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Dreiheit und )Lechr!"

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DiesFr eie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Moniags, n,!^ in einem Dogen. - Der A^onne'rientüpr.is hetragi v terteljährtg hier in Wiesbaden l fl. 45 fr aus wârtö durch die Post oe-ogen mit verhältntßmäßigem Aufschta,e. Inserate we-veu derettMlllia autonom nca und lind frei der großen Serdrettung derFreien Zeitung" stets von wtrt» samem Erfolge. Die I iserationSgebühren betragen für fair vtertpatNac Petitzeile 3 Kreuzer.

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Ginladuug zum Abonnement auf dieFreie Zeitung"

für das vierte Quartal (L Qkthr. bis Ende Decbr.) 1850.

Mit Ende dieses Monats beginnt ein neues Abonnement auf dieFreie Zeitung. Eine Partei, die eS gut mit sich selber meint und beweisen >M, daß sie Lebensfähigkeit und die freudige Zuversicht habe, die Zukunft gehöre ihr, hat in dem jetzigen Augenblick mehr als je die heilige Pflicht, ihre Presse zu unterstützen, zu heben und zu kräftigen. DieFreie Zeitung" wird Alles aufbieten, um sich der Theilnahme ihrer Leser durch Tendenz und Haltung würdig zu beweisen und in bcr Erweiterung ihres Publikums eine Aufforderung zur Steigerung ihrer Kräfte erkennen: sie wird, wie bisher, täglich in Leit- und UebersichtSartikeln und in Berichten über die Ständesitzungen, Assisen und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Verhandlungen sowohl die nassauischen, wie die allgemeinen deutschen Angelegenheiten und Weltfragen beleuchten und erörtern; zugleich wird sie Sorge tragen, daß ihr von den politisch-wichtigsten Punkten des In- und Auslandes Corn- spondenzen zugehen. Die Nachrichten vom Niederrhein, aus Frankreich, Belgien und England bringt sie früher, als die Frankfurter Blätter, die übrigen in der Regel gleichzeitig. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und gediegenes Feuilleton für Belehrung und Unterhaltung geben. Es sind bereits Anordnungen zu einer Reihe von Origi­nalnovellen und von Charakteristiken aus der Geschichte und Literatur getroffen; auch werden die wichtigsten Novitäten in Literatur und Kunst besprochen werde:.

Zur gewerblichen Assoziation.

^^ Es ist sehr erfreulich, daß die welterlösende Idee der Assoziation, die Idee, daß die Hülfe nicht von außen kommen könne, sondern daß sie nur aus dem brüderlichen Zusammenschlüßen für alle Einzelne erwachsen werde, immer mehr Bekenner findet. Der Erlöser der Menschen ist die Menschheit und je mehr die Einzelnen von ihrem isolirten Standpunkte herabsteigcu, je enger sie sich aneinanderschließen, je mehr sie ihr persönliches Wohl an das Gedeihen des Allgemeinen, des Ganzen binden, um so mehr werden die Uebel der Gesellschaft schwinden. Die Mensch­heit ist sich selbst genug; im Ganzen liegen die Quel­len, aus denen Heilung' für die Gebrechen der Einzel­nen sprudelt. Durch liebendes Aneinanderschließen der Einzelnen theilt sich die Allmacht des Ganzen jedem seiner Glieder mit. Der Eigennutz aber löst das all­mächtige Ganze in eine Menge armseliger Einzelwesen auf. Die brüderliche Vereinigung zu einem gemeinsamen Zweck bewährt ihre Wunderkraft im Großen, wie im Kleinen. Sehr erfreulich ist es, wenn das Volk zu­nächst in ganz engen Kreisest, etwa innerhalb der Ge­nossen eines Gewerbes in einem Bezirke, die Wirkun­gen der Assoziationen kennen lernt, es wird dann von selbst das Prinzip in alle weitere Lebenskreise tragen. Auch in unserm Lande hat die Assoziationsidee bereits gezündet.

Es gereichtstms zu besonderem Vergnügen, nachstehen­des Schreiben veröffentlichen zu können:

Soden, 23. September 1850. Heute hat sich dahier eine Anzahl von Schrcinermcistcrn aus dem Krcisamtsbczirk Höchst versammelt, um eine Verbrü­derungsgesellschaft in ihrem Stande zu grünte , durch welche sie in der Zukunft ihre Materialen, besonters das Holz beziehen wollen. Die Zweckmäßigkeit eines solchen Vereins leuchtete den Anwesenden so klar ein, daß zur schnellen Verwirklichung desselben einstimmig beschlossen wurde:die nächste Versammlung dahier [ Sonntag den 29. d. M. abzuhalten, um alsdann das Weitere zu besprechen". Es wäre zu wünschen, daß auch die übrigen Handwerkslente sich zu ähnlichem Zwecke vereinigten, da nur auf diese Weste dem Handwerkerstande aufzu helfen ist." *)

