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halten sei. Aber wer soll an seine Stelle treten? El­vers? Er ist das fünfte Rad am Wagen und würde es bleiben. Ein pietistischer Gothaer, halb Hassen­pflug, halb Dahlmann was wäre da zu hoffen? Ich habe Ihnen längere Zeit nicht geschrieben: was sollte ich melden? Es fault Alles so" fort. Hassen­pflug hat sich als Kreuzspinne mitten ins Finanznetz gesetzt und hofft nun auch ohne die Bajonnete Steuern zu fangen. Das Offizierkorps ist noch immer ohne Bescheid. Die Cholera geht noch um. Der Oberbe­fehlshaber, unser hessischer Polonius, treibt seine Possen fort, und der passive Widerstand hat uns Alle in Ham- letsstimmung gebracht, Uns ist so düster zu Muthe, daß selbst die preußischen Spaziergänge uns nicht er­heitern, nicht immer ein Lächeln abgewinnen konnten. Da die braven Leute unter Bonin blos auf den ihnen vertragsmäßig zustehenden Etappenstraßen bleiben, so hat kein Mensch etwas dagegen, wohl nicht einmal Baiern oder Oesterreich. Wir glauben noch an keinen Krieg, wir glauben auch nicht an das Gelingen der hannoverschen Vermittlungsvorschlages, wornach der Bundestag" wie dieUnion" aufgegeben, eine neue interimistische Centralgewalt gebildet und unsere, wie die schleswig - holsteinische und die gesammte deutsche Frage durchfreie Konferenzen" auf dem Boden der Verträge von 1815 geschlichtet werden soll. Wir glauben an nichts mehr als an den bösen Willen der Abso­lutisten, den letzten Funken Freiheit in Deutschland zu zertreten. Doch ja, wir glauben noch an ein Weiteres, an eine Vergeltung, au eine Nemesis in der Geschichte und das ist der einzige Stern, der durch die schwarzen Wetterwolken durchbricht.

Kassel, 24. Okt. (Horn.) Das Wüthen der Ch^ lera hat seit mehreren Tagen fruchtbar zugenomme». Man hat beim Erscheinen dieser Krankheit wenig Notiz davon genommen. Man war zu sehr auf die Ent­wickelung unserer politischen Krisis gespannt. So hat sich der Tod selbst unter uns eingenistet, ehe wir's ge­wahrten. Was kein Haynau fertig bringen konnte, "ist ihr ein Leichtes. Die Sterbeliste der hiesigen Stadt zählt sonst im Durchschnitt wöchentlich 20 bis 24 Per­sonen. Vor 6 Tagen aber stieg sie auf 68 und in der letzten Woche auf 103, ohngefähr % pCt. der Be­völkerung. Seit Sonntag aber haben die Todesfälle sich auf eine schreckenerregende Weise vermehrt. Man zählt täglich an 30 Sterbefälle. In dem Militär-La- zareth und in dem Zuchthaus der städtischen Kaserne rafft die Krankheit Opfer auf Opfer weg. Heute stehen 68 Leichen über der Erde, da inan kaum Hände und Gefährte genug hat, um sie zur üblichen Zeit zu beerdi­gen. Jeder Tag raubt uns theure Freunde. Und doch können wir kaum trauern über ihren Hingang, wenn wir diese trostlosen Zustände bedenken, denen sie für immer Lebewohl sagen.

Kassel, 24. Okt. «.Horu.) Staatsrath Scheffer ist Minister geworeen ohne Portefeuille.

Kassel, 25. Oct. Wie dieNeue hessische Zeitung" meldet, haben auch der Flügeladjutant des Kurfürsten und der Oberst v. Kalterborn ihre Entlassung gefor­dert, ebenso der Geh. Oberfinanzrath Gschwind

Hanau, 25. Okt. (Fr. Jr.) Wie man vernimmt, haben die Offiziere des Garde-Infanterie -Regiments vorläufig die Zusicherung erhalten, daß die von ihnen erbetenen Abschiedsgesuche in diesen Tagen höchsten Orts gewährt werden sollten; doch, heißt es, würde vorher noch eine bedeutende theilweise Reducirung der kurhessischen Armee eintreten.

