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Anerbieten abgelehnt haben soll, da er das Oberkom­mando in Paris nicht aufgeben will. Zwischen heute und den nächsten Tagen wird die Welt um eine große Lehre reicher und die eine oder andere der in Frage sichenden Parteien und eine Illusion ärmer sein.

Aus Kurhessen

K Noch immer ruhen die Waffen auf dem Schlacht­felde. Die Preußen halten Kassel noch besetzt, aber das Vertrauen der konstitutionellen , zur preußischen Regierung ist endlich doch gebrochen: sie hoffen nichts mehr von Hrn. v. Manteuffel und sie fürchten Alles von denBundestruppen". Welchen Charakter die Reaktion des Kurfürsten unter durchlauchtichstem Bundesprivilegio hat, zeigt dieVollziehung des Bundesbeschlusses vom 21. September d. I., sowie zur Geltendmachung der surf. Verordnung svom 4. desselben Monats, die Forterhehung der Steuern und Abgaben betreffend", womit in Hau au am 18. der Anfang gemacht wurde. DieNeue Deutsche Zeitung" berichtet darüber: Heute Morgen um neun Uhr wurde die Quartal­sitzung des Schwurgerichts durch den zum Präsidenten bestimmten Obergerichtsrath v. Bischoffshausen eröffnet. Nachdem die Namen der Geschwornen verlesen waren, wurde der Präsident in das Nebenzimmer gerufen, und ihm angezeigt, daß sich in seiner Behausung, sowie in denen der übrigen Mitglieder des Gerichtshofes je fünfzehn Mann Erekution eingefunoen hätten, um auf diese Weise das hiesige Obergericht zu nöthigen, die ergangenen Standrechtsverordnungen als verfassungs­mäßig anzuerkennen und in seinem Amtskreis in Vollzug zu bringen. Die Geschwornen wurden nun bis heute Nachmittag drei Uhr beurlaubt, und hier eröffnete der Präsident den Anwesenden, daß diese Schwurgerichtssitzung vorerst nicht gehalten werden könne, weil man gegen ihn einen Zwang lii^ sei­nem Amte unternommen habe, welcher mit Füh­rung seines Amtes unverträglich sei, da er ihn indeß nicht abzuwenden vermöge, so habe er seinen Abschied eingereicht, und stelle sonach seine Funktion hiermit ein. Gericht und Zuhörer verließen hierauf den Saal. Die erwähnte, gegen alle, selbst die un- betheiligten Mitglieder des Obergerichts verfügte Ere­kution hat sich übrigens nicht einmal auf diese beschränkt; sondern wo sie die Bedrohten in den seitherigen Woh­nungen nicht auffanden, da legten sich die Leute ohne Weiteres in das Haus der nächsten Angehörigen, mit der Erklärung, daß sie nun, und nöthigenfalls mit der doppel­ten Mannschaft, so lange bleiben würden, bis der Gesuchte ihnen sistirt sei. Die Erekution ist auf 8 Tage einge­legt, nach deren fruchtlosem Ablauf die Gerichtsmitglie­der vor ein bayrisches Kriegsgericht gestellt werden sol­len. Dem Vernehmen nach ist Obergerichtsrath- nersdorf ebenfalls um seinen Abschied eingekommen. Wir vermuthen, daß man die gebotenen Abschiede, nach vollzogener Erekution und nachdem man sich einige gefälligere Menschen zu Ersatzmännern ausgesucht hat, verwilligen wird. Ein Nachgeben von Seiten des Obergerichts soll durchaus nicht zu erwarten sein, ob­gleich cs bei einem solchen unwiderstehlichen Zwang erklärlich gefunden werden könnte."

DieO.-P.-A.-Z." bestätigt diese Vorgänge voll­kommen, sie fügt aber noch den Hohn hinzu, daß sie bemerkt:Das Hanauer Obergericht verwendet be­kanntlich wegen mangelnder ständischer VcrwiUigung kein Stempelpapier zu seinen gerichtlichen Dekreturcn; um nun diesem Gerichtshof die Ueberzeugung von der I rrthi'lmli chkeit seiner Rechtsprechung zu geben, haben dessen sämmtliche Mitglieder Ereku- ti onsk ominaudos von 15 bis 30 Mann k. bairi­scher Truppen in ihre Wohnungen eingelegt erhalten." Erekutionskominandos also sind die Ueberzeugungs- mittel von der Jrrthümlichkeit richterlicher Gewissenhaf­tigkeit, in Erekutionskominandos besteht das neue Bun­

desrecht, und unverhohlen wird dies im Bundesorgan proklamirt!! So also glaubt man die fürstliche Auto­rität herzustellen ?

