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Freit Zeitung.

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Z§ 2K8. - Wiesbaden. Dienstag, 12 November j^o

Du ..Zr ete Ze>I ung « «richetnt, mit 4uana»me d«S Montags, täglich in einem Bogen. Der AdonnementSpretS beträgt v terteltâhetg -ler in Wiesbaden I ff. 45 ft.. ou>< wärtS durch die Post vrzogen mit verdaltaißmäßigem Ausschlag«. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und stad bei der großen Lerdreitung dergiften Zeitung KetS von wiei» samem Erfolge. Die ZaserationSgeoubren betragen für die vierspalttg, Petttzeil« 3 Kreuzer.

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Gott gebe feinen Segen dazu "

X Mit diesen Worten hat der König von Preußen laut derVoss. Ztg." die Ordre unterzeichnet,welche gesammte preußische Armee zum Schutze der z.^llßi scheu Ehre und Würde zusammenberuft." Herr v. Radowitz hatte diese Krisis veranstaltet, und hat dafür ein Handschreiben vom Könige erhalten, welches in warmen Worten die kurze Periode seiner Amtsführung zu den glücklichsten Zeiten böchstihrer die# gierung rechnet." Die Firma Manteuffel-Ladenberg setzt das Geschäftmit Gottes Segen" fort; aber welches sind die glücklichsten Zeiten", die Herr v. Radowitz hcrdei- führte und seine Nachfolger jetzt weiter führen? Es ist kein Wort darüber mehr zu verlieren; wir wollen daher nur die neuesten Früchte dieses Glückes versetzen. ^ Es war am 2. Nov., als in Wien in der Mi- nisterkonferen; folgender definitive Beschluß gefaßt wurde: Oesterreich übernimmt im Namen der das Londoner Protokoll unterzeichnenden Machte den Auftrag der Pacifikation der Herzogthümer Schleswig -Holstein. Es intervenirt dort zugleich im Namen des deutschen Bun­des, welcher den dänischen Frieden ratifizirt hat mid demnach verpflichtet ist, seine Bestimmungen einzuhal­ten. Ein Armeekorps von 25,000 Mann ist bezeich­net, um diese Expedition auszuführen ; doch sollen auch zwei bayrische Regimenter Theil nehmen, und hofft man nunmehr, nach Herrn Stüve's Sturz, auf die Mitwirkung Hannovers. Die Truppen werden in Baiern einrücken und durch Hessen und Hannover ih­ren Marsch nach der Elbe nehmen, so daß preußisches Gebiet von ihnen nicht berührt wird. Nach Berlin wird offizielle Anzeige dieser Expedition von Seiten des Bundestages erlassen und die Zustimmung Preu­ßens, als desjenigen wtaates, welcher den dänischen Frieden eigeutlich allein geschlossen und zuerst ratlfizirt hat, als selbstverstanden angenommen werden. Oester­reich sei zwar keineswegs mit allen Bestimmungen die­ses Friedens einverstanden, allein jetzt, nachdem er einmal abgeschlossen, bleibe ihm nnr die Pflicht, ihn auch getreulich zu halten und halten zu lassen. Dem gekemüthigten Preußen wolle man übrigens die letzte Schmach ersparen, daß es gegen eine Sache jetzt mit seinen Waffen auftrete, für welche es dieselben erst vor kurzem getragen habe."

Die Vortruppen des kais. kön. Vorarlbergischen Korps unter Legeditsch waren, über Bamberg kommend, schon bei Brückenan am 8. angetroffen.

Dem preußischen Oberbefehlshaber von der Gröben warmit Gottes Segen" zugleich der Befehl zugegan­gen,zu handle», wie cs einem braven preu­ßischen General gezieme". Und er hatte um Fulda die Höhen mit Artillerie besetzt und dadurch eine fast unangreifbare Position genommen", wie das aus dem Hauptquartier derBundestruppen" unter­richteteBundesorgan" bemerkt.

