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Wiet-büderr. Sonntag, 8. December
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samem Erfolge. - Die z.sera.imw.ei,stören vetragen für V'e vt.rsvâ' ^ttâ ausgenommen und find bei der großen B.rdr.ttung der „Freien Zeitung" ^U von S
FÄlsMieSbade» und die Umgegend werden, wenn die „Freie Zeitung" bei der Expedition abgchott wird __auch Abonnements auf den Monat Dezember angenommen.
Die Gemeinderathswahlen
und
ein Wort an die Bürger Nassaus.
0:0 Wiesbaden, 7. Dezember.
In diesen Tagen sollen in allen Theilen des Her- zogthums Nassau die Wahlen zur Ergänzung der Gemeindebehörden beginnen und wir erachten' es daher für zeitgemäß heute mit einigen Worten auf die ausnehmende Wichtigkeit der genannten Wahlen hinzu- weisen.
Ein wohlgeordneter Staatsbau kann nur dann auf die Dauer sich Rechnung machen, wenn er in einem sachdienlichen Fundament eine sichere und feste Begründung hat. Eine die Selbstregierung des Volks garan- tirenoe und damit die Volkssouveränität anerkennende, den Bedürfnissen des modernen Lebens an gepaßte Gemeinveverfassung muß als die bedeutungsvollste, ja als die ganz unentbehrliche Basis eines Staatsganzen betrachtet werden.
Eine solche Gemeiudeverfassung ist ein Ausfluß des obersten Prinzips aller Staalskunft: die Geschäfte des Regierens und Verwaltens so wenig als möglich einer kastenmäßig abgeschlossenen Schreiberkaste zu' überantworten und so weit die Einzelnen, Vie Corporationen, die Kreisverbände, die Provinzen ihre Angelegenheiten ohne die lästige Controlle eines dritten selbstthätig und selbstbestimmend ordnen zu lassen, al£ dies ohne Gefährdung der Zwecke, welche die Staatsgewalt als solche zu verfolgen Hat,>rur „nm^hin gestp^ven rann.
Wenn, wie z. B. in der Republik Frankrei ch, eine sich „Staat" nennende bevorzugte Klasse mit großer Strenge sich in die Angelegenheiten mengt, welche nicht solche des Staats, sondern der Einzelnen, der Provinzen, sind, so kann man nicht von „Freiheit" reden, wenn man sich auch des Wortes „Republik"^ in offizieller Weise bedient, und es regiert in diesem Falle die Willkür, nicht aber der vernünftige Gesammtwille. Die jetzige französische Republik ist ein Staatskörper, dessen Füße von Glas sind und so solltet ihr ench denn auch gar nicht so sehr darüber wundern, wenn diese Republik mit ihren schwachen Füßen, mit ihrem grundschlechten Fundament, mit ihrer Starrheit und Unbeweglichkeit eines Tags mit Leichtigkeit von einer frechen Invasion oder einer verräthenschen royalistischen Jn- trigue umgestoßen wird. Selv-SSovernemeiit! das ist die Losung der freien Männer Amerika's, das muß, wenn Deutschland gesunden soll, die Losung der Germanen sein. Bauen wir also jetzt getrosten Mnthev
Kerkerbriefe von Kinkel.
V.
Spandau, 9. Juni 1850.
__- Und so bin ich im Ganzen ruhiger als im vorigen Winter. Doch kommen dunkle Stunden, in denen ich mir wohl wünschen möchte, auf dem Rheinauer Friedhofe bei Rastatt zu ruhen, das kühle Blei in der heißen Stirn und bein wallenden Herzen. Sollt ich im Kerker sterben, so laß sie meinen Leib zerschneiden oder vergraben wie sie wollen. Aber mein Herz —
--DaS zerbrochene Saitenspiel
Das soll nicht modern im märkischen Sand, DâS sehnt sich nach seiner Wieg', Mein Herz soll ruhen im Vaterland, Im Winde der blauen Sieg.
Du kennst ja den Kirchhof in Holzlahr(K.'s Geburtsort) —
Ein Dörfchen kenn' ich am Waldessaum, Geschützt vor dem nordischen Wind;
Da blüht noch jedes Jahr der Baum,
Bei dem ich gespielt als Kind^
So stille, so still! Durch den brüchigen Zaun Schlüpft Nachtâ vom Busche das Wild, Und sorglos weidet's beim Morgengraun DaS Gras ans dem Gräbergefild.
Die Merle schlägt aus dem Kirschbaiim>or1 Und der Fink aus dem Haselgesträuch!
O Wald und Wild ! du traulicher Ort,
Hier will ich ruhen bei euch.
