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Fmt Ztilung.

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^§ 287. Wiesbaden. Mittwoch, 4. December IS SV

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Der Orient.

X Während der europäische Westen durch die rus- sischen Umtriebe in der Krisis erhalten und allein mit sich beschäftigt wird, bieten moskowitische Agenten Al­les auf, um im Südosten die Dinge wieder so zu verwir­ren, daß der Czar die Hand auf die Türkei und Grie­chenland legen und Konstantinopel zur dritten Haupt­stadt des Reichs erklären kann. Das auffallende Ge­rücht von des Sultans Vergiftung hatte etwas zu be­deuten. Der Aufstand in der Herzegowina ist allge­mein; auch das kriegerische Albanien erhebt sich in Masse: Diese Völker sind längst schon durch Popen­agitation und russische Geschenke und Gnaden daran gewöhnt, den Czar in St. Petersburg als ihren na­türlichen Beschützer und Gebieter zu betrachten. Dazu kommt, daß schon Metternich die österreichischen Inte­ressen im Oriente geflissentlich vernachlässigte und den Russen eine Konzession nach der andern machte. Die Reformen des jetzigen Sultans sind den Russen ein Gräuel; sie hassen die Aufklärung überall, am Meisten aber in der Türkei. Denn Fortschritt in der Civilisa­tion heißt: Anknüpfung mit dem civilisirten Westen Europas; heißt: Bündniß mit England und Frank­reich; heißt: Bestreben sich der russischen Riesenschlange zu entwinden. Die türkischen Reformer sind aber der dummen alttürkischen Partei ein Dorn im Auge. Diese rohen Barbaren fühlen sich den Russen geistverwandt und sie sind zu kurzsichtig, um zu merken,i daß sie mißbraucht werden und i^r Vooö nach dem Siege über die Aufklärer, an deren Spitze der Sultan steht, nur die Sklaverei unter russischer Knute ist. Die fana­tischen Alttürken haben es dem Großherrn auch nicht verziehen, daß er die Giaurö aus Ungarn so gastlich aufnahm und mehreren derselben hohe Aemter anver­trante. Auch in diesem Haffe begegnen sich ihre Ge­fühle mit den russischen. Dies sind die geheimen Trieb­federn, welche zu den Schauderscenen in Aleppo führ­ten; dies sind auch die Erklärungsgründe der vielen andern Schilderhebungen und Verschwörungen, von de­nen die Blätter jetzt täglich neue Andeutungen bringen. Die Contrerevolution operirt im Osten mit den Der­wischen, wie im Abendlande mit den Jesuiten.

Daß die Erhebungen in Aleppo, Herzegowina, Al­banien u. s. W. keine vereinzelten Unternehmungen sind, wird au ' dem Gesagten erhellen. Bestätigt wird dien' Ansicht durch folgende Nachricht derReichSzeitung" aus Constantinopel vom 9. November:Vorgestern Nacht wurde hier ein der türkischen Regierung bezeich­netes Haus mit Militär besetzt und sämmtliche dann befindlichen Personen, 30 an der Zahl, wurden ver-

Thomas Paine'S Rechte des Menschen,

deutsch von Fr. Hecker.

(Fortsetzung.)

Im nächsten Jahre wurde ein zweiter Versuch ge­macht. Eine Bill, Abgabe auf Glas, Papier, Maler­farben und Thee in den britischen Colonien auflegen zu dürfen, ging bei der verderbten britischen Gesetzge­bung durch, und es wurde in Boston ein Zollamt errichtet. Aufs Neue widersetzten sich die Colonien; man vereinigte sich abermals gegen alle Einfuhr; ganze Ladungen eben angekommener Güter wurden nach England zurückge- sandt das Ministerium mußte nachgebcu und hob die Abgaben mit Ausnahme des Zolls vom Tyee auf. Dieser Vorbehalt des in Abrede gestellten Rechts war natürlich gerade das Gefährlichste. Demzufolge wurde aller Gebrauch von Thee, den geschmuggelten ausge. nommen, schlechterdings verboten, und zwar dergestalt, . daß sich der Theevorrath in den Waarenhäusern der Ostindischen Compagnie bis zu siebzehn Millionen Pfund anhäuftc. In der Aussicht, die ganze Masse los zu werden, und zugleich dem Ministerium einen Dienst zu thun, hatte die Compagnie den Vorschlag gemacht, ihr den ganzen Zollbetrag für allen nach Amerika erpor- tirten Thee zurückzuvergüten. Die Regierung ging darauf ein, in der Hoffnung, die Coto nisten, welche auf diese Weise ihren Thee wohlfeiler als von den Schmugg-

Haftet. Unter diesen sollen sich zwei Kammerherrn des , Bruders des regierenden Sultans und 6 Derwische be- ' finden. Die eingeleitete Untersuchung soll, wie ich ver­nehme, auf Spuren einer weitverzweigten Verschwö­rung, ausgehend von der höchst fanatischen alttürkischen Partei, geführt haben."