Das war am 5. November. Was geschah weiter? Am 6. Nov. rückte Fürst Taris mit der 1. Division des Armeecorps in dcr Morgenstunde auf der Fuldaer Straße über Neuhof, Kerzell bis Löschenrod vor und zog an dein Einmündungspunkte der Würz­burger Straße den größern. Theil der über Brücken« a u instratirten 2. Division des Generallieutenants von Lesuire an sich. Worauf, wie früher bestimmt, Quartiere bezogen nnd das Hauptquartier der Bun­destruppen nach Neuhof verlegt wurde. Bei dem Anmarsch dieser Truppen wichen die preußischen Vor­posten überall zurück. Jenseits der Fuldabrückt, zwi­schen Löschenrod und B r o n z e l l, machten die preuß. Vkbttttn Halt. Es erschienen zwei preußische Osfiziel-e und gaben dem Commandanten der Avantgarde, Ge­neralmajor v. H a ilb rönner, die bestimmte Erklärung ab, daß Brouzell von den preußischen Truppen^ besetzt sei, und daß jedes weitere Vordringen der diesseitigen Vebetten mit Waffengewalt verhindert würde. Auf die Erwiderung, daß hier der für diese Nacht bestimmte Halt gemacht werde, wurde nach gegenseitiger Con­vention die Feindseligkeiten für diese Nacht aufgehoben und die beiderseitigen Vedetten an der Fuldabrücke auf­gestellt. AM 7. Nov. blieben die Truppen in ihrer bei­derseitigen Stellung." Der offizielle Bericht meldet ferner: Am 8. rückte derk. bayerische General der CavaUerie, Fürst v. Thurn und Taris, auf der Straße nach Fulda mit der Avantgarde vor. Die Absicht war nur, eine Veränderung der Quartiere und eine Recognosei- rung anszuführen. Die erstere war nothwendig, weil die Buiwestruppen in den bezogenen Quartieren keine Lebensrnittel erlangen konnten. Um den preußischen Truppen aber auch keinen Vorwand zu Feindselig­keiten zu geben, hatte die Kavallerie der Avantgarde die Säbel nicht gezogen, auch waren die Gewehre der Infanterie nicht geladen. Vor dem Dorfe Bronn- zel l empfing die Bamdestruppen pt^tzlnh rm ^^sst-S Tirailleurfeuer. Eine Abtheilung des k. k. 14. Jäger- bataillons und die Schützencompagnie dcs 1. Batail« lons des 11. Infanterieregiments gingen in zerstreuter Ordnung wieder vor. Die preußischen Truppen wur­den hinter das Dorf zurückgeworfen, und das Dorf von den Bundestruppen behauptet. Leider ist die Verwundung von 5 braven kaiserl. Jägern des der Avantgarde zugetheilten Oberlieutenants Petrovitz, zu beklagen, von denen zwei schwer verwundet sind. Die preußischen Truppen ließen es nicht bei diesem einzi­gen völkerrechtswidrigen und vollkommen unberufenen Angriff bewenden, sondern gaben auch später auf den Coinmandanten der Avantgarde, Generalmajor Heil­bronner, sowohl als auf den ersten Adjutanten Ma­jor Frecherm v. Lamotte, der über Bronnzell hinaus mit einer Recognoscirung beauftragt war, Feuer. Wäh­rend man hiernach anzunehmen allen Grund hatte, daß der mit Blut bestätigte gewaltsame Widerstand gegen den Vollzug der Bnndesbeschlüsse im Betreff der kurhessischen Frage, auf dem betretenen Wege fort­

gesetzt werde, traf am 8. ein preußischer Parlamentär im Hauptquatier in Löschenroth ein, und überbrachte ein Schreiben des k. preußischen Generals Graf v. d. Gröben an Se. Durchlaucht des Fürsten von Thurn und Taris, worin der Graf v. d. Gröben erklärt: er werde auf Befehl, den er von Berlin erhalten habe, morgen den 9. November um 12 Uhr Fulda räumen und sich auf die Etappenstraße zurückziehen."

