»Freiheit und Recht!"
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Jfâ 22^. Wiesbaden. Mittwoch, 25. September IS5O.
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VI, „Freit Zeitung" erscheint, mit ÄuSnabm? des Montags, täglich in dnem Vogen. — Der AdonncmeniSpeelâ beträgt 6i rtelfa»rifl vier in LStesvaden l ft. 45 tt„ auS' wârtS durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschiage. — Inserate werden bmttiöiüiß äofgenoÄmen uns siuo bei o« großen 8 :dr»ituog d.r „Freien Zeitung" stets von mir! samem Erfolge. — Die InserattonSgidührrn betragen für die vieespaltige Pettijeile .1 Kreuzer.
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Blicke in die Vergangenheit und Zukunft der nassauischen Ständeversammlung *).
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öo Wiesbaden, 23^ September, Der nassauische Landtag ist vielleicht die einzige Versaminlung in Deutschland, welche, nachdem sie im Jahre 1848, dem Jahre der Revolution, zusammengctreten, noch heute, im zweiten Jahre der Reaktion^ sorteristirt.
Wir glauben nicht, wenn es wahr ist, daß heutzutage die achten und rechten Volksvertreter in der Verbannung, im Kerker odèr auf der Anklagebank zu suchen sind, daß dieses lange Leben dem Landtag gerade zum Ruhme gereicht.
Allein gleichwol muß konstatirt werden, daß der Landtag in seiner Sitzung vom 20. März 1850 unzweifelhaft einen Beschluß gefaßt hat, der in jedem andern Land, wo man „die Charte eine Wahrheit" sein läßt, die Auflösung des Landtags hätte zur Folge haben müssen. In der Sitzung vom 20. Sept. 1849, der letzten der vorigjährigen Session, wurde in der Kammer über den von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf über die Größe der Civilliste des Herzogs verhandelt.
Der vorgelegte Gesetzentwurf der .Regierung verlangte in §. 1 für die Dauer von 5 jJahreu jährlich 350,000 fl. und zur Hofausstattung diej in einer Anlage näher bezeichneten Grundstücke. In einer Schlußbemerkung des StaatsministeriumS zu diesem Gesetzentwürfe wird gesagt: „in Betracht der finanziellen Verhältnisse des Landes und in der Voraussetzung, daß dieser Gegenstand rasch dadurch zu einer befriedigenden Lösung gebracht werde, sei der Herzog Willens, wie- wol derselbe die Summe von 350,000 fl. für mäßig halte, den Betrag auf 300,000 fl. herabzusetzen."
Eck, Heydenreich und Bertram beantragten damals: „die Civilliste für das Herzogthum Nassau auf den Betrag von 300,000 fl. festzusetzen, und zwar für die Dauer der Negierung des Herzogs."
Gergens stellte den Antrag, die Civilliste auf 250,000 fl. zu siriren, und die Abgeordneten Habel, Jung 11. und Müller Ik sprachen sich in einem Spezialvotum dahin aus: „daß die Civilliste auf 200,000 fl. und zwar vorläufig auf 3, eventuell auf 5 Jahre zu bestimmen sei."
Von diesen drei Anträgen erhielt am 20. September 1849 keiner die Majorität und in Folge davon blieb die Frage über die Größe der Civilliste eine
*) Im gestrigen Artikel 1. sind folgende sinnstörende Setzfehler dahin zu berichtigen:
Col. 1 Spalte l Z. 1? v. o. lese man statt Conjunkturalpolitik
— Conjekturalpolitik.
Col. 1 Spalte 1 Z. 32 V. u. statt 2& — 26.
Col. 1 Spalte 2 Z. 20 v. u. statt Naivität — Naivetät.
Col. 2 Spalt« 1 Z. 8 v. o. ist nach „Männer" — „der Rèchteil" einzuschalten.
Col. 2 Spalte 1 3. 13 v. o. statt inventirte — intendirte. Col. 2 Spalte 1 Z. 30 v. o. statt der Fragen — den Fragen.
offene. — Als die Kammer im März 1650 das diesjährige Staatsbudget der verfassungsmäßigen Prüfung unterwarf, zog sie begreiflicher Weise auch die Aufforderung für die Bestreitung der Kosten der Hofhaltung, welche 300,000 fl. betrug und ganz einfach neben den andern Posten des Budgets figurirte, in den Kreis dieser Prüfung, und in der Sitzung vom 22. März erklärte sie mit 19 (Kalt, Schürz, Leisler, GergenS, ! Braun, Jung L, Hehner, Snell, Born, Preis, Heyl, > Haupt, Müller U, Creutz, Wehrfritz, Kürtel, Schmidt, 1 Tripp, Wimpf) gegen 17 Stimmen (Fresenius, Müller L, Jung IL, Heydenreich, v. Gödecke, Rau, Zoll- ; mann, Bertram, Großmann, Habel, v. Eck, Raht, ! Schlemmer, Lang, Jasti, Keim, Wirthl 250,000 fl. 1 reichten hin um die Kosten der Hofhaltung des Her- , zoglichen Hauses zu decken.
