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Briefe über den Legitimisten-Kongreß.

Vierter Brief.

Die Legitimisten von 1815 bis 1830.

-Schluß.)

oo Wiesbaden, 1. Oktober. Welch finsterer Geist in Frankreich zu regieren begann, geht aus dem Gesetz gegen das Sakrilegium (Kirchentweihung) hervor, welches auf manche Vergehen dieser Art Todesstrafe setzte.

Als gar dem Adel für die in der Revolution ver­lornen Güter von der ultraroyalistischen Kammer 1000 Millionen Franken als Entschädigung bewilligt wurden, schien der Legitimismus, der durch diese Mil­liarde seinen wahren cynischen Charakter offen zur- Schau stellte, förmlich in den Zustand der Raserei überzugehen.

Nach der Bewilligung dieser Milliarde an Menschen, welche ihr Schwert gegen die Söhne fran­zösischer Mütter gezuckt hatten, war die Nation fest entschlossen, das Regiment dieser Rasenden bei der er­sten günstigen Gelegenheit zu zermalmen. "

Weder die Theilnahme an der Schlacht bei Na­varino, noch die.Expedition gegen den übermüthigen Dei von Algier konnten den Unwillen der Nation besänftigen.

Nachdem der Fürst von Polignac, ein Ultra- rüyalist, im November 1829 an die Spitze eines neuen Ministeriums getreten war, wußte Jedermann, nur die verblendeten Legitimisten nicht, daß die Schlacht nicht mehr fern sei.

Polignac und seine College«, Bourmont, Pey- ronnet, Chantelavre, Guernon-Ranville, MonSebelo, bliebenmcht hinter den Hoffnungen zurück, welche der Adel und der Klerus von ihnen gehegt hatten.

Am 25. Juli erschienen die drei verhängnißvollen Ordonnanzen, von welchen die eine die noch nicht ein­mal eröffnete Deputirtenkammer wieder auflöste; die zweite das Wahlgesetz eigenmächtig veränderte, indem es eine große Anzahl minder Begüterter ganz von den Deputirtenwahlen ausschloß ; die dritte endlich die Preß­freiheit aufhob.

Aber schon am 27. warf die Revolution ihr flam­mendes Schwert in die Wagschaale und die Sache des Legitimismus, die Sache der Bourbonen sank.

Am 31. Juli schrieb Carl die Abdikationsurkunde, deren Eingang lautet:

Die Uebel, welche meine Völker treffen oder ihnen drohen, sind zu schmerzlich, als daß ich mich nicht nach einem Mittel umgesehen haben sollte, sie zu verhüten. Ich habe also den Entschluß gefaßt, die Krone zu Gunsten meines Enkels (des Herzogs von Bordeaux) niederzulegen. Der Dauphin (der Herzog von Angouleme), welcher meine Gesinnun­gen theilt, entsagt ebenfalls seinen Rechten zu Gun­sten seines Neffen."

Es war zu spät!

DasMittel", welches der alte König seinem Volke vorschlug, nämlich das Königthum des Grafen von Chambord, wurde durch Louis Philipp von Orleans, der von der Börse, der hohen Finanzaristokraties, unter­stützt wurde, vereitelt.

Am 14. August stieg Carl X. mit seinem Enkel, dem Grafen von Chambord, seinem Sohne, dem Her­zog von Angoulöme, und dessen Gemahlin Marie The­rese und der Mutter- des Grafen von Chambord, Marie Caroline, zu Schiffe und steuerte England zu, am 14. August verließ Carl X. zum brittenmale als Flücht­ling die Grenzen Frankreichs, dieser Carl, dessen Dy­nastie erst im Jahre 1825 der lügnerische Mund eines Erzbischofs bei der Krönung in der Kathedrale zu Rheims eine Tochter Gottes und unsterblich genannt hatte.

Wie ganz und gar unheilbar diese alten Bour­bonen seien, zeigte sich noch auf der Flucht des Königs.

Haltet Ihr es für möglich, daß der flüchtige Carl in der Stadt Aigle sich eigens einen kleinen vier­eckigen Tisch machen ließ, an welchem der König nach der Hofsitte zu speisen pflegte, well sich kein so geform­ter Tisch in Aigle vorfanv, nachdem er ein großes und schönes Reich verloren hatte?

Und doch ist dieses ebensowahr, als daß die könig­liche Familre, als sie sich am 14. August an Bord des Great-Brrtain begab, es unter ihrer königlichen Würde hielt, von den Soldaten der Garde, welche dem ver­jagten König so treu und aufopfernd das Geleite ge­geben hatten, Abschied zu nehmen.

Den Offizieren wurde gestattet, die Hand der Prinzen und Prinzessinnen zu küssen; die Soldaten wurden keines Blickes gewürdigt.

