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Wiesbaden. Freit ^, 8. dtovember

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TUstreik 3« 1 1 unß" erscheint. mit AnSnadme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Ldonnemeiuspr.-w d.rragt v lerteljad r ig hier to Wiesbaden 1 fl. 45 k auf« märté durch die Pust ^i 'fltn mit verhaltnißmâßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen uns sind bei der großen Serdrertung derFreien Zeitung" stets von wir!- samem Erfolge. - Die 3 srratroaâgebü-ren betragen für die vierspalttge Petttzetle 3 Kreuzer.

Preusiiscde Wehrnfe

Ä- Cs ist unter den jetzigen Verhältnissen überaus wichtig, die Sprache Der Hauptparteiorgane in Preus­sen zu hören, weil sich darin Dir Stellung dieser Par­teien bei der nächsten Krisis ankündigt. Wir legen deshalb heute einige der schlagendsten Stellen aus dem Organe Der gemäßigt demokr M sehen Partei in Preußen, derR.-Z." und aus dem H a u p t b o u r g e o i s b l a t t e am Rhein, derKöln. 3", vor. Jene, dieN.-Z", beginnt ihren neuesten Leitartikel mit folgender Betrachtung: Die Lage der Dinge ist fortwährend eine sehr ernste. Daß das preußische Kabinet zum Nachgeben bis zur äußersten Grenze entschlossen ist, geht aus Allem her­vor. Mit den Symptomen seiner Nathlofigkeit und Schwäche aber wächst der herausfordernde Uebermuth in Wien. Man legt es dort förmlich darauf an, Preußen auch den letzten Schein eines Rückzuges ab. zuschneiden, bei dem noch ein Nest von Ehre bewahrt bliebe; man ist entschlossen, alle günstigen Chancen bis zum Aeußersten auszubeuten, welche das Bündniß mit Rußland und den kleinen deutschen Königen Oester­reich bietet, Preußen keine Folgen der traurigen Jsoli- rung zu sparen, in die cs sich durch seine Politik seit 2 Jahren versetzt hat. Es ist auf eine unbedingte Demüthigung abgesehen, auf eine Demüthigung, die Preußen nicht etwa in seine vormärzliche Lage, son­dern in seine Position vor dem siebenjährigen Kriege zurückwnfen würde. Wiedie Frankfurter National­versammlung Schritt vor Tchritt die Rechte der -lla- tivn Preis gab, wie sie immer rathloser sich an die Politik der Regierungen anlehnte, und von ihnen so nach und nach aus jeder unhaltbaren Stellung in eine noch unhaltbarere und endlich ins Verderben sich Dram gen ließ wie die Gothaer Partei auch dann noch fortfuhr sich an die Regierungen mit ihrem Rufe nach Versöhnung und Verständigung anzuklammern, und ihre Illusionen erst aufzugeben anfing, al. sie bereits vollständig desorganisirt und diskreditirt war, so sehen wir jetzt die preu­ßische Regierung, welche die Nationalversammlung und die Gothaer Paitei zu Grunde gerichtet hat, ganz den­selben Weg Rußland und Oesterreich gegenüber ern- schlagen. Auch das spezifische Preußenthum hat sich unmöglich ganz unberührt halten können von den Jie' sultaten der Bewegung des Jahres 1848, Es ist in die Nothwendigkeit versetzt worden, die Gelegenheit zu einer Machtvergrößerung Preußens, die sich ihm ungesucht darbot, nicht unbedingt zurückzuweisen; es hat nicht umhin gekonnt, von Zeit zu Zeit eine ge­wisse Solidarität mit den nationalen Ideen zu prokla- miren. Die absolute Reaktion, die russische Re­aktion verzeiht ihin das nicht, sie wirft ihm den Fehde­handschuh hin. Umsonst sagt man täglich in unsern halbosfiziellen Organen feierlich derRevolution" ab, man wird dennoch als mitschuldig betrachtet; umsonst gab man unablässig den Durst und)Verständigung"

Michigan.

