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und Verbannte nicht länger als eine Viertelstunde weilen."

Nur allein durch die Gnade des Tartarenhäupt- lings, des Kaisers Alerander, der sogar anfangs von den Bourbonen nichts wissen mochte und ihre Rach­sucht fürchtete, vermochte Ludwig XVIII. die mit Blut besteckte Krone im Jahre 1814 wieder auf sein Haupt zu setzen; nur allein die Invasion der fremden abso­luten Machte, d. h. die Schmach und das Unglück des französischen Volks machten es der Legitimisten- parthei möglich, wieder an die Spitze der Geschäfte zu treten.

Als Ludwig XVIII. am 3. Mai 1814 in Paris einzog, war er nur ein russischer Vasall und er er­niedrigte Frankreich zu einer russischen Provinz.

Den Franzosen waren die Bourbonen gewaltsam gegen ihren Willen aufgedrängt worden; wie konnten sie dies Geschlecht, dessen Regierung die Schmach Frankreichs verbürgte, lieben und verehren?

Als daher Napoleon am 26. Februar 1815 in Cannes landete, fielen ihm alle wieder zu, die auf die Ehre des französischen Namens hielten, vor allen das Heer, die Bauern im Osten und Norden ui^ die Proletarier der Städte.

Vor dem Hauche des Namens Napoleon zerstob der ganze eingebildete Glanz der Bourbonenherrschaft.

Am *20. März saß Napoleon wieder in Paris auf dem Kaiserthron, und von Niemand bedauert, traurig und zitternd, eilte das alte Könighaus in ein Eril, das schmachvoller war, als das erste.

Am 9. Juli zog zwar Ludwig XVIII. wieder in Paris ein: aber auch jetzt nahm er die Krone nicht aus den Händen Frankreichs entgegen, sondern demü­thig empfing er sie von der Pike der Kosacken!

Die erste Sitzung der angeblichen Bnndes- Plenarversammlung.

Wiesbaden, 16. Septbr. Am 2. September fand die erste Sitzung der sog. Bundesplenarversamm­lung statt. Da sich der Bundestag bekanntlich vor aller Welt alsLeiche" proklamier hat, so gehört eben auch diese Sitzung in das Bereich jenes galvanischen Scheinlebens, welches immer im Wendepunkt der Zei­ten austaucht und sich als wirkliches Leben brüstet. Aber nur Geduld, die galvanischen Dräthe reißen und die Leichen stürzen ins selbstgeschaufelte Grab, dem Spruche gemäß: Lasset die Todten ihre Todten begra­ben. Eigentlich geht uns diese Versammlung gar nichts an (s. Nass. Allg. v. 12. Sept.), es hat aber immerhin das Interesse der Curiosität, das Gebahren einerLeiche" zu beobachten, die sich selbst die Todtenschau gehalten, und den Todtenschein in aller Form ausgestellt hat. (S. das bekannte letzte Protokoll der Bundestagssitzungen.) Wir entnehmen daher dem veröffentlichten Protokolle dieser Sitzung nachstehende Einzelheiten:

Graf v> Thun, österr. Gesandter und Präsident der Versammlung, stellt folgende Anträge: 1) der vom Präsidialhofe gemachte Vorschlag über Einsetzung einer provisorischen Behörde für Verwaltung des Bundes­eigenthums solle einem Ausschüsse zur Prüfung und Berichterstattung übergeben werden; 2) die Notifikatio­nen über die Wiedereröffnung des Bundestags an die Bundescentralkommission, an die auswärtigen Mächte, an die Stadt Frankfurt, an die Behörden der Bundes­festungen rc. sollen vorläufig noch zurückgehalten, dem Präsidium aber die Ermächtigung gegeben werden, diese Notifikationen in dem geeigneten Momenten zu er­lassen. Die Versammlung tritt diesen Anträgen bei.

