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^ 277. WieSbade«. Freitag, 22. November

Dt« ,/Freie Zeitung" erscheint, mit luönaome des Montags, täglich in einem Bogen. - Der AdonnemenlSpreiS beträgt vteet.ltädrig -ter in Wiesbaden 1 ft 45 fr aud. wârtS durch die Post bezogen mit verhâltnißmäßigein Anfschiage. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Berdrettuna derKreien itltuaa" kets von miw. samem Erfolge. Die JaserättonSgedüpren betragen für die Vierspaltig» Petttzetle 3 Kreuzer.

Die Politik des Verfalls.

$ DerBundestag" ist vom Selbstherrscher aller Reußen offiziell anerkannt und von Wien aus ist wie­derholt angedeutet worden, daß Frankreich und Eng­land diesem Beispiele bald nachfolgen würden. Jener Schritt der russischen Diplomatie war hauptsächlich auf Provozirung dieser baldigen Nachfolge berechnet. Seit einigen Tagen ist es jedoch wohl deutlich genug geworden, daß England wenig Zuneigung und Ver- trauen zn dem aufgefärbten alten Babel in der Eschen­heimer Gasse hat und daß Frankreich gleichfalls eine zuwartende Politik beobachtet, wohl um nach Beilegung des Streits zwischen Berlin und Wien dennoch zu thun, was die Contrerevolution befiehlt. Aber was kann es selbst bedeuten, wenn der Präsident der Republik Frank­reich einen Gesandten bei dem k. k. Bundestage akkre- bitirt? Bei der nächsten Wendung der Dinge wird die französische Nation sich ja doch nothwendig gegen ein Institut kehren müssen, das zur Anerkennung der Verträge von 1815 wiederhergestellt ist. Denn so­bald diese in Europa nach wie vor höchste Norm sein sollen, so ist kein Grund vorhanden, daß nicht auch Frankreich gezwungen werde, dem Grafen Chainbord wieder den Thron von Gottes Gnaden einzuräumen. Sollten die französischen Politiker so beschränkt sein, dies nicht einzusehen? Und England? Könnte eine Whigregierung so alle ihre Prinzipien mit Füßen tre­ten, daß sie für die Wiederherstellung des nackten Ab­solutismus intriguirte? England pflegt vollbrachte Thatsachen anzuerkennen; doch derBundestag" ist noch kein wirkliches fait accompli, so lange noch eine deutsche Regierung denselben nicht anerkannt und be° Mn hat.

Zwar renommirt Fürst Schwarzenberg gewaltig, denn die großen Worte sind spottwohlfeil, aber ein Krieg kostet Geld. Hätte Oesterreich so viel Geld im Beutel, als es Geldnoth hat, so sähen sich die Truppenbewegungen ganz anders an. Von Preußen wis­sen wir, daß es die 18 Millionen längst vollständig verausgabt und vielleicht heute schon das Doppelte mehr gebraucht hat. Es kommt also zuletzt doch Al­les auf die Börseubarone an. Aber ist denn über die neuesten Wirren in den deutschen Landen Freude in London und Paris? Sind die Fonds Mr nicht sehr rnerklich gefallen, und in England alle Geschäfte mit auswärtigen Papieren im Stocken? Mache inan sich doch keine Illusionen! Wenn es der konstitutionellen Partei in Deutschland nicht gelingt, dieMärzerrun­genschaften" wenigstens zu retten, so darf sie sich dar­auf verlassen, daß sie die Zeche in blankem Gelde wird zahlen müssen. Denn nicht ohne Grund sind gewisse Regierungen auf Landstände und Presse so er- boßt: sind diese vernichtet, so wird die Rechnung ohne Kontrolle bezahlt werden müssen; und wer wird sie zählen? Wer Geld hat also vor Allem die Bour-

Lisbeth und Katherine oder belehrende Weibergespräche über religiöse Freiheit.

