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Wie^- baden. Donnerstag, 28. Zrovember

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Dirjg r e i e Bettung" erscheint, mit Ausnahme deâ Montags, täglich in <tnem Bogen. Der AdonnementSpretS wärts durch die Post bezogen mit verhältntßmäßigein Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der samcm Erfolge. Die Jnserationâgedühren betragen für die vterspaltige Petttzrtle 3 Kreuzer.

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Die Gemeinderaths - und Kreisraths- wnhien.

/X Dillenburg, 25. Nov. Der hiesige Verein zur Wahrung der Volksrechte, früher unter dem Vor­sitze des Herrn Prorektor Dr. Rossel, dann unter dem Vorsitz des Herrn Prokurators Braun, (welcher indeß leider durch seine ausgedehnte Anwaltschaft und seine Eigenschaft als Abgeordneter zum Landtag ihm seine Kräfte nur wenig widmen konnte), bestehend, hat aus Veranlassung der bevorstehenden Gemeinde- raths- und Kreisrathswahlen eine Ansprache an seine Mitbürger erlassen. Da dieNass. Allg. Ztg." schon durch mehrere größere Artikel für diese Wahlen in ihrem Sinnegewählt" hat, so dürfte es der Sach­lage entsprechen, wenn wir diese Ansprache, die von dem entgegengesetzten Standpunkte, dem demokratischen, ausgeht, allen Leseren derFreien Ztg." zur Beher­zigung vorlegen. Sie lautet:

Mitbürger! Nach dem Gesetze soll alle zwei Jahre die Hälfte des Gemeinderaths austreten, und die Neuwahl in der Zeit vom 1. bis 15. Decem­ber stattfinden. Für den Kreisbezirksrath aber sollen die Urwahlen in der letzten Hälfte des Monats December, und die Wahlen zum Bezirksrath selbst in der ersten Hälfte des Monats Januar geschehen. Diese Zeitpunkte find nahe hcrangekommen, es sei daher ge­stattet, bei diesem Anlasse ein mahnendes Wort an euch zu richten. Wir Alle erinnern uns, unter wel­cher strengen Vormundschaft die Gemeinden bis zum Jahre 1848 gehalten wurden. Zu den Bedürfnissen und Forderungen, welche damals in dem deutschen Volke überall um so dringender hervortraten, je län­ger deren Befriedigung hingehalten worden war, ge- Porte vorzüglich auch eine freie und selbständige Gemeindeverfassung. In der Proklamation des Herzogs von Nassau vom 5. März 1848 wurde eine solche zugesaqt, und mit Zustimmung des Landtags endlich am 12. December 1848 das Gesetz über die Verfassung und Verwaltung der Gemeinden verkündigt. Mit dem 1. Januar 1849 trat dasselbe in das Leben ein, und schon lassen sich lauter und lauter die Stim­men derjenigen vernehmen, welche sich in der Däm­merung und in der Nacht wohler fühlen als im Lichte des Tages, und die da wähnen, die Zeit zur Herstel­lung des Alten auch in dieser Beziehung sei wieder gekommen Sie sprechen es geradezu aus: das Volk sei nicht reif, wie für die Freiheit im Allgemeinen, so insbesondere auch für eine stete Gemeindfverfassung; die frühere Aussicht der Oberbehörde müsse wieder her­gestellt/ und denselben namentlich die Befugniß der (Ernennung der Bürgermeister auf Lebenszeit zunickgegeben werden! , ,

Mitbürger! Beweisen wir durch die That, daß dies nur die Jrreden oder böswilligen Verläumdungen solcher sind, die das Volk verkennen, und die nicht wis­

Englands Handel.