Die Bestätigung dieses Berichtes ist am 10. in Frankfurt eingetroffen : die Preußen haben am 9. Fulda geräumt, sich auf ihre vertragsmäßig zusteyende Etap­penstraße nach Hers feld über Hünfeld und Neukirchen zurückgezogen und dieBundestruppen" Mittags ihren Einzug in Fulda gehalten.

Ist das die Handlung,wie cs einem braven preußischen Offizier ziemt?" Sogebe Gott sei­nen Segen dazu!" Aber wie war es möglich, daßPreußens Ehre und Würde" sich so bewahren konnte? Die Sache erklärt sich sehr einfach durch die preußische Politik, deren Motto seit 1840, wie die Köln Z." neulich äußerte, ist:Ordre, contreordre désordre!" Die ministeriUeDeutsche Reform" vom 8. meldet:Die königliche Regierung rüstet nur deßhalb ernstlich (ernstlich?!), um die Erhaltung eines ehrenhaften (?) Friedens, wo irgend möglich noch zu erzielen. Die Antwort des k. k. österreichischen Kadinets ist heute eingegangen. Das Staätsministc- rimn befindet sich über dieselben in Berathung. Ein entscheidender Beschluß wird erst unter, dem Vorsitze Sr. Majestät des Königs und nach Ankunft des Gra­fen Bernstorffs , welche durch Unwohlsein (durch Bcrn- stroffs oder Preußens Unwohlsein?) behindert, gefaßt werden."

Es gehört wohl wenig Kombinationsgabe dazu, um einzusehen, daß dieserentscheidende Beschluß" gefaßt wurde und die neue Ordre an den Oberbefehlshaber, g«lM $h raumen^ 3itr Folge hatte Was dieses E- eign zu bedeuten habe, zeigt Herr von Blittersdorf in derO.-P.-A.-Z." durch die Begründung der Ver­sicherung, es seiendie ersten Frievenshoffnungen, die das Gepräge innerer Wahrscheinlichkeit an sich haben", jetzt an der Zeit. Er schreibt:Die vielfachen Anga­ben über die Resultate der Warschauer Conftrenpn glauben wir in nachfolgenden Sätzen zusammenfaffcn zu können: 1) die gegenwärtige Union mit ihrer bm- desstaatlichen Verfassung wird aufgegeben; 2) freie Conserenzen finden statt, wie im Jahre 1819; 3) der Bundestag besteht interemistisch fort; 4) das Unirungk- recht wird auch für die Zukunft anerkannt, jedoch nur auf Grund des Art. XL der Bundesakte, so daß jedes specielle Bündniß der Genehmigung der Centralgewalt bedarf; 5) eine starke Centralgewalt soll geschaffen wer­den, wobei es aber im Zweifel bleibt, ob dieselbe duich Dualismus, eine Trias, ein Direktorium der Königs oder wie sonst herzustellen sei; 6) die Frage wegen des preußischen Copräsidiums bleibt ausgesetzt; 8) dehn Bundesinj)ibitorium folgt in Schleswig-

Michigan.

(Fortsetzung.)

Die geographische Lage unseres Staates darf ich als bekannt voraussetzen. Von den Seen Erie, Hu­ron und Michigan umgeben, in welche aus dem In- nein nach allen Seiten hin schiffbare Flüsse münden, und im Süden begränzt von den Staaten Indiana und Ohio, zeigt sich derselbe für die Absatzwege der Landesprodukte und für den Handel überhaupt so gün- stia, wie kein anderer Staat der Union. Die klimati­schen und geognostischen Verhältnisse sind dieselben, wie in Wisconsin; Michigan und der letztere Staat liegen unter denselben Breitegraden, ersteres genau genommen noch etwa einen Grad südlicher, und es ist daher lächer­lich, wenn man Michigan als ungesund und schädlich für die Konstitution deutscher Einwanderer, Wisconsin und Iowa dagegen als mehr zuträglich und vorzüglich geeignet in dieser Beziehung darstellen will. Es fällt uns nicht ein zu läugnen, daß die beiden letztgenann­ten schöne und reiche Länder sind, wir nehmen nur gerechter Weise für Michigan dasselbe Urtheil in An­spruch, da hier Boden und Fleiß dieselben Produkte erzeugen, wie in jenen. Eine Eisenbahn in westlicher Richtung durchzieht das ganze Land; bis an den Mi- chigan-See, von Detroit ausgehend, ist sie 220 Meilen lang; sie ist Eigenthum von Aktionären in den östlichen