Einen Hund hätten die verjagten Prinzen und Prinzessinnen vielleicht noch gestreichelt; aber ein dank­barer Blick den Söhnen des Volks, welche ihr Blut für die königliche Sache zu verspritzen bereit waren, deuchte diesen Bourbonen, diesen Königen von Gottes­gnaden, eine Erniedrigung, eine Beschimpfung.

Frankreich konnte sich glücklich preisen, da es diese Unverbesserlichen" über die Grenze jagte, aber es wurde arg, sehr arg betrogen, als ihm die Finanz­aristokratie und eine aus Minoritätswahlen hervorge­gangene Kammer, in der Person des Louis Philipp einen neuen König aufdrang.

Louis Philipp, der neue König, war um kein Haar : besser als der vertriebene; eher aber schlechter. Er war ein Schacherer, ein Börsenjude auf dem Throne, der sein Volk, dem er im Juli gesagt hatte,er sei Republikaner", betrog, indem er zu dem alten Despo­tismus die unerträglichste Heuchelei fügte; der La­fayette und Laffitte, bie ihn empfohlen hatten, ! hinterging; der Polen, Italien, Belgien trotz ' der schönsten Versprechungen mit kaltem Herzen ver­rieth; der seine Frau, ein ehrliches Weib, und Carl X., 1 die fest glaubten, Louis Philipp habe sich der Staats­

gewalt nur im Interesse Heinrichs v. Bordeaux bemächtigt, auf die schamloseste Weifte überlistete; der sich der infamsten Erbschleicherei gegen den unglücklichen Herzog von Bourbon, den letzten Prinzen von Condö, welcher an einem Feusterrugel aufgehängl gefunden wurde, offenbar schuldig gemacht hat.

Preußische Stimme» über Preußen- Situativn.

X Was sagen die preußischen Blätter zu der Er­nennung des Herrn von Naoowitz und welche Hoff­nungen knüpften sie daran für Preußen? DieNat.- Ztg." macht auf die kolossalen Bauten aufmerksam, welche Oesterreich unter F.-Z.-M. von Heß betreibe, der fortwährend mit Entwürfen zur Befestigung oder Verstärkung und Erweelerung aller geeigneten Punkte beschäftigt ist. In Komoru, Ollmütz, Krakau arbeitet man Tag und Nacht, Linz und Josefstadt be­kommen Forts, für Italien und Ungarn werden kolos­sale Bauten unternommen; und Preußen? Es entläßt seine Reserven, mit der Erklärung, daß zur Jett fein Grund zu deren Wiedereinberufung vorhanden sei! DieKöln. Ztg." ist durch die kurhesfischenSchrift­stücke" des Herrn von Ravowitz nur deshalb wenig überrascht, weil sienicht mehr zu erwarten gewagt hatte"; aber, setzt sie hinzu,cs gereicht dem Ministe­rium nicht zur Ehre, daß wir nicht mehr zu erwarten wagten. Der sogenannte Bundestag hat ohne Preußen für ganz Deutschland Beschlüsse gefaßt uiiD damit fi 1) ohne Weiteres eine Autorität auch über Preußen au­gemaßt; und statt nun für solche eklatante Beleidi­gung sofort Genugthuung zu fordern, begnügt sich das Ministerium mit der Erklärung: es werde ü b der Ausübung solcher Autorität widersetzen! Es i|t offenbar gerade so, als wenn Fürst .Schwarzenberg morgen den Einfall hätte, sämmtliche schlefisrbe Fürsteu- thümer wieder in den Titel des Kaisers von Oester­reich und offene BefitzergreifungS-Paieute in die oster-- reichischen Gesetzsammlungen äußune^nien, das preußische- Ministerium aber sich mit der Antwort begnügte: es versage solchen Titeln und Patenten durchaus seine Anerkennung und behalte sich der etwa versuchten that­sächlichen Geltendmachung gegenüber seineEnt­schließungen vor"! N cht ernmil oie Gesandten werden abberufen von jenen Hosen, die sich einfaUen lassen, ihrem Frankfurter L.plomaten - C>uv Autorität über ganz Deutschland beizulrgen, und nicht einmal . das wird verlangt, daß der ausdrücklich ausgesproche- I nen und vor Deutschland kund gethaut» Anmaßung ; alsbald der eben so ausdrückliche und eben so kund zu I thuende Widerruf folge! Man muß gestehen, es gereicht dem Ministerium nicht zur Ehre, daß wir von : ihm nichts mehr erwartet haben, alS es geleistet bat. I Inzwischen läßt sich gegen alle diese Demüthigungen ; jetzt nichts machen: wir haben abzuwarten, was im

Henriette Herz, ihr Leben und ihre Erinnerungen.

-.Fortsetzung.)

