einer Idee lebt, dem ist es vielleicht hei- fam, durch einen so heifligen Stoß, wie ich ihn erlitt, daran erinnert zu werden, daß nicht allezeit es Pflicht der Persönlichkeit ist, sich an den raschen Sieg der Ideen zu setzen. Solch ein hart enkbehrungsvolles Unglück wie meines, lehrt eben das Leben in inner Allseitigkeit, in all seinen manichfachen Reizen fassen und werth halten: wie ich denn wohl sagen darf, daß namentlich meine Kinder mir nie theurer gewesen sind, als jetzt. So, nachdem der erste/allerdings bittere