Nach derKasseler Ztg.", dem Organ Hassenpflug's, soll die in Berlin eingelaufene österreichische Note nichts mehr und nichts weniger verlangen, alsBeen­digung der Bnndcserekntion in Kurhessen und Pazifi- zirung Holsteins, bevor die freien Konferenzen begon­nen werden können." Ferner soll darin die preußische Besetzung der Etappenstraßen in Kurhessenals durch die betreffenden Verträge nicht gercchtfer.- tigt" bezeichnet sein.

DieHornisse" vom 18. schreibt:Schon vor einigen Tagen ist uns ein Gerücht zugegangen, das durch die neuesten Verhandlungen zwischen Preußen und Oesterreich viel Wahrscheinlichkeit enthält und al­so der Erwähnung verdient. Es heißt nämlich, unser allergnädigster Landesvater wolle jetzt Kurhessen mit eigener Hand paeisiciren. Während Oesterreich sowohl als PreußenGewehr bei Fuß" Sr. Königl. Hoheit freien Spielraum ließen, würden derselbe mit einem ans gesinnungstüchtigen Leuten zusammengcstoppelten Linienregiment und den treuen Husaren sein Land über­ziehen und Sich sowohl den Staatsschatz als die Re­putationen eines souveränen Herren erhalten. Sehr möglich! Und jedenfalls der beste Weg, um Preußen eine weitere Blamage zu ersparen. Natürlich würden wir deswegen nicht dem Vergnügen entgehen, mit wei­teren fremden Einquartierungen gesegnet zu werden."

Einem Brief aus Heesfeld vom 15. November entnimmt dieHornisse" folgende Mittheilung:So eben kommt die Nachricht hier an, daß ein Waffen­stillstand auf unk stimmte Zeit mit 2lstündiger Kün­digungsfrist abgeschlossen sei. Sofort wurden alle Feldposten bei Hersfeld eingezogen. Hersfeld soll bis auf eine Batterie von den preußischen Truppen ge­räumt werden; die andern Truppen werden in der Umgegend dislocirt. Viermal seit der Besetzung von Hersfeld hat man gesattelt uiio geschielt. Waffen­stillstand oyne vorherigen Waffengebrauch!"

Die Bundestagstruppen, welche jetzt allein im Verwaltungsbezirke' Fulda liegen, belaufen sich nach zuverlässiger Zählung uns nicht weniger als 22,000 Mann. Die Stadt selbst trägt die Last einer furcht­baren Einquartierung bereits 14 Tage !

DerHornisse" wird aus Fulda geschrieben: Obschon wir überzeugt sind, daß die Manövres welche unser Land an den Rand des Verderbens brin­gen, allernächst durch eineVereinbarung" der streiten­den Mächte auch den letzten Schein ihr Nothwendigkeit verlieren werden; müssen wir doch noch alltäglich sehen, daß grade unsere Stadt mit immer neuen Einquartie­rungen heimgesucht wird. Heute Morgen mußte ein Bataillon Mierischer Kürassiere nutergebracht werden, heute Abend ruckte noch ein Regiment Infanterie ein, um uns ebenfalls auf längere Zeit mit seiner interes­santen Anwesenheit zu beehren. Arme Taglöhner, selbst Bettler erhalten jetzt ihre Mannschaft und sind ver­pflichtet, dieselbe zu verköstigen. Ob möglich ist, darnach fragt Niemand. Die Leute mögen sehen, wie sie mit ihren Gästen fertig werden. Dem Stadirathc selbst wurde schon unter Androhung von Ordnungs­strafen anbefohlen, für Fourage zu sorgen.

In den Cantonnemenls ist Alles ruhig. Die Oester- reicher haben die ihrigen in dem nahen Bayern vorerst noch bcibehalten und sind noch nicht in Kurhessen ein- I genickt. Sie stehen aber schon geraume Zeit mit denn Corps des Fürsten v. Taris in Verbindung und sind nur wenige Stunden von Fulda entfernt. Aus Kas­sel wird demFr. Journal" und derO.-P.-A.-Z." gemeldet, daß sich die Preußen der Eisenbahn gewalt­sam bemächugt haben und sie zu zerstören drohen, wenn sie den Bundestruppen Lebensmittel zuführe oder diese selbst auf der Bahn befördere.

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Nassauischer Landtag.

Nachtrag zur Sitzung vom 15. Nove mber.