Bei Gelegenheit ciiiesTugendbuntes", teil eine Anzahl junger Männer, Frauen und Mädchen gestiftet hatte, erwähnt Henriette Herz, Wilhelms v. Humboldt. Der Zweck des Bundes war geistige und sittliche Aus­bildung und werkthälige Liebe. Alle Mitglieder des Bun­des, dem auch Schleiermacher angehöhrte, nannten ein­ander Dn. Man hatte beschlossen, Wilhelm v. Hum­boldt in den Verein aufzunehmen, und der Tag der Aus­nahme war bereits bestimmt, als der siebrnzchnjahrige Neuling eines Morgens bei der Frau Herz erschien und mit dem Ausdrucke der innersten Zerknirschung erklärte, er fühle sich nicht würdig, Mitglied des Bun­des zu werden. Seine Neue wurde ihm indessen als Sühne angerechnet und die Aufnahme ging vor sich. Frau Herz blieb mit Wilhelm v. Humboldt fortwäh­rend in einer innigen Verblndmig, welche ihr unter Anderm auch zur Zeit ihres Aufenthaltes in Rom bei Verschiedenen Gelegenheiten zu Statten kam, denn dort hatte man, d. h. die päpstliche Curie, die Verdienste nicht vergessen, welche sich der Vertreter Preußens auf dem Wiener Congreß mim die Wiederherstellung des Kirchenstaats erworben.

Jean Paul Richler hielt sich in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts längere Zeit in Berlin auf, und

machte dort viel Glück. Obgleich er sich in einer cleu- dcuKneipe" cmgemictyct hatte, fehlte cs ihm nicht an Besuchen der elegantesten Damen, die ihm ihre Hulbiguugen darbrachleu.Uebcrpaupt, sagt Henriette Herz,es ist kaum zu b.fchrAb.u, wie viel Ausmcrksamkcil ihm von den Frauen, selbst von denen der höchsten (Stäube cr- wicsen wurde. Sic. wußten cs ihm Dank, daß er sich in seinen Werken so angelegentlich mit thuen beschäftigt und bis in Vie tief ihn Falten ihres Sinnes und ihres Gemüthes zn dringen versucht hatte, hauptsächlich aber da» ktcu es ihm die Frauen von böserer Bildung Nnd die vvrNchmc N Da INeN, Vaß cr sie so viel bcbnIcncer und rdcalcr darstcllle, als sie in der That warcn. Dwv hatte seinen Grnnd darin, daß ,als er zuerst Frairen der höheren Stäube schilderte, er in Wirklichkeit noch gar keine solche saunte, und einer reichen und wohlwollenden C-iubilvungs- kraft hinsichtlich ihicr freien Spielraum ließ, diejenigen ans diesen Classen jedoch, welche er später kennen lernte, Alles anwendccen, um die ihnen schmeichelhafte Lanschung in ihm zu erhalten und ihm möglichst ideal zu erschei­nen. So hat er die Frauen der höher» Stände, so viele er deren auch später sah, eigentlich niemals ken­nen gelernt, ja diejenigen, deren Bekanntschaft er machte, in gewisser Beziehung immer falsch beurtheilt."

Richter war so ,ehr der Mann des Tages in Ber­lin, daß man sogar den König veranlaßte, ihm in ei­nem Handschreiben zu erkennen zu geben, daß es ihm

angenehm sein werde, wenn er sich in Berlin nieder- lasse. Als aber Richter, gestützt aus diesen Wunsch, um ein Jahrgeld anhielt, fand er taube Ohren, und der König meinte nun, der Mann möge ganz gute Romane geschrieben haben für den Liebhaber, aber es werde doch zu viel Wesens von ihm gemacht, be­sonders durch die Damen, die niemals Maß zu halten wissen! Eine entschieden ungünstige Meinung von den schriftstellerischen Verdiensten Richters hatte Schlcice- macher, welcher zum Beispiel nach dem Erscheinen ccS hochgefeiertenTitan" an Frau Herz die Worte schrieb: Es sind doch wahrlich alle die alten Sachen, und auch in der Geschichte und den Decorationen die alten Erfindungen, was eine erschcrckiiche Armuth verräth. Selbst die Charaktere sind, wenn nicht geradezu copirt, doch ganz in dem alten Genre. Indessen ist vieles besser, als imHesperüö" und derLoge", selbst die Geschmacklosigkeit. Auch fängt er an, Noten zu machen zu seinem Witz, und wenn noch mehrere Frauen ihm sagen, daß er schwer sey fällig näm­lich, so wird er gewiß noch mehrere Verbesserungen dieser Art audringen."

Ludwig Börne, damals Louis Baruch geheißen, war auf den Wunsch seines Vaters, wie wir bereits erwähnten, in das Herz'sche Haus ausgenommen, um, da er noch sehr jung war, den Verführungen der gro> ßen Städt, wo er Arzneiknude studiren sollte, nicht ohne alle Leitung und Aufsicht preisgegeben zu sein.