Hannover, 21. Okt. (H. C) Die Ministerkrisis ist doch wieder nicht beendigt. Eine Kleinigkeit hat bewirkt, daß die Angelegenheit wieder in die Schwebe gerathen ist. Die Minister haben nämlich eine lange Liste von Bedingungen.entworfen ^nun sagt 30 an der Zahl), unter denen sie noch ferner fort regieren wollen. Es sollen darunter sehr drückende Forderungen gewesen sein. Der König hat Anstand genommen,

der Soldat die Republik nicht leben lassen, so heißt das so viel, als dieses Wort von der Fahne streichen. Aber dann muß man dieses Wort durch ein anderes ersetzen, sonst glaubt der Soldat, Sie wollen gar keine Regierungsform, und da waren wir mit einem Mal in der Anarchie. Vielleicht aber wünscht man den König au die Stelle der Republik zu setzen. Nun gut, aber welchen, es gibt ihrer zwei: Orleans und Cham­bord. Oder soll der Kaiser mit goldenen Buchstaben auf die Fahnen kommen. Nun wohl, aber reden muß man. Dumanet kann nicht sein Leben im Stockhaus zubringen, bloß weil er nicht genau weiß, wie sich die Negierung seiner Chefs denn eigentlich nennt. Der ChampagnerIacquesson", die kalten Hühner und die Cigarren geben keinen ausreichenden Beweis. Im Namen des sympelsten Haudegens, der über solche Mysterien verrückt werden kann, beschwöre ich Sie, geben Sie uns ein bestimmtes Wort über diese Sprach­verwirrung, woran sich ein ehrlicher Kerl halten kann.

Ich werde Dir eins geben, Dumanet, und das heißt vierzehn Tage Stockhausarrest, daran kannst Du Dich halten.

Sehr verbunden, General, und nochmals, es lebe die Republik, wenigstens bis man weiß, wie man Euern König benennen soll. (Schluß f.)

auf solche Bedingungen einzugehen Die Civillom- mlssion ist heute abgereist. Sie hat gestern ihren letz­ten Vortrag bei dem Könige gehalten." Man hört, daß sie vorgeschlagen hat, die Amtsvertretung und die Aus­schüsse bei den Provinzialständen ganz zu streichen, da­gegen in der Gemeindeordnung, Städteordnung und in dem Gesetze über die Provinzialstände Modifikationen eintreten zu lassen. Die Justizverfassung soll so bleiben wie sie mit den Stände» vereinbart ist.

Bremen, 21. October. DieWeser Ztg." bringt an der Spitze ihres Blattes einen aus Kassel datirten Artikel über die neue holländische Schifffahrts- Gesetzgebung und das Interesse der Hanse­städte, wonach der Zollverein im Begriff steht, Hol­land das Versprechen zu geben, für die Gleichstellung seiner Schiffe in den Kolonien und Begünstigung sei­ner Manufaktur-Erzeugnisse gleich den belgischen im holländischen Mutterlande, die Java-Produkte stets den begünstigtsten gleich zu achten. Es wird nachzu­weisen gesucht, daß ein Vertrag auf dieser Basis ei­nen Lebensfaden der Hansestädte durchschnitte, indem Holland dadurch in den Stand gesetzt werde, den Markt des Zollvereins zu Monopol isiren. (?) '

Berlin, 24. October. (Telegr. Dep.) Behufs Vereinigung beider Armee-Corps in Thüringen mar- schiren die preußischen Truppen über die kurhessische Etappenstraße. General von der Gröben ist instru- irt, eine fremde Intervention mit Gewalt zurückzu­weisen.

Berlin, 24. October. In diplomatischen Kreisen, meldet dieNat. -Ztg." ist seit einigen Tagen die Nachricht verbreitet, daß zwischen Preußen und Eng­land ein Vertrag zum formellen Abschluß gekommen sei, der für gewiße Eventualitäten ein Schutz- und Trutzbündniß involvire. Prinz Carl von Preußen ist gestern Abend abgereist, wie die Einen sagen, um den Kaiser von Oesterreich zu bewillkommnen, sobald er das preußische Gebiet berührt, wie die Andern ver­sichern, um sich zum Kaiser von Rußland selbst zu be­geben. Nach den stattgehabten Truppendi'slokationen besteht das bei Paderborn zusammengezogene Korps nunmehr aus dem 18. und 32 Infanterieregiment, dem 4. Jägerbataillon, dem 4. Kürassier- und 12. Husarenregimente und 2 mobilen Batterien des 7. Ar­tillerieregiments, das Korps bei Wetzlar dagegen aus dem 17. Infanterieregiment, 1 Bataillon dcöGarde- reserveregimeiits, 2 Bataillonen des 13., 1 Bataillon des 15 und 1 Bataillon des 29. Jnfanteriegiments, 2 Eskadronen des 5. und 3 Eskadronen des '3. Ma­nenregiments und 1 mobilen Batterie des 7., sowie 1 deßgleichen des 8. Artillerieregiments.