// Wiesbaden. Wir haben aus Mangel an Zeit und Raum den Kammerbeschluß über die Petition der Dillenburger Bürger: die Reaktivirung des Prorektors Rossel betreffend, nur kurz erwähnt, und lassen, da diese Angelegenheit den Lesern derFreien Zeitung" von Interesse sein dürfte, einen nachträglichen, genauern Bericht folgen:

Naht, als Berichterstatter des Petitionsausschusses, schickt seinem Bericht über die Dillenburger Petiton, um Reaktivirung Dr. Rossels einen andern Bericht voraus, in welchem er der Kammer mit theilt, daß die Regierung ihm die Akleneinsicht verweigert habe, mit der Erklärung:daß Personalakten nicht mitgetheilt würden" und stellt den Antrag, die Kammer wolle diese Aktenverweigernug des Ministerialpräsidenten für eine Verfassungsverletznng erklären und dagegen Verwah­rung einlegeu. v. Eck, als Kommissionsmitglied , er­klärt, daß die Majorität des Ausschusses (er, Gürtel, Tripp und Preiß) die Akten gar nicht verlangt Hättön, auch erinnere er sich nicht, eine so allgemein gehaltene Erklärung des Ministers, wie Naht behaupte, gehört zu haben. Er habe daher in dieser Beziehung keinen Bericht zu erstatten. Müller 11. (ebenfalls Kommis- sio us Mitglied) ist mit Nahts Antrag nicht einverstan­den. Bei stattsindeuder Aktenverweigerung habe der, dem gegenüber sie erfolgt sei, den Gegenstand in der Kammer zur Sprache zu bringen. Beschließe die Kam­mer, daß die Regierung die Akten mittheilen müsse und thue diese es dennoch nicht, dann erst sei die Ver­fassung verletzt. Naht: Dies würde am Ende dahin führen, daß über einen solchen vor die Kammer ge­brachten Fall erst wieder ein Ausschuß niedergesetzt werden müsse, der den Antrag des andern Ausschusses zu begutachten habe. Dadurch wird das Recht der Akteueinstcht rein illusorisch. Wintzingerode: Die Mittheilung der fraglichen Dienftakte sei allerdings ab- gelehnt worden, d. h. die Mittheilung an den Refe­renten und er habe dies so motivirt:daß die Mit­theilung von Personalakten mißlich sei; die Negierung sei der Ansicht, daß die Versammlung nur ausnahms­weise die Mittheilung solcher Akten verlangen könne." Wenn in dem vorliegenden Falle ein Antrag gestellt werde, die Kammer möge die Mittheilung der Akten verlangen, so werde darüber ordnungsmäßig verhandelt werden. La n g: Die Regierung, die Bestimmung der Ver- faffung umdrehend, wolle das Recht der Äkteneinsicht zur Ausnahme, die Akteuverweigerung zur Regel ma­chen. Wenn dem Referenten eines von dem Landtag erwählten Ansschusscs die Acten vorenthalten würden, so würden sie dem Landtag vorenthalten; denn die­ser könne nur durch seine Ausschüsse und diese könnten wieder nur^durch ihre Referenten die Wen einfordern. Die Versaffung sei mithin allerdings verletzt. V. Eck schließt sich Müller II. an. Naht: Wenn jeder einzelne Ausschuß nicht das Recht der Acteneinsicht habe, so könne dieses Recht überhaupt' nicht mehr geübt wer­den; sondern es müsse dann jedesmal vor dem Beginn der Arbeit in der Plenarsitzung ein Antrag gestellt wer­den, der Landtag möge so geneigt sein, zu beschließen, daß die Acten mitgetheilt werden sollten, v. Eck: ; Das sei Mißverständniß. Nur bei Actenverweigerung j sei die Entscheidung der Kammer einzuholen. Leis­ler erklärt sich für Müller II. Ansicht. Justi will unterschieden haben, ob einem einzelnen Kaminermitglied als solchem oder einem Kommissionsmitgliede (nament­lich einem Berichterstatter) die Acten verweigert wür­den. Nur in ersterem Falle müsse die Sache, falls ! die Acten verweigert würdcn, vor die Kammer gebracht j werden. Snell: Raht's Antrag sei falsch. Die Kam­mer habe verfaffungömäßig das Recht, in allen Fällen ' ohne alle Ausnahme Acteneinsicht zu fordern. Sic ! könne aber in einem speciellen Falle, wenn sie dies für : zweckmäßig halte, freiwillig auf die Ausübung dieses

mir euch befehle. Aach nit übel! Als weiter.) Denn ( wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt, und wer , sich erniedrigt, wird erhöht werden. (Das hawemer geseh bei dem Empfang des noch nit emol eingeweih­ten Bischoff Rohner nit gemähnt, unser Herrgott käm selbscht? Jetzt kömmts erseht recht, Katherine, Hotter gesaht, baß emol uf!) Wehe euch, ihr Schrift- gelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Leu­ten das Himmelreich auf un zuschließt, ihr selbst aber geht nicht hinein, und die hinein wollen, lasset ihr nicht hinein. (Sis ganz natürlich, vor viel Geld thun se dem gröschte Sünder das Himmelreich verspreche, un sie selbscht könne nit eneikomme, weil sie nit recht han­deln; un die besser denke, wie sie, un niks vun ihne wisse wolle, do sahese gleich: das sein Ketzer, die sein verdammt! Es kömmt als schöner.)

