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Freie Zeitung.

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Wiesbaden. Sonntag, IO. November

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Ot»Ur ete 3ett um" erscheint, mit Ausnahme des StzontagS, täglich in einem Bogen. Der Ldoanementspreis beträgt v iertelkährtg hier in Wiesbaden I ff. 45 !r »u#« ivârtS durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Berbeettung derFreien Zeitung« stet« von ®fd» famem Erfolge. Die I is»rattonS>,e''üvrrn betragen für die vieespalttg, Petttzetl« 3 Kreuzer.

Für Wiesbaden und die Umgegend, wenn das Blatt bei der Expedition abgeholt wird, werden auch Abonnements auf die Monate November und Dezember angenommen.

Zur deutschen Frage.

X Der preußischeStaatsanzeiger" vom 7. No­vember enthält die Ordre über die Mobilmachung der Armee, der Linie, wie der 200 Bataillons (18tt,000 M.) Landwehr ersten Aufgebots, und dieR. Pr. Ztg." eröffnet bereits, um nun auch ihren Kriegsinuth zu vo- kumentiren, einen Aufruf zu einer freiwilligen Kriegs­anleihe, zu dereine bedeutende Persönlichkeit" in voraus 50,000 Thlr. zugesichert hat. Zu diesem U'n- schwunge hat mancherlei beigctrageu. Zuerst dre stei- âende Aufregung sowohl der konservativen und konsti­tutionellen, wie der specifisch preußischen Partei welche so weit ging, daß z. B. an der Börse am 5. Novem­ber mehrere namhafte Finanzgrößen die preypifche Ko­karde vom Hute rissen und mit Füßen traten und euier soaar zum Hohn preußische Kassenanweisungen zu 99pCt. ausbot. Ferner hat Brandenburgs Tod den König tief erschüttert: der Mann war ein beschränkter Kopf, aber ein Herz von altpreußischer Ehre, und ist an den Warschauer Pillen gestorben. Dazu kommt die Wuth des Prinzen von Preußen und der Armee über die offene Verhöhnung derselben durch die Baiern und Oesterreicher. Ueber die speziell polititischen Gründe »ur Mobilmachung meldet dieDtsche. Nef." Folgendes: Veranlassung zu dieser Maßregel hat die neuer­dings an Preußen gestellte Forderung der Räumung Kur Hessens gegeben, indem es Ange­sichts dieser erneuerten Zumuthung, verbunden mit den inzwischen auf mehreren Seiten fortgesetzten Truppen­märschen unmöglich schien, es fernerhin ohne weitere Vorsicht auf Den Ansgang der angetuilpste« Verhand­lungen ankommen zu lassen, wiewohl die Hofsnung auf den befriedigenden Ausgang beriethen nicht aufzugeben ist. Die diesseitige Regierung hatte noch gestern auf telegraphischem Wege nach Frauksürt die Aufforderung gerichtet, daß dem werteren kriegen- schen Vorgehen in Knrheffen Einhalt gethan weroe; aber wiewohl der Graf Thun geneigt war, hierauf einzugehen, so gelang es doch dem Munster Hassen­pflug, im sogenannten Bundestag eine Majorität für den Fortgang der militärischen Maßregeln zu erlangen. Dem General Graf Gröben ist hierauf der Befehl zugegangen, nunmehr blos nach militärischen Rücksichten zu operirem Bei den angeordneten militärischen Maßregeln wird es auch nothwendig werden, die prcußljchen Truppen aus Baden herauszuz.ehen; _em Wil derselben ist bereits auf dem Marsch begriffen. "Nachdem die mitgetheilten Beschlusse gefaßt worden, ist die Einhelligkeit in unserm Ministerium als voll- ständig wiederhergestellt zu betrachten, «e. drillt nj her Herr Fünfter der geistlichen rc. Angelegenhelteu rat sich definitiv bereit erklärt, im Ministerium zu l leiben. Voraussichtlich wird derselbe nun auch pe» interi- mistischen Vorsitz im Staatsmiulsteriuin übernehmen. DKse interimistische Uebernahme des Vorsitzes von sei­ten des Hrn. v. Ladenberg (!) ist am 7. erfolgt. One Aenderung war an diesem Tage m der Ulitsscheft Si­tuation zu Berlin nicht erfolgt, doch meldet der TAc- aravb daß in Folge der Mobilmachung eine Wiener Note übergeben worden sei. Zu dem Zuiatze:Dem f. f österreichische» Eivilkommiffar Grafen von Nech- berâ soll von Wien anèmpfohlen sein, bei den Opera­tionen in Kurhessen jeden Angriff möglichst hinauszu- S n " «ch- dos B,m°âgM nn 8r«SW*>'- oi w-ma-r ist -S Tünche, °a» NN «- »NIV- imd^Rbön noch nichts vorgefallen ist und auch fchwer- lick vor Ankunft des Prinzen von Preußen etwas ge- »eben wir Sie T-nxk-nst-iinnz war am 7 November so: Die preußischen Truppen hielten

