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Jfâ 209. Wiesbaden. Mittwoch, 13. November g^s^
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Die Einkommensteuer.
â Die großartige Einseitigkeit, mit welcher in der Kammersitzung vom 14. Februar 1849 die Commission über den Antrag des Abg. Wenckenbach II.: die Suspendirung des Einkommensteuergesetzes betreffend, berichtete, mußte um so mehr überraschen, als sie aus dem Munde des Abg. Heydenreich kam, welchem nach seinen Bemühungen um die Stelle eines Volksvertreters kein Mensch eine solche einseitige Auffassung je zugetraut hat. Dieser Abgeordnete vertritt indessen in htr Kammer die Partei der Gestaltenseher, deren Loosungswort die blasse Furcht ist. „Sie wollen theilen, thale wolle se!"
Das Prinzip der Einkommensteuer erkennen deren Gegner selbst als richtig an, es muß also gut sein. Nur diejenigen sind gegen diese Steuer, „welche etwas habe n", sie muß also den Nagel auf den Kopf treffen.
Unsere Staatseinrichtungen sind zu kostspielig durch die unnöthigen stehenden Heere von Soldaten und Beamten. Die Steuerlast liegt zu viel unten; das Staatsschiff hat seinen Schwerpunkt verloren, daher dessen ewiges Schwanken, dem nur die Verlegung des Schwerpunktes an die richtige Stelle ein Ende machen kann.
Die Regierung ist in der Sitzung vom 14. Febr. 1849 aufgeforderi worden, der Kaminer Vorschläge zur Beseitigung der Durchführung der dem Lande förmlich verkündigten Einkommen- und Renten-Steuergesetze zu machen. Diese Vorschläge sind ungeachtet der sehnlichsten Erwartung des armem Theils, d. h. des bei weitem größten Theile des Volkes bis jetzt noch nicht gemacht worden. Was fragt dieser Theil des Volks nach der Einführung von gleichem Maas und Gewicht, wenn er bei gleichem, wie bei ungleichem, bei großem wie bei kleinem Maas und Gewicht die Last des Staates tragen soll.
Unverantwortlich ist es und schwer, sehr schwer wird es sich über kurz oder lang rächen, daß die Dinge und Verhältnisse nicht in ihrer natürlichen Einfachheit aufgefaßt und dadurch Zeit und kostspielige Debatten unmöglich gemacht werden.
Fassen wir aber die der Durchführung des Einkommensteuergesetzes bis jetzt entgegengesetzten Hindernisse kur; zusammen, so lassen sich dieselben:
1) auf die Progression,
2) auf die Ermittelung des Einkommens durch eigene Behörden
zurückführen.
ad 1. Die Progression ist eine Ungerechtigkeit, weil sie gegen den Grundsatz der Gleichheit verstößt; an der Progression und nur an dieser ist auch das Einkommensteuergesetz bisher in anderen Staaten ge. scheitert; sie muß deshalb aufgehoben werden.
ad 2. Gegen die Ermittelung des Einkommens
durch eigene Behörden streitet der Geist der Zeit; wie kann man in einem Staate, dessen neue Einrichtungen auf dem Grundsätze der Selbstregiern ng ruhen sollen, wie der Abg. Schmidt in der Sitzung vom 14. Februar 1849 gethan hat, von der Unfähigkeit der Bürger zur Selbstschätzung reden? Wenn wir nicht an fangen, dem Gemeiusinne und der Ehrenhaftigkeit der Bürger Gelegenheit zu geben, sich zu zeigen und zu bewähren, wo soll denn die Ausbildung beider Herkommen? Der Zweifel an der Reife des Volkes wird von seinen eigenen »Abgeordneten auf diese Weise verewigt; wahrlich eine großartige Selbstschändung!
Nicht das Einkommen des bevorstehenden, sondern das des verflossenen Jahres, nicht das reine d. h. das nach Abzug der Bestreitung aller Bedürfnisse und Schuldigkeiten verbleibende, sondern das Einkommen überhaupt soll besteuert werden.
Die Sache ist so klar und so einfach, daß nur Mangel an gutem Willen bei allen Gegnern des Gesetzes vorausgesetzt werde» muß.
Der Staat stellt seinen Bedarf für das künftige Jahr auf und fordert dann jeden Staatsbürger auf, sein ganzes Einkommen vom vergangenen Jahre selbst anzugeben. Das Ergebniß dieser Selbstschätzung wird Gemeindeweise und dann Aemterweise und endlich von ganzem Lande zusammengestellt und das Rech- nungserempel ist ganz einfach. Der Staat fordert z. B. für das Jahr 1851 1,000,000 fl. Die Staatsbürger haben zusammen ihr Einkommen im Jahr 1850 auf 30,000,000 fl. angegeben, macht Steuerbeitrag 3 Prozent des Einkommens. Je höher das angegebene Einkommen, desto geringere, je geringer das angegebene Einkommen, desto höhere Prozente. Alle übrigen Steuern fallen weg, sie mögen Namen haben, wie sie wollen. .