Von der bosnischen Grenze meldet dieAgrümer Zeitung" 19. Nov. Folgendes:Omer Pascha soll sich mit den Insurgenten bereits drei Mal geschlagen haben, und zwar bei Vranduk und Doboi. Da Doboi an der Bosna liegt und Omer Pascha am 12. d. dort lagerte, so müssen sich die Insurgenten über die Bosna zurückgezogen haben. Daß sich die Bosniaken tapfer schlugen, auch den regulären Truppen sechs Kanonen abgenommen, wird von mehreren Seiten bestätigt. Der Verlust der Insurgenten in den drei Gefechten wird auf 600, jener der Truppen auf 1200 Mann angegeben. In der Kraina ist Alles zum Aufstand bereit und es scheint, daß bloß der günstigste Zeitpunkt zur «Erhebung in Masse abgewartet wird. In der vergangenen Woche verlangte der Befehlshaber von Bihar, Hadgy Jakup Bei, die alsbaldige Entrichtung der Steuern für das vergangene Jahr; so sollte die Nahie Buzim 670 Beuteln (1 Beutel = 150 Stück Zw.) die Nahie Ostracac 1200 und jene von Bibac auch 1200 Beutel zahlen; allein die Krainer Türken entsendeten nach Bihace eine Deputation unter Führung des Dizdar von Vranograc und erklärten, daß sie auf keinen Fall die Abgabe entrichten werden, auch wenn der Großherr selbst kommen und es ver­langen würde. Uebrigens werden sie von ihren alten Rechten nicht lassen, und daran ihr Blut, und Leben setzen. Der Miralai berichtete dies sogleich an Omer Paschas, und ersuchte um Verhaltungsbefehle. Soeben verlautet, daß am 16. d. bei einer Berathung zu Zasiu die Häupter der Krainer beschlossen haben, alles Wehrhafte aufzubieten, und gegen Tusla zu ziehen, um sich dort mit den Insurgenten zu vereinigen und Omer Pascha's Truppen mit einem Schlage zu ver­nichten. Die Bewohner von Bihac verhalten sich bis nun noch ruhig.

Nachschrift. Die Krainaer Türken ziehen seit gestern gegen,Tusla. Der Aufstand in der Herzegovina ist allgemein und auch Albanien soll sich erhoben haben. Die Bevölkerung von Nov-Pazar ist ebenfalls aufge­standen, vertrieb den dortigen Befehlshaber Jusup Bei, besetzte die aus Makedonien und Rumelien nach Bos­nien führenden Engpässe und verwehrt nun den aus Rumelien kommenden Truppen den Einmarsch in Bosnien,"

Ferner meldet derWanderer":In den asiatischen

lern kaufen könnten, würden ihre patriotischen Skrupel dem Gewinn opfern. Sie kannte aber ihre Leute nicht, diese Abkömmlinge jener starren Sektirer, welche um des Glaubens willen ihr Vaterland verlassen hatten, um in den transatlantischen Wildnissen sich eine Hei- math zu suchen, Sämmtliche Staaten faßten gemein­samen Beschluß, daß wer zum Landen oder Verkaufen des erwarteten Thees irgend hilfreiche Hand leisten würde, als ein Feind des Landes angesehen werden sollte, und es wurden Comites niedergesetzt, um von den Agenten der Ostindischen Compagnie die Nieder- lcgnng ihrer Agentschaften zu verlangen. Diesem An­sinnen wurde überall entsprochen, nur in Massachusetts nicht, wo die Agenten, im Vertrauen auf den Schutz einer starken Militärmacht, die in Boston lag, sich ent­schlossen, ihre Ladung zu löschen und een Verkauf der verbotenen Waare zu versuchen. Die Tyeeschiffe lagen im Hafen, bereit ihre Fracht an das Land zu bringen, als die Patrioten mit Gewalt in die <--wisse drangen und die Theeklsten in das Wasser auèmt^i. Groß war die Freude des übelwollenden, bcihörten Ministeriums über diesenFrevel". Unverzüglich hob das britische Parlament das Privilegium von Boston aus, erklärte, daß diese Stadt nicht langer mehr ein Hafen sei, und verbot,das Landen und Ausladen, Laden und Ver­schiffen von Gütern, Waaren und Kaufmaunsartlkeln in besagter Stadt Boston oder innerhalb ihres Hafens." Dies war im Anfang des Jahres 1774. General