Aber
Ich könnte Dir die Verse wohl alle schicken, ich weiß nicht, ob dann nicht das Gedicht schuld wüidc, daß der Brief nicht abginge, und lasse es also bei jenen Fetzen! — —
den Unterbau, der noch nicht so sehr von den rauhen Stünuen unterwühlt ist, welche, von Sibirien's Gefilden auf das arme Vaterland wie nie zuvor herab- strömend, in Deutschland aller Orten die Frcihcits- keime zu ertödten suchen, daneben aber auch die deutschen Königsstühle uns voll und klar in ihrer nackten Armuth und trostlosen Morschheit zeigen.
Der Wahlspruch der Demokratie ist nicht: „Legt die Hände in den Schoß und seht zu,' wie euch das Glück hin einfällt", sondern: Schaffet, schaffet, und nbt euch unablässig in allen Tugenden, die den Bürger schmücken und den Menschen zu einem würdigen Genossen der Menschheit machen. Wenn ihr, Bürger von Nassau, nicht mit Ausdauer und Beharrlichkeit das Institut der Geschworenen und das Nassauische Gemeindegesetz umfasset, so wird man euch kiese zwei mächtigen Bollwerke der Freiheit entreißen, und ihr werdet einst, aber zu spät, eurem Leichtsinn und eurer Faulheit fluchen. Schon lauert die Arglist, welcher jede Völkerbefreiung ein Greuel ist, um die verruchte Hand zur Zertrünimeruug des Gemeinoege- setzes auszustrecken; schon läßt bureaukratische Borni'rt« heit die Worte ertönen: „daS Volk ist noch nicht reif; es kann sich nicht regieren, wenn wir ihm freie Haud lassen"; nicht bedenkend, daß das schmächtige Eichen- stämmchen nicht bereis nach einem Jahr als stolzer König der Wälder sein Haupt in den Lüften wiegt, nicht erwägend, daß der nie ein wackerer Schwimmer wird, welcher Anstand nimmt, selbstvertrauenv und jede Hülfe verschmähend, sich in die Blüthen zu stürzen. llnv^däru^ die'^Gemeindeverfassung: es hat auch darin ein Mittel, um sich politisch auszubilde n und für das volle Begreifen der sozialen und staatlichen Fragen vorzubereiten. Beredsamkeit, Takt, Gemeinsinn, Aufopferung, Muth, Ehrlichkeit können ganz besonders in einem freien Gemeinwesen gepflegt und zur schönen Blüthe gebracht werden. z
Glaubt ja nicht, weil die Demokratie, d. h. man sage was man wolle, das Volk in seiner ungeheuren Majorität, nicht für jene Augustinerkirche in Erfurt gewählt hat, wolle die Demokratie ein für allemal abwarten , bis ihr die gebratenen Tauben in den Mund geflogen kämen. Nach Erfurt haben die Demokraten nicht gewählt, weil sie nicht Lust hatten, sich mit andern Narren in ein Narrenhaus el »sperren zu lassen und weil sie das heilige Andenken an die Revolution und das Parlament nicht durch ein Eingehen auf den Aberwitz derer, die wir als die wahren Feinde der Nation betrachten, schänden wollten.
Die Demokratie handelt überall, wo ein
Bonn, im November. Zwei Briefe von Gottfried Kinkel sind eingetroffen, einer an feine Gattin, per andere an die Eltern seines Befreiers. Kinkel selbst wünscht, daß seine Worte verbreitet werden, deshalb möge die Hauptsache seiner Mittheilungen hier ihre SteUcfinden. .
„Ja, es ist wahr!" schreibt er in seinen Briefen, datirt „An der See im November"; „ja, es iß wahr! Karl (Schurz) hat eine Treue bewiesen an mir, die ich ihm selber schwerlich jemals abverdienen kaun. Sem Muth, feine Ausdauer und Klugheit haben ein Wunderwerk vollendet, und ich verdanke ihm im vollen Smne die Rettung meines Lebens, das bei einer so harten Behandlung täglich mehr in Gefahr kam Auf was für Art dies Alles geschehen und wie wunderbar es bisher gelungeu ist, das sann und darf ich Ihnen heute noch nicht schriftlich erzählen....... âLH mich betrifft, so ist Karl noch gerade zur rechten Zeit gekommen, denn noch befinde ich mich ganz gesund, uno meine Getreuen in Bonn würden auch bald merken, wenn sie mich mit Karl reden und spaßen hörten, paß ich das fröhlich rheinische Herz in der harten Einsamkeit noch immer nicht verloren habe. Sagen sie das allen denen, die in Bonn und in der Umgegend unserer alten schönen Fahne treu geblieben sind; sagen Sie es ihnen, daß ich noch der Alte bin, und es zu bleiben gedenke, bis ich für all die Liebe, Theilnahme und Treue, welche so viele wackere Männer auf mich während meines Leidens gewandt haben, dadurch danken kann, daß ich alle meine Kräfte in den Dienst des Vaterlandes stelle. Denn ob i ich wohl auch in der tiefen Gefängnißnacht vielmals auch
Haudeln ^”? Aufgebung der Ehre möglich sie muß auch handeln, rührig handeln, bei den letzlgen Wahlen, die die Gemeindeverfassung vorschreibt. Hort nicht auf die Stimme derer, die euch immer sagen:' „es hilft doch nichts." Die so sprechen, imovald Verrather, bald sinb's verdorbene W-ichlMge, jeder Thatkraft unfähig, bald sind es Tyoren, deren blödeS Aug nicht in eine geweihte Heilige Zukunft zu dringen vermag. Beherziget ja, daß die Freiheit nicht eine Braut ist, die man für immer erringt in einem stür- mi|$en Andrang, sondern eine solche, die unverdrossenes Ausharren und jene Festigkeit in Wiverwä-- tigkerten, welche die Krone aller Männertugenden ist, unerbittlich begehrt. Was euch geboten ist, gebraucht, und hütet euch, daß nicht Eure Enkel daS Andenken an Euch, als das an faule Knechte, die die Geißel verdienten, die sie schlug und schlägt, ver. wünschen und seid des großen Dichters eingedenk, der euch zuruft:
„DaS ist der Wahrheit letzter Schluß, Nur der verdient die Freiheit und'das Leben, Der täglich sie erobern muß."
