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„âeihert und Zieeht!"
M 27«. Wiesbaden. Donnerstag, 21. November I8KO.
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Die Pläne der preußischen Regierung „u. f. w."
X Zur Beurtheilung der Pläne, welche die preußische Regierung hat, bringen uns die nenesten Berichte Andeutungen und Aufschlüsse, welche die traurigsten Befürchtungen der Konservativen bestätigen, die Konstitutionellen zur Verzweiflung bringen und wiederum den Beleg geben, daß die Demokratie nicht zu schwarz sah. Wir wollen diese Behauptung durch Auszüge aus anerkannt nicht zu unserer Partei gehörigen Blättern belegen.
Aus der „Deutsch. Ref." erfuhren wir gestern, daß das preußische Kabiuet beschlossen habe, vor definitiver Beantwortung der neuesten österreichischen Note noch Erläuterungen aus Wien und Frankfurt einzuholen. Aber alle diese Verhandlungen haben nur noch ein untergeordnetes Interesse, da es laut der „Köln. Ztg." bekannt ist, daß das Kabinet nach wie vor entschlossen ist, die Forderungen, in deren Folge am 2. November Radowitz abdankte, zuzugestehen, nämlich: 1) nicht blos die unbestimmte Vertagung, sondern die definitive und stipulirte Aufgebung der ganzen parlamentarischen Union; 2) Zulassung der Erekution in Kurhessen ; 3) Zulassung derselben in Holstein. Alle drei Zugeständnisse sind bereits im Wege der Ausführung! In Betreff der Union ist am 15. in der Sitzung des Fürstenkollegiums erklärt worden, „Preußen und Oesterreich hätten sich in Warschau zur Einladung aller deutschen Regierungen zur Revision der Bundesverfassung in freien Konferenzen geeinigt; Oesterreich habe dies definitive Aufgeben der Unionsverfassung durch einen feierlichen Akt verlangt und Preußen darauf erklären lassen, der Unionsvorstand sehe die Verfassung als vollständig beseitigt an. Der preußische Bevollmächtigte verlangte nun die Zustimmung der Unionsregierungen, um jenen feierlichen Akt zu vollziehen. Das Fürstenkollegium soll entgegnet haben, man sei auf dergleichen nicht vorbereitet und müsse daher vorläufig das aus den Verträgen fließende Recht wahren. In Betreff Kurhessens haben die Dragonaden gegen die verfaffungsgetreuen Abgeordneten, Gerichtspersonen u. s. w. ohne preußische Einsprache begonnen. In Betreff Holsteins endlich hat Preußen bekanntlich mit Erekution gedroht, wenn die Bewaffnung nicht bis 20. Dezember erfolgt sei. „So viel ist jetzt außer Zweifel," äußert die „K. Z." an einer andern Stelle , „daß alle Schmach vom 2. Nov. unvermindert auf uns lasten bleibt, wenn es nach dem Kopfe des Herrn v. Manteuffel geht." Nachdem Oesterreich dies erlangt hat, geht es weiter, es will die freien Conferenzeu in W i e n eröffnen und es setzt voraus, daß das Resultat der freien Konferenzen „der Sanktion des Bundestags" unterliege.
Kann die preußische Regierung dies zugestehen 5 Dagegen ist 1) das gesammte preußische Volk, blos mit Ausnahme der Kamarilla, des Kabinets und
dèr Junkerpartei; dagegen ist 2) in Betreff der Union das Fürstenkollegium, bas Preußen unmöglich so ohne Weiteres „degagiren" kann; dagegen in Betreff Holsteins ist 3) Braunschweig, das energisch und ehrlich gegen österreichischen Durchmarsch Protest einlegen wird. Aber Braunschweig wird überwältigt, Kurheffen vergewaltigt, und die Union, die längst todt, schwerlich wieder auferweckt werden, daran zweifeln wir nicht; aber kann und darf Preußen an der Fulda und Eider, an der Nord- und Ostsee Oesterreich festen Fuß fassen, darf es sich ganz nud gar von Oesterreichern, Baier» und Russen umwickeln lassen? Herr von Manteuffel scheint dies ruhig geschehen lassen zu wollen. Doch die Armee? Für sie ist schon gesorgt! Man höre und verwundere sich nicht! Das Bundesorgan, die „O-P-A-Z ", bringt aus Berlin eine Korrespondenz, welche höchst merkwürdig das bestätigt, was in englischen und französischen Blättern an demselben 16. November, von welchem jenes Schreibe» datirt ist, gemeldet wird. „Der überwiegend größern Zahl der Kriegslustigen in Preußen ist ein Krieg nicht um der Opposition gegen Oesterreich erwünscht, sondern um den gährenden Elementen der Revolution, einen pa- tirotischen Abzugskanal zu schaffen, ihnen nach außen hin Thatenziele zu setzen, mit einem Worte, eine edlere (?) Entlassung des irre wandernden Thatendranges." Ist es nicht, als läsen wir hier die diplomatische Genesis der Betheiligung Preußens am schleswig-Holsteinischen Kriege? Und wo ist dieser „patriotische