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âciheit und Recht

M 239. Wiesbaden. Freitag, 1 November 18^0.

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©Ugreif Zeit ung" fticpdnt, mit audna^me des Montag, täglich in einem Wogen. ßer äöonnementapt.u betragt d urteltäprtg -ter in Wt«Sdad«o I ff. 45 fr, am» wirtS durch die Post Drogen mit orr-altnißmäßigem Äufich.age. Jnfnate werden bereitwillig ausgenommen und üud bei »er großen Berbteitung der freien Zeitung" stets von wir'- famem Erfolge. - Die I iserattonSge>üyre« betragen für die Pierfpathge Petltzrtl« 3 Kreuzer.

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Deutschlands Schmach

X O der unsägliche» Schmach und Schande, in welche die dynastische Politik so rücksichtslos und frevel­haft unser unglückliches Vaterland immer tiefer und tiefer hinabstößt! Wer hat noch Blut in den Adern, das ihm die Wangen rothen kann, sei er sonst Demo­krat oder Konstitutioneller oder Absolutist, wer hat noch Zorn im Busen, der sprühen kann, wer noch einen Funken von Gefühl, der zünden kann wir fragen ihn, ob er nicht aufschreien mochte vor Entsetzen, wenn er liest, was uns Tag für Tag die Blätter bringen!

Wenn das englische Parlament eine Maßregel ge­gen Irland beschloß oder mit den Repealern im Kampfe lag was würde es dazu gesagt haben, wenn ein fremder Dynast erklärt hatte:Sobald ihr Truppen nach Irland schickt betrachte ich dies als eine Kriegs­erklärung gegen m ich!"

Ganz Großbritannien, und Irland dazu, würde ein Hohngelächter aufschlagen und antworten:Thor, be­trachte es wie Du willst! Mein Haus ist meine Burg, ist des Briten Grundsatz; wenn mein Haus, um wie viel mehr mein &uiD ? In unsere innern Angelegen­heiten hat kein Unberufener sich zu mischen, uno wer es dennoch wagen sollte, der bedenke, was er tput!"" So würde die britische Nation antworten, wenn sie glimpflich verfahren wollte, und alle Welt fände dies in der Ordnung; Niemand aber würde sich sehr ver­wundern, wenn das Parlament sofort beschlösse, dem Frechen eine Antwort mit Kanonenkugeln zuzuoonueru, wenn es beschlösse, St. Petersburg und Odessa znsam- menzuschießen und Die russische Flotte von den Meeren der Erdkugel wegzublasen.

Auch wir sind eine starke, große Nation; wir haben fast eine Million tapferer Heeresmassen; wir haben Alles, was zu einer uuposannlen Stellung gehört; aber dies Alles ist nichts, weck wir nicht einig und frei sind, dies Alles ist nichts, weil mir noch keine zwei Rovolutionen gleich den Briten durchgemacht haben, sondern noch zwischen Nacht und Tag im grauen Nebel stehen. Auch England lag zwischen der großen Rebellion und Revolution unttr den zweiten Earl und Iacob tief danieder; doch ein Ruck und es stand wieder fest auf seinen eigenen Fü­ßen und es ist auf denselben stehen geblieben, um frei und groß zu bleiben. Was dem deutschen Bolte setzt zugemuthet wird, lehrt die neueste telegraphische De­pesche aus Berlin. Eine am 28. Oktober dort ein# getroffene russische Note soll in bestimmten Aus­drücken die Erklärung geben, der Kaiser von Ruß­land werde s e d e u Angriff auf die Baiern in Kurhessen als eine Kriegserklärung von Seiten Preußens betrachten.

Wer hält diese Nachricht noch für unglaublich, für unmöglich? Wen überrascht sic nochV Keinen Men­schen! Daran ist zu erkennen, wie tief wir gesunken

Kurheffen seit dem Freihe»tskrie;;e geschil­dert von Karl Wilhelm W ppermanu.

