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âeihrit und Hersh!

JYi. 2S7. Wiesbaden. Mittwoch 30. Oktober R8KO

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Die iUent!iâen Sammlungen in Wiesbaden.

^ Wenn die innere Bedeutung und Wichtigkeit eines Ortes oder eines Landes vorzugsweise nach dem bemessen werden darf, was seine Bewohner an Hülfs­mitteln für die Entwickelung ihren pioduktiven Kräfte vorzugsweise in den Gebieten der Wissenschaft, der Kunst, und der Industrie auszuweisen haben, so kann darin unser engeres nassauisches Vaterland mit anderen veut- schen Vaterländern von ähnlichen Verhältnißen sich in den meisten Stücken wenigstens gleichstellen. Die Haupt­stadt die freilich als Kurort von europäischem Ruf noch besondere und weitere Verpflichtungen gegen das ausländische Publikum zu befriedigen hat, enthalt in ihren Mauern in der That eine solche Fülle trefflicher Anstalten, daß das Land darauf stolz zu fein Ursache hat und daß nur zu bedauern steht, daß dieselben dem nassauischen Volke im Allgemeinen nur zu wenig be­kannt sind und von dem auswärtigen Publikum fast mehr besucht und benutzt und fast richtiger gewürdigt werden, als von denen, die es zunächst angeht. Indem wir das Gebiet der Industrie und der mehr materiellen Interessen, das durch den hiesigen Central -Gewerbe- verein und die von ihm ins Leben gerufenen Gewerb- ausstellunqcn, Abendschulen, Mobellsammlungen u. dgl. hinlänglich vertreten zu sein scheint, hier vorläufig bei Seite lassen, wollten wir die öffentliche Aufmerkiamkclt vorzugsweise feiten Sammlungen und Anstaltin zu­wenden, in denen das rein geistige Jntereffe der Lan­desbewohner seinen Ausdruck und die w-ffeuschastliche Thätigkeit des Einzelnen ihren Anhaltspunkt und ihre Unterstützung findet. Es ist dies das »aturhisto- r i sch e Museum für die Naturstudien, das Mulemn der Alterthümer für Altcrthumsknnde und Geschichte des Landes, für die Zwecke der Kunst die vorhandene kleine Bildersammlung unv als literarische Nüst­kammer für wissenschaftliche Untersuchungen in diesen und allen anderen Kreisen menschlichen Wissens endlich die Land csbibliothek. Alle diese Anstalten sind ru so verschiedenen Zeiten entstanden, aus so verschieden­artigen Mitteln und unter so mauuichsültigen Umständen zusammengebracht und fortgeführt worden, daß man es begreiflich findet, wie dieselben, bet ihrer ganz un­abhängig von einander geführten besonderen Leitung einerseits und ihrer äußeren Vereinigung in einem und demselben Gebäude andererseits im Lauf der Zeit endlich in allerlei Verhältnisse und Mißverhältnisse zu einander gerathen mußten, Die zu einer öffentlichen Be­trachtung, lediglich im Interesse der Bache, hin­länglich Stoff und Anregung bieten. Wir beginnen mitten einzelnen Sammlungen und knüpfen daran einige allgemeine Bemerkungen und Wünsche.

