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Freie Zeitung.

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^U 27Ä» Wiesbaden. Mittwoch, 20. 9tovember 1850.

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Zur preußischen Frage.

X Ueber die Stimmung des preußischen Volkes schreibt dieNat.-Ztg." heute:Wenn zu der gegen­wärtigen Lage Preußens sich in der Geschichte seiner Vergangenheit nur eine einzige Parallele findet, und wenn es damals von tiefem Falle nur um so ruhm­würdiger sich wieder erhob, so läßt uns die Haltung, welche unser Volk der gegenwärtigen Krisis gegenüber angenommen hat, mit Zuversicht einen endlichen ähn­lichen Ausgang derselben erwarten. Es bedurfte viel­leicht dieses augenblicklichen, von Allen in gleichem Maße empfundenen Unheils, um den Volksgeist bis in seine innerste Tiefe zu läutern, um ihm jenes klare Bewußt- ' sein über die zu erstrebende Zukunft und jene stählerne Energie zur Durchführung des erkannten Berufes zu geben, welche seinen neuen Aufschwung unwiderstehlich zum Siege führen werden. Es bedurfte vielleicht die­ser Demüthigung, um die Reste jenes starren Partiku- larismus zu brechen, der noch in der letzten Zeit häufig fremd und abweisend dem Gesammtvaterlaude gegen­übertrat mit dem Wahlspruche:, Preußen ist sich selbst genug, der in der geforderten Hingabe an dasselbe nur die Forderung von Opfern, nicht eine für das eigene Leben nothwendige Ergänzung sah. Das heutige Preußen kann sich nicht der Erkenntniß verschließen, daß in der Jsolirung sein Untergang, daß nur in der Erfüllung seiner nationalen Mission seme Rettung liegt."

Die Verständigung zwischen Oesterreich und Preu­ßen in der kurhessifchen Jnterventionsfrage ist soweit erfolgt, daß Preußen nach seinem Zurückgehen auf die Etappenstraßen nur noch auf gemeinschaftliche Besetzung c? .^eld mit denBundestruppen" besteht; da nun Oesterreich dieser Forderung noch nicht entsprochen hat, so ist provisorisch eine Demarkationslinie vereinbart wor­den. In Betreff der holsteinischen Frage widersetzt Preußen sich zwar nicht der Intervention; aber es will weder selbst die Erekution vollziehen noch zugestehen, daß Oesterreicher den Norden Deutschlands an Eider, Ost- und Nordsee okkupiren. Aber wer soll alsdann iuterveniren? Wahrscheinlich das eine oder andere . Bundeskorpö" mit einigen Bataillons Orsterreichern an der Spitze, wie in Kurhessen. Aber wer bann? Hannover wehrt sich mit Hand und Fuß gegen eine faktische Betheiligung. Also würde kaum etwas Anderes übrig bleiben, als den Sachsen und Württem­bergern und Darmstädtern dies wahrlich wenig ange­nehme Geschäft zu übertragen. Aber man hat ja in Warschau beschlossen, keine Truppen solcher «taaten zu verwenden, welche früher gegen Dänemark standen. Die Schwierigkeit ist also so groß, daß man zuletzt doch wohl darauf bestehen wird, Oesterrelcher zu schicken vder Preußen hinzuschieben, wenn dies nicht bedenklich scheint. Das preußische Käbinet bietet Alles auf, um sich bis zur Eröffnung der Kammern zu keinem ent- scheibenden Schritt gezwungen zu sehen, da es in seiner

jetzigen Gestalt vor die Kammern zu treten gedenkt; eine Vervollständigung soll erst je nach der Haltung der Majorität in den Kammern erfolgen.

Mittags. Den Mund voll nehmen und Schritt vor Schritt nachgeben, das ist die Politik, der das preußische Cabinet treu bleiben zu wollen scheint, bis an das Ende seiner Amtsführung. Gemäß dieser Taktik kann cs uns durchaus nicht überraschen, wenn dieBörsen-Halle" aus Kiel vom 16. November be­richtet, aus Berlin sei die Weisung eingetroffen, daß wenn bis zum 15. Dezember Vie Entwaff­nung der schleswig-holsteinischen Armee nicht erfolgt sei, die Erecution vollzogen werden solle. Der Bericht setzt hinzu, die Antwort der Statthalterschaft laute dahin,daß die Schles­wig-Holsteiner bis auf den letzten Mann für ihr Recht und Vaterland zu sterbeu wis­sen werden." Wird die Haltung des Landes diese Antwort rechtfertigen? DieBörsen-Halle" versichert es mit dem finstern Zusatze, daß Preus­se» vielleicht wohl von dem Durchmärsche der Erc- kutionstruppen verschont bleiben werde, daß Han­nover denselben aber ruhig gewähren werde. Es kommt also hauptsächlich jetzt auf Braunschweig an, dessen Fürst und Volk sich in der schleswig-holstei­nischen Sache früher entschiedener als irgend ein Stamm erwiesen haben, und die jetzt Gelegenheit finden, zu beweisen, ob sieGut und Blut für die Brüder ein- *zusetzen" wirklich geneigt sind, wie sie es in Adressen so oft verheißen haben. DerConst. Zeitg." zufolge wäre die Sache zwischen Hannover, Frankfurt und Wien jedoch noch keineswegs klar, da dieBundes­versammlung^ nicht blos den Durchmarsch, sondern zugleich Hannovers Truppenbctheiligung bei derPaci- fikation verlange."