Staaten nnd kostet im Ganzen 5,400,000 Dollars. Eine andere Bahn geht von Montroe am Eric-See südlich von der vorgenannten Michigan-Central-Rail-Road; sie soll bis in den Staat Indiana durchführen und ist jetzt fertig bis Hillsdale; eine dritte Bahn führt von Detroit nordwestlich; sie ist bis Pontiac vollendet. Was die sozialen und politischen Verhältnisse betrifft, so sind diese im ganzen Westen ziemlich übereinstim­mend: überall ist die Bevölkerung durchgehend demo­kratisch, wie die Verfassung und die Regierungen, überall finden sich dieselben amerikanischen Vorzüge und Mängel in Gerichts- und Munizipal -Verfassung und Verwaltung. DieS gilt von Michigan ebenso, wie von Wisconsin, Iowa, Illinois, Indiana und Ohio. Freilich hat vor einigen Jahren auf kurze Zeit, nach­dem die Einwanderung hierher ins Stocken gerathen war, die Whig-Partei hier im Lande die Oberhand gehabt, seit den letzten 2 oder 3 Jahren sind aber wieder die Demokraten die Stärkeren, und die Partei konsolidirt sich immer mehr. In der Verfassung unter­scheiden sich Wisconsin und Michigan unter Anderen durch den wesentlichen Umstand, daß in ersterem Staate schon ein halbes Jahr nach der Erklärung, in Nord-Amerika sich bleibend niederlassen zu wollen, in dem letzten aber erst drei Jahre nach demselben Zeit­punkt der Einwanderer die Bürgerrechte in den er­wähnten Staaten erlangt. Manche finden in dieser schnellen Erlangung deS Bürgerrechts in Wisconsin ei­

nen Vorzug, aber gewiß mit Unrecht. Denn das Recht der allgemeinen Staatsbürgerschaft erlangt der Ein-' Wanderer in der ganzen Union doch erst 5 Jahre nach Abgabe jener Erklärung. Auch müssen jeden­falls aus der Thätigkeit solcher Bürger, die während dreier Jahre Gelegenheit gehabt haben, die Institu­tionen ihres Staates, die Tendenzen nnd die Stellung der einzelnen Parteien, sowie die Charaktere der en# zelnen bedeutendem Personen in demselben zu studireit und kennen zu lernen, vernünftiger Weise solidere Resultate hervorgehen, als aus der Abstimmung von Einwanderern. Diese sind in den ersten 6 Monaten ihres Aufenthalts mit den eigenen Einrichtungen so vollauf beschäftigt, daß ihnen nicht Zeit bleibt, auch nur oberflächlich die betreffenden Verhältnisse kennen zu lernen; sie können also bei dem besten Willen nach einem so kurzen Aufenthalt nicht im Stande sein, selbst­ständig und bewußt von ihren politischen Rechten Ge­brauch zu machen, und müssen vielmehr ein Spiclbalt der Parteiführer werden. Unter anderen zeichnet sich auch das Gesetz von Michigan aus durch den größeren Schutz vor unverschuldeter Verarmung, der dirrch Be­schränkung der Mobiliar Erekution gegeben wird. Ausgeschlossen von der Erekution sind: die Kleidungs­stücke der verschuldeten Familie; deren in Gebrauch genommene Spinnräder und Wcbestühle, Wassen inte die gesetzliche Militärequipimng, 2 Kühe, 10 Schafe, 5 Schweine, 1 Pflug, 1 Egge^ 1 Wagen und alle