Militärbehörden das weitere Erscheinen der „Mainzer Zeitung" verboten. Dem Verleger derselben, Theodor v. Zabern, überbrachten zwei höhere Offiziere in Begleitung eines Polizeicommissärs diese Mittheilung. Den Redaktionen der übrigen politischen Blätter wurde ein Rescript des Festungsgouvernements mitgetheilt, worin man dieselben der schwierigen Garnisonsverhält- nisse wegen, gegen Mittheilung von Artikeln, selbst von Thatsachen verwarnte, welche die obschwebenden Differenzen der beiden Großmächte nicht in der ge- mäßigsten Form besprächen oder gar geeignet seien, die Aufrechthaltung der Ordnung in der Bundesfestung zu gefährden.
△ Frankfurt, 18. November. Morgen gehen die seit einem Jahre hier in Garnison gewesenen zwei Bataillons der 31. preußischen Infanterieregiments mit der Main-Weser-Bahn bis Friedberg u. s. w.; desgleichen hat die preußische Ulanenabtheilung Marschordre. An ihre Stelle kommen zwei Bataillons 28er und Husaren. Auch werden morgen und in den nächsten Tagen 9000 Mann Preußen aus Baden hier durchmar- schiren, dem Vernehmen nach um im Nassauischen vorläufig Quartiere zu beziehen. Die abrückenden Truppentheile standen mit der hiesigen Bevölkerung im besten, mit den „Bundestruppen" im schlechtesten Einvernehmen; ihre Verlegung ist daher als eine neue Friedenskonzession der preußischen Regierung zu betrachten.
± Frankfurt, 19. November. Heute früh waren hier allerlei dumpfe Gerüchte über Berlin verbreitet, doch sprach sich darin wohl nur das Ahnungsvermögen des Volkes aus. Dagegen kann ich Ihnen aus zuverlässiger Quelle melden, daß zwischen heute und morgen Abend die Frage über Krieg oder Frieden entschieden ist. Oesterreich gibt nicht einen Fingerbreit von seinen Forderungen nach; von Preußen dagegen haben wir nur Nachgiebigkeit zu erwarten, wenn nicht das Volk die Regierung zwingt, anders zu handeln, was jedoch im Augenblicke schwer glaublich ist. Wir steuern also mit raschen Schritten der großen Krisis entgegen.
* Hannover, 14. November. Das neue Ministerium will durchaus den Glauben nicht aufkommen lassen, daß es deutsch-patriotischen Sympathien huldige. Heute hat es durch die Landdrosteien ein neues Verbot gegen die Agitation für Schleswig-Holstein erlassen.
Hannover soll, wie heute versichert wird, seine Zustimmung zum Durchmarsch der Erekutionstruppen des Bundeskorps für Schleswig-Holstein bereits ertheilt haben, und werde die Beförderung derselben demnach beginnen. Die Schwierigkeit, die sich bei diesem Vorhaben jetzt noch ergebe, sei die Stellung Braunschweigs als Unionsstaat, der bei dem Marsche der Erekutionstruppen nach ihrer gegenwärtigen Aufstellung im Norden Baierns nicht umgangen werden könne. Die Zustimmung Braunschweigs zu den schmachvollen Schritten gegen die Herzogthümer wird nach den von Herzog und Volk geäußerten Sympathieen kaum zu erlangen sein.
Hannover, 15. Nov. (H. C.) Mehr und mehr neigt sich die Stimmung der Stadt zu Preußen hin, falls dieses die schwebenden Fragen auf friedlichem Wege erledigen will und wird. Wir sind überzeugt, daß auf den Conferenzen Hannover bei Preußen stehen wird, wenn es gilt, liberale Ansichten, zurückgehenden österreichischen Ansichten gegenüber, zu vertheidigen. Für einen Krieg ist hier eine sehr ungünstige Stimmung ; nur die „Nieders. Ztg." weist wiederholt auf die Unzulässigkeit einer unbewaffneten Neutralität hin, will also ohne triftige Grüude unsere Armee zusammenge- rufen wissen; ihre Trompete wird wohl keinen Mann herbeibringen.
Bernburg. 14. Nov. (Mgdb. Z.) Der hiesigen freien evangelischen Gemeinde ist durch das herzogliche Kreisamt verboten, in ihren Versammlungen Sacra- mente ertheilen zu lassen. Die Aeltesten haben erwiedert, daß es eines solchen Verbots gar nicht bedurft hätte, da der Religionscultus der Gemeinde von Sacramenten gar nichts wisse; sie haben sich jedoch zugleich vor Eingriffen der Staatsgewalten in ihre durch alle Phasen der vereinbarten, octroyirten, revi- dirten, endlich sanktionirten Landesverfassung gewährleisteten Rechte verwahrt.
