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T)t«^r fit Ari! u ng * erstens, mit iluönajmt bed Montags, täglich in dntm Bogen. Otr LkonnementSpreis betragt v irrteltäyrig hier (n WteSbadr» 1 fl. 45 ft 0Uf, wârtS durch die PoA onogen mit vcr-ältnißmaytgem Aufichiage. Inserat» werdrn dereitivillig ausgrnomm»n unv fine bei der großen verbrettnog bttgteirn Bettung" stets von «tri. samcm Erfolge. - Die 3 n'erationSge'M-ren betragen für die viertpaltige Petttzetl» 3 Kreuzer.

Preußens letzte Oelung.

X Wiesbaden, 4 November. Alle Blicke sind auf Bellin gerichtet; doch was kann von diesinn Preußen noch Großes summen? Es bestätigt sich mehr und mehr, was ein wohl unterrichteter Diplomat vor eini- gen Tagen derAngsb. Allg. Ztg " schrieb:Die kur- hessische und deutsche Sache steht heute so, daß sie für Preußen nur mit einer moralischen Niederlage, d h. mit vollständigem Rückzüge, oder, wenn es eine solche Demüthigung unerträglich findet, mit dem Kriege endigt." Die von Preußen subventionirten Blätter trösten sich wieder mit der Aeußerung einerhohen" Person,nun muffe es biegen oder brechen", mit der Großthat,der König von Preußen habe .perrn von Radowitz besucht, es müsse daher wohl Wichtiges im Werke sein", mit der Nachricht, daß General-Lieutenant von Strotha eiligst nach Kreuznach geschickt sei, um dort über ein rasch zu bildendes neues Armeekorps den Oberbefehl zu übernehmen u. s. w. Es ist wahr, daß auf das Einrücken derKoalittoustruppen" in die Pro­vinz Hanau am 2. November 3000 Mann Preußen, ferne drei tausend Mann in Kassel eingerückt sind, ohne daß jedoch gesagt wird, ob sie dort bleiben; es ist wahr, daß auf das WeitexvorrLcken der Baiern nach Gelnhausen auf der Straße nach Fulda und auf das Nach­rücken von Zuzügen aus Aschaffenburg gemeldet wird, die Preußen standen in der Provinz Niederhessen (Kassel) setzt bereits mit 10,000, in Fulda mit 5000 Mann, und die Eisenbahn bis Gießen sei von tynen besetzt; es ist ferner wahr, daß die ministcneUeDtsche. Nef." in ihrem Leitartikel vom 2. November eineziemlich kriegerische Sprache" bei Besprechung der telegr. Nach­richt vom Einrücken der Ediern in Kurheyen führte, indem sie meinte:es werde dadurch die M ö g l t $ f e 11 eines Konflikts nahe gebracht und die Schuld an dem vollbrachten Einmärsche trage einseitige Heberet» l u n q" Aber ist dies eine Sprache für das Organ einer Regierung, der so Unerhörtes geboten wird so Gefahrvolles droht? Also nur eine einseitige Ueber- eilung wäre das? Daß der Bundestag sehr genau weiß, warum er jetzt so eckt, lugt am Tage: er will terrorisiern, Furcht und Schrecken verbrei­ten und so Alles, was sich ihm widersetzt, meDemiuieii. Aus dem Bundestage bringt dieDeutsche Volks­balle" unterm 30. October folgenden Bericht:Am Samstag den 26. d. M. zeigte der kurfürsiltch-hesstichc Bundeötagsgesandte der Bundesversammlung Namens seiner Negierung an, daß dieselbe sichere Kunde habe, wie die preußische Regierung beabsichtige, das Mir« fürstenthum mit ihren Truppen besetzen und d.e zur Bundeshülfe requirirten Truppen mit Gewalt ans den Grenzen Herauswersen zu lassen, sobald letztere den Boden des Kurfürssnthums betreten wurden. Dem Vernehmen nach ist der Komnufsionsbcncht über diese Anzeige bereits abgestattet und lautet derselbe dahin, wie die hohe Bundesversammlung einer so schweren Anschuldigung gegen eine deutsche Regierung unmög­lich Glauben beuncssen könne, so lange nicht weitere Beweise als die Mose Anzeige der kurhestlichen Regie­rung vorlägen. Die kurhessische Regierung olle dem­nach aufgefordert werden, der Bundesversammlung alle Iudenzien oder sonstige Dokumente, aus denen sie ein solches Vorhaben der preußischen Regierung ge- frfOofTen bäbe offen und rückhaltlos vorzulegen, damit wider Erwarten begründet, so wurden allerdings von Seiten der Bundesversammlung solche Maßregeln ge- rechtfertigt und nöthig erscheinen, wie sie ,m Falle eines Aufruhrs oder eines äußeren Krieges von den Bundesgesetzen vorgeschrieben seien." Die Fol­gen dieses Beschlusses sind bekannt. Der Kriegs­zustand wird vom BundeSkomnnffar so gehandhabt, daß M Anmut 1. B. die Ablieferung sanimtllcher Waffen binnen 12 Stunden befohlen wurde: bairische Mili- târpikets durchzogen in Begleitung von kurhesslschen Gendamen die Stadt zur Verkündigung dieses Befehles.