Detroit , 1. Sept. (Nat.Z.) Das Staatssiegel von Michigan führt die Inschrift: Si quaeris peninsulam amoenam. circuinspice ') Die Berechtigung unsres Landes zu dem in dieser Devise enthaltenen Selbstlobc beginnt seit dem verflossenen Jahre auch von den deut­schen Auswanderern wieder mehr anerkannt zu wer­den. Denn der Strom von Europamüben, der feit 1843 nur unsere Küsten umschiffte, um in Wisconsin und in neuerer Zeit auch in dem noch westlicher ge­legenen Minnesota zu münden, treibt jetzt wieder sei­nen Hauptarm in unser Land, und, wie es scheint, wird Michigan in der nächsten Zukunft für Diejenigen AuswandererMode werden", die sich nicht durch das winterlose Teras und das Golo Kaliforniens abhalten lassen ein der deutschen Konstitution entsprechendes Klima bei Auswahl der neuen Heimath zu berücksich­tigen. Der Grund, weshalb seit der angegebenen Zeit die Auswanderung in unser Land in Stocken gerreth, ist derselbe, der jetzt in Beziehung auf Wisconsin nach, theilig zu wirken beginnt. Das amerikanische Streben to make money" **), dem auch viele mit Vermö­gen herübergekommene Europäer nachhängen, und zwar in dem Grade, daß es den Charakter schmutziger Spe-

'*) Wenn du eine freundliche Halbinsel suchst, schaue um dich!

**) Geld znsammenzuschlagen reich zu werden.

kund, und ließ sich alle Fundamente der Macht all- mälig unterwühlen; umsonst fährt man fort, sich den vemüthigendsten Forderungen anzuschmiegen, auf jede Herausforderung mit neuen Bethuerungen der Friedensliebe zu antworten. Es ist heute nur noch die Wahl, ob Preußen aus der Reihe Der Großmächte ausgkstrichrn, ob es zu der Rolle Hannovers und Laierns heravgedrückt werden, oder ob es Den mj^so absoluter Rücksichtslosigkeit hingeworfenen Fehdehaitv- schuh aufnehmen will und zwar nicht in seinem Namen, sondern in dem der Nation und der In­teressen, welche Dieselbe im Jahre 1848 be- wegten. Denn daß ein Aufnehmen des Kampfes unter einem andern Banner uns nur einem zweiten Jena entgegenführen würde, darüber kann nirgends ein klares Urteil zweifelhaft sein."

DieNation.-Ztg." hat als demokratisches Blatt dieses Unheil kommen sehen, sie ist daher nicht über­rascht; anders DieKöln. Ztg.", Die bisher mit den Konstitutionellen noch stets gehofft hat. Sie schreibt heute bei Besprechung desLandsriedensbruchs in Kur­hessen" unter Anderem:Der Einmarsch in Kurhes­sen ist erfolgt im Namen desBundestages" und seiner Beschlüsse vom 21. Sept. d. I. also im Namen des unbeschränkten Steuererhe­bungs-Rechtes der Fürsten! Die Vertreter des Landes sollen kein Recht mehr haben, zu bestimmen, welche von dem Fürsten und seinen Räthen ausgestellte öffentliche Bedürfnisse" sie als solche anerken­nen, und wie viel Unkosten sie zum Besten des Gemeindewesens und ohne größeren Schaden mit gu­tem Gewissen für diese Bedürfnisse verwilligen zu sollen meinen; sie sollenbewilligen" müssen, was der Fürst oder sein Ministerium fordert, auch ohne jedes eigene selbstständig Urteil über die wirkliche Erforderlichkeit" und ohne jedenNachweis" derselben, wie ihn bisher Die Verfassung vorschrieb! Die Ver­fassung und d.e Gesetze sollen überhaupt nur gelten, so lange und so weit ihre Geltung den Fürsten zu- sagt, und der Fürst soll das Recht haben, die Geltung von Verfassung und Gesetz, sobald er eserforderlich" findet, in jedem beliebigen Punkte aufzuheben. Und all dieser himmelschreiende Wahnsinn des äußersten, orientalischen Despotismus soll eine Couseguenz des vom Bundestage herzustellendenmonarchischen Prinzip s" sein! Es ist offenbar, daß nach dieser wahnsinnigen R e ch t s - T h e o r i e des Bundestages dem Kurfürsten nichts als widerrechtlicher Aufruhr entgegen­gesetzt werden konnte, wenn er morgen am Tage es erforderlich fände, sein ganzes Heer gegen Subsidien in den Dienst etwa der Dänen zuverkaufen, Und in Der That: war es denn eine im Geringsten weniger monströse Erscheinung, wenn wir so eben noch erleben mußten, daß ein freier Bürger (Oetker) nicht allein ohne jeden gesetzlichen Rechts-Titel seiner Freiheit beraubt wurde, sondern daß das Verbrechen, auch nachdem es vom zuständigen Gerichte für ein solches erklärt war, nach-