Asfisenverhaudlungen zu Wiesbaden.

Erster Prozeß.

Anklage gegen Peter Joseph Staht von Haintgen, wegen Todtschlags.

$ Wiesbaden, 18. Nov. Peter Joseph Staht, 29 Jahre alt, Zimmermann von Gewerbe, ist ange­klagt, 'daß er bei dem am 30. Juni l. J. auf der Orts­straße mit Michael Sieger gehabten Streite der Wittwe des Philipp Sieger mit einem Stücke einer Pflugschleife einen Schlag auf die linke Seite des Kop­fes versetzt habe, welcher deren Tod zur Folge hatte, und daß er diese Handlung mit dem ohne Vorbedacht im Zustande des Affektes gefaßten und ausgeführten Entschlusse, den Michael Sieger oder eine andere der ihm gegenüberstehenden Personen, für welche er irr- thümlich die Wittwe des Philipp Sieger gehalten hat, zu todten begangen habe; eventuell: daß doch bei jenem Schlage seine Absicht unbestimmt auf jeden

möglichen Erfolg, sei es Tödtung oder Verwundung derjenigen Person, welche er schlagen wollte, gerichtet war.

Der Angeklagte ist ein kräftiger Mann, sein Aeuße- res verräth keine innere Verdorbenheit, im Gegentheile, feine Ruhe und Gelassenheit und seine offenen Ant­worten lassen schließen, daß er nicht zu den Gewohn­heits-Verbrechern gehört, sondern daß er eben nur in der Aufregung zu einer That verleitet wurde, die so üble Folgen nun für ihn haben wird. Die Art und Weise, wie es bei ihm zu einem so hohen Grave der Aufregung kam, daß er zu einem Schlaginstrumente griff, um sich an seinem Gegner zu rächen, ist mehr geeignet, Mitleid zu erregen, als die Strafbarkeit sei­ner That höher anzuschlagen. Er gerieth nämlich mit den: sehr streitsüchtigen Michael Sieger, mit welchen: er friedlich in der Wirthsstube des Wirthes Ochs in Haintgen zusammensaß, in Streit, der Anfangs von nur sehr geringer Bedeutung war, so daß es beut Wirthe gelang, beide zum ruhigen Nachhausegehen zu bewegen. Michael Sieger verließ zuerst das Zim­mer und rief dann außen, da Staht noch wenige Minuten zurückgeblieben war:Komnre heraus, schlech­ter Kerl, wenn du was willst, du Lump, deine Mut­ter wird ja aus der Armencasse erhalten!" Diese letzte Aeußerung rief die ganze Wuth, die ihn zum Aeußersten greifen hieß, hervor, sein Ehrgefühl war tief verletzt, sein Gegner hatte ihn an dem wun­desten Flecke getroffen, den er nur treffen konnte, denn mag der Mensch auch noch so roh sein, wenn man ihm seine Armuth vorwirft, wenn man ihn mit seiner Armuth beschimpfen will, die er vielleicht gar nicht verschuldet, so wird er sich tief gekränkt fühlen und nach der Beschaffenheit seines Temperamentes mehr oder weniger sich zu Schritten verleiten lassen, die, dem strengen Gesetze zufolge, ihm die größten Nach, theile bereiten. Stahl ist etwas demTrunke ergeben, im trunkenen Zustande soll er bösartig sein, während er als ein ordentlicher Mann im nüchternen Zustande geschildert wird. Er konnte sich nicht mehr bemeistern, nachdem ihn Sieger so tief beleidigt hatte; er lief ihm nach, kam ins Handgemenge mit ihm und schlug mit einem Stücke einer Pflugschleife, das er in der Hast erwischt hatte, nach bin ihm Gegenübcistehenden, (es waren inzwischen, durch das Schreie» des Michael Sieger, dessen Bruder Jakob und dessen Mutter, die Wittwe des Philipp Sieger, hinzugekommen) traf aber in seiner Verwirrung eine Person, auf die er es gar nicht abgesehen hatte. Die Wittwe Sieger, welche ihren Sohn, den sie nur zu gut als einen bös­artigen Menschen kannte, zur ruhigen Heimkehr bewe­gen wollte siel als Opfer. Sie sank bewußtlos nieder und starb den folgenden Tag an ihrer bedeuten­den Kopfwunde, die trotz aller ärztlichen Hülfe nicht zu heilen war. Iakob Sieger lief nach dein erfolg­te» Schlage dem Thäter nach, den er auch bald cur holte, wurde dabei aber von seinem eigenen Bruder

Lisbeth und Katherine

oder belehrende Weibergespräche über religiöse Freiheit.