Knlkâl bi« nnf ei« V»r,->mnl. W »°» ber Stadt Fulda, nämlich bis zur Fuldabrncke bei kein Dorfe Kohlhaus, die Stadt Fülda, die gegen vas stihon- aebtta ansteigenden Höhen bis Florenzberg und Mel- ttrs Werner Bronzell, Langenbiber, Blbrastctii, Nieder- bibe'r Wittges und Langenberg einerseits, wie die ge­gen den Vogelsberg sich erhebenden Hügel ankeifeits, mi, d-n Dörfern Ober- u»° M-°->â,-1-i . » mcheN â> freut, Hainzell, Kleinlüder, Malges, MabeiHl e,, st dann den Peters- und Frauenberg, die Dörfer Hstae, Zrf Riesig tc. besetzt. Die Bundestruppen stud zum Theil in der Hauptrichtung von Neuhof bis ^llln- sönccntrirt zum Theil haben sie die Abhänge des Rhöngebirgs und die Ortschaften Bilgerzell, Ober- uüb Unter-Dirlos, Dippertshansen, Diedershanfen und

Eichenzell auf der Ostseite des Thales, wie auch meh­rere Dörfer auf der Westseite desselben inne. Die N. Pr. Ztg." gibt über die Situation folgende Mit­theilung:Die freien Conferenzen werden, wie uns aus Wien mitgethcilt wird, für den Fall ihres Zusam- meiitritts, nicht in Wien, sondern entweder in Dresden oder Nürnberg abgehalten werden. Dem Vernehmen nach hat Lord Palmerston eine vertrauliche Mitthei­lung hierher gelangen lassen, in weicher er bebauent soll, daß England wegen der zur Zeit in Preußen gelten, den Handelspolitik für den Fall einesKriegcs zwischenPreu- ßen unb Oestreich der preuß. Regierung keine andere Un­terstützung «»gedeihe» lassen könne, als durch Noten und höchstens durch Anleihen. Frankreich hat hier die Mittheilung machen lassen, daß es für den Fall des Conflikts zwischen Preußen und Oesterreich vorerst sichzusehend" verhalten werde." Ueber die Verheißun- gen welche Baiern gemacht wurden, gibt ein Artikel derOberpostamts-Zeitung"von der Isar" lehr­reiche Andeutungen. Oesterreich , heißt es dort, habe aufs Bestimmteste anerkannt,daß die mitt­leren deutschen Staaten als Trias in der Bun- desleitung berücksichtig- werden sotleü." Oesterreich hofft, diese dritte Macht so in die Hand zu bekommen, daß Preußen stets in der Minorität und also in der fakti­schen Ausgeschlossenheit aus der Oberleitung der Bun­kesangelegenheiten bleibt; Baiern dagegen, dessen Politik in der deutschen Geschichte von jeher eine fluchwürdige war, hofft auf diese Weise die Hegemonie in die Hand zu bekommen, da seine Stimme dann, wie es., sich ein- bildet, in allen Kontroversen entscheidend sein würde. Zugleich will man in Berlin genau wissen, daß hie Wittelöbacher fest auf die Theilung. Badens u^ auf den Besitz Frankfurts rechnen. ^ Oesterreich befindet sich trotz seiner Prahlereien Zo in Noth, daß dieLpz. Ztg." meldet, Radetzky sei hauptsächlich deshalb nach Wien berufen, um mit ihm wegen der total gescheiter­ten italienischen Anleihe zu berathen, da es sich jetzt darum handle,sie auf vemWege desZwanges zu engagiren." Schöne Aussichten für die.deut­schen Staaten, da die kaiserlich königliche Regierung den Grundsatz:Italien muß seinen Kriegs- und Belagerungszustand selbst bezahlen", gewiß auch auf die Länder anwenden wird, für 'welche derBundestag" seine Truppen alsBundesauriliartrnppen" in Anspruch nimmt. Oesterreich requirirt durch denBundestag", den es beherrscht, seine Hülfe selbst und läßt sich diese hinterher gutHezahlen: ist das nicht dasselbe, als wenn der Kurfürst weiland seine Soldaten verkaufte? Han­novers Stellung ist noch immer nicht klar. Der Köln. Ztg." wird der Tert des Inhibitoriums, wel­ches der Bundestag an die Statthalterschaft gerichtet hat, mit dem Zusatze .mitgetheilt, Hannover habe in formeller Weise jede Handreichung zur Bundeserekution abgelehnt; ebenso habe die Statthalterschaft eine ab- lrpnende Antwort auf das Inhibitorium nach Frankfurt geschickt. Dagegen meldet dieFiebers. Ztg."s, Han­nover habe den' Generalsekretär des Innern, Herrn v. Hammerstein nach Frankfurt geschickt; Zweck seiner Mission sei:Instruktionen und Vollmacht vom Bun­destage zu empfangen, um dann sofort als Bundes- commissär nach Holstein zu gehen behufs Ausführung des Bundesinhibitoriums; sollte die Statthalterschäft sich wiedersetzen, so wird sofort mit entsprechender Truppenmacht eingeschritten werden." Zugleich wird Detmolds Abberufung aus Frankfurt als unbe­gründet erklärt.

