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Freiheit und tteeht!"

â* 22Z. Wiesbaden. Sonntag. 22. September t^KG.

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Die g r c i e Zell ung « erscheint, mit -wSna-me drâ MontagS, täglich in einem Bogen. Der Adonncmentixrno Helrâ^ v iertrliä-rig hier in Wiesbaden i fl. 45 fr., auS- wäris durch die Post bezogen mit vcrhättnißmaßtgem Lufschlagr. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Berdreitung d-rFreien Zeitung" stets von Wirt- samem Erfolge. - Die I «ieraLtonSzebishren betragen für die virrspaltige Petitzetie 3 Lireuzer.

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Wine Sonnta^sepistet.

XWer Wind fdet, wird Sturm erlitten!" Weise Mäßigung ist nur der bewußten Kraft verliehen. Der Fieberkranke, der bester im Bette läge und sich erholte, glaubt nicht genug' rasen und toben zu können. Seit die Demokratie in kräftiger Entwicklung voranschreitet, seit sie mit jedem Tage den Feinden des Volkes furcht­barer wird, hat sie aufgehört, zu deklamiren und zu renommiren; seit stOveiß, daß die Zukunft ihr gehört,, wandelt sie ruhig ihren Weg dem großen Ziele zu. Und überall, wo ihr Gegner, der Absolutismus, noch im sichern Gefühle seiner Macht steht, wo er noch l^ Hensfülle hat, gewahren wir an ihm dieselben Erschei­nungen: er schweigt und handelt. So in Rußland und Polen i^d) heute, so in Oesterreich unter Metternichs Verwaltung. Wie anders ist das Gebühren der Re­aktion in dem Westen Europas, seit die Revolution hier die tiefen Furchen gezogen und jene Saaten aus- aestreut hat, die nun langsam keimen und nach voll­brachter Winterzeit der goldenen Erndte entgegengrünen und blühen werden! Welch ein Lärmen und Toben der contrerevolutionären Elemente an Donau und Spree, an Main und Seine, Po und Tiber! Die Diplomaten unserer Tage schlagen Schaum, um die Völker zu barbieren; sie prahlen, wie der Barbier von Sevilla und wahrend sie unaufhörlich vom Schaffen und Gestalten reden und sich geberden, als freisten sie mit Elephanten , gebaren sie gar kläglich eine Maus nach der andern.

Deutschland einig und groß! rief die Revolution, .und die Contrerrvolutcon singt jetzt auf allen Gassen: Deutschland muß zerrissen sein, sonst gibt es seinen Frieden!" Sie reißen und zerren, sie meinen, un Blute der Revolution zu wüthen und sie wühlen in ihrem eigenen Fleische. Die Demokratie ist nackt und blos auf die Welt gekommen, wie das Jesuskind, und sie wäre vielleicht nod) manches Jahr arm und elend geblieben, wenn nicht auch sie ihre heiligen drei Könige aus den Landen des Sonnenaufganges gefunden hatte. Der Czar von Rußland, der Kaiser von Oesterreich und der König von Preußen sind cd, welche dem Kindlein köstlich, Geschenke brachten, Gaben, die mit Golde nicht aufzuwiegen sind die unschätzbaren Lepren, daß der Absolutismus in Westeuropa sich nur auf Kosten der Völker, nur gegen die theuersten Güter der Mensch­heit noch eine Weile halten kann durch die bewaffnete Macht, nicht durch das Flammeuschwert des Geistes. Langsam zwar wächst das Weltkind, doch G wachst zur Freude derer, die es kennen und zum Schrecken derer, die es verfolgen. Es ist dem Herodianischen Blut bade deS Jahres 1849 nicht erlegen und der Schutz des Genius der Menschheit, der auf ihm ruht, wird es auch fernerhin nicht verlaffen, so drohend auch die Gefahren dieser Zeit. Gehet doch hin und sehet, wie sie so finster darein blicken, die seine geinte sind; gehetchin und sehet, wie die Kurzsichtigen nach einem Retter so scheu umschauen, die es nicht kennen; und gehet hin und sehet, wie die Mühseligen und Belade­nen, die seinen Stern erspähet haben, so freudig sind und guter Dinge in Tagen, wo alles Unheil und Verderben in der Welt auf sie hereinstürmt und Verfolgung, Verbannung , Tod und Verderben ihrer Harren überall. Die wahren Jünger der Demokratie, sie werden verhöhnt und verspottet von den Klugen die­ser Erde, und veestuckt von den Pharisäern und Sckriftgc- lehrten der römischen und protestantischen Kirche, eie werden in die Kerker geschleppt und vor Gericht gestellt: und die Armesünderbank wird ihnen zum Ehrensessel, der Priesterfluch zum Lebcnssegen, der Tyrannen Haß zur Liebe bei Gott und allen den Menschen, welche wissen, was göttlich menschlich leben heißt.