Dänemark beantragt: 1) Die Versammlung wolle beschließen, die Ratifizirung des am 2. Juli d. I. zu Berlin abgeschlossenen Friedens im Namen des deut­schen Bundes zu vollziehen und hinsichtlich der Aus­wechselung das Geeignete zu veranlassen. 2) Die Ver­sammlung wolle mit Rücksicht auf die drohende Sach-

rende Regiment Haynau eingereihter Honved pflegte in der 6a ferne stets, bevor er einschlief, einEljen Kossuth" zu rufen. Trotz ernstlicher Warnung widerholte er regel­mäßig den Ruf. Sein Hauptmann droht ihm mit 25 Stockprügeln; der Honved antwortete mit einem don­nernden Eljen Kossuth. Er wird über die Bank ge­legt und ihm die Strafe unbarmherzig zugemessen. Er erhebt sich, und in die Knie zusammensinkend, stöhnt er sein Eljen Kossuth. Der Officier setzt ihm, als er einigermaßen zum Bewußtsein gekommen, mit Ver- nunftgründen zu, erinnert ihn an den dem Kaiser ge- schworuen Eid und erklärte ihm, daß, wenn er den Ruf nicht unterlasse, die Strafe noch einmal Statt finden werde. Der Magyar erwiederte: Herr Haupt­mann, mein H gehört dem Kaiser, mein Herz aber dem Kossuth."

In der Charite zu Berlin beginnt man jetzt mit dem Bau eines sogenannten Sommerkrankenhauses mit Sälen zu 400 Betten. Dort sollen die Kranken in den warmen Mo­naten umergebracht werden, damit die gewöhnlichen Krankensäle gehörig gelüftet und gereinigt werden können, und somit der bösartige Lazarcthbrand, dieses Hauptübel aller großen Krankenhäuser, auSgerottet werden kann.

DerVolksbötin" zufolge haben mehrere Münchener Brauer zusammen über 100 Eimer Bier zur Versen­dung an die schleswig-holsteinischen Spitäler bestimmt, und cs sind bereits Verhandlungen mit dem Unterstützungs­comite im Gange.

läge und die dem Bunde im Frieden reservirte Juter- ventiou behufs Herstellung der legitimen Autorität in Holstein sofort ein Inhibitorium an die sog. Statthal­terschaft in Rendsburg beschließen, etwa dahin lautend, daß selbige sich mit ferneren kriegerischen Maßregeln, namentlich alles Ueberschreitens der holsteinischen Gränze zu enthalten und der Status quo in Holstein nicht im Widerspruch mit dem, Namens des Bundes abgeschlos­senen Frieden zu altercriren habe.

Bezüglich dieser Anträge wurde beschlossen: sie so­fort einer Commission, bestehend aus den Gesandten von Oesterreich, Bayern, Sachse», Hannover und Meck- lcnburg-Strelitz, zur Begutachtung und Berichterstat­tung zu übergeben. Auf Antrag des Präsidiums soll das Protokoll für die Regierungen, welche die Ver­sammlung bisher nicht beschickten , osten erhalten wer­den. In seiner Eröffnungsrede motivirt der Präsident den Umstand, daß die Versammlung erst am 2. statt­finde, während doch auf den 1. eingeladen worden sei, damit, daß er sagt: der Tag des Herrn habe heilig gehalten werden müssen. Hieraus ergibt sich: 1) daß die Sitzungen deS Bundestags nach der eigenen An­sicht seines Präsidenten den Sonntag entheiligen und 2) daß der restaurirte Bundestag jedenfalls kein Son u- tagskind ist.

DeuLfÄrlauS.