Abzugskanal", diese „edlere Entlassung des Thatendranges", dieses preußische Algerien, zu suchen? Hören wir weiter! „Darum wird, wie ich aus u n t r ü g. liehen Quellen erfahre, die Mobilmachung ernstere Resultate, als die Schlack) bei Bronnzell, im Auge behalten — die Wiedergewinnung Neuenburgs und ein preußisch-österreitVifcheS Hub so weiter gegen die Gegner, welche in jener Zone bei solchen Unternehmen erwachsen werden." Also während die Oesterreicher Preußen umwickeln, soll das preußische Heer gegen die Schw ei;, „und so weiter", was doch wohl nur Frankreich bedeuten kann, ins Feld geschickt werden, um dort der Contrcrevoiution „in edler Entlassung des irre wandernden Thatendranges" die Kastanien aus dem Feuer zn holen und möglicherweise zusammengehauen zu werden von Schweizern und Frnnzosen oder in einem Kampfe è la Schleswig- Holstein die Wiedereroberung — — Neuenburgs für das Haus Hohenzollern zu thun, wie die Polen, welche der Czar in Bekämpfung der freien Tscherkessen am Kvukasus abschlachten läßt! Wir würden es für eine schamlose Verleumdung der preußischen Regierung halten, wenn es nicht die „O.-P.-A -Ztg." wäre, welche diesen Plan bringt und zwar mit dem vielsagenden Zusatze: „Das Ziel ist ein großes, weites, und diejenigen, welche mit dieser Fernsicht vertraut, sind sicher, zu diesem Und so weite r an Oesterreich einen gleich inte- ressirten Verbündeten zu finden7 wenn die kurhessischen
Conflikte in den Hintergrund getreten sein werden. Darum diese fortgesetzten Mobilifirungen." — Noch mehr! Als „zweite Gewißheit" bringt Die „O.-P.-A.-Z.", vaß Manteuffel, „wenn er nicht mit der Majorität regieren kann, trotz derselben zu regieren wissen wird." Uebrigens tröstet der Correspondent damit, „daß das große weite Ziel im Südwesten über Neuenburg hinaus" über ein Kleines „die Stimmen der anscheinend jetzt zusammenhängenden Oppositionen anders gestalten werde." Was wird das preußische Volk dazu sagen? Hören wir schließlich noch, was der „Kölnischen Zeitung." aus Paris geschrieben wird, was ganz im Einklänge mit der „Jndependance" steht und obige Andeutungen der „ Ober - Post - Amts - Zeitung " vervollständigt: „Die erst jetzt erfolgende Einberufung von 40,000 Mann , die der Verstärkung der strasburger Division um 4 Regimenter auf dem Fuße folgt, während alle Nachrichten auf eine Verständigung zwischen Preußen und Oesterreich schließen lassen, gibt zu ernsten Beten gegen die Wahrheit der im „Moniteur" und „Cou- stitutwnel" entwickelten Motive Veranlassung. Es geht sogar das Gerücht, man habe höheren Orts gegründete Besorgnisse gefaßt, daß die Waffnungen Preußens Oesterreichs und Rußlands im letzten Augenblicke gegen Frankreich gerichtet werden würden. Diese Möglichkeit liegt übrigens so sehr auf der.Hand, daß auch die demokratischen Comite's von London sie den Völkern in einem vom 10. November datirten Manifest ankündigen; freilich als eine feststehende Thatsache, während man doch nur Conjekturen und höchstens G>- rüchte darüber hat. Bemerkenswerth ist wohl, daß selbst der „Ordre", ein durch und durch konservatives Blatt, heute dieses Manifest, in welchem die Streitkräfte der gegen Frankreich sich rüstenden monarchischen Reaktion aus 1,300,000 Mann angeschlagen werden, in seine» Spalten abdruckt. Das Manifest schließt mit den Worten: „Keinen Nationalkrieg mehr! Bürger! Die Schranken, welche die Despoten zwischen den Nationen, die sie unter sich vertheiltWatten, errichtet, sind fortan für uns gefallen, und die vereinigten Völker haben nur noch Eine Fahne, worauf wir mit dem fruchtbringenden Blute unserer Märtyrer geschrieben haben: Nation al'Repuklik'" Es scheint, daß auch in der Geschäftswelt eine große Besorgniß vor den Ereignissen der nächsten 3 * kunft seit dem Bekanntwerden des obigen Decrets eingetreten ist, zumal es heißt, daß binnen Kurzem noch weit bedeutendere Vertheidigungs- Anstalten getroffen werden sollen. Die 40,M0 Mann sind nur zur eins- weiligen Verstärkung der Infanterie-Regimenter an der Ost- und Nordgränze bestimmt, die auf 25000 Ma> n gebracht weiden sollen. Die Kavallerie. wird vor b r Hand noch nicht verstärkt, da die dort befindliche» Regimenter ziemlich zahlreich nckd vollzählig sind." Wir haben nur noch hinzuzusetzen , daß Changarnier der Oberbefehl des Observationskorps nebst der Mar schallswürde angeboten worden sein, derselbe aber das
Lisbeth und Katheri,»e
ober belehrende Weibergespräche über religiöse Freiheit.