Einem Berichte des deutschen Handelshau­ses Suse und Sibeth in London entnehmen wir folgende Data:Wir müssen aufs Neue den günstigen Stand hervorheben, in welchem unser Land sich jetzt und schon seit einigen Jahren befindet, in Folge der Freihandels Gesetze, die nach und nach in den letzten

Jahren ins Leben getreten sind. Wir sehen nun nicht allein das, was früher in Aussicht gestellt wurde, sondern selbst noch mehr. Unsere Fabriken, die für die Millionen" arbeiten, haben eine Ausdehnung ge­wonnen, welche häufig die Jnkonvenienz mit sich führt, daß nicht rohe Stoffe genug vorhanden sind, um l-c vollkommen zu beschäftigen. Daß dieses mit Baum­wolle der Fall ist, ist bekannt genug. Unsere >wist- Mühlen gebrauchen nun jährlich über sechs Hundert Millionen Pfund, wofür wir dem Auslande me>- stens den Vereinigten Staaten von Nordamerika an 18,000,000 Pfd. St. zahlen müssen, und in diesem Jahre konnte jenes große Quantum nicht herbelgeschaßt werden, ohne eine Erhöhung der Preise von etwa 40 Procent gegen den Durchschnittswerth des vorigen A 849) Jahres und von 75 bis 100 Procent gegen 1848 Da nun aber die Frage über die Zufuhr von Lebensmitteln durch Aufhebung fast aller Zölle besei­tigt ist und man sich überzeugt hat, daß die ganze Welt uns offen steht und sie auch bereit ist, uns mit

sen,, welche Uhr die Zeit geschlagen hat! Mö­gen Fehlgriffe stattgefunden haben, wir werden sie ver­bessern, aber nicht in dem Sinne jener Dunkelmänner, sondern in dem Geiste der Selbstständigkeit und eines freien Bürgerthums. Mag noch nicht alles Wün- schenswerthe erreicht sein; aber welcher Billige verlangt auch, daß irgend ein menschliches Werk schon bei dem ersten Versuche der Ausführung vollkommen sei? Und dürfen wir wohl fragen wann wurde denn mehr zum wirklichen Schaven der Gemeindegliever gefehlt, früher oder fe^t? Wir glauben zuversichtlich behaup­ten zu dürfen, daß eine gerechte Abwägung nicht zum Nachtheile der neueren Zeit ausfallen wird. Ja, die großen Grundsätze der Selbst regiern n g und G l e i ch- berechtigung, welche das Jahrhundert bewegen, durchdringen auch uns, sie sind mit uns geboren, und keine irdische Macht vermag sie aus unsern Herzen zu reißen; wir selbst vermöchten es nicht, wenn wir anch wollten. Wie der Einzelne Herr sein soll in seinem Hause, so soll die Gemeinde Heer sein in ihren Ge­meindeangelegenheiten; und wie für die Angelegenheiten des Kreises der Kcetsbezirksrath bestellt ist, so soll endlich die Landesvertretung die gemeinsamen Angelegenheiten des ganzen Landes ordnen. An uns ist es nun, von den gesetzlichen Rechten vollen Gebrauch zu machen. Niemanden ist eS erlaubt, sich in das-Schneckenhaus der Ruhe zurückzuziehen, und zu denken: eS wird auch ohne mich schon gehen. Nein, es geht nicht, auf jeden Einzelnen kommt es an! Die Freiheit ist das Brod, das jeden Tag von Neuem im Schweiße des Angesichts verdient sein will, wenn eS nicht verloren gehen soll. Zum Ge­nießen allein ist Niemand geboren, am Wenigsten in einer Zeit zwischen dem Einstürze des Alten und dem Baue des Neuen. Baut sich auch ein Haus von selbst, wenn nicht Hände da sind für die Bausteine oder, waS nützt selbst das fertige Zimmer, wenn nicht der Ei­genthümer hinein geht, um darin zu wohnen?