Das natur historische Museum, bie ganze Vorderseite des mittleren Stockwerks im Museumsge- bäube einnehmend, enthält in einer Reihe geräumiger Zimmer und Säle eine überaus wohlgeordnete und, wenn man die Dauer ihres kaum 20jährigen Bestehens in Betracht zieht, schon sehr reichhaltige Sammlung von Naturgegenstanden aus Nah und Fern, unter de­nen die herrlichen Exemplare ausgestopfter Vogel, Die höchst instruktive Abtheilung der Schädel und Skelette für vergleichende Anatomie, die prachtvolle, ehemals Gerning'sche Sammlung ausländischer Schmetterlinge und Käfer, sowie die besonders in neuerer Zeit so sehr vermehrte und so zweckmäßig geordnete Abtheilung der Conchylien und der Petrefacten eine besonders ehrenvolle Erwähnung verdienen. Diese Reichhaltigkeit und in die Augen fallende Schönheit unserer naturh.stonschen Sammlungen ist daher auch, bei der Freude, die ohne- bin jedes unverdorbene Gemüth an der Betrachtnng der schönen Natur zu empfinden pflegt und bei dem besonders durch den Schulunterricht der letzten zehn Zabre geförderten und durch alle Schichten des Volks verbreiteten Interesse an naturwissenschaftlichen Gegen- ffänden die Veranlassung, daß dieselben von Frühjahr dis Herbst von zahlreichen Schauren einheimischer und auswärtiger Besucher angeschaut und benutzt werden, wodurch in nothwendiger Wechselwirkung auch die An­stalt selbst, in ihrem guten Ruf und Ansehen w.e auch in mancherlei ihr zufiteßenden Geschenken, ihrer Se.ts wieder nicht geringe Vortheile genießt. Da ein über das ganze Land verbreiteter, gegenwärtig aus 417 Mitaliedern bestehender Verein von Naturkennern und Naturfreunden die Zwecke dieses Museums nach allen Seiten hin zu fördern und ein sehr thätiger Vorstand

die vorhandenen Sammlungen durch wissenschaftliche Albeiten (in den Jahrbüchern des Vereins) für ein weiteres Publikum nutzbar zu machen unausgesetzt be­strebt ist, so darf man die für diesen Theil unserer Sammlungen geschaffene äußere Ordnung und innere Thätigkeit als eine nach allen Seiten hin befriedigende anerkennen und ihrem weiteren Fortbestehen und Fort- wirken mit Vertrauen entgegen sehen. Die Sammlung leidet nur an einem einzigen Uebelstand, nämlich an seit Jahren bemerklicher und von Tag zu Tag steigen­der Verengung der vorhandenen Räumlichkeiten. Da dies jedoch mehr oder weniger auch von allen übrigen Sammlungen im Museumsgebäude gilt, so soll von diesem Uebelstande. hernach noth besonders gesprochen und ein unmaßgeblicher Vorschlag zu dessen Beseitigung kingebracht werden.