Vierte« Gespräch.
'Kath. Ach Lisbeth, ach Lisbeth, was bin ich so froh, was bin ich so froh, was hab ich e Fräd, was hab ich Fräd! Denk emol, met Mann is schunt ganz annerscht. Die ganze Woch iffer noch nit voll Ham komme, er schennt nit mehr, un ruftmer nit mehr: Heersche! er ruft mer nit annerscht, als: Katherine.
Lisb. No, wie Hoschtes dann mit ihm gemacht? Kath. Grad wie Du mir es gesaht hoscht, wie ichs mache soll. Wie er emol ganz guter Laune war, do hawe ich ihm gesaht: Geh, schein: doch n:t mehr so üwer die Deutschkatholike! Sieh emol, der L:sbeth ihr Mann is jo e Deutschkatholik, was haschte dann gehe den, isser dann nit e braver Mann? Du werrscht den gewiß nit schenne höre; un wann du e Gefalle von ihm aedan hawe willscht, dann dut ers gewiß herzlich gärn. Sieh do, les als emol e blsge im Neue Teschtament, das ich in der Schul gehabt hawe, das ho chte gewiß noch nit gelese.-No, dann gebmersch emol her! Hotter gesaht, wann ich der Zeit hawe, dann will ich als fitio! ebisge drin lese. — Des annerc Tags hab ich geseh, daß er des Buch in der Hand gehakt
Hot, un drein gelese. Uf ämol Hotter gesaht: Ei Dun- nerwetter, das hab ich jo seiner Lebdag noch nit gelese'. An was bischte dann alleweil? hab ich ihn ge- froht. Mattheus am 23. Capitel ; sackcrdiö, wie kriehe do die Schriftgklehrte un Pfarisäer vun Christus die Ank gebutscht, der schennt sie jo nit annerscht, als Heuchler! Wähschte dann aach, hawe ich ihm gesaht, wer dann die Schriftgelehrte un Pfarisäer sein? So dumm werrschte mich doch nit halte, daß ich das nit wisse soll! Die Paffe! Hot er gesaht. Wie ich das ‘ gehört hawe, do hawe ich so vor mich gekocht: Aha, | Alterche, jetz hawemer dich! Glaabschtc dann, daß es । jeß kä Schriftgelehrte, Pfarisäer un Heuchler mehr gibt? hawe ich 'ihn gefroht. Ei gewiß gibt es noch so, un recht viel, mit Hänn kannmelsche greife, wiese do in dem Buch stehe. Ich will Dir emol Ebbes vorlese, do setz dich emol e bisge her! Das hawe ich dann aach gleich gethan. Die Schriftgelehrten und Pfarisäer sitzen auf dem Lehrstuhle Moses. (Moses war e ordentlicher Mann , das war ka Paff, hat der Lisbeth ihr Mann gesaht.) Beobachtet und thut daher Alles, was sie euch sagen. (Das hähscht, was gut und vernünftig wär.) Nach ihren Handlungen aber richtet end) nicht, denn sie thun selbst nicht, was sie lehren. (No, das is e alte Supp!) Ja, sie binden schwere un unerträgliche Lasten zusammen un legen sie auf die Schultern der Menschen, sie aber berühren sie aud; nicht mit einem Finger. (De vierte Vers
hawe ich schunt emol gehört vun der Lisbeth, hawe ich ihm gesaht, un bezieht sich uf die Ohren, beicht, weil die Ohrenbeicht e Bürde un e Lasche is. Du hoscht ganz Recht, Katherine, Hotter gesaht, no weiter!) Alles, was sie thun, das thun sie blos, um von den Menschen gesehen zu werden, fi: machen sick- breite Denkzettel und große Quasten an ihre Kleide, (Ganz richtig, wie heut noch.) Bei den Mahlzeiten haben sie gerne die ersten Plätze, in den Sinagogen (oder jetz in de Kerche) den Vorsitz. Auf öffentlichen Gassen wollen sie zuerst begrüßt sein un von den Leuten Rabbi (Ober jetz Hochwürden) genannt werden. (Das is grad, wie jetz noch. Do hat sich der Kaplan H dran zoppeln könne, wie der met sein lange Rock nwr • die Schoß is gange, rechts un links noh de Leckt ge- gukt hot, ob sie ihm aach mit e Hcruätermich oder h Fehlemich mache däte.) Ihr aber sollt euch nicht Rabb: (das häscht jctz Hochwürdeu) nennen lassen, denn nur Einer ist euer Lehrer, ihr aber seid alle Brüder. (Ganz vernünftig.) Auch sollt ihr Keinen von euch auf Erden Vater nennen, denn Einer ist euer Vater, der im Himmel is. (Das is e Pill vor de heilige Vater in Rom.) Lasset ihr euch auch nicht Lehrmeister nennen, denn Einer ist euer Meister, nämlich Chustus. (Den woUesse awer jetz beschulmäschtere.) Der Gröschte unter euch soll wie euer Diener sein. (Jetz sahe awer die Paffe: mir sein die Gröschte, un ihr müßt unsere gehorsame Knechte sein un ihr müßt euch Alles gefalle lasse, was