Erste, zweite, dritte Lieferung. Kassel 1850.

(Fortsetzung und Schluß.)

Am 18. December 1842 trat abermals der Land­tag zusammen. Es ging im Wesentlichen wie auf Dem vorigen, nur daß die Regierung noch herrischer ver­fuhr, Die Haltung derStände noch schwankender und schwächlicher wurde. Letztere legten das offene Be­kenntniß ab, daß nichts übrig bleibe, als ihre Anträge auf sich beruhen zu lassen, wenn das Ministerium die­selben nicht in Vollziehung setzen wolle, das für solche Unterlassung auch lediglich Den mangelnden Willen als Grund ailgab. Die Regierung suchte Ertverb von Vertrauen nicht, weder durch Förderung materieller Wohlfahrt des Landes und Der Bewohner, noch durch Anerkennung politischer Freiheiten des Volks. Nicht selten schien es, als ob sie geradezu dahin strebe, recht deutlich an den Tag zu legen, daß sie Vertrauen und Liebe nicht suche.Mißachtung der von den Land- ständen als verfassungsmäßig angesprochenen Rechte, Erniedrigung des Instituts Der Volksvertretung in Wor- ten, Formen und Thaten, Benutzung constitutioneller Einrichtungen zu Stützpunkten gouvrrncmentalen Eigen­willens, Niederdrückung lebendiger Frische und geistigen Muthes, theils durch Einschüchterung, theils durch un­

sind, daß uns solches Einmischen in unsere häuslichen Angelegenheiten nicht mehr überrascht. Großer Gott, wir können diesen Eingriff ja keinen unberufe­nen, unverdienten, unvorhcrgeseheuen nennen i Wir haben es kommen sehen; wir haben nach Warschau Die Entscheidung über unser Wohl und Wehe tragen hören; wir haben es erlebt, wie der reaktiviere Bun­destag, der sich als Vertreter und Verfechter der deutschen Interessen wieder aufthat, von Rußland Die Parole zur ^chung der Centimen Frage erwartete! Und Diese Restauration hätte Mark in Den Beinen, Le­benskraft in Den Gliedern? Nein, nein, sie war und blieb eine Leiche, eine vom Ezar galvanisirte Leiche, um Die deutsche Nation durch ein Gespenst zu schrecken.

Fürwahr, wir Demokraten haben keine Ur,ache, für dieses Preußen Mitleid zu fühlen, für das Preußen, das unsere besten Männer mit Pulver und Blei be­gnadigt oder ins Zuchthaus oder Eril geschickt hat! Fürwahr, wir müssen sogar sagen, Day ein Staat, der sich so charakterlos und elend benimmt, das Aeußerste verdient, weil er das Aergste selbst gegen sich heraus« fordert. Aber sollen wir uns der Schadenfreude hin« geben? Es ist und bleibt ein Makel auf dem Schilde deutscher Ehre, daß einem deutschen Staate von einem fremden Gewalthaber so gedroht werden kann. Was sollen wir aber zu der Politik derjenigen Staaten sa­gen, welche in Warschau um solche Fußtritte bei Dem Ezar gebettelt haben?