kulationcn gewinnt, hat nämlich damals bei uns, wie gegenwärtig in Wisconsin, bedeutende und beson­ders die zu Ansiedlungen geeigneten Landstriche in den Händen reicher Glücksjäger vereinigt. Diese setzten nun einen ihren Zwecken entsprechenden Preis, Der die mittellosen Auswanderer zurückschreckt und ihre Aufmerksamkeit auf diejenigen Gegenden hin- leitet, wo noch geeignetes Congreßlanv zu haben ist. So geschah es hier und der Strom Der Auswanderung lenkte sich nach Wisconsin und Iowa; jetzt wird in diesen Staaten jenes make money System, Grund derselben Stockung in Der Einwanderung. Hier aber hört die nachtheilige Einwirkung Der Spekulationen auf, einmal, weil inzwischen das früher aufgekaufte Land zum Theil vergriffen ist uuv die Inhaber des­selben sich mehr mit Dem Kongreßpreise begnügen müssen, dann aber und hauptsäglich in Folge energischer Maß­regeln unserer Staatsregierung. Diese, demokratisch, wie die Mehrzahl der Bewohner des Landes, hat daS Spekulationsland mit hohen Stenern belegt, besonders das in Händen auswärtiger Spekulanten befindliche, die meist in den großen Handelsstädten an der atlan­tischen Küste wohnen. Sie verwendet die dadurch ein­kommenden Gelder zu Anlagen von Landstraßen und Brücken und bringt zugleich durch Ausgabe von warrants auf Staatsland, dessen der Eongreß unserem Staate 500,000 Acres geschenkt hat, für gebaute Wege, öffent­liche Gebäude u. s. w. eine Menge gutes Land zu wohl­