2) Das Museum der Alterthümer. Diese werthvolle Sammlung, die älteste unter allen vorhan­denen , nimmt die rechte Hälfte des Erdgeschosses im gedachten Gebäude ein und erfüllt 7 größere und kleinere Zimmer. Gegründet durch den Ankauf der Gerning- schen Sammlungen von Bronzen, Vasen, Münzen unk andern Alterthümern wurde dieselbe durch den seit 1821 bestehenden Verein für Nass. Alterthumskunde und Geschichtsforschung gepflegt und ansehnlich vermehrt, indem die Ausbeute zahlreicher, seitdem fortgesetzter Ausgrabungen besonders in den Taunusgegenden, sowie die namhaften Geschenke inländischer und auswärtiger Mitglieder nebst dem Inhalt vieler einzelnen späteren Ankäufe in diese Sammlung ausgenommen wurden. Darunter befinden sich Gegenstände, besonders aus den Funden und Ausgrabungen von Heddernheim, aus der Gegend von Mainz, Wiesbaden und sonst, die durch ihre Schönheit oder Seltenheit zum Theil von unschätz­barem antiquarischem Werthe sind und dem hiesigen Museum einen höchst ehrenvolle» Namen unter den gleichartigen Sammlungen in den Hauptstädten Euro- pa's begründet haben. Die in neuerer Zeit begonnenen wohl gelungenen plastischen Modelle römischer Gebäude und anderer Alterthümer werden ebenfalls, gehörig fortgesetzt, eine nicht geringe Zierde des Museums aus- machen. Was auf der andern Beite das innere Leben dieser Gegenstände, d. h. die Benutzung und wissenschaftliche Verarbeitung derselben in ihren Be- ziehungen zur Alterthumskunde überhaupt und zur nas- sam scheu Geschichtsforschung insbesondere belangt, so machen sich hier allerdings einige Wünsche geltend, deren Befriedigung der Sache d. h. dem Beleben des In­teresses an solchen Gegenständen und der Förderung darauf bezüglicher Studien nur dienlich sein könnte. Je mehr nämlich die Theilnahme für solche Studien der Natur der Sache nach nur auf einen verhältnismäßig geringen Theil des Publikums sich zu erstrecken pflegt; je mehr insbesondere unsere von politischen Interessen durch uud durch in Anspruch genommene Zeit den Sinn der Zeit­genossen von der Erforschung früherer Zustande ab und auf die Gegenwart und ihre Bedürfnisse hinlenken muß: desto eifriger sollte allerdings dahin gewirkt werden, daß die Theilnahme für den Alterthumöverein und feine Zwecke überall recht lebendig erhalten oder, wo das Interesse zu erkalten drohte, wieder angefrischl würde. Die Geschichte Dieses nun 30 jährigen Ver­eins weist aber Perioden nach, in denen durch unan­genehme Verhältnisse meist persönlicher Art, die Wirk­samkeit des Vereins zeitweise ganz gelähmt und dadurch einem allgemeinen Interesse des Landes Abbruch gethan wurde, und bei den in neueren Zeiten auch in öffent- lichen Blättern aufgetauchten Differenzen zwischen ein­zelnen Mitgliedern 'des Vereins scheint wenigstens so­viel als ausgemacht betrachtet werden zu dürfen, daß das Publikum, zunächst"»» der Person der Vereinsmit­glieder, viel zu wenig (von dem erfährt, was hier vorgeht, daß die öffentlichen Jahresberichte der Gefell- schaft viel zu selten erfolgen, daß die Generalversamm- lungeu, in denen dergleichen Bedürfnisse zur Sprache gebracht und abgestellt werden müßten, viel zu unre­gelmäßig abgehalten werden und daß demzufolge die Theilnahme der Niitgliever, zumal außerhalb Wiesba­den, sehr erkaltet ist und viele Personen ganz aus dein Verein ausgetreten sind. Es hieße ein unverdientes Mißtrauen in die Einsicht und den guten Willen des Vorstandes aussprechen, wenn man daran zweifeln wollte, daß derselbe nicht Alles was an ihm ist auf­bieten werde, um das Versäumte bald möglichst wie­der gut zu machen und die stark abgekühlte Theilnahme deS gebildeten Publikums im In- und Auslande dem

Verein und seinen schönen Zwecken wieder aufs Neue zuzuwenden. Was die Aufstellung der vorhandenen Sammlungen im Museum Unzweckmäßiges im Einzel­nen haben mag, ist hauptsächlich Folge deS immer weiteren Anwachsens und Aufhänfens kieser Gegen­stände, wofür jedenfalls früher oder später neue Räum­lichkeiten gefunden werden müssen.