Berlin, 24 Okt. (Nat.-Ztg.) Wiewohl die posi­tiven Nachrichten noch fehlen, so hoben in diesem Augen­blicke doch vielleicht auch die Preußen bereits die kur­hessische Grenze überschritten. Denkt man deßhalb wirklich an einen Krieg, d. h. denkt man preußischer Seits für die Prinzipien, welche sm an in der kurhes­sischen Angelegenheit in Noten und Depeschen geltend gemacht hat, nun auch mit dem Schwerte einzustehen? Wahrlich nicht, denn es liegen die positiven Belege des Gegentheils vor. Herr v. Radowitz hat in der bestimmtesten Form Verhandlungen eröffnet, die zum Zwecke haben, die kurhessische und die schleswig-hol- stunsche Angelegenheit gänzlich von der frankfurter Bundesfrage abzutrennen, und sie gemischten Special- Commissionen zur Berathung und Erledigung zu über­weisen. Die österreichische Regierung, so wird hinzu­gefügt, sei geneigt, ans diesen Vorschlag einzugehen.

Eben 8 Uhr Abends rückt noch das Füsilier-Ba­taillon des 7. Infanterie -Regiments mit klingendem Spiel in die Stadt ein.Woher kommen Sie?" fragte ich einen der Füsiliere.Aus Mecklenburg"".Und wohin gehen Sie?"Morgen früh gegen die kur­fürstliche Revolution in Hessen."" Dem habe ich Nichts hinzuzusetzen.

DasCorrespondenz-Bureau" berichtet: das Schick­sal der von Preußen auf dem Zolltongresse in Kassel proponirten Tarifs-Erhöhungen ist erst in einer der letzten Sitzungen des Staats-Ministeriums definitiv entschieden worden. Nachdem der Antrag des Handels­ministers, Braunschweig aus dem Zollvereine auszu schließen, schon früher ohne Unterstützung geblieben, ist auch der neuere, die Angelegenheit vor die Kammern zu bringen und von diesen eine Zustimmung zur Fort­führung der Verhandlungen für die Einführung jener Maßregeln zu erwirken, von dem Staatsministeriuin abgelehnt Word.». Hr. v. b. Heydt befände sich dem­nach mit seinen Kollegen über die von ihm seither ver­tretene Handelspolitik in offenbarem Widersprüche, in einem Widersprüche, der schon bei der Kündigung des belgischen Handelsvertrages hervorgetreten ist. Daß Hr. v. d. Heydt in Folge dessen sein Portefeuille nie# kriegen wird, ist jedoch kaum zu erwarten, wiewohl das so im Allgemeine» Brauch ist.

Aus Brandenburg, 22. October, wird derD. R." geschrieben: Gestern früh traf bei dem Kommando des Königlichen 6te» Kürassierregimentes (Kaiser von Rußland) unverhofft die Nachricht ein, daß das Re­giment sich marschfertig zu halten habe, und heute folgte dieser Nachricht der Befehl, daß dasselbe sofort über Belzig, Wittenberg, den Marsch nach Erfurt an­treten solle.

Aus Norddeutschland, 22. Oktbr. (Wes. Ztg.) Das Herzogthum Lauenburg soll wirklich am 1. Nov. in den vor 1848 dort herrschend gewesenen Zu­stand zurückgeführt werden. Symbolisch, aber leider

auch sehr augenfällig, soll dieß dadurch angedeutet werden, daß an dem genannte» Tage in Ratzeburg ein königlich dänischer Commiffarius (Freiherr von N'n oderder holst.- lauenb. Minister in paetibus,

9 Neventlow-Criminil, in höchsteigener Person?) erscheinen und den Beamten so wie den Truppen den Eid der Treue gegen Se. Majestät König Friedrich II. v. Dänemark abnehmen wird. Schein­bar Hanbelt es sich allerdings dabei nur um eine Ko- inödie; aber Niemand wird verkennen, daß dahinter die ernstgemeinte böse Absicht versteckt ist, die Verfas- l»ng und die Grundrechte, in deren rechtlichem, wenn auch noch nicht sachtem Besitze Lanenbura seit länger teiln einem Jahre ist, wcgzuescamotiren "und den et­waigen renitenten Beamte» den Laufpaß zu geben. Ob die Statthalterschaft Lauenburgs durch Nachgiebig- kclt ihr Dasein weiterfristen oder aber es vorziehen wird, mit Ehren abzutreten, müssen wir natürlich ab­warten. Daß übrigens das oben angeküiidigte Manö­ver so urplötzlich stattsindet, ist wohl "durch Weisungen des wiederauferftandenen Bundestages zu erkläre» und ofienbar darauf berechnet, Holstein auf allen Seiten zu tfoltreii und in die Enge zu treiben. °

Regensburg, 21. Oktober. (Reg. Tgbl.) Ueber-

23. d. M. wird das Kürassier-Regiment Prinz Ada bert von Bayern, welches zu den Truppen­corps am Untermain bestimmt ist, hier ein treffen, am Donnerstag Rasttag halten und am Freitag seinen Marsch wieder fortsetzen. - Das hier garnisonirende 10. Infanterieregiment hat heute die Ordre erhalten die ersten beide» Bataillone den Marsch antreten zu

jede Compagnie derselben die Stärke von 100 Ma NII erreicht hat.