dem der verbrecherische Thäter dorob in gesetzlicher Form in Anklage-Zustand versetzt war, ruhig fortge- letzt und sogar das Gericht von dem in An­klage-Zustand versetzten Crilniiial-Lerbre- cher suspenbirt wurde?! Steht ein solches Verfahren nur im Geringsten weniger mit jedem Rechts­begriffe in Widerstreit, als der frühere hessische Sol­daten-Verkauf, oder als eine türkische Zusendung der seidenen Schnur auf deutschem Boden das thun würbe? Man hört oder liest zu sehr mit einem gewissen heiteren Leichtsinne über solche Erscheinungen weg und wird dann das wahrhaft Entsetzliche, das doch in Wahrheit ln ihnen liegt, nicht gewahr weil man freilich in­stinktmäßig Die Gewißheit hat, daß im neunzehnten Jahrhundert dergleichen Gräuel auf deutschem Boden immer nur alsA usna hmen" auftreten können. Allervuigs, sie können nur als Ausnahme auftreten. Ein <Lolvatenverkauf, der Taufende von Familien beträfe, würde sicher der blos moralischen Entrüstung Der Unbeteiligten eine kräftige Thätigkeit so vieler Betheiligten sofort an die Seite stellen, daß den Thä­tern, den Wenigen gegen die Vielen, sehr bald Die frech erhobenen Hände schlaff herabhäugen würden! Wo erst die Entrüstung so allgemein ist, daß endlich nur nochMensch dem Menschen gegenübersteht", da ist jede Regierung am Ende nur ein schwaches Häuf­lein und der Fürst selbst eben nur Einer! Ge­wiß, im Volke ist das Gefühl der Gemeinsamkeit seiner Interessen und seiner darauf beruhenden Macht in ste­tem Wachsen, und eben so auf Seiten der despotischen Regierungen das entsprechende Gefühl ihrer wachsen­den Jsolirung und Ohnmacht; aber gerade das Ge­fühl der wachssenveii. Ohnmacht zwingt den Despotis­mus zu steigender Gewaltthätigkeit, und Der unver­meidliche und am hellen Tage liegende Kampf Der Prinzipien erfordert für Die Waffen und Kampfmittel des Despotismus Geld, viel Geld und, da jeder neue Druck ihm neue Feinde wachruft., unaufhörlich noch mehr Geld! Das ist das nothwendige Ende veS un­seligen Systems, das in Kurhessen jetzt wieder begon­nen werden soll. Der moralischen Opposition des Rechts - und Freiheitsgefühles der Volksvertreter ünd- Der öffentlichen Meinung folgen Die Unkosten desbe­waffneten Friedens", später, mit Zwangs-Anleihen und willkürlichen Steuer-Ausschreibungen; diesen aber folgt Die Erinannung und der Widerstand der gesummten bedrückten bürgerlichen Gesellschaft da­heißt der gewaltsame Umsturz des Despotis­mus! Je rascher aber dieses nothwendige Ende her­beigeführtwird, desto besser; denn desto wohlfeiler! Die Erneuerung des eben charakterifirten kostbaren, schmerzlichen und demoralisirenden Kampfes, Die jetzt in Kurhessen vor sich gehen soll, wird aber ihren lln- fegen weit über Deutschland hinaus erstrecken. Die Herrschaft der konstitutionellen Monarchie in Deilsch- lanb, wenn sie jetzt friedlich wäre begründet worden, würde ein unschätzbares Unterpfand für Den Frieden

feilen Preisen an den Markt. Ein fernerer Grund Der Zu­nahme Der Einwanderung in Michigan ist in der zweck­mäßigen Thätigkeit des in Der Perion eines Senators Mr. E. H. Thomson von der Regierung angestellten cmn- misioner of einigration zu suchen, der durch persön­liche Reisen und fortwährende Korrespondenz mit den Behörden unseres Staates Die zur Ansiedelung geeig­neten Ländereien, so wie alle Die Einwanderer interès- sirenden Verhältnisse stets vollständig kennt, und der durch Die uneigennützige Weise, wie er den Einwan­derern bereitwillig mit Rath und Tpat an Die Hand geht, bei allen, die sich seiner Vermittelung bedient ha­ben, in rühmlichem Andenken steht, wie er auch ter allgemeinen Achtung seiner älteren Mitbürger genießt, Der allein er Die ausgezeichnete Stellung verdankt, welche er als oberster Leiter Der Einwanderungsangelegenhei- ten und als Senator einnimmt. Hr. Thomson hat sich um die Kenntniß unseres Landes durch eine im vorigen Jahre zu Newyork erschienene Flugschrift ver­dient gemacht:the emigrants guide to the state of Michigan'), welche sich durch authentische und wahre Notizen über unser Land vor allen andern Schriften auszeichnet, und daher allen denjenigen, die nicht aufs Gerathewohl in dem Westen Amerikas sich niederlassen wollen, empfohlen zu werden verdient.

*) Der Au-Wanderer-Führer nach dem Staate Michi-za». (Fortsetzung folgt.)