Lhre d die prenß. Regierung dnrch den Staats- anzeiaer" verkündigt, daß weder Rußland noch Frank­reich den Vorschlag gemacht hatten, nm Preußen zur Niederschmetterung der Schleswig-Holstemer zu zwingen, Se^»m-«" mg-g-ü». bet erklärt, will man wissen, man leugne jetzt nur, weil Palmerston absichtlich aus der Schule geschwatzt und

durch Verfrühung der Nachricht die Ausführung hinter­trieben habe, da es England denn doch nicht lieb sein kann, wenn Frankreich sich so mit Rußland und dem Absolutismus gegen Preußen und den Fortschritt enga- gire. Aber derBundestag" hat, wie dieAugöb. Allg. Ztg." und dieO.-P.-A.-Z " nach ihr meldet, eine Maßregel beschlossen, die Preußen nicht minder gefährlich ist. Es ist die Erzwingung derPacifica- tion" Holsteins durch österreichische Streitkräfte beschlossen.Seit den Zeiten Tillys und Wallensteins werden die Ufer der Nord- und Ostsee zum ersten Male wieder die kaiserliche Schaaren sehen!" triumphirt der Berichterstatter Wen ergriffe nicht Entrüstung und Entsetzen bei der kecken Mahnung an jene Schauder­thaten deS dreißigjährigen Krieges! Preußen hat nach Schweden die Rolle, den Norden gegen den Fa­natismus blinder Reaktionsscharen zu schützen, über­nommen, es verdankt der energischen Führung dieser Politik sein Emporkommen zur Großmacht; in demsel­ben Momente, wo es diese Politik aufgibt, hat es sich als Großmacht aufgegeben. Sollte das in Preußen Niemand merken? Und dennoch diese Unschlüssigkeit? Doch, was Preußen jetzt auch noch thue, wer hat den Glauben, daß seine letzte Frist nicht bereits abgelaufen sei? Eine österreichische Heeresmacht am deutschen und baltischen Meere bedeutet so viel, wie Vollendung der Pläne, welche das Haus Habsburg hatte, als es den 30jährigen Krieg anfing, Vollzug derselben Punkte, die es mit Rußland, Sachsen und Frankreich in Pillnitz beschlossen hatte, als Friedrich II. ihm durch Eröffnung des 7jährigen Krieges zuvorkam. Vor hundert Jahren rettete Preußen sich und die Aufklärung, die im 18. Jahrhundert dasselbe bedeutete, wie im 19. die Demo­kratie , durch kühne beflügelte That und Eingehen auf den damaligen deutschen Zeitgeist; wie anders ist die Taktik, die es jetzt befolgt! DieDeutsche Nef." hat es am 31. Okt. fast höhnend ausgesprochen, daß die preußische Regierungdie Sympathien ver Voikn" zu. rückweise. Wenn Preußen keinenSympathienkrieg" will, was bleibt ihm dann? In derkonservati­ven Tendenz" liegt Oesterreichs Stärke ja allein. Während dieses mit dem dynastischen Absolutismns geht, kann Preußen nur mit den Völkern gehen oder es hat keine Position. Daher sein Schwanken, daher sein Mangel an Selbstvertrauen, daher das Strafge­richt der Nemesis, das jetzt über das preußische System hereinbricht.