* Es ist ein höchst erfreuliches Zeichen von der unverwüstlichen Frische und neuerwachten Reg­samkeit im Volke, das ein Schriflchcn, wie das obige, überall wo es bekannt wurde, so großen Anklang findet. In der Mundart des Volkes, in der Pfälzer Mundart, geschrieben, ist es in der That, ganz abge« lehen von feinem Inhalte, ein kleines Meisterstück des Witzes und der Originalität. Es schildert das Land­volk in seiner ganzen Herzhaftigkeit, in seinen Leiden und Freuden so treu und anziehend, daß jeder mit Vergnügen es liest nnd noch einmal liest. Ueber den Inhalt, über die Tendenz der Schrift wollen wir den Verfasser selbst reden lassen, der in der Vorrede sagt:

Immer trüber und immer trauriger gestalten sich unsere deutschen Znstände. Das Pfaffen- und daS Fürstenthum erhebt wieder gewaltig das Haupt, und sie stützen sich auf ihre vermeintliche Macht und auf die Unwissenheit und den Aberglauben des' armen ge­knechteten Volkes. Diese Macht zu brechen, ist unsere Aufgabe; es ist unsere heilige Pflicht, es ist die Auf­gabe der Demokratie. Ja, deutsche Brüder, das Schwert müssen wir ziehen, das Schwert des Geistes!

Es schlägt nieder die Willkühr, es schlägt nieder die Gewalt. Verstummen werden die Kanonen, und sich strecken werden die Bajonette, wenn wir das Schwert mit Geschick und Ausdauer zu führen wissen. Hinaus : müssen wir auf bas Feld des rèligöscu Gebietes. 9iur dort allein werden und müssen wir de» Sieg er­ringen. Ablegen müssen wir aber vor Allem den heil­losen Jndifferentismus, die sogenannte Gleichgültigkeit, welche namenloses Unglück über unser armes deutsches Vaterland gebracht hat. Mit Achselzuckereien ist noch nie Etwas gethan, noch ausgeführt worden. Zur That müssen wir schreiten, wenn wir über Willkühr und Gewalt den Sieg davon tragen wollen. Auch Du, Atheist, schließe Dich der guten Sache an, wenn Du Antheil für Dich oder für Seine Kinder an dem Siege der Freiheit haben willst! Auch Du, strenggläu­biger, der Du noch an den alten verrosteten Formen hängst, wisse, daß Christus alle tobten Formen über den Haufen warf und an deren Stelle die Wahrheck und die Menschenliebe setzte! Erfasse den ewigen Geist, reiche uns Deine Bruderhand zur Versöhnung, ziehe mit uns zur Vereinigung der ganzen Menschheit in das Feld des freien religiösen Gebietes und hilf mit kämpfen für Freiheit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit! Vor Jahren schon hat ein dem Greisenalter nachstehender Bürger aus dem Gewerb- stande dieses Feld betreten, um zu kämpfen für Volkes- und Schulbildung, und für die ewig unveräußerlichen

Menschenrechte. Und wenn ihn: auch manchmal eine Wunde geschlagen wurde, so hat er dennoch nicht das Feld geräumt und nimmt immer wieder den Kampf von Neuem auf. Deßhalb wagt er auch jetzt ein Heft­chen dem Druck zu übergeben in der gewöhnlichen Mundart und Ausdrucksweise des Volkes, unter beut er lebt. Es hat den Zweck, unsere Mitbürger und Schwestern, denen gelehrtere Schriften über das hier Besprochene nicht zugänglich sind, religiös aufzuklären und sie für die Freiheit und den Bruderbund aller Menschen empfänglich zu machen."

Die Lisbeth und Katharine leben in verschiedenen Verhältnissen; letztere hat ihre hebe Roth mit ihren: Manne und erhält von ersterer guten Ratp, wie sie ihn mit .Liebe und Verstand zu einem besseren Leben führen soll. Die Stelle, welche wir als Probe aus- hebe», beginnt mit der Erzählung dieser Bckeprnng.

(Fortsetzung folgt.)

Theater in Wiesbaden.

/X Wiesbaden, 18. Novbr. Gestern sahen wir Göthe's Faust. Ein gewagtes Unternehmen für eine Bühne wie die unsrige. Offen gestanden, wir gingen etwas furchtsam in bas Theater; unsere Furcht war indeß theilweise gar nicht, theilweise sehr gerechtfertigt.

Beginnen wir mit der Titelrolle. Hèr^ N e r k i n g als Faust! Wir glauben wahrlich, daß Falstaff de»