Viertes Gespräch.

(Fortsetzung.) Katherine, weiter fortfahrend:

Aber wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharnsaer, ihr Heuchler! die ihr die Häuser der Wittwen ver­schlinget, unter dem Vorwand, daß ihr lange betet, darum wird über euch eine strenge Verurtheilung er­gehen. (Leescht das emol, ihr Paffe, un ihr mußt euch schäme! Woher hat ihr dann euer Reichthum? Denkt emol an die Klöschter und Güter! Hatt ihr euer Reichthum nitt erschliche un vor e bisge Seligkeitsver- spreche die Kinner un die Erben um ihr Vermöge ge­bracht? Wo kann es noch für euch e Himmelreich gewe. Das muß e sauber Himmelreich sein, wo ihr hinkommt. Als weiter!) Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pfarrisäer, ihr Heuchler! die ihr zu Wasser und zu Land umherziehet, um einen neuen Glaubensgenossen zu machen, und wenn er es geworden, so machet ihr ein zweimal ärgeres Höllenkind aus ihm, als ihr selber seid. (Das is sehr natürlich. Sie wisse un kenne ihre Lühe, wannse awer annern unwissende Mensche ihre Lühe vor Wahrheite ufgebunne hawc un thue bet Berluscht der Seligkeit gedroht hawe, wann sie davon

geoisie und die bürgerlichen und bäuerlichen Grundbe­sitzer? Um dies einzusehen, braucht man doch wahr­lich kein Salomo an Weisheit zu sein. Warum sind denn z. B. der Kurfürst und der Großherzog von Hes­sen so eingenommen für Hassenpflug und Dalwigk? Etwa weil sie dieselben für geniale Staatsmänner halten?

Oder haben wir nicht ost genug in sonst sehr kon­servativen Blattern allerlei von gewissen klingenden Gründen gelesen? Ist es widerrufen worden, daß der Kurfürst von der Union seine Civillistenideen garantirt haben wollte und daß er ins österreichische Lager über­ging, sobald er in Berlin die gewünschte Garantie nicht erhielt? Ist es widerrufen worden, baß man zu Darmstadt in peinlicher Krebitnoth stehe? Es ist dem Politiker, der Prinzipien hat und für Prinzipien kämpft, allerdings oft schwer, zu glauben, daß die Politik der Gegner sich nicht auch rein um Prinzipien drehe; aber die Erfahrung lehrt, baß bie Grundsätze häufig erst in zweiter und dritter Linie kommen und daß Die Hei­ligsten Ueberzeugungen nicht selten geopfert werden, so oft es sich um Befriedigung der nächsten brennendsten Bedürfnisse handelt. Wir halten dies allerdings für die schlechteste Politik, und find fest überzeugt, daß es keine gefährlicheren Maßregeln für das monarchische Prinzip gibt, als die in den Hessen, in Sachsen und Württemberg beliebten. Aber sollten denn die jetzigen Lenker der deutschen Geschicke, sollten denn diese Staats­männer nicht eben so weit als andere einsichtsvolle Leute sehen? Wahrlich, sie wissen recht gut, wohin dieses System führt; aber sie denken, wie veralte Kai­ser Franz:Mich und den Metternich hält's wohl noch aus!" Oder hat sich nicht Hassenpflugauf Nummer Sicher" gestellt, hat er sich nicht seine 4000 Thaler auf Lebenszeit vom Kurfürsten garantiren las­sen? Und hätte in Hessen-Darmstadt Jemand es vor einem Jahre noch möglich gehalten, daß in Darmstadt die drei Premierminister, Du Thil, Jaup und Dalwigk, an einem Tische cordial mit einander anstoßen, und die vormärzlichen Zustände bei Weitem überboten werden würden?