Ein jeder kann sein Einkommen beiläufig angeben, auf 50, 100 fl. kommt es bei größeren Summen gar nicht an und kann dieses noch nicht jeder, so mag er es lernen. Das ist eben das Unglück der Lasttragenden, daß sie nicht rechnen, daß sie also nie erfahren, wie sie eigentlich stehen und für wen sie sich plagen müssen. Gut, sehr gut ist es, wenn auf diese Weise die Lasttragenven zu wahren Erkenntniß gelangen! Wer will dieses aber nicht? Die bisher verhältnißmäßig viel zu wenig Belasteten, die Reichen!
Der Geizige, der Eigensüchtige, der Engherzige, welcher sein Einkommen einmal zu gering angegeben hat, wird und muß in der öffentlichen Meinung so sinken, daß er bei der Selbstschätzung für das nächste Jahr gewiß sein Einkommen richtiger angeben wird, denn von selbst versteht es sich, daß die Selbstschätzung in öffentlich aufzulegenden Regisiern geschehen muß, und die Verhältnisse eines jeden Staatsbürgers sind in der Regel von den ihm im Leben Zunächststehenden so weit gekannt, daß selten einer wird gefunden wer
den, von welchem seine nächsten Bekannten nicht mit ziemlicher Gewißheit so genau sein Einkommen wüß. teil, wie dessen Angabe zum Zwecke der Selbstschätzung nur nothwendig ist.
Derjenige, welcher Gründe hat, sein wahres Einkommen nicht ganz der Oeffentlichkeit zu übergeben, der hat es bei diesem Verfahren selbst in der Hand, es damit zu halten, wie es seinen Verhältnissen am zuträglichsten ihm erscheint, ohne daß er genöthigt, sich dabei wehe zu thun. Wenige Geschäftsleute können den Credit ganz entbehren; stehen sie aber so, daß sie ganz von demselben leben müssen, dann müssen sie entweder elende Betrüger oder äußerst ehrliche Leute seyn. Der elende Betrüger aber kann nicht frühe genug entlarvt werden vor seinen Mitbürgern; der ehrliche Mann steht und bleibt fest, so lange seine Ehrlichkeit dauert, beim mit dieser muß er stehen und fallen.
Schaffen wir unsere Staatseinrichtungen nicht f-, daß jeder Bürger unter ihnen sich wohl fühlt, also gerne seinen verhältnißmäßigen Beitrag zur Erhaltung des Staates steuert, und durch seine eigene Ehrenhaftigkeit und Gewissenhaftigkeit hierzu getrieben wird, dann geben wir auch den Bürgern keine Gelegenheit zur Entwickelung und Ausbildung ihres Gemeinsinnes; fehlt uns aber dieser, dann müssen wir eine Beute der Gewalthaber werden, oder vielmehr bleiben, wofür uns Niemand schützen wird und kann, als wir selbjst!
Preußens Ehre.
X Die Preußen konnten es am 9. November, wovon uns heute die Berichte aus Ost und West vorliegen, immer noch nicht glauben, daß sie einmal wieder gänzlich hinterS Licht geführt werden sollten. Selbst der Umstand, daß mit der Mobilisirungsordre keine Proklamation ans Volk erschien, hemmte die Begeisterung Vieler nicht. Die Depesche von Graf Bernstorff aus Wien war eingetröffen: sie brachte die Bestätigung, daß Oesterreich die Räumung Kurhessens bis auf die Etappenorte verlange, ja nach einer andern Nachricht soll Preußen sich sogar mit einer der beiden Etappenstraßen, der nördlichen nämlich, begnügen. Diese Mittheilungen stimmen ganz zu dem, was seitdem in Kur- Hessen geschehen ist; desto merkwürdiger bleibt es, daß der „Köln. Ztg." aus Berlin geschrieben wird, da jene Depesche nichts enthalte, als die alten österreichischen Forderungen in nur etwas höflicherer Sprache, so habe der Ministerrath in Berlin dieselben abgewiesen. Zugleich meldet die „K. Z.", daß die Befehle zur Einberufung des zweiten Aufgebots, zwei Kompagnien per Bataillon, so wie zur vollständigen Armirung aller Festungen und deren Verprovian- tirung dort in Köln sowohl, wie in Coblenz, ein- getroffen seien. Wir erfahren ferner als Beweis, wie
Michigan.
(Fortsetzung und Schluß.)