3) Die Bildersammlung. Wer beim Ueber- schreiten des Vorplatzes vor der Eingangsthüre zum naturhistorischen Museum die daselbst ausgestellten N >S- Hörner, Nilpferde und andere schreckhafteUngethüuu glück­lich passirt ist, findet sich beim Eintritt in den ersten Saal aufs angenehmste überrascht durch eine Gallerie schö­ner, zum Theil trefflicher Oelgemälde, welche alle Wände desselben zieren und noch in bie anstoßenden Zimmer sich fortpflanzen, soweit die daselbst aufgestellten Sammlungen von Fischen und Jnsecten ihnen Platz vergönnen. Das ist die Bildersammlung des Landes, das Stiefkind unter seinen Sammlungen. Denn wo stammen sie her^ wer hat sie alle nachgezählt? wer überwacht und pflegt diese Bilder? wer sucht sie dem Publikum nutzbar zu machen? Es ist eben Nie­mand da; der eintretende Fremde, der über Einzelnes Auskunft erhalten will, muß sich an den Museums­aufseher oder an den Ansstopfer wenden. Ein Verein, der diese Gegenstände überwachte, für ihre Erhaltung und Benutzung Sorge trüge und für Erweiterung der­selben durch neue Anschaffungen Vorschläge machte, bat früher gar nicht bestanden, und der seit 1847 gegründete Kunstverein, jetzt 14t Mitglieder, dem der Natur der Sache nach diese Verpflichtungen zunächst zufallen sollten, hat Mühe gehabt, nur den Mitgebrauch des Bildersaales für die von ihm seit drei Jahren eröffnete permanente Kunstausstellung zugesichert zu erhalten. Ueber 'ven Kunstwerth der vorhandenen Bilder, bi? ohnehin der Raumbeschränkung wegen zum Theil viel zu hoch, zum Theij in_ ganz falschein Lichte haben aufgehängt wer­den müssen, läßt sich schwer urtheilen; ja sie sind, so lange von Seiten der Staatsbehörden hier keine bessere Aufsicht und Leitung geschaffen wird, geradezu als ein verlorener Posten zu betrachten; während in einem besonderen, sachentsprechenken Lokale und unter kunst­verständiger Benutzung dieselben sehr wohl geeignet wären, die Grunvlage zu einer Nassauischen Gal­lerte abzugeben, die der Stadt und dem Lande zur wahren Zierde gereichen und durch deren allmähliche Erweiterung manchem Talent Anregung und Unter­stützung verschafft werden könnte. Hoffentlich wird der Kunst verein nicht unterlassen, fortwährend in die­sem Sinne zu wirken, und von dem guten Willen der Staatsbehörcen darf erwartet werden, daß sie dem einmal als unhaltbar erkannten Zustand der Dinge baloigst ein Ende machen werden.

4) Die Landesbibliothek. Diese treffliche An­stalt, für deren Vermehrung alljährlich eine Summe von 3000 fL anfgewcndet zu werden pflegt, nnd für die unter einer ausgezeichneten Leitung bisoer das Ge­tz egenfie aus allen Zweigen des Wesens aageschrffe wurde, ist im linken Flügel des Erdgeschosses des ge­dachten Gebäudes aufgestellt. Sie enthält außer den Büchern, 4050000 Bände an der Zahl, einen wah­ren Schatz an Kupferwerken, besonders aus den Fä­chern der Reisebeschreibung, der Alterthümer, der Ar- chitectur, der Maschinenkunoe, der Naturbeschreibung, der Anatomie u a., darunter die werthvollsten, zum Theil seltenen Prachtwerfe, die jedoch seither lange nicht in dem Maße benutzt worden sind, wie man es mit Rücksicht auf den eigentlichen Zweck solcher kost­spieligen Anschaffungen im Interepe des wissenschaft­lichen Publikums wünschen müßte. Noch lauter und und schon seit lange klagt man im Lande über tue Schwierigkeiten, ja theilweise Unmöglichkeit, Bucher aus der öffentlichen Bibliothek entliehen zu erhalten, während doch sämmtliche Angestellte des Landes durch die ihnen abgezogenen Bibliothek -Torgelder zur Er­haltung und Vermehrung dieser Sammlung jeder män- uiglich beisteuern müssen. Diese Beschwerde hat ihre unverkennbare Berechtigung und eS muß im Juteressc des geistigen Lebens und Strebens der Landesbewohner allerdings dringend gewünscht werden, baß ihnen und insbesondere der großen Mehrzahl der gering be­soldeten Staats- und Localdiener imLande die kostenfreie Benutzung der auf der Bibliothek vorhandenen Werke möglich gemacht werde, versteht sich so weit dies ohne Gefährdung der Werke selber geschehen kann. Was die Aufstellung und Aufbewah­rung der Bücher betrifft, so gilt auch hier wieder, und