So ist cs immer gewesen und so wird es ewig blei­ben: die alte Zeit Hasset die neue Zeit, die erliegende Weltordnung flucht der erstehenden, weil das Leben die­ser das Todesurtheil für jene ist. Die Juden wurden verfolgt von den Despoten, als sie noch daS Volk der Verheißung waren; und sie verfolgten die Nazarener, als das Heil von ihnen gewichen war, der Tod in ihren Adern wühlte und ihre Verderber bereits die Tempelstadt durchzogen nach dem Sprache:Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler." Und bald verbrannten auch die Nazarener diejenigen ihrer Brüder, welche Gott mehr liebten denn die Menschen, nachdem das Christenthum zum Priefterthnm geworden war. Uno als dieKeycr" ge­siegt, da verlästerten mit verfolgten auch sie wiederum, wie noch zu schauen in unsern Tagen, wo die Reformer ausgestoßen

werden und die Hohepriester und Leviten einherstolziren in prächtigen Gewändern und dem armen Volke, dem da hungert, Steine statt Brod und statt FischeSchlangen bieten. So haben alle Richtungen in Scaat und Kirche Fluch gesäet und Rache geernvtet. Alle haben ihre Zeit der Reinheit und des Verderbnisses gehabt, alle, alle! Aber die Demokratie? Wird auch sie vereinst ihre Kruder fressen? Wird auch sie, wenn sie keine Gegner mehr zu bekämpfen hat, das Schwert gegen sich selbst zum Morde kehren? Sie wird dasselbe Schick­sal haben, wenn sie denselben Schicksalsmächten ver­fällt. Ein Segen wird sie sein, doch ein Fluch w e rde n, wenn sie dem Segenswerthen jemals fluchen und das Fluchenswerthe jemals segnen lernt!

Aber nein, sie wird dieses Loos nicht theilen, wenn sie es nicht theilen will; sie braucht es wenigstens nicht, es ist nicht ihre innere Nothwendigkeit! An dem Fanatismus, der Einseitigkeit, an der Unfruchtbar­keit des Egoismus, an ter Starrheit des Eigendünkels, sind alle früheren großartigen Institutionen zu Grunde gegangen, und daran zu Gründe gehen wird auch der Absolutismus, je konsequenter seinen Inhalt zu offen­baren er gezwungen wird; denn was ist er anders, als die Einseitigkeit, das Sonderiutereffe, der Erbdünkel^ in ein System gebracht? Wenn die Demokratie das­selbe sein und erleben müßte, wäre sie dann der Ge­gensatz zu jenem Allen? Nein, bei ihr findet gerade das umgekehrte Verhältniß statt. Sie ist und wird und muß nur so lange einseitig bleiben, wie sie im kämpfenden Gegensatze mit dem Alten steht.

Schroff mußte die Denwkratte auftreten in Worten und Werken, um gehört zu werden, um sich eine Gasse zu machen. Seit sie vas Recht der Eristenz erstritten, seit sie die ersten Kinderschuhe ausgetreten, entwickelt sie sich mit der Raschheit und Frische des Genius. Schon ist eine Illusion nach der andern entschwunden, schon hat sie eine Einseitigkeit nach der andern über­wunden: wie oft schon hat sie über ihre Kinderschmer­zen lächeln gelernt! Erst zwei Jahre ist die deutsche Demokratie alt und schon ist sie eine Macht, vor der die Großmächte zittern. Sind das keine freudigen Er­folge, das keine Ursachen zur Zuversicht? Haben die Zeitgenossen, welche Ohren haben zu hören und Augen zu sehen, nicht täglich Zeichen und Wunder gesehen?