Es kann in'der That nichts geben, was mehr tu die Augen spränge und jedem sich sogleich aufdrängte, als die Vortheile gewerblicher Assoziationen. Die Schuhmacher in der Nähe von Frankfurt mögen doch einmal, um recht schlagend überzeugt zu wer­den, zusammenrechnen, was sie für den Einzelbezug ihres Leders in Summe ansgeben und dann Nachsehen, wie theuer es ihnen zu stehen gekommen wäre,^ wenn sie den Gesammtbedarf gemeinschaftlich etwa von der Frankfurter Messe oder gar direkt aus Belgien bezogen hätten. Sie werden selbst staunen, wie unendlich viel durch diese ganz einfache Operation gespart werden könnte. Die gleiche» Vortheile aber würden sich beim gemeinschaftlichen Bezug der Lebensmittel heraus­stellen. Und wenn die hierdurch erzielten Vortheile zum großen Theile für Kranken- und Jnvaliden- kaffen verwendet würden, dann wäre die Erlösung des Gewerbestandes von denjenigen Uebeln ange­bahnt, von denen nur er allein sich befreien kann.

Wir können nicht umhin, bei dieser Gelegenheit etwas anzuregen. Im Amte Usingen giebt es einzelnen Bezirke, in welchen Hunger und Noth dergestalt gewirkt haben, daß man in den umherwandelnden Iammergestalten kaum mehr den Menschen erkennen kann.

Und doch könnte, gerade in jenen Bezirken,

*) Wir sprechen hier die Bitte and, unS doch sogleich Nach­richt zu geben, wenn irgend wo Associationen auftauchen.

durch Assoziation so leicht geholfen werden. Bekannt­lich ziepen die Bewohner derselben Flachs in bedeuten- der Menge und von anerkannter Gute. Einzelne Geld- leute bringen denselben gegen eine verhältnismäßig sehr geringe Bezahlung massenweise an sich und lassen ihn dann bei sehr niedrigem Lohne verarbeiten. Wre leicht könnte diesen Spekulationen Einzelner ein Ende gemacht und die Arbkitsfrucht den Arbeitern zugewendet wer­den ! Die Hauptschwierigkeit, eine Weberassoziation, wie wir sie früher besprochen, zu errichten, liegt tu der Aufbringung des Kapitals für das An km '?n von Roh stoffen, Die Bewohner der genannten Hungerbezirke ziehen aber den Rohstoff, den Flachs selbst, hier käme es Daher nur darauf an, solche Anordnungen zu tref­fen, daß dieselben fortan sticht mehr in die Krallen der Spekulanten fielen. Wenn der zubereitete Flachs in einem Lager gesammelt und zur weiteren Bearbeitung ausgegcbeu wurde, wenn dann die fertigen Erzeugnisse verkauft würden und dies Alles durch die Gesellschaft der Arbeiter oder im Ramen derselben geschähe, so würde alles das den Arbeitern verbleiben, was bisher die Spekulanten an sich $n bringen wußten; außerdem würden sich aber auch noch Vortheile anderer Art aus solcher Vereinigung ergeben, Vortheile, von denen die in ihrer ZerspUttelung zur Beute einzelner Spekulan­ten gewordene Arbeiter zur Zeit gar keine Ahnung ha­ben können.

Opfer dürfen freilich von diesen armen Ge­opferten nicht gefordert werden, ebensowenig kann bei diesen so sehr herabgekommenen Arbeitern die Fäh­igkeit erwartet werden, sich selbst-aufzuraffen, eine Assoziation zu gründen und dieselbe zu leiten. Aber wir sollten denken und wir können zur Ehre der Menschheit das Gegentheil nicht annehmen daß un­ser Land nicht nur Capitalien enthält, welche ihr Capital zur Ausbeutung ihrer Mitmenschen ver­wenden, sondern auch solche, welche ihren Besitz alS einen in ihre Hand gelegten Hebel ansehen, um die Brüder aus dem Schlamme der Verthierung, in welchen schnöder Eigennutz sie hinabgebrückt, her- auszurelßen und zur Hohe menschlicher Gesittung ein« porzuhebkii. Und wenn der einzelne Kapitalist den guten Willen, den Drang zur Hülfe, aber nicht die ganze hiezu erforderliche Geldmenge hat, so werbe èr unter gleichgesinnten Besitzenden Theilnehmer für das schöne Erlosungswerk.

Es handelt sich hierbei nicht um ein Verschen­ken, sondern lediglich um ein zeitweiliges Verleihen von Capital. Es käme nur darauf an, den Lohn so lange vorzulegen, bis durch den Verkauf der Erzeug­nisse Geld einginge, und die Assoziation so lange zu leiten, bis einzelne Arbeiter das Wesen derselben erfaßt hätten und selbst im Stande wären, die Sache in die Hand zu nehmen.