* Breslau, 14. Nov. Die „Nene Oder-Zeitung" gibt über die Volksstimme in allen preußischen Landestheilen eine Uebersicht, die sie mit folgenden Worten einleitet: „Wir wissen zwar, daß in dem Preußischen Staate die „Deutsche Reform" und seit dem 2. November, wie es scheint, auch die Kreuzzeitung alles» die öffentliche Meinung vertritt; wir wissen zwar, daß wir in jenes bureaukratische Paradies zurück versetzt sind, in welchem die Negierungs-Organe allein vom wahren Patriotismus getragen werden und allein jene tiefen Kenntnisse besitzen, die sie befähigen, eine Politik zn vertheidigen, über welche ein ganzes Volk sein Verdammungsurtheil ausgesprochen hat; wir wissen endlich auch, daß die Weisheit gewisser Regierungs-Maßregeln eben ihrer immensen Weisheit wegen für die auf niederen Standpunkten stehenden „Unterthanen" unfaßbar ist. Wenn wir demungeachtetim gegenwärtigen verhângnißvollen Augen, blicke auf die Stimme der öffentlichen Meinung Gewicht legen, so erfüllen wir einfach die Pflicht, die unö die Liebe zum deutschen Volke und zu unserm Vaterlande eingiebt. Mag immerhin die „Deutsche Reform"
gleich ihrem Meister, dem Herrn v. Manteuffel selbst wenigstens nach ihrer Ansicht das gesammte Preußische Volk vertreten, belehren und bevormunden — das wenigstens wird man uns cinräumen, daß Jedes der übrigen öffentlichen Organe diejenige Partei vertritt, die sich in ihrem Leserkreise 'abspiegelt. Jedes zum Selbstbewußtsein emporgehobene Volk zerfällt in Parteiendiese Parteien sind nicht, wie die Lehrer des Servilismus vorspiegeln möchten das Unglück und der Untergang eines Volkes, sondern im Gegentheil sein innerstes Leben, das Zeichen seines Erwachens und seiner Größe. Nur muß es gewisse Punkte geben, in denen alle Parteien sich vereinigen und ihre gesonderten Ansichten aufgeben. Wie in England, wenn es das Ausland gilt, Whigs, Tories, Chartisten, Freihändler nnd Pro- tectionisteu einzig und allein als Engländer sich fühlen und in Alt-England sich wiederfinden: so ist bei uns die Ehre und die Größe unseres Vaterlands und damit aufs Innigste verknüpft die Einheit und Freiheit Deutschlands derjenige Punkt, in welchem Demokraten, Conftitutiouelle und die ehrlich Conservativen ihre Parteirücksichten aufgehen lassen. Und e i n e P o l i t i k, welche von diesem Standpunkte aus vou den Organen aller Parteien verurtheilt wird, ist gerichtet für aileZeiten und vom ganzen Volke. So ist's der traurigen Politik vom 2. Nov. ergangen: das ist das Schicksal jener Unentschiedenheit, jenes Schwankens, jenes unseligen Mißtrauens einem Volke gegenüber, das mit einer Berettwihigkeit ohne Gleichen sich zu allen Opfern erbietet, um das wieder gut zu machen, was seine Staatslenker verschuldet. Stoch ist es Zeit zur Umkehr: noch ist es Zeit auf die Stimmen^aller Organe und aller Provinzen zu hören, insbesondere derjenigen Provinzen, die ungeachtet sie ihrer Lage nach zuerst allem Unglück des Krieges ausgesetzt sind, doch zuerst es waren, die ihre Stimme für Aufrechthaltung der Belbstständigkdit und Freiheit unseres engeren und weiteren Vaterlandes erhoben. Berlin — Breslau — Cöln — die Mark, Schlesien, die alten wie die neuen Provinzen: in diesemeinen Punkte sind sic alle einig.