Und welche wichtige Rechte sind es, die in die Hände unserer Gemeindevertreter gelegt sind, wie sehr hängt von ihrer Einsicht und ihrem Willen unser eig­nes Wohl und Wehe ab! Sie berathen und beschließen über Alles, was auf die Verwaltung und Verwendung des Gemeindevermögens Bezug' hat, über die Anstellung und den Gehalt des Gemeindepersonals, über Ortspoli­zeisachen, über Bürgeraufnahmen und über die Ernen­nung zu FeldgcrichtSfchöffen, soweit nicht dabei die Zu­stimmung der Gemeinde oder gesetzlich bestimmter Staats­behörden erforderlich ist. Hat man früher zur Zeit der Bevormundung der Gemeinden vorzüglich die finan­ziellen Erfolge des Haushaltes gerühmt, so hüten wir uns ja, daß wir durch das Gegentheil Gelegenheit geben, die S e l b st v e r w a l t u n g der Gemeinden zu verdächtigen. Die Mitglieder des Gemeinderaths sind es, welche die Rechte, die Ehre und die Würde der ganzen Ge­meinde nach allen Seiten hin zu wahren, welche mit Festigkeit allen Uebergriffen entgegen zu

Brod , Korn und andern Gegenständen zu versorgen, so wird mehr Aufmerksamkeit gerichtet auf den einhei­mischen Anbau solcher Gegenstände, die vermuthlich eine dauernd höhere Land-Rente zahlen als der Wai- zenbau es bisher gethan hat. Der neue Gegenstand des Anbaus, auf den nun viele Aufmerksamkeit ver­wandt wird, ist Flachs. Man wird sich erinnern, daß im Anfänge dieses Jahrhunderts eine Prämie von einer Million Franken, die man vergebens in gratis reich bot, nicht hinreichte, um das Spinnen des Flach­ses durch Maschinen zu erfinden, bis 2) Jahre darauf hier diese Kunst ohne Prämie erfunden wurde und seit­dem in voller Kraft und Wirksamkeit ist. Seitdem hat die Natur der ^Flachs-Fiber" der Anwendung die­ses Produkts für solche Gegenstände entgegen gestanden, für welche die Zartheit und Weichheit der Seide und Baumwolle bisher nur allein auSreichen konnten. Flachs aber ist das Produkt nicht allein dieses Landes, sondern vieler andern Länder in Europa. In Irland wird sehr viel gewonnen und in England auch; beson­ders in Yorkshire. Wir glauben, daß die emhemuiche Produktion über 2,000,000 Centner beträgt, und das Ausland führt uns jährlich etwa 1,500,000 Centner zu. Die Total-Verarbeitung von Flachs aho ist jähr­lich vielleicht nicht viel weniger als vierhundert Millio­nen Pfund, oder zwei Dritttherle von der von Baum­wolle Wichtiger jedoch als die Vermehrung des An­baus von Flachs ist die Verbesserung der Qualität

beträgt v i»rt«ljâhrtg hier in Wiesbaden 1 ft. 45 am- großen Verbreitung derFreien Bettung" fiets von - treten haben, möge sie auch von Seiten des Kreis- amtes oder einer andern Behörde Herkommen. Ver­gessen wir auch nicht, welch bedeutender Einfluß in Bezug auf die Bildung der Schwurgerichte dem Gemeinderathe zusteht, indem er es ist, welcher (in der letzten Hälfte des Novembers) aus sämmtlichen Ge­meindebürgern die Liste derjenigen ausgestellt, aus wel­chen von dem Wahlausschüsse demnächst die Kandidaten zum Geschwornenamte gewählt werden.