Es geht jetzt in Deutschland fast überall wie es in Frankreich ging: als die große Politik des ersten Julirausches aufgegeben war, wurde zu den kleinen Mitteln gegriffen und dazu gebrauchte Louis Philippe kleine Leute, wie die Herren Duchatel, Teste u. s. w., welche dann zum Sturze der Julidynastie durch ihr Korruptionssystem" so unberechenbar viel beitrugen. Wie oft mag Louis Philippe seinen Irrthum bereut haben, als er in Claremont Zeit zum Ueberlegen hatte, wie oft mag er es verwünscht haben, daß er, um durch Duchatels Kniffe eine servile Majorität in der zweiten Kammer zu bekommen, die Herzen der Ma­jorität des Volkes sich entfremdete! Eine Regie­rung mag monarchisch ober republikanisch sein, sobald sie dem Volke einen moralischen Ekel eiuflößt, ist sie über kurz oder lang verloren. Die monarchischsten Na­tionen sind aus bloßem Ekel an einer solchen Regie­

abgehe wolle, dann sein freilich die ärjer wie sie. Hot jo nit Aener gesaht, wie ver Bischoff hier war: Des is awer e Mann, der werd de Deutschkatholicke in Obèrengelum ihre Sträch schunt vertreibe, ufgehangt müssese all werre! Wer is jetz Schuld, daß der Mann so is? Er nit, dann ich Halle ihn vor e ordentliche, brave Mann. Als weiter!) Wehe euch! ihr blinde Führer, die ihr lehret, wenn Jemand bei dem Tempel schwört, das hat nichts zu bedeuten, aber wer bei dem Golde des Tempels schwört, iS verpflichtet. (Sehnmer nit do in dem löten Vers, daß de Paffe vorö Geld Gott selbst fääl is?) Ihr Thoren und Blinden, was ist wichtiger, das Gold, oder der Tempel, der das Gold heiliget? Ferner, wenn Jemand bei dem Altar schwört, das hat nichts zu bedeuten, wenn aber Jemand bei der Gabe auf demselben schwört, der is verpflichtet. Ihr Blinden, was ist wichtiger, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiliget? Wer bei dem Altar schwört, Verschwört bei diesem und bei Allem, was drauf ist, und wer bei dem Tempel schwört, der schwört bei diesem und bei dem, der darin wohnt, und wer bei dem Him­mel schwört, der schwört bei dem Throne Gottes und bei dem, der darauf sitzt. (Christus muß die Sort Mensche dorch un dorch als Batzenarrn gekeimt habe, un Batzenarrn sein sie noch, schwört hin, schwört her, wann sie uns Geld eintrah, hawe euer Schwür nckâ zu bedeute. Schwört emol, ihr Heuchler, nach den, 2*2. Vers, dann hawe ich Respekt vor euch! Odder

rung schon mehr als einmal republikanisch, und die republikanischsten wieder monarchisch geworden, das lehrt die Geschichte aller Zeiten. Deshalb behaupten wir, wenn die absolute Monarchie und die Vielherrschaft in Deutschland noch wirklich eine Zukunft hätte, so würde sie dies durch Entwicklung einer großartigen, durch Konsequenz, Erhabenheit und Genialität imponirenden Politik beweisen. Die Politik des Aufschwunges war überall und immer eine kühne, hinreißende, bewäl­tigende; die Politik der Descendenz, des Verfalles da­gegen eine kleinliche, unsichere, gewaltthätig?, verbitternde und erkältende. Die Anwendung dieses Erfahrungs­satzes auf die jetzigen Reibereien und Maßregelet«« der contrerevolutionswüthigen Staatsmänner Europas macht sich jeder leicht selbst!

Zum 21. November!