Wir sind überzeugt, daß der angedeutete Weg zum Ziele führte und fordern dringend auf, das Vorge­schlagene zu verwirklichen. Geldsummen an die Armen, für welche wir sprechen, vertheilen und die Zustände ungeändert lassen, hieße in der That nichts anderes, als die Arbeitsinstrumente jener Speculaten vorüber­gehend kräftigen, es hieße jene Spekulanten selbst ifh« terstützen. Dies wäre der Erfolg einer Gelvverthei- lung im all er günstigsten Falle, wenn man von einer zum Nachtheil des Arbeiters ausschlagenden Gelb- verwendung gänzlich absieht. Hilft man aber dem ge­sunkenen Arbeiter durch sich selbst, reicht man ihm die Bruderhand, nicht, um ihn einen Augenblick aufzu- richten und dann wieder in den Schlamm zurückfinken zu lassen, sondern um ihn dauernd auf eigene Füße zn stellen, dann ist die Hilfe nicht Schein, sondern Wahrheit. Einem Andern wahrhaft helfen, heißt, ihn in die Lage bringen, sich selbst helfen zu können.

D e « t f I B 8.

ZZ Wiesbaden, 26. Sept. Nachträglich bemerken wir zu dem Berichte über die gestrige Landtagsützung, ' daß während derselben der Abgeordnete Creutz in ! einer schriftlichen Eingabe dem Präsidenten anzeigte, j daß er seit der letzten Kammervertagung zum Pfarrer I in Heftrich ernannt worden sei, und ihn anfforberte, dies der Kammer zur Nachricht und Beschlußfassung ! mitzutheilen. Die Kammer wird voraussichtlich be­schließen, daß der Sitz des Abg. Creutz durch diese seineBeförderung" erledigt sei. Die Linke verliert I dadurch eines ihrer Mitglieder, welches seit dein ersten ! Zusammentritt des Landtags (22 Mai 1848) in gu- j teil und bösen Zeiten fest bei ihr ausharrte; es steht ; jedoch zu hoffen, daß der Wahlbezirk Limburg-Die-, wenn Creutz eine Wiederwahl nicht wünschen sollte, ! dennoch die Opposition um ein Mitglied durch die . Neuwahl vermehren wird.

)ch( Limburg, l.Sept.*l. Auf Verlangen mehrerer Handwerks-Gewerbe-Commisfionen werden deren Ver- ; Handlungen über die dahier am 4. August I. I. a be­haltene Generalversammlung hiermit der Ocffeutlr'chkeit übergeben. Nach der Wahl eines Vorsitzenden und Stellvertreters, sowie von 2 Schriftführern, wurde die Versammlung für eröffnet erklärt. Der Voiiltzende gab eine Erläuterung in Betreff der Veranlassung dcr- selben, verlas dann das Protocoll über die Verpanc- ' hingen der Gewerbe-Commissionen von Limburg und Hadamar vom 14. Juli 1. I. und die darin vorgc- I schlagene Tagesordnung, welche den weiteren Berathun- ! gen zu Grunde gelegt wurde. Hierbei wurde der St« ; schluß gefaßt, daß alle Anträge zuvor schriftlich auf dem Tisch des Bureaus niebergelcgt werden sollten. Darauf hin wurden dieselben von dem Vorsitzenden verlesen und beschlossen, daß die sämmtlichen Hand- , Werks - Gewerbe - Commissionen des Landes zur Erzie­lung gemeinschaftlicher Beschlüsse im Betreff der Gc- werbeangelegenheiten an die Staatsbehörden in einen Corresponbenzverkehr treten möchten, dagegen wurde der Antrag zur Wahl einer Centräl-Conimission (ober ! eines Central-Bureaus) abgelehnt. Der Antrag, daß die Gewerbe-Commissionen auf bessere Handhabung dis provisorischen Gewerbegesetzes vom 3. April 1849 zu dringen hätten, angenommen.

Hierauf gab der Vorsitzende einige Erläuterungen über die Grundzüge einer Gewerbeordnung, daß sie namentlich auf die Unterdrückung der gewerblichen Pfuscherei, sodann auch Beschränkung der Gewerbefrei­heit gerichtet, daß die Mißbräuche der alten Zunftver- faffung aus ihr fern zu halten seien, daß ihr nicht die freiwillige sondern nothwendige Innung zu Grund ge­legt werden müsse. Man hielt hierbei die Ansicht fest, daß Innungen errichtet werden, um ihre gewerblichen Interessen im weitesten Sinne des Wortes zu wahren, Ordnung in dem Gewerbebetrieb zu gründen und zu erhalten, um unter dem Schutze des Staates durch die vereinten Kräfte der Genossen das geistige und ma­terielle Wohl aller zn fördern, und dadurch aus sich selbst die Mittel zu schaffen, der Masseuverarmung Ent­gegen zn wirken. Um die Selbstverwaltung der Stan- desintereffen der Handwerker zu ermöglichen, hielt man die Einsetzung eines Gewerberathes und Gewerbege­richts für zweckmäßige Einrichtungen, die Versammlung entschied sich daher nur im Allgemeinen, die Grund­züge einer Gcwerbverordnnng zu berathen, nachdem der Vorsitzende einen von dem Vorstände des Centralhand­werkervereins dahier verfaßten Entwurf angefangen hatte zu verlesen; weil die Zeit nicht ausreiche, um diesen Entwurf im Einzelnen zu prüfen. Die Ver­sammlung entschied sich für die nothwendige Innung

*)-Diescr Artikel kam der Redaktion erst unterm 24. Sept. zu.