Andere Flüchtlinge haben dort in ihren Berufsgeschäften gutes Unterkommen gefunden, und mehrere leben als Farmer höchst zufrieden. Unter den in neuerer Zeit etablirten deutschen Farmern haben wir namentlich viele gebildete Familien kennen gelernt. So hat im vorigen Herbst ein Graf Solms, der mit Familie und Gesinde und in Begleitung von vier Freunden herübergekommen ist, von Titabawassee-River eine ansehnliche Farm gegründet, auf der er jetzt als amerikanischer „Master Solms" Ackerbau treibt. Ebenfalls in der Nähe von Saginaw, am Cheboygonun-Creek, ist die Niederlassung von Friedr. Veenfliet aus Wesel, der schon vor dem verhängnißvollen März des Umgangs mit mißliebigen Artillerie-Offizirren und der Wissenschaft um Dronkes Befreiung von der Citadelle verdächtig, endlich zur Zeit des ersten Erscheinens des gegenwärtigen Ministeriums auf hochverrätherischen Aeußerungen ertappt worden war, aber durch die Flucht sich den Verhaftsbefehlen entzogen und mit seiner Familie in Amerika ein Asyl gefunden hat. Ganz in der Nähe von diesem wohnen jetzt schon 14 andere Ansiedler, zum größten Theil gleichfalls politische Flüchtlinge, die sich sämmtlich tn den neu erstandenen Farmen, zum Theil noch in Blockhäusern, sehr wohl befinden. Vier von ihnen haben Familie, so Cilotte aus Minden nnd Stein ans Iser
lohn, beide kompromittirt wegen der bekannten Maiereignisse am letzteren Orte, Nitze aus der Nähe von Berlin und ein ungarischer Flüchtling, von Eggenberg. Außerdem gehören zum Settlement Cheboygonun: der frühere Kaufmann Post und Dieckmann aus Hagen, der Theilnahme an den Iserlohner und resp, badischen Aufständen angeklagt, zwei Brüder des bekannten frühern Lieutenants Fritz v. Beust und andere unterrichtete und gebildete junge Leute. „It is a Canaan“, sagt Thomson von Michigan, „stowing with milk and honey, but only when the hand of industry opens the fountains and forms the channels!“ Die Settler von Cheboygonun legen durch ihren Fleiß an den Tag, daß sie diese Wahrheit, die übrigens auf die meisten unserer westlichen Staaten paßt, verstehen und sie sich zu Nutze machen wollen. Sie haben herrliches Stateland, den Acre (100 amerikanische Acres = 158 % Morgen Preußisch) zu 75 Cents (100 Cents ----- 1 Dollar; 69 Cents -- 1 Thlr. Preußisch) gekauft. Der Boden, jetzt mit dichten Wäldern von Zuckerahorn, mehreren Eichen- und Buchen-Arten, sowie von Weiß- eschen hauptsächlich bestanden und in der Nähe des Creeks von hohen, schlanken Fichten, hat durchschnittlich 5 Fuß Humus und liefert das trefflichste Waizen- land, wie am Creek herrliche Wiesen. An dem Gefälle des letzteren wird man Sägemühlen anlegen, um das beim Lichten der Wälder loswerdende kräftige Bauholz zu verwerthen.
Dem Etablissement Cheboygonun ist mit Recht eine günstige Zukunft vorauszusagen; die deutschen Herren sonst nur gewohnt, die Feder nnd den leichten Paradedegen zu führen, greifen neben ihren Arbeitern tüchtig mit an, und einzelne schwingen die Art trotz dem besten Nankeeworkman. Dabei sind sie gesund und guten Humors ; der Sonntag vereinigt sie in der Regel zur geselligen Unterhandlung, die ihnen auch in den Städten Saginaw und Flint, wo eine wahre norddeutsche Gastfreundschaft heimisch zu werden scheint, reichlich geboten wird. Die genannten Städte, obgleich erst wenige Jahre alt, haben Stores (Läden), wie sie kaum in den deutschen Mittelstädten anzutreffen sind, und welche die Farmer mit allen Bedürfnissen zur Genüge versorgen. Auch die Kinder sind gesund, lernen aber vorläufig besser schwimmen und klettern, als lesen und schreiben, bis eine regelmäßige Schule eingerichtet sein wird, wozu bereits Anstalten getroffen sind, indem vor der Hand die Väter selbst sich in die verschiedenen U» - terrichts-Fächer theilen werden. — Für das nächste Frühjahr schon ist ein bedeutender Complerns Land, sehr nahe 100,000 Acres, gekauft und in Bereitschaft gestellt, auf welchem eine Gesellschaft süddeutscher Auswanderer eine Colonie gründen wird. — Ich schließe meinen Bericht mit einigen vereinzelten Notizen. Ueber die Verhältnisse in Europa und zumal in Deutschland bleiben wir durch die meistens noch Packetweise zu uns gelangenden deutschen Zeitungen