Ach, es ist ein leidiger Trost, doch es ist der ein­zige: es mußte Io kom ! Nachdem Der Zwie­spalt beö Boltes und die knabenhafte Verblendung sei« her Marzführer das Vaterland wieder den Händen der Diplomatie ausgelitfert', mußte diese Dynastie Politik Alles so verwirren und sich so offenbaren, wie wir eS jetzt vor Augen haben. Die Demokratie habt ihr übergangen und der Diplomatie euch von Neuem anvertraut jetzt erndtet ihr, was sie s-säcr hat. Wenn Die Demokratie im Parlamente zu Frank­furt a. M. versammelt säße, sie würde anders auftreten als Der Bundestag, sie würde längst zwilchen den Habsburger» und Hohenzollern entschieden, längst mit den Wittclsbachern geredet und längst die kurhes- sischen Wirren ohne Schwertstreich geschlichtet haben Alles, ohne daß Rußland eine Miene verzöge. Wie betroffen war das Petersburger Kadinet, so lange die Furcht vor einer demokratischen Politik im Parlaments­sitze Die Welt beherrschte! Nun, Rußland wird Plötz- lich wieder lleiumüthig werden, wenn diese Wendung von Neuem eintritt. Daß sie nicht erfolge, wagt eS Alles; wir aber sagen, es thut Alles, um Die deutsche Nation in eine neue furchtbare Krisis hineinzulrelben. Wir haben im März 1848 Bolksaufstände gehabt, weil Die Landstände der freien Wahl und des rechten Nachdrucks uns verwehrt waren; wir schaudern vor einer deut­schen Revolution, doch wir müßten keine Augen haben, um sie nicht mit Riesenschritten kommen zu sehen. Diese Krisis hat Die Demokratie nicht gemacht; das

terbleibende Unterstützung äußeren Wohls und man- - gelnde oder verzögerte Hebung der Mittel zu Dessen Erzielung; das kann man wohl während eines acht- j jährigen Zeitraums als Den Grundcharakter eines Mi­nisteriums betrachten, dessen leitendes Prinzip sich in Scheffersuchen läßt, obwohl er bis dahin nie in der ministeriellen Verantwortlichkeit stand. Ihm gegenüber schlossen alle edleren Gefühle sich in des Herzens innere Raume, Höhnung besorgend, wenn sie offen kund sich geben würden. Die persönliche Freiheit der Menschen schien allein noch ungefährdet, aber schwer war die Furcht zu unterdrücken, daß auch sie gesichert nicht bleibe." v m

Der Verfasser fügt hinzu:Doch Denk- und Ge­wissensfreiheit, die hielt jeder für unantastbar", und berichtet sodann über das schnöde Verhalten der Re­gierung gegen die Deutschkatholiken unter Kcrbler, die Lichtfreunde unter Bayrhoffer. Die Stände hätten zu Anfang Novembers einberufen werden müssen, indeß geschah es erst auf den 9. Dez. 1845, und unmittelbar nach der Eidesleistung wurden sie wieder vertagt, so daß die Dauer ihrer Versammlung für jetzt nur nab Minuten zu berechnen war. Nach drei Monaten kamen sie wieder zusammen. iLchwarzenberg erschien als schaumburgischer Deputirter. Die Stadt Kassel hatte ihn aufgegeben, auch war er nirgends im Lande ge­wählt. Gegen Wippermanns Zulassung legte dicses- mal die Landtagskommission Widerspruch ein. Hie. aus

Schicksal hat es so gewollt, daß der Absolutismus ihr die Hände so binden sollte, daß sie zur Bewahrung des Vaterlandes vor solcher Schmach und Noth nichts thun, als warnen konnte, damit dereinst es Allen offen­bar sei, wer Die Schuld an diesem Fluche einzig und allein trage: die alte Schlange dynastsicher Diplomatie!

Deutschland.