München, 23. Oktober. (Allg. Ztg.) Nach seinem jüngsten Befehls aus dem S>taatsministerium der Kriegs soll der Ankauf von Pferden für die Armee sofort wieder ausgenommen und sollen für die Cavallerie und Artillerie 1660 Pferde schleunig »»gekauft werden. Anfangs der nächsten Woche wird dem jüngste» Be- fördei ungsiesceipte für die Cavallerie und Artillerie ein weiteres, die Infanterie betreffendes Erqänzunqs- refcrtpt folgen. a 3 ö

DieN. Münch. Ztg." schreibt: ii ch e n 22. Okt. Aus zuverläiffger Quelle erhalten wir die Nachricht, ' daß das in Tyrol und Voralberg stehende f k. österr. Armeecorps den Befehl zur Marschbereitschaft erhalten hat.

Aus Augsburg marschirte heute ein Jnfanterieba- . taillozi nach Bamberg ab.

Würzburg , 25. October. (N. W. Z.) Gestern ist eine Eskadron das Chevaurlegersregimeiits hier eingerückt.

Zweibrücken, 21. Okt. (Sp. Z.) In Folge einer heute eiugetro|jenen Estaffete marschirt soeben die hier in Garnison gewesene Infanterie nach Homburg ab, von wo ein Ertrabahnzug sie heute noch an den Rhein befördert. Es heißt, der Marsch gehe nach Würzburg. Gleiche Ordre hat das in Pirmasens aariiisouirende Militär erhalten.

. Dctober. (Augsb. Allg. Ztg.) Ein vollkommen Eingeweihter sagte heute:Unsere äußere politische Lage hat sich seit vierundzwanzig Stunden sehr geändert." Es herrschte eine bemerkenswerthe be­deutungsvolle Bewegung. Mehrere Kouriere sind nach verschiedenen Richtungen abgefertigt worden, und an der Börse sind auf abermalige Gerüchte vom Vorrü­cken der Truppen die Fondscurfe empfindlich zurückge­gangen. Des Fürsten v. Schwarzensbergs Abreise nach Warschau hat noch einen kleinen Aufschub erlit­ten. Dadurch widerlegt sich das Gericht, als ob er dort mit dem Grafen v. Brandenburg Zusammentreffen und mit diesem ein letztes Wort wechseln dürfte. Es heißt wenigstens Graf Brandenburg werde schon bis 23. oder 24. in Berlin zurückerwartet.

Sch »esw ig-Holstein.

* Die Dänen sind lebhaft beschäftigt, sich zu einem entscheidenden Schlage vorzubcreiten, um dm Mühen und Gefahren esnes Winterfeldzuges zuvorzukommcn; dazu kommt, daß Cholera und Typhus in der Armee furchtbar wüthen. Ma» schätzt die Zahl der Kranken auf 8000. Außer den vielen Lazarethen, welche als solche in Flensburg eingerichtet und bestimmt sind, werden noch fortwährend die große St. Marienkirche und fast alle Schulen der Stadt dazu benutzt. DieWes. Ztg." bringt in einem Kiel, 20. Okt. datirten, jedoch ohne Angabe der Quelle einem anderen Blatte ent­nommenen Artikel, die bestimmte Mittheilung, daß die Statthalterschaft de» Amnestie-Antrag der Laiideöver- sammluug nicht genehmigt hat. Die von Mitgliedern der Landesversammluiig redigirteN. Fr. Pr." berichtet noch nichts davon; die Nachricht erscheint uns in An­betracht der bisherigen Gothaer Politik jedoch sehr glaubwürdig.

Wie die Statthalterschaft verfährt, lehrt folgender Bericht der N. fr. P. aus Altona 22. Oktober.: Diesen Vormittag zwischen 9 und 10 Uhr hielten die Polizeiofficianten wieder Haussuchung iiach Th. B ra ck- i ow in dessen Hause; Alles, selbst Boden und Ziegcii- stall, wurde untersucht,- der Gesuchte aber nicht gesun­den. Der Polizei-Osficiant Bautz, der diese Haussu­chung leitete, verfolgte Bracklow bereits am 5. d. M. bis zum Hamburger Gebiet, wo derselbe ihm entkam. Dieß ist also seit dem Amneilicbefchluß der Landesver­sammlung die zweite Jagd dieser Art, ausgeführt ge­gen eine Person, deren Verfolgung durch die Altonaer Polizei selbst Gegnern der Amnestie in der Landesver- sammlüng als eine ganz ungerechtfertigte erschien."