Mittags. Der jüngst npch alsRetter Preus­sens" begrüßte Staatsmann ist gestürzt, wie er Hein­rich von Gagern gestürzt hat; Preußens Geschick hat sich mit Deutschlands Loose vollendet; was jetzt noch erfolgt, sind Nebensachen, die Hauptsache ist entschie­den: der Absolutismus hat in Deutschland für den Moment vollständig gesiegt, die dynastische Politik sich dem Russenthume offen zu Füßen geworfen. Die Oesterr. Eorr." drückt dies in offizieller Sprache so aus:In der deutschen Frage besteht voll- ko mmeneS 01 idarität zwischen Rußland und D e ft e r r e i i$." Das offizielle kaiserl. königl. Or­gan meldet unter dem 2. November ferner:Außer Radetzky sind noch andere Generale zum Haupt- Kriegsrath ein berufen. Von Seiten Preußens liegen beruhigende Vorschläge vor, die jedoch insofern nicht annehmbar erscheinen, als man gleich­zeitig in Betreff Kurheffens ein unausweichliches Ein­schreiten von Seitendes Bundes" gehindert wissen will. Von der Annahme oder der Verwerfung der Rückvor­schlage Oestreichs wird der Krieg oder Frieden abhängen." Die Entscheidung ist preußischerselts diesmal faktisch dem diplomatischen Revewesen vorausgeeilt. Denn am 2. November geschah es, daß Radowitz, als er in der vom König präsivirten Sitzung des Gesammt- ministeriums wiederholt die Mobilmachung der nenn preußischen Armeecorps beanntragte, von sämmtlichen Ministern im Stich gelassen und dadurch gezwungen wurde, seine Entlassung zu geben, die sofort vom König angenommen swurde. Nach diesem Aus­gang der gestrigen Kronberathung vertraut die Man- tensselzcheD. R." auf Erhaltung des Friedens. Wir haben dem Hinzusetzen, daß Preußen seine T r u p- pen aus Baden zurückzieht! Das in Karlsruhe- Durlach, Bruchsal u. s. w. gelegene preußische 58. In- | fanterieregement hat bereits Marschbefehl nach Kur- Hessen und das 30. in Mannheim erwarte ihn stünd­lich.Man sieht die kurhessische Angelegenheit überall als eine für Preußen willkommene Gelegenheit an, seine Truppen aus Baden zurückziehen und die Union

endlich definitiv aufzngeben ," bemerkt das Bundes organ hierzu. In Frankfurt waren die Quartierinach^ für das 28. Reg. bereits gestern; auch 2 Schwadronen Ulanen waren dort schon angekündigt; es werben im Laufe dieser Woche 4000 Mann im Ganzen auf dem Durchmärsche erwartet. Die Preußen sind in Kas­sel und Fulda denBundestruppen" zwar znvorge- kommen, doch wird ihnen dies wahrscheinlich neue De­müthigungen bereiten, denn das offizielle Bundesorgan nennt dies einenunbefugten Angriff auf einen selbst« ständigen (!) deutschen Bundesstaat"; auch hat der Kurfürst bereits dagegen protestirt und die Versiche­rung des Ober-Befehlshabers v. d. Gröben:er komme als Freund, die preußische Regierung sei jedoch zu dieser Maßregel gezwungen, weil sie nicht zugeben könne, daß die preußische Monarchie durch das Dazwischentreten fremder Truppenkörper in zwei Hälf­ten gespalten werde", ist vom Kurfürsten abgewiesen worden. Nachdem Preußen sich ergeben, sich noch ge­gen eine Zertheilung sträuben zu wollen , findet H.:r von Blittersdorf sehr sonderbar. Die Oesterreicher (S. Nürnberg und Augsburg) find bereits unterwegs, um das Weitere zu besorgen. Der preußischeIntel, ligenzstaat - ging mit der Revolution von 1818 zu Trümmer; was soll man von I dem Militärstaate" sagen, der im Frieden 360,000 und im Kriegsfälle 480,000 Mann Linie und Landwehr ersten Aufgebots, 160,000 Mann zweiten Aufgebots, also im Ganzen 640,000 Mann auf die Beine bringen kann und der nachdem er seineEhre" und Eristenz als Großmach so engagirt hat, sich ohne Schwertstreich schachmat erklärt!