t Berlin, 16. Nov. Der Prinz von Preußen ist wirklich zum Oberbefehlshaber des 2., 3. und 4. Armeekorps und des Gardekorps ernannt worden; die Kabinetsorbre wurde gestern unterzeichnet. Diese Armee, deren Hauptquartier Görlitz oder Breslau sein wird, ist dazu bestimmt, im Falle des Krieges zwischen Elbe und Oder zu operiren. Erst nach erfolgten Ergänzungen und Erklärungen aus Wien und Frankfurt zu der letzten österr. Note wird eine definitive Entscheidung sowohl im Kabinet, wie im Fürstenkollegium erfolgen. Indeß dauern die Rüstungen unablässig fort und das zweite Aufgebot der Landwehr, wovon anfangs nur die eine Hälfte mobilisirt werden sollte, wird nun ganz einberufen. Aus Böhmen und Mähren erfährt man, daß die Truppenzüge auf der Nordbahn unausgesetzt fortdauern bis zum 18., wo die Aufstellung so weit gediehen sein wird, daß vorläufig Halt gemacht werden kann. Am 20. wird der Kaisrr mit Radetzky und Heß zur Musterung im Hauptquartier erwartet. Sollte Preußen alsdann noch immer sich den Bedingungen nicht unterworfen haben, so wird eine kaiserliche Proklamation und alsdann die Eröffnung der Feindseligkeiten erfolgen. Radetzky ist gegen einen Krieg mit Preußen! — Die Stimmung des Volkes in ganz Norddeutschland wird übrigens mit jedem Tage drohender. Daß die preußische konstitutionelle Partei wüthend ist, zeigt die „Const." und „Köln. Ztg."; die in Braunschweig erscheinende „DMeichszeitung" (Gothaer Vollblut!) sieht in der Zulassung der Exekutionen in Kurhessen und Holstein „die vollständigste Anerkennung des Prinzips des Bundestags"; die „Lüb. Z." wird von „einem Gefühl beschlichen, als ständen wir am Ende der Tage"; das „Neue Dresdener Journal" appel- lirt ans preußische Volk und die fromme „Elberfelder Zeitung" sogar ruft den Ministern zn: „Mit Wenigem sich begnügen, wäre jetzt schon für Preußen eine halbe Niederlage, die uns die Sympathien aller kleineren Staaten kosten, uns in den zweiten Plan drängen würde." Nur die ministeriellen Organe Berlins die „D. Ref." und „N. Pr. Ztg." reden beschwichtigend; doch soll in der Ministersitzung am 15. „sich eine allgemeine Unzufriedenheit mit der letzten österreichischen Note unverhohlen knnd gegeben haben", doch vor einer definitiven Rückäußerung erst in Betracht der Zweideutigkeit mancher Ausdrücke vom Wiener Kabinet eine klare Interpretation verlangt worden sein.) Sobald Oesterreich vor Beendigung der Verhandlungen int: der Erekution in Kurhessen und Holstein vorschreitet, sei der Ausbruch des Krieges nicht länger zu vermeiden, wird der „O.-P.-A.-Ztg." aus Berlin geschrieben.) Bis jetzt ist weder über die Zeit (1. Dez. D noch über den Ort (Dresden?) etwas Bestimmtes vereinbart worden. Die preußische Regierung will sofort nach Eröffnung der Kammern auf Bildung eines Ausschusses antragen, um demselben Aufschluß über die mit Oesterreich gepflogenen Unterhandlungen zu geben.
(Const. C.) Der hiesige konservativ-konstitutionelle Hülfs- und Wahl-Verein hat in seiner gestern im Englischen Hause abgehaltenen General-Versammlung eine Adresse an des Königs Majestät beschlossen, in welcher namentlich die Zuversicht zu der Regierung hervorgehoben wird, daß sie die entmuthigenden Besorgnisse
^âm großen Theile des Volkes, als bereite sich eine poütck vor, welche mit der opferfreudigen gnsterung der Armee und des Landes im Widerspruch stunde, zu rechter Zeit als ungerechtfertigt und nichtig durch Thaten widerlegen werde, welche die Ehre Prm- E das gute Recht bedrängter deutscher Brüder r^ «Wen. — Außerdem hat der Verein be- der von den unter die Wagen _ Gerufenen hilfsbedürftig zurückgelassenen Fa- Milien sofort vorzuoereiten und sobald als möglich ins Werk zu richten. ö '
- Dr/ »Const. Ztg." meldet: „Nach einer der „Bresl. Ztg" ^gegangenen Mittheilung besteht der Operations- Plan der Kaiserlichen darin, daß der linke Flügel der : Koalition an der Weser und Mittelelbe sich aufstellen ; sollte: unter dem Commando des Königs v. Würtem- ; berg und angeblich 70,000 Mann stark, meist Baiern sollte er die Westprovinzen Preußens abschneiden. Ein auf 80,000 Mann veranschlagtes österreichisches Heer als rechter Flügel unter Wratislaw und Erzherzog Albrecht sollte rasch in Schlesien von Mähren aus eindringen, um dem Haupt- und Mittelheer die Hand zu bieten, welches unter Radetzky aus Böhmen her vorbrechend, mit den Sachsen 120—150,000 Mann stark von Dresden aus operiren sollte. Die Absicht und Erwartung ist hierbei, in schnellen starken Schlägen überwältigend gegen Berlin zu dringen und mit dessen Eroberung den Nerv der, preußischen Kraft zu lähmen. — -so viel steht fest, daß für jeden der kriegführenden Theile der Besitz von Dresden von entscheidender Wichtigkeit, der Pivot aller Unternehmungen sein würde. Auch zöge man im österreichischen Hauptquartier unbedingt einen Winterfeldzug vor, weil man auf die Abhärtung der eigenen Truppen baut, indeß die preußische Landwehr, wie man glaubt, den Entbehrungen und Strapatzen einer strengen Jahreszeit erliegen müßte.