(Fortsetzug sogt.)

Verschiedenes.

* sZur Geheimgeschichte der russischen Pro­paganda.) DerN. D. Ztg." wird aus Brüssel ein Beitrag zur Geschichte jener großen Propaganda, welche seit 1812 Europa umspannt, mitgeiheilt, ein Bild, das nur derjenige für unglaublich oder über­trieben halten wird, wer noch keine Enthüllungen über das Treiben des diplomatischen und klerikalen Jesuitis­mus gelesen hat.Es treiben sich hier (in Brüssel)

Personen herum," wird dem genannten Blatte ge­schrieben,welche zu einer wohlorganisirten, von der belgischen Regierung übrigens ganz unabhängigen und mit ihr in gar keiner Verbindung stehenden gehimen Polizei gehören, deren Netze über die Hauptstädte Eu- ropa's ausgeworfen und deren letzte Fäden in den Händen von Rußland sind. Es sind aber keine Poli zeiagenten, sondern Agentinnen, welt- und menschen- kunvige elegante und galante Frauenzimmer. Sie reisen und logiren sehr vornehm, nehmen alle möglichen Ge­staltungen an, spielen alle nur denkbaren Rollen, und suchen auf diese Weise ihre Aufgabe zu erfüllen, näm­lich die hervorragenden Peisönlichkeiten der Parteien, insbesondere der Volkspartei, auszuforschen, und zu­gleich auch die Thätigkeit der gewöhnlichen Polizei zu controlliern. Diese Polizei bildet eine geheime Polizei gegen die Demokratie und die gewöhnliche Polizei. Sie ist ein wahrer Ueberall und Nirgends. Je nach der Bedeutung irgend einer Person, deren Thun und Treiben genau ausgekundschaftet werden soll, ist dieselbe von einer größeren oder geringeren Anzahl solcher weib­licher Agenten beobachtet. Sie reisen ihr durch ganze Länder, über den Kanal, ja den Ozean nach, und folgen ihr stets wie dem Wilde die Meute auf der Fährte. Sie suchen den Verfolgten, und wenn dies nicht gelingt, seine Umgebung mit Liebcsfäden zu um­spinnen , um ihren Zweck zu erreichen. Sie dienen hauptsächlich als Maitressen, aber ihre Umarmungen

sind gefährliche Ketten, welche sie ihren Gefangenen umwerfen, und ihre tétes a tétes nichts als geheime Denunziationsprotokolle des Verraths und der Spionage. Da aber die Menschennatur edles Metall in sich trägt, das trotz aller Uebertünchung am Ende doch hervor­glänzt, so gerathen jene weibliche Polizeiagenten auch manchmal in Ketten, in welchen sie sich gerne gefangen geben. ES treten alsdann die Momente der Enthül­lungen und des Vertrauens ein, und die gefährliche Waffe kehrt sich nach jener Seite hin, woher sie ge­leitet wir". Bei solchen Verhältnissen siegt der Ver­rathene über den Verräther und die Contrepolizei des Verräthers geht in den Dienst des Gegners über." Das Reisen dieser Zugvögel ist für den politischen Beobachter ein so sicheres Vorzeichen großer Ereignisse, wie das Ziehen der Störche im Herbste.

Nachträglich bringt dieAugsb. Allg. Ztg." noch die Nachricht vom Tode eines der wenigen noch übri­gen Hauptführer der Jnsurrection von 1809, des Lan- desichützenmajors Jos. Ignaz Straub. Er starb am 16. v. M., 77 Jahre alt. Der Veteran bekannt als derKronenwirth von Hall^ genoß Hofers und Hormayrs besonderes Vertrauen. Seine Aufopfe­rung für die Sache Oesterreichs ließ ihn auch Unge- wöhnliches leisten und wagen. Er führte immer auS eigenen Mitteln geworbene und unterhaltene Schaaren. Die gefahrvolle Herbeischaffung der Subsidiengelder und