Und doch ist diese Entwicklung daS Natürlichste von der Welt, denn die Demokratie ist die Mensch­heit. Alles was menschlich ist, hebt sie zu sich empor; Alles was göttlich, zieht sie in ihren Kreis. Die De­mokratie' o lacht nicht ihr Spötter, weinet lieber über eure Beschränktheit oder Feigheit! die Demo­kratie ist die Wahrheit von der griechischen Philosophie und der Geist des Christenthums, sie ist der Weg zu aller Bildung und der Gipfel aller Gesittung; sie ist die Trägerin der Bolkssouveränitat und die Vorkäm­pferin der Bölkersolivarität; sie ist die Liebe und Treue, die Andacht und Hingebung der edelsten und besten Herzen, sie ist die Freiheit, die Gleichheit und die Brüderlichkeit der Welt. So wird sie sich nicht verengen noch verknöchern, nicht verbeißen noch ver­thun. Immer weiter wird sie sich entfalten, immer höher entwickeln, immer schönere Blüthen treiben. Je­der ihrer Siege ist ein Flugelschlag der Menschheit zu höheren Triumpfen. Die Demokratie will die Erve zum Himmel machen und nicht, wie ihre Gegner, Die Erde unter Ausstellung von Wechseln auf das Jenseits für ihre materiellen Zwecke ausbeuten. Sie beutet kRce- mand aus, sie benutzt keinen Menschen als bloßes Mittel zum Zweck. Ihr ist die gaiize Menschheit ^Zweck mit ihr ist Mittel nur, was Den Stempel des Schöp­fers trägt, daß es geschaffen sei zum Dienste von Got­tes Ebenbilde. Auch haßt die Demokratie ihre Feinde i nicht, weil sie i h r e Feinde, sondern weil sie die Feinde ( der Menschheit sind; und ihr Zorn ist nicht der Grimm I der Vernichtung, sondern die feurige Liebe der Erhebung.

1 Mögen unsere Gegner lärmen und toben, mögen sie ihr s Geschick vollenden: sie können uns vieles nehinei!,was uns schmerzt, vieles vorenthalten, was uns zu Mangel verurtheilt; doch was uns keine Macht der Hölle rau­ben kann, ist Die Erkenntniß von der hohen Mission der wahren Demokratie und die freudige Ueberzeugung, daß ihr die Zukunft, daß ihr die Welt gehört!

Das k. k. Direktorium.

X Kürzlich brachte derSchw. Merkur" Andeu­tungen über die dem angeblichenBundestage" von österreichischer Seite vorznlegende neue Bundesverfas­