* Wiesbaden, 31. Oktober. Der Einbruch der sogenannten Bundeshülfstruppeu in Kurheffen >var auf den 23. beschlossen, als Preußens Erklärung vom Herauswerfen der Baiern" und Hannovers wieder­holte Weigerung, sich an der Bunoeshülfe zu betheili- geu, kintraf. Oesterreich stutzte, derBundestag" des­gleichen. Da verlautete zu Ende voriger Woche, es ,ei wieder große Hoffnung zur Verständigung zwischen den beiden Großmächten, und Baiern, das gar zu gern an Preußens Stelle Großmacht werden möchte, gerieth in Angst, Die Zeche seines Großmachtsrausches bezahlen zu müssen. DerBundestag" wurde von seinen Haupt- wühler» voran gestoßen, Der bairische Oberbefehlshaber erhielt Ordre zum Einbruch. Aber als der Kurfürst dies erfuhr, bekam er seinerseits Angst vor Zahlung Der Zeche und in Wilhelmsbad ward beschlossen, geg- n das Einrücken der Baiern zu protestiren. Jetzt neue Berlegenheck in Der Eschenheimer Gasse; um jedoch etwas zur Aufrechthaltung seiner Autorität zu thun, ward Graf Rechberg zum kurhessischen Eivilkommiffär er­nannt und zum Fürsten Tyuru und Taris ins bairische Hauptquartier geschickt. Zugleich ergingen Kuriere nach Wien und Warschau. Oesterreich hat wohl Bayonelte nno Kanone» , aber Krieg kostet Geld und ein Krieg ist in Wien gleichbedeutend mit Staatsbaukerott. Das Silber war am 26. Oktober in Wren schon nicht un­ter 21 pEt. zu haben, so wirkte die bloße Furcht vor «ine.n itumpsel Die ..K 3 ", m#!^» »in»« &wfy reu hat, der so trefflich unterrichtet ist, daß diese Zeitung deshalb in Oesterreich verboten wurde, bemerkt sehr richtig: Der Krieg sei unmöglich ohne Bankerott, trösten sich alle Besitzer von Metalliques, und scheinen Dabei ganz zu vergessen, was 1811 geschah. Der Bankerott war damals ein Mittel Der Nothwehr, sagen die Gutgesinnten wird er es aber heute etwa weniger sein? Die österreichische Regierung weiß recht wohl, daß mehr als Die Hälfte Der Staatspapiere in fremden Hän­den ist, daß zumal Holland, Frankfurt und Augsburg, trotz beträchtlicher Verkäufe in den -letzten Jahren noch gegen 60 Millionen Fl. besitzen. In die­sem einen Verhältnisse liegt Der himmelwciteAlmer- schiev zwischen Oesterreich und England, welches be­kanntlich sogar 15 Jahre lang Zwangscours und eine insolvente Bank hatte. Aber Die englische Nation war ihr eigener Gläubiger, nur sehr geringe Summen be­fanden sich im Auslande, lind alle übrigen Vortheile des HauoelS und Der Industrie hätten nichts gefruchtet, wenn daS Vertrauen der Nation zu sich sekbst^undâ»

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brachte Scheffer die Stände in einen unlösbaren Con­flict mit dem Justizministerinin und ließ dann alSbald eine Vertagung eintreten. Als der Landtag im Oktober 1846 wieder eröffnet war, machte sich die allgemeine Verstimmung in vielfacher Weife Luft. Unter Schil. dernng der mancherlei Versuche, die Rechte deS Volks zu schmälern und Den Bestimmungen der Verfassung wie Der Gesetze eine willkürliche Deutung zu geben, wurde Herstellung eines verfassungsmäßigen Zustandes, sodann Aufhebung der immer unerträglicher gewordenen Censur gefordert. Man beschwerte sich bitter über eine PolizciwiUkür, bei Der es fast Noth habe, im Stande- saal der Ueberzeugung freien Lauf zu lassen. Gewerbe- stockung, Nayrnngslosigkeit erregten gleichzeitig Auf­regung im Lande. Die Stände geriethen in Feuer wegen der Deutschkatholiken; Henkel wollte eine Mini­steranklage beschlossen haben. Man stritt über die Sache bis zum 13 Nov. Am 17. unterbrach Scheffer die Verhandlungen über andere Gegenstände der Tages­ordnung, hielt den Ständen eine ungemessene Strafpredigt über Henkels fre.lich aurè Gründe» nicht eben gemessenes Gutachten" wegen der Deutschkatholiken, sagte ihnen daß Die Regierung nicht gemeint sei, den -Ständesaal zu einem Herd und Tummelplatz religiöser und poli­tischer Demagogie werden za lassen, und kündigte der Versammlung ^ie sofortige Auflösung an, jedoch zuvor die Ermächtigung zur Erhebung der Steuern bis zum Julius 1847 fordernd!! Dieß genehmigten Die