Wahrlich, die Trägheit des Einzelnen versündigt sich an dem Ganzen. Wen aber die Rücksicht auf das gemeine Beste nicht rührt, der bedenke wenigstens, in welchem nahen Zusammenhänge die Befugnisse des Gemeinde- und Kreisbezirksrathes mit seinem Geld­beutel stehen! Ist dieß Alles schon in gewöhnlichen Zeiten der Fall, so gilt es in noch viel höherem Maße in Tagen, in welchen sich kaum sagen läßt, ob nicht schon in den nächsten Wochen oder Monaten der Krieg entbrannt sein wird, wenn man überhaupt noch unsern jetzigen Zustand einen Zustand des Friedens nennen kann, und in Tagen, in welchen die un­versöhnlichen Feinde einer menschheitlichern Gestaltung des Staatslebens, unter Anführung Rußlands, immer hastiger nnd wüthender alles Errungene ilnS wieder zu entreißen trachten Jinnier höher steigt in Deutschland, in Europa die Fluth, welche hinwegge- schwemmte Verheißungen, Volksvertretungen und Ver- faffungen mit sich führt. Immer drohender wird die Gefahr der einbrechende asiatische Barbarei, und immer naher drängt sich die Besorgniß heran, daß der Rhein abermals die Pferde der Kosaken tränken solle. Halten wir daher fest, daß die Gewalt nicht auch die letzten Dämme durchbreche!

Wählen wir Alle, Keiner bleibe zurück, für den die neue Gesetzgebung wirklich vorhanden ist. Hier ist Ge­legenheit für einen Jeden unter uns, sein Recht geltend zu machen, für den Neichen, wie für den Arinen, tr) sen Stimme hier gerade so viel gilt, als die nneöjctüTi Andern. Nicht die Rücksicht auf Besitzthum oder Be­schäftigung sei uns entscheidend; denn wir wählen nicht zur Vertretung einseitiger Interessen. Wählen wir freisinnige, unerschrockene, gewiffenhafte Männer, di? entschlossen sind, unsern Rechten nichts zu vergeben uns ungebührliche Anmaßungen, wo immer her sie kommen mögen, in ihre Schranken zurückznweisen, Männer, die nicht den Versuchungen des Eigennutzes unterliege!, Männer, die in Sachen der Religion vor Allem auf das Rechtthun halten, und in Sachen der Politik es als ihre heiligste Pflicht erkennen, überall die Volk, rechte zu wahren, Männer, die, was sie sind, gan; sind, keine Schaukelmänner und Dämmervögel, Männer von hellem Kopfe, warmem Herzen und festein Willen, die, wie die Zeiten auch kommen mögen, nur nach dem Rechte und dem allgemeinen Wohle fragen! Der Verein zur Wahrung der Volks- rechte."

und Bereitung, ehe er in die Hände des Fabrikan­ten kommt. Nach vielen vergeblichen Versuchen har man endlich in dieser Kunst große Fortschritte gemacht, und, wie es häufig bei ähnlichen Gelegenheiteu vor­kam, haben auch in diesem Falle Ausländer, nament­lich Deusche, Schweizer und Franzosen, mit ihrem bekannten wissenschaftlichen Forschungsgeist darin treff­liche Dinge geleistet. Schon zeigt man Proben von Flachs, der für dieselben Zwecke verwandt werden kann, wofür bisher nur Seide und Baumwolle gingen. Bel­gien führte uns bisher den am Sorgfältigsten bereiteten Flachs zu; man hofft ihn hier künftig noch bester liefern zu können und zwar in großen Massen. That­kraft und Kapital treten nun hervor, um den neuen Entdeckungen Umfang und Ausdehnung zu geben. Schon spricht man von einerJoint-Stock -Compagnie", die in Irland ein Terrain von 100,000 Acres zum Flachs- bai? bearbeiten soll. Man hat bisher gerechnet, Daß Ein Acre vier Centner Flachs produzire, aber man erwartet künftig eine größere Produktion, und da der Werth des gewöhnlichen russischen Flachses an 40, per Centner ist, so kann man leicht beurtheilen, wie günstig der Flachsbau für unsere Land-Eigener siä> ausweise« werde, wenn gemäßigte Erwartungen in Erfüllung gehen. Anstatt also dem Auslande Geld für Flachs zu zahlen, werden wir dafür künftig we­niger aber für Brod mehr zahlen, und innerer Land- Eigener werden ohne Weitzenbau eine höhere Land-