sung, woraus sich ergab, daß man ein Direktorium mit wechselndem Präsidium zwischen Oesterreich und Preußen mit gruppenweiser Vertretung der übrigen deutschen Staaten, mit Eintritt der österreichischen G- saimntmonarchie in den Bund und mit eineraus den Kammern der Enizelnftaaten hervorgehenden" Völker­vertretung beabsichtige. Daß Herr v. Radowiß mit ähnlichen Combinationen längst umgehe, ist bekannt. Jenes Projekt hat deshalb viel Wahrscheinlichkeit. Doch was sagt Herr v. Manteuffel dazu? Seine Constitu- tionelle Correspondenz gibt folgende schlagende Kritik: Wu- müssen zunächst wiederholt darauf Hinweisen, daß eine über die völkerrechtliche Allianz hinanögeyende Ver­einigung Deutschlands mit der weit zum größten Tbeile aus nicht-deutschen Staaten zusammengesetzten österreichi­schen Gcsammt-Mouarchie, aller natürlichen und geschicht­lichen Grundlage entbehrt. Ein so widernatürliches Ganzes aber kann nicht Die mindeste Bürgschaft seines Gedeihens und siner Dauer bieten. Von einem Bedürf­nisse kann hier nicht die Rede sein. Deutschland ist groß genug, sich selbst zu erhalten; sein einziges B dürfuiß ist Die ungestörte und ungetrübte Entwicklung sei­ner Volksthümlichkcit. Die Einmischung so vieler frem­den, zum Theil halbbarbarischen Elemente, könnte auf diese Entwicklung nur hemmend und lähmend wirken. Alle Vortheile, die für Deutschland aus der Verbin­dung entspringen können/ lassen sich auf dem völker­rechtlichen Wege, durch besondere Verträge, erreichen, ohne daß eS für das deutsche Volk des schweren und unmöglichen Opfers bedürfte, so zahlreichen Fremden ein gewichtiges Wort in seinen inneren Angelegenhei­ten^ einzuräumen. Was ferner das Gruppensystem be­trifft, so widerspricht dasselbe allzu sehr dem von Preußen stets anerkannten Rechte der kleineren Staa­ten auf Selbständigkeit und Gleichstellung im Bunde mit Den größeren (Art. HD der B. AB; es widerspricht zu sehr der dieserhalb ergangenen wiederholten Erklä­rungen der preußischen Regierung, als daß sich anueh- men ließe, jenes System werde h'ch jemals der allge­meinen Zustimmung aller Bundesglieder erfreuen. Es ist von selbst klar, daß die Gruppenbildung eben so wenig, wie das deutsch-slavische Parlament eine natürliche und historische Basis haben würde, da irgend etwas der Art, z. B. ein Ankitüpfen an Die frühere Reichs-Kreis-Einthei- lung, bei den völlig veränderten Terriwrial-Verhälmiffen unmöglich ist. Die Gruppenbilvnng müßte also ebenfalls ein ganz willkürliches Gestalten sein, bei welchem bloß vereinzelte Interessen maßgebend wären, das Interesse Deutschlands dagegen abermals zu kurz käme. Endlich darf man im Voraus versichert sein, daß die beabsichtigte Völker-Vertretung unter österreichischen Anipicicu nur auf einer Grundlage errichtet werden würde, Die nicht entfernt zu einem wahrhaft tüchtigen deutschen Parlamente paßte. Es würde mehr oder weniger auf eine Schein - Repräsentation hinauslanfen , welcher man im Interesse Der Regierungen und deS Volkes den Mangel aller Repräsentation noch vorziehcn nmßte. Uebrigens ist es sehr zu bezweifeln , daß man sich im ^Frankfurter engern Rath selbst über das österreichische Projekt jemals wirklich einigen wird. Hannover hält bis jetzt noch immer an der unveräiiDerteii Wiederherstellung des Bun­destages von 1815 fest, und Wnrtcmberg hat^in feinem neuesten Verfassungs-Eatwurfe Die Grundrechte wieder ausgenommen, die es hiernach auch für den Bund im Ganzen wieder fördern dürfte, obwohl sich Oesterreich gegen deren Aufnahme, in seiner Beitritts - Erklä­rung zum Münchener Entwürfe, entschieden ausge­sprochen hat. Bayern wird gegen ein österreichisch- preußisches Präsidium, die kleinen Staaten wer­den gegen ihre Einreihung in die Gruppen protestiren."

Was will aber Herr von Manteuffel? Dürfte er aufrichtig seine Meinung kund geben, so würde er den Herren in Wien und Frankfurt znrufeu:Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?" Denn darauf kommt bei ihm zuletzt doch Alles hinaus. Für ihn ist Deutsch­land genau nur Preußens wegen da und er möchte es grade so für denJntelligenzstaat" ausbeuten, wie Schwarzenberg es zu einem Erblehen desJesuiten- staates" machen möchte.Hat das Haus Habsburg nicht drei Jahrhunderte lang die deutsche Kaiserkrone getragen?" fragt er. Leider ja, es waren dies genau die drei unseligsten Jahrhtlnderte der deutschen Geschichte, wo unsere Größe gebrochen, unsere Macht zur Beute einer Dynastie und die Verbesserung der Kirche an Haupt und Gliedern zur Zertheilung des Gesammt- vaterlandes in zwei Heerlager benutzt wurde, die dann im dreißigjährigen Kriege das heilige römische Reich ausmordeten,