Mittags. Schon istvon feindliche» Operationen Ruß­lands gegen Preußen die Rede. Die Nachricht kommt woZ zu früh und ist nur erst eiu Schreckschuß des Bunves- organes; indeß man darf darauf gefaßt sein, daß die Moskowiter nicht feiern werden, ihre» k. k. Kameraden beizustehen. In Berlin , wie am Rhein ist die Be­geisterung zum Kampf gegen das Mongolen- und Hunnenthum allgemein. Die Kriegsschule ist in Berlin aufgelöst, da alle darin befindliche Offi­ziere zu ihren Regimentern abgegangen sind.

Eine andere Nachricht verbreitet Freude: Kinkel ist in der Nacht vom 6. auf den 7. aus sei­nem Gefängnisse in Spandau mittelst Strick­leiter entkommen und zur Zeit noch nicht wieder verhaftet worden. Die ministerielle , Eonst. Corresp." bestätigt diese Nachricht. Eine an- me, jedoch noch der Bestätigung bedürfende M-tthei- lung der Berliner Börse lautet, daß die mchfstchen Of­fiziere, als sie Ordre bekommen, zu den Baiern zu stoßen, eine Erklärung gegeben hätten, sie wurden mcht

gegen die Preußen zu Felde ziehen. Ferner wird ver­sichert, daß der Abschluß eines Schutz- undTrutzbând- niffes zwischen Hannover und Preußen nahe bevorstehe; endlich, daß der König von Preußen in diesen Tagen einen Aufruf ans Volk erlassen werde. Aber wem gilt dieser Aufschwung, dem freien deutschen Wèsen vier dem specifisch-pietistischen Preußenthum? Wenn eS sich bestätigt, daß Manteuffel zum definitiven Ministerprä­sidenten und Bobeischwingh Minister des Innern werden soll, dann ist Preußen nur um so sicherer ver­loren, je höher dasPreußenthum" sich wieder in Illusionen verfängt. DieNational-Zeitung" meldet: Wir erfahren aus zuverlässiger Quelle, daß die Mo- bilisirung des Heeres nicht entfernt die Absicht bat, unter etwaigen Eventualitäten die Sache Preußens alS die nationale zu proklamiren und unter diesem Ban­ner vorzuschreiten. Es ist vielmehr dâs spezifisch preu­ßische Interesse auch bei diesem Schritte mehr ass je das allein maßgebende, und zwar nicht etwa ein wirkliches praktisches Interesse dieses Preußen- thums, sondern allein das jener be eitS so tt'l be­sprochenen sogenanntenpreußischen Ehre." Diese soll jetzt dadurch gewahrt werden, daß, indem man in der Mitte von 500,000 bewaffneten Männern nachgiebt, man der Welt den Beweis liefert, daß diese Nachgie­bigkeit nicht eine erzwungeme, sondern eine frei aus der innersten Herzensmeinung unserer Staatslenker her- vorwachsende ist. Die Union ist und bleibt definitiv aus gegeben! In Kuxhessen wird der Bundestagspolitik kein Widerstand ^entgegengestellt. Ja rs wird der Bundeserkütions-Armee, welche Holstein zu pacificiren hat, freien