^ a s fa u i sch < r Landtag.
// Wiesbaden. (Sitzung vom 6. Decbr.) v. Witt^tngerode übergibt die 8to^>t.,^;w. ^chEWkâmmer. Braun hält die frühe Prüfung und Festsetzung der Budgets zwar für zweckmäßig, ist aber der Ansicht, daß der Kammer gar nicht das Recht zustehe, die 1851er Budgets zu prüfen. Das Ministerium könne den Zweck der frühen Prüfung sehr wohl erreichen, wenn es sofort die Wahlen pro 1851 auS- schreibe und die gewählten Abgeordneten gleich nach Neujahr einberufe. Er stellt deshalb den Antrag, die Kammer möge die Budgets pro 1851 dem Ministerium zurückgeben. V. Wintzingerode: Schon seit 1818 sei es geschehen, daß ein früherer Landtag später statt- zufindende Ausgaben verwilligt habe. Die Competenz dieses Landtags dauere bis zum 1. Mai 1851, uno da nach der Codifikation die Budgets spätestens bis Ende März festgesetzt sein mußten, so würde dieselben jedenfalls der jetzige Landtag noch prüfen müssen. Diese frühe Prüfung trage wesentlich zur Bedienung deS Staatshaushaltes bei. Braun: Gerade die Bestim. mung, welche die Prüfn g der Budgets vor Ende März vorschreibe, spreche für "seine Ansicht. Daraus gehe her vor, daß die neue Kammer vor Mär; ein berufen wer-
nur einen Augenblick am Siege unserer Bestrebungen verzagt bin, sehe ich doch nunmehr mit besonders gewisser Hoffnung in die Zukunft.... Es war eine im Leben einzige Minute, als nun Alles gelungen war, alserzuerstaufder freien Straße mich umarmte, als ich dann nach anderthalb Jahren der Qual, an seine Brust gelehnt, in die rettende Nacht hineinfuhr und zwischen dunkeln märkischen Fichtenwipfelu der Morgen uns Glücklichen Heraufleuch- tete! Der Freiheit, der Thätigkeit, der geliebten Frau und den lebhaften Kindern wieder geschenkt, grenzenlosem Elend entflohen, werde ich erst, — wenn volle Sicherheit in England mich umgiebl und die ganze Ruhe in mein Gemüth einzieht, — vollständig durch- empfinoen, wie viel ich der Treue meiner Partei und vor Allen der meines Freundes schuldig geworden bin! Ich glaube auch, daß er damit gar vielen, vielen Menschen außerdem Freude gemacht hat, denn auch außer den Demokraten haben noch Viele mir ihr Herz innig zugewandt, welche von einer so harten Behandlung empört waren, und diese Alle werden es Karl nicht vergessen, was er an mir gethan hat . . ."
Zur Erklärung nur noch die Bemerkung, daß der oft genannte Befreier, Karl Schurz, ein früherer Bonner Student ist, welcher, Kinkel begleitend, wegen des Zeughaussturmes in Siegburg flüchtig würde, in dem Generatstabe der Pfälzer RevolutiousarMeo wieder 'auftauchte, später in der Schweiz ein sicheres Asyl fand, sich aber durch kein Hinderniß zurück,chre- cken ließ, mit persönlicher Gefahr sich nach Preußen zu begeben, um dort, selbst geächtet, das große Werk der Befreiung zu verfügen unb — glücklich zu vollbringen!