Deutschland.

* Wiesbaden, 4. Novbr. Die O.-P.-A.-Z. meldet, daß sich am 31. Oktober der Herzog mit deui dirigiren- den wtaatsminister von WintzniMrode, dem Präsidenten Vollpracht und dem geh. Cabinetsrath Götz in Frank­furt befunden haben. Der N. D. Z. wird von hier geschrieben:In den nächsten Tagen wird Nassen den Bundestag beschicken."

Obgleich noch mchtS Bestimmtes darüber verlautet, so wird doch als von einem Anzeichen heute erzäplt, Graf Walderndorff, der Hauptrepräsenlaut der österreichischen Politik dahier, sei gestern bei Hofe gewesen.

^ Wieöbadeu, 3. Novcinber. In ver gestrigen Kaminersitzung, in welcher die Regieruugsvorlage we­gen Uebernahme der Offiziersrelicten aus die Staats­kasse diskutirt wurde, war es erfreulich, zu sehen, welche Tpeilnahme die Offiziere den Kammerverhandlungen schenkten. Nur schienen sie sich den Vorgang kriegeri­scher gedacht zu haben, denn dem Beispiel deS Gene­rals v. Haveln, welcher mit dem Säbel an der Seite in vas Sitzungszimmer trat und ihn Vicht hinter sich stellte, wahrscheinlich weil ihm das Schwert der Rede abhanden gekommen war und er wenigstens das der Parade in seiner Nähe haben wollte, waren un­gefähr 20 Offiziere gefolgt. Sie nahmen schwertuin- gürtet ihre Plätze auf der Gallerie ein und warfen imponireuve Blicke auf die friedliche Versammlung. Wir wollen und können nicht behaupten, daß die Ab­sicht vorlag, durch einen ^düstern Blick , martialischen Schnurrbart und das Rasseln der Säbel, das sich an kritischen Stellen hören ließ, entschieden auf Vie Vota der Kammer zu wirken; müßen es aber dahin gestellt sein lassen, ob nicht DieserAnt, - Friedens - Coügreß" auf der Gallerie bei einigen Abgeordneten dazu führte» Allein die überwiegende Mehrheit der Kammer verwarf dennoch das Gesetz, worauf sich die Offiziere düstern Blickes und säbelklirrend zurückzogen. Möchten die Herren sich doch die englische Sitte aneignen, die schein verbietet, mit Waffen den Sitzungen des Parlaments sogar im Allhörerraum heizuwohnen; möchten sie doch statt des harmlosen Raffelns mit den Schleppsäbeln in Theater und Straßen lieber ihr kriegerisches Schwert auf dem Zuge nach Schleswig-Holstein hören lassen, um von ihrem schönsten Vorrecht Gebrauch zu machen, und ihr Leben einzusetzen im ehrenvollen Kampf fürs Vaterland!

Frankfurt, 29. October. (AugSb. ALg. Ztg.) Die politischen Fragen vereinfachen sich. Der Streit um die preußische Besetzung Badens wird durch den Ministerwechsel gelöst werden, der Baden ganz ent­schieden der Union abwendet und unn Bundestag führ', ja der nur zu diesem Ende eingetreten ist. Hinsichtlich