Die „Deutsche Reform" bestätigt die Abberufung des Herrn von Persigny und dessen Ersetzung durch Herrn Lefevbre.
Dresden, 15. Nov. Der Advokat Zacharias, der am 3. Beptbr. d. J. verhaftet und wegen Betheiligung an den Maiereignissen zu 4 Jahren 'Zuchthaus verurtheilt worden war, ist durch ein am vorgestrigen Tage eröffnetes Erkenntniß des konigl. ObeappellationS- gerichts in zweiter Instanz von aller Strafe freigesprochen und in Folge dessen sofort seiner neuawöchent- lichen Haft entlassen worden. — Heute Mittag rückte eine sechspfündlge Batterie ans; sie nahm d-e Richtung nach der Freiberger Straße.
Z Stuttgart, 16. Nov. Damit man nicht sagen könne, unsere Regierung stelle ihren Preußenhaß noch über die Pflicht der Wahrung der fürstlichen Autorität, ist hier folgende in Berlin erschienene Schrift verboten: „Die Hohenzolleriade. Oder Leben, Thaten, Meinungen, berühmte Aussprüche, sowie auch schreck- . liches Ende des Königs Wanst. Aus Auftrag der Gothaer Versammlung, herausgegeben von Heinrich von Gagern, Verfasser der Lola Montez re." — Auch Rechtskonsulent Veiel hat die vom Minister des Innern an ihn ergangene Einladung zu Wiedereintritt in den Ausschuß vom 10. August 1849 abgelehnt. — In Eßlingen wird ein neuer Dampfer für den Bodensee gebaut, da die zwei jetzigen für den Dienst nicht mehr ausreichen, seit die Eisenbahn von Heilbronn bis Friedrichshaven geht.
München, 14. Nov. (Augsb. Allg. Ztg.) Seit Montag dauern bereits vor dem Kassationshof der Pfalz die Verhandlungen über die Verweisung der politisch Angeklagten von 1849 vor das Spezialgericht. Die noch nicht beendeten Plaidoyers de^ Staatsanwaltes, v. Dall' Anni, und der Anwälte Petri und Golzen erstrecken sich auf so vielfache faktische und rechtliche Deduktionen, daß der Urtheilsspruch kaum mehr in dieser Woche zu erwarten steht. — Am 25. d. beginnt die ordentliche oberbaierische Assise wieder. Von politischen Prozessen steht hier nur einer bevor: ein Prèßprozeß gegen den Redakter des Blattes „Eilbote".
Der Tag der Abreise König Otto's von Griechenland ist zwar noch nicht bestimmt, jedoch weiß man im Allgemeinen, daß dieselbe bis zu Ende dieses Monats stattsinden soll.
München, 16. Nov. (N. K.) Da gestern das Rescript znr Formation des 1. Armeecvrps noch erschienen und somit die Organisation der ganzen Armee erfolgt ist, so wird nun Prinz Karl als Feldmarschall den Oberbefehl übernehmen. Die vorläufige Bestimmung des 1. Armeecoros ist die Aufstellung desselben zwischen der Donau und dem Main. — Ein neuer Transport Oefterrerreicher aus Vorarlberg: bestehend aus 3 Bataillonen, 2 Batterien und gegen 300 ^Transportwagen, ist angesagt.
Salzburg, 13. Nov. (Telegr. Dep.) Selbst der Nest des voralbergischen Truppenkorps hat die tirolische Grenze passirt und sich nach Bamberg in Marsch gesetzt.
Wiener Briefe der „Angsb. Allg. Z." vom 14. d. melden wieder bedeutende Truppendurchmärsche. Aus Ungarn bewegen sich große Maßen nordwärts. Die Gränzregimenter lagen in der Leopoldstadt in Quartier.
Wien, 13. Novbr. (Allg. Augsb. Ztg.) In der verflossenen Nacht sind abermals mehrere Truppenab- thetlungen hier durchpassirt, um zur activen Armee zu stoßen, und morgen marschirt eine Brigade von der hiesigen Garnison von hier ab. Ungeachtet dieser fortgesetzten Kriegsrüstungen scheint sich jedoch das kriegerisch