* Wiesbaden, 17. Sept. (Journalstim men über Kur Hessen.) DieObcr-Post-Amts-Zcitung" renoinmirt heute, daß sie von jetzt anüber die fernere Entwicklung des Kampfes der beiden Kräfte, die im konstitutionellen Leben vereinigt werden sollten, die sich aber jetzt in Kurhessen vorübergehend isolirt haben", die wichtigern Nachrichten den Kurhessen melden werde, da in Kasselnur die passive Rich­tung vertreten bliebe, in ihrer Nähe aber (in Bocken- hcim und im Thurn- und Tarivschen Palais), die aktive sich entfalten werde." Herr Hassenpflug will also jetzt erst aktiv sich entfalten? DerBundes­tag will also wirklich Arm in Arm mit diesem Men­schen das Jahrhundert in die Schranken rufen ? Wol­lenBundestag", .Kurfürst und Hassenpflug auch jetzt noch mit einander stehen und fallen? Uno diese Drohung bringt dieObcr-Post-Amts-Zeitung" in demselben Berichte, worin sic aus Kassel meldet: N ach allen Seiten hin herrscht vollstän­dige Ruhe, Ordnung und Harmonie. An der Wirksamkeit der Gerüchte mußte natürlich die Mi- litärdictatur sich brechen, und so ist letztere factisch auf­gehoben. Eine festere, besonnenere und wür­digere Haltung eines ganzen Volksstammes bei drohender Gefahr hat Deutschland noch nicht gesehen. So eben schreitet die gesammte Bürgerwehr, die Notablen der Bürgerschaft und Mit­glieder des ständischen Ausschusses an der Spitze, in feierlichem Zug vom KönigSplatz aus in die MartuiS- kirche, um dem Gottesdienst beizuwohnen. Heute ist der Jahrestag der Constitution, die, wie die Ereignipe des Tages in überzeugender Weise darthun, im Lause zweier Jahrzehnte vollständig in Saft und Blut des Volkes cingeorungen ist. Es be­stätigt sich die Zusammenziehung hannoverscher Trup­pen an der Grenze, sowohl von Hameln als von Münden aus. Die Truppen haben den Befehl, ins Land einzurücken, wenn Unruhen ausbrechen sollten. Der Commandant der um Münden concentrirten Trup­pen war hier, um die Gewißheit zu erlangen, daß nirgends ein wirksameres B e ft r e b e n zur Aufrechthaltung derRuhe gefunden werden kann. Wort) täglich rücken Mannschaften , welche zur Kriegsreserve gehören, aus den entfernter» Lgndestheilen hier ein, die sofort nach ihrer An­kunft wieder in die Heimath entlassen werden." Wir registriern dies Bekenntniß derO.-P.-A.-Ztg." mit der Hoffnung ein, daß sie uns diesmal wenigstens keine Gelegenheit geben möge, sie an diese Worte zu ihrer eigenen Beschämung zu erinnern. Die Ber­liner Blätter richten ihre Pfeile bei Erörterung der kurhessischen Wirren besonders auf die Anstifter des Unternehmens, auf die Herren vomBundestage". DieDtschc. Nef." meint,daß gerade diejenigen "Re­gierungen, welche der Unionspolitik am Schroffsten ent­gegen seien, am Wenigsten zur Ueberwindung der Schwierigkeiten im Innern gelangen könnten, nament­lich in Würtemberg und den beiden Hessen zeige sich dies, da dort kaum eine Spur von einer Ver­söhnung der beiden Gegensätze zu entdecken sei." Die Const. Ztg. äußert sich schon deutlicher:Der Himmel, ruft sie aus, bewahre Deutschland vor einem solchen Bundestage der neuen Zeit, unter dessen Auspi­zien oder gar auf dessen Veranlassung solche Dinge sich ereignen konnten; so arg trieb es der Bundestag in der alten Zeit nicht!" Die Spener'sche Ztg. geht noch weiter, sie ruft etwas Unerhörtes für dieses konservative Blatt, doch ein neuer Beweis, wie den Konstutitionellen in Preußen mehr und mehr die Augen anfgehen die Demokraten in den beiden Hessen und in Würtemberg in diesemlegalen" Kampfe zu Hülfe. Die Demokraten werden fortan ihre Schuldigkeit thun, wie bisher: sie sind bei Volksangelegenheiten, selbst wenn sie ihre Partei als Partei noch so wenig angin­gen, im Augenblicke der Gefahr stets auf ihrem Platze gewesen; es kommt nur darauf an, daß die Constitu- tionellen in den deutschen Verfassungskämpfen vor jetzi­gen Krisis nicht wieder feig ins Lager des Absolutis­

mus übergehen, sobald die