Provinzen beginnen sehr bedenkliche Symptome der Aufregung aufzutauchen. Der Geist des Aufruhrs hat vorzüglich die Paschaliks von Suleimania und von Bagdad ergriffen. Bedeutende Streitkräfte sind nach Alexandrien eingesendet worden, welche sich von dort nach Aleppo oder Damascus je nach Bedürfniß bege­ben sollen; auch ist ein Courier nach Harpont abge­gangen, welcher dem Muschier der anatolischen Armee den Befehl überbringt, mit seinen Truppen nach Sule:- mania zu marschiren und seine Bewegungen mit jenen der Corps von Irak und Arabistan in Verbindung zu setzen. Ueber das zweideutige Benehmen des Pascha von Alleppo, Sarif Mustafa Pascha, welcher während der furchtbaren Katastrophe vom 17. v. M. mit seinen Truppen aus der Stadt gezogen ist, den Rebellen freie Hand gelassen und gleichgültig ihrem Morden und Plündern zugesehen hat, herrscht im Divan die höchste Entrüstung und veranlaßte die strengsten Maßregeln. Vorläufig ist Mehemed Pascha an seine Stelle ernannt worden: es ist derselbe, welcher auS Veranlassung des Prozesses seiner Gattin hierher von seinem Londoner Gesandtschaftsposten gekommen ist. Eine bedeutende Streitmacht ist mittelst Dampfschissen direkt nach Aleppo abgegangen, die Provinz wird in Belagerungszustand erklärt und eine Untersuchungskommissiou den Thatbe­stand erheben; ein abschreckendes Beispiel soll gegeben werden."

Das nächste Frühjahr wird uns jedenfalls wichtige Ereignisse aus dem Osten bringen, wenn es England und Frankreich nicht noch einmal wieder gelingt, den russischen Umtrieben ein Halt zuzurufen.

Mittags. In einem Hanvelsbriefe aus Smyrna vom 19. November an ein Nürnberger Handelshans wird laut deinNürnb. Cour." bestätigt, daß die re­gulären Truppen von Damask und Balbeck Aleppo nach dreitägigem Bombardement genommen haben. Zwei türkische Stadttheile sind der Erde gleich gemacht, die Jnsurgentenhäupter theils gefallen, theils gefangen genommen. Von den Insurgenten blieben an 3000 auf dem Kampfplatze, dagegen betrug der Verlust der Regulären kaum 100 Mann. Dies erklärt sich durch die Führung derselben: General Guyon hat sich wie­der dabei Lorbeern errungen. Bem ist jetzt zum Gou­verneur von Aleppo ernannt.

Aus Kurhessen.

* Der Kurfürst ist zur Heimkehr nach Kassel ge­rüstet; er wartet nur noch auf die Erfolge der preu­ßischen Agitation, die jetzt durch die Sendboten Herrn von Delbrück, Preuß, interimistischer Geschäftsträger,

Gage wurde mit einer Waffenmacht als Gouverneur von Massachusetts hingesandt, und bald kündigte er seine Absicht an, den Gouverneursitz nach Salem zu verlegen, um die rebellischen Bürger von Boston zu Grunde zu richten. Augenblicks fiel in der verurtheil- ten Stadt der Werth deS Eigenthums auf eine schreck­liche Weise, Häuser und Waarenlager wurden ausge­räumt und verlassen, die Quais wurden leer, Stille herrschte auf den Werften, und Tausende von Arbeitern liefen ohne Beschäftigung auf den Straßen umher. Man hörte laute Verwünschungen gegen den Beschluß des britischen Parlaments - aber nicht das geringste Murren gegen die demokratischen Führer Von allent­halben her liefen Beisteuern zur Unterstützung der Be­dürftigen ein, in allen Städten sämmtlicher Provinzen wurden öffentliche Meetings gehalten, in welchen man beschloß, gemeinschaftliche Sache mit den zum Unter­gang bestimmten Bürgern von Massachusetts zu machen und Dankadressen an die Männer von Boston abgehen zu lassen; die Bewohner von Marble Head boten den Bostoner Kaufleuten ihre Waarenhäuser an, und die von Salem erklärten feierlich in einer Adresse an den Gouverneur,sie dächten nicht entfernt daran, sich irgend einen Vortheil zu Nutz zu machen, oder irgend einen Gewinn aus dem Ruin mißhandelter Landsleute zu ziehen." Alle Vorkehrungen des Gouverneurs schei­terten fortwährend an der Klugheit und Einhelligkeit der Patrioten. In Uebereinstimmung mit dem Gesetze