Durchzug durch Preußen gestartet! Das preußische Volk zahlt 20 Millionen, damit Preu­ßens Heere das Mes nicht nur mit ansehen, sondern auch dafür sorgen soll, daß es ohne alle weitere Zwischen­fälle ausgeführt, werde, und damit Niemand länger zweiste, daß das neue herzlicheEinverständniß zwischen den drei Großmächten wirklich aus dem innersten Her­zen hervorgeht. Die angeblich nothwendige Eoncentri- rung der preußischen Streitmacht leiht zugleich den be­quemen Vorwand, die preußischen Truppen aus Baden und Hambug zurückzuziehen, und so einen lange von Oest­reich sehnlich gehegten Wunsch mit Anstand zu erfüllen. Der Czar hat kategorisch ausgesprochen, daß er jede Verhinderung des Einschreitens der Bundestruppen in Holstein als Kriegserklärung betrachten werde. In Kurhessen hofft er rasche friedliche Einigung über die Ausführung von Maßregeln, über welche man im Prinzip einig sei." Wir werden sehen, ob dieNat.- Ztg." zu mrslrauisch war; die Nachrichten aus Wien und Frankfurt lauten allerdings so, daß sie in t diesen Befürchtungen nicht im Wice. spräche stehe».

* Wiesbaden, 9. Nov. Unser: Brürlaubtcn fnib einbeiufen. Die Mobilmachung unseres Kontingents rrfvlgt; auch Pserke »Ankäufe werden dein Vernehmen nach vorgenommen. In nächster Woche stoßen unsere 6000 Mann mit 16 Geschützen zu dem preußischen Ar­meekorps, das bei Kreuznach gebildet wird und geson­dert zu operiren bestimmt sein soll.

* Wiesbaden, 8. Nov. Die Gerüchte vom Abtreter, des Ministeriums W i n ß i u g e r o d e und vom Abfall Nassaus von der Union kann dieNass. Allg. Ztg." mit ziemlicher Bestimmtheit als unbegründet erklären.

55 AuS der Grafschaft Westerburg. Eine un­gewöhnliche Sensation bringt dermalen in unserer sonst so friedlichen Gegend das Treiben der sogenannten Alt- Lutheraner unter ihrem geistlichen Anführer, Herrn Brunn hervor. Unter dem gewöhnlichen Vorgedrii desreligiösen Bedürfnisses", mit welchem man aus» hier Persönlichkeiten und Gehässigkeiten zu verdecken suchte, riefen im verflossenen Sommer während einer Urlaubsreise des Pfarrers S. zu Gemünden mehrere ihm Uebelwollenke jenen geistlichen Herrn von seiner alt -lutherischen Kolonie zu Steeten herüber, und es gelang diesem, den größeren Theil der Gemündener Gemeinde zur Lossagung von der unirten evangelischen Kirche zu bewegen, aber auch ein Zerwürfniß und einen Parteihaß in der Gemeinde hervorzurufe», die bereits die traurigsten Erceffe herbeigeführt haben, die Recht- gläubigkeit und Frömmigkeit der Abgefallenen mindesten- sehr zweifelhaft machen und in in ihren weiteren Folgen viel Schlimmes befürchten lassen. Nachdem den AuS