Der Antrag von Rayt und Wehrfritz auf 200,000 fl. hatte in dieser Sitzung vom 22. März 1850 nur 15 Stimmen (Jung IL, Kalt, Braun, Jung L, Habel, Hehner, Naht, Snell, Born, Haupt, Lang, Müller IL, Justi, Creutz, Wehrfritz) für sich und 21 (Fresenius, ( Müller I, Heidenreich, v. Gödecke, Rau, Schurz Zollmann, Bertram, Großmann, Leisler, Gergens, V. Eck, Schlemmer, Preiß, Heyl, Kürtel, Schmidt, Tripp, Wimpf, Keim, Wirth) stimmten dagegen.
Als nun die Kammer sich für 250,000 fl. erklärt hatte, bemerkte hiergegen Wintzingerode!
„Der Standpunkt der Negierung werde durch diese Abstimmung in keiner Weise altcrirt, und das Ministerium werde in der Anweisung von 300,000 fl. fort- 1 fahren. Da Aue Einigung über die Civilliste nicht
1 stattgefullden habe, so könne auch der Beschluß über : die Schloßbauten nicht in Betracht kommen."
In der Tyal blieb aber einem Ministerium, wel- i ches in einer Frage, auf die es selbst so großes ; Gewicht legte, unterlag, nur die Wahl, das Por« * tefeuille nieverzulegen, oder durch eine Kammerauflö- , sung dem gesammten nassauischen Volke Gelegenheit zu ! geben, durch die Wahl neuer Abgeordneten darüber sich | auszusprechen, ob es 250,000 oder 200,000 fl., oder noch weniger für hinreichend für die Bestreitung der Kosten der Hofhaltung halte.
So liegt es also in Wahrheit an Herrn von Wintzingeröve, der den Constitutionalismus durch die Brille Stahl's und Gerlach'ö zu betrachten pflegt, und der durch seine Erklärung, er werde trotz des Beschlusses vom 22. März die 600,000 fl. noch fort und fort anweisen, und ein wichtiges Prinzip des Konstitutiv - nalismuS, nämlich die Theilung und Gleichberechtigung der Staatsgewalten gerade zu «n Frage stellte — und nicht an dem Landtag, daß der letztere nicht schon im Frühling dieses Jahres aufgelöst wurde.
Das Ministerium mochte sich wohl von einem neuen Landtag, falls derselbe nach dem Wahlgesetze von 1848 gewählt würde, noch weniger Nachgiebigkeit versprechen.
..... .Es blieben daher nur drei Auswege, einmal die
Oktroyirung eines Wahlgesetzes nach preußischem Zu schnitt, sodann, das Eintreiben der Steuern, ohne Bewilligung der Stände und endlich das AbwarteN, däs Zusehen, kurz das Vertagen des Landtags.
Das Ministerium entschloß sich zu dem letztein.
Als der Minister in der Sitzung vom 22. Man, in einer der drei Botschaften verkündet hatte, er^müsse nothwendig 2 Simpel, eines für den Juni, eines für den September bewilligt haben, und zwar, in „möglichst kurzer Zeit", „jedenfalls nicht später als in (der ersten Sitzung der nächsten Woche" — — und in einer andern nur in einer sehr vürftigen Weise die von der Kammer begehrten Gesetzesvorlagen zugèsagt hat: •, erklärte sich nur noch Herr Großmann mit einigen Getreuen mit den Ansichten des Ministeriums einverstanden und sprach für Vcrwilligung der Steuern.
Herr Schmidt, der mit seinem Anhang schon bei dem Beschluß über die Größe der Civilliste der Rechten untreu geworden, erklärt in dem Ausschuß, der zur Prüfung der drei Botschaften Wintzingervde's vom 22. März niedergesetzt worden war:
^er sei gegen Vie augenblickliche Vcrwilligung der Steuern; er beantrage dieselbe erst nach einem im Juli erfolgten Wiederzusamineutritt, und nachdem bis dahin die Regierung die dringlichsten Gesetze — namentlich! Forsts Justiz- und Schulorganisation— vorgelegt habe, zu votiren."
Die «Streitfrage wegen des Postens für Hofhaltung und Schatulle dagegen ließ Schmidt, obgleich er das Verfahren des Ministeriums nicht billigte, fallen.
Nachdem sich die Regierung darüber Gewißheit verschafft, daß bei dieser Gestalt der Sache der Antrag v. Eck's, das dritte Simpel zu bewilligen und das vierte bis zum Wieverzusammentrüt der Kammer auszu,etzen, sich einer ansehnlichen Minorität er- freuen werde, erfolgte am 26. März die Vertagung.
An dem Beschlusse über die Größe dkr Civilliste liegt begreiflich dem Ministerium viel weniger als an der Bewilligung der noch rückständigen 3 nicht bewilligten Simpel; (im Ganzen sollen nämlich die glücklichen Nassauer pro 1850 — 5 Simpel bezahlen.)