X Preußen hat der Statthalterschaft in K.el keine Exekution angedroht, wenn sie bis zum 15. December nicht entwaffnet habe. So versichert jetzt dieselbe Börsenhalle", welche zuerst bas Gegentheil versicherte: der Wind hat sich also wieder etwas gewendet. Die Bundeserekution" wird demungeachtet erfolgen, zumal Hannover laut demselben Blatte keineswegs gegen den Durchzug der Oesterreicher protestirt hat, sondern,nur gegen die Betheiligung ver hannöverschen Truppen au ver Erekutiön. Graf Nostiz befindet sich übrigens jetzt I in Hannover, um dem Könige, dessen alter Freund ; er ist, darzulegen, welche Vortheile es für ihn hab«, i wenn er sich im Falle eines Krieges Preußen anschließe, I da er doch nicht neutral bleiben könne, weil Preußen

1 Etappenstraßen durch Hannoverland habe. Vielleicht zieht er es vor, es wie die drei Hansestädte zu machen, welche bereits Verabredung getroffen haben sollen, sich bei Ausbruch eines Krieges unter englischem Schutze für neutral zu erklären.

Als Grund dieses Planes wird angegeben, Ham­burg, Lübeck und Bremen sähen voraus, daß der Hauptgrund Oesterreichs zum.Kriege in dem Streben liege, einigen 100 Millionen seiner entwehrteten Pa piere in Deutschland Zwangscours zu verschaffen und Zwangsaulkihku auszuschreiben. Klug wäre dieser Plan der Hansestädte allerdings, durch Oesterreichs Ver­fahren in Italien auch vom Handels,üanvpnukte au> gerechtfertigt, patriotisch aber wäre es nicht, beutst noch weniger, und würde Preußen dazu Amen sagen können? Wenn es zum Kampfe kommt, wird et gelten:Gleiche Brüder, gleiche Kappen! Her Mon­golen- und Hunnenthum; hier Dentschthum und Freiheit!" Uüv diese Scheibung wird die Mainlinir nicht respektiren; denn auch im Süden wohnen deutsche Brüder und im Norden Hunnen trotz der f. k. Gren- : zer, Hunnen von Gesinnung, die vor den Hunnen i von Geblüt nur das voraus haben, was Napoleon ' über den Unterschied der Russen von den Baschkiren gesagt:

mahnt ihr verleicht, was Christus unter dem Tempel gesaht Hot, des wär e Gebaut- ovver e Kerch? Do errt ihr ench ganz gewaltig; des is des Gewisse, un Äs euer Gewisse könnt ihr Schwur thun, weil ihr ganz gewisselos seid. Also wivver weiter!) Wehe euch, ihr Schriftgelehrte und Pfarrisäer, ihr Heuchle ! ihr verzehnt Krauseinüuze, Anis und Fimmel, aber dao Wichtigste des Gesetzes, Gerechtigkeit, Menschenliebe uuo Treue setzet ihr bei Seite. Dieses sollt ihr thun und Jenes nicht lassen. (Christus will dermit sah, zuerscht sollese Gerechtigkeit, Menschenliebe und Treue üben, un hernoch kenntest aach gut achtle, dodevor feinst jo bekannt. Krausemünse, Anis und Kümmel müsse gute Likörcher gewese sein, die sie uf das gute griffe Mur gesetzt hawe, vun wehe der Verdauung; o, so e gut Likörche verschmähe se heut noch nit, obgleich sie vun dem Wein, besoimers wenn er recht gut is, große Lieb­haber sein! No, das kann ich ihne aach gar nit ver­denke, sismer aach so; je besser, als sie achele, je besser müssese aach de Wein hawe; das versteht sich vu i selbscht! Große Liebhawerei hawese an junge Hahne, Kapaune, welsche junge Ente, Gänzerger, Feldhühner, Schneppe, Krammetsvögel, Haase, Reh, Schwarzwil­pert, aach dann und wann vor ze Veschbere Wclcht- fâhlinger Schinke. Das sein so die gewöhnliche Flahich- speise vor e gâschtliche Tisch. Awer mit de Fascht.g seittse üwel dran, un die müssese doch Halle, dann das Gebot derfese nit übertrete, weikS vun ihre Leut her-