Das Ministerium hat erklärt, es werde die 30(1,000 fl. für die Herzogliche Hofhaltung ans der Staatskasse anweisen; wenn aber die Stände keinen Pfennig für diese Kasse bewilligen, so hat der Minister die Aufgabe, aus einem leeren Naum die 300,000 fl. in Quartalräten anzuweisen.
Wird die Kammer die vrrläNgten Sinipel bewil^ ligen, und damit sich die Gewißheit sichern, sie werde des natürlichen Tods sterben, welchen ihr das Wahlgesetz von 1848 vorgezeichnet hat?
Wir glauben, (es sollte uns herzlich steuert, wen» wir uns irren, aber wir urtheilen nach dem Auftreten, welches den betreffenden Personen bisher eigen gewesen ist — und setzen voraus, daß der §. 69 der Covifikation, welcher für das Jahr 1851 einen nenen
Der Jesuit.
(Gedicht voll Heinrich Grahl*).
Wenn leis' die Nacht die müden Fluren küßte, Und rings die Welt im leichten Schlummer ruht, Da schleichet, wie der Tiger in der Wüste, Umher ein Scheusal mit Hhänenwuth;
Das legt den Mordzahn an des Tempels HMlen
Das streckt die Tatze nach der Wiege aus, Schlägl in die Herzen seine Teufelskrallen Streut überall die Saat des Todes aus.
Kennst Du das Scheusal das im Truggenmnde, Ernst, wie der Tod in Deine Kreise tritt? Das Dich umstrickt mit seinem Würgerbande? Kennst Du's, mein Volk? — Es ist der Jesuit! Es ist die Schlange, die mit falschem Lächeln Den Tod im Kuß Dir auf die Lippe haucht, Er ist der Vampyr, der im kühlen Fächeln Den Frieden Dir ans Deinem Herzen saugt.
Wo sich das stille Glück den Heerd gegründet, Reißt er die Schwelle ein mit frechem Spott, Ihn fesselt kein Gesetz, kein Eidschwur bindet Den Heuchler, nur sein Örden ist sein Gott.
*) Obwohl schon mehrfach abgedruckt, werden wir doch von einem Kreise unserer Leser ansgefokdert, dasselbe noch einmal und gerade im jetzigen Momente mitzutheilen.-
Ihm glänzten nie im Aug' des Mitleids Thränen Er füllte nie den Druck von Freundeshand, Er kennt es nicht, der Liebe süßes Sehnen, Er kennt kein Vaterglück, kein Veiterland.
Und wo das Licht die Nebel will Verjagen, Da tödtet er's, der schwarze Sohn der Nacht; Die Wahrheit wird ermordet und erschlagen, Der fromme Glaube meuchelnd umgebracht; Es stirbt das Recht von feinen blut'gen Streichen, Die Freiheit muß zum feuchten Kerker gehn, Und triumphirend über Schutt und Leichen Läßt er die Banner der Tiare wehn!
Und Du, Du öffnest gastlich ihm die Thoren , Dem größten Feind, bctrognes Vaterland! Du hast auf'S Neu die Pest heraufbeschworen Die Du so kräftig in das Grab gebannt! Du läßt die Natter Dir den Busen küssen Und hüllst sie warm in Deinen Busen ein! Weh' Dir, weh' Dir! in ihren Schmeichelbissen Saugst Du das schwarze Gift^des Todes ein!
Siehst Du sie nicht, die Jesuitenfährte, Die blutigroth in allen Landen glüht? Siehst Du den Henker nicht mit seinem Schwerte, Der wie ein gift'ger Wind vorüberzieht?
Hängt sich der Aufruhr nicht an seine Tritte Der Schloß und Hütte und Altar zerbricht? Folgt nicht der Sturm deS Krieges feinem Schritte , Siehst Du des Brandes blut'ge Lohe nicht?
Hörst Du's nicht wimmernd aus dem Kerker stöhnen, Der unerbittlich feint Opfer birgt?
Hörst Du den Glockenruf zua, Mord nicht tönen *), Der Deine Glaubensbrüoer einst erwürgt?
Ihr Kroncnträgcr, lasset Euch nicht blenden, Euch schützt fein Rosenkranz, kein Schild von Erz, Seht Ihr den Stahl nicht in des Mörders Händen? Das kalte Eisen sucht daS Königsherz! **)
Wach' auf, mein Volk! und höre auf zu buhlen Um ein erträumtes, heuchlerisches Glück, Nicht um dem Vatikan und Jesuitenschulen Bricht Deiner Freiheit heil'ger Soiinenblick! Und wie die Wogen die ve westen Leichen Voll Ingrimm auSwirft an den nackten Strand, So wirf auch Du mit Deines ZvtneS Streichen Die Jesuiten a^ dem Vaterland !!
*) Die Glocke von 8t. Germain lAuxtFroiS gab das Zeichen' zum Morden in der Bartholomäusnacht.
**) Der Jesuitenschüler Joh. Chatel zuckte den Dolch ans Heinrich IV., der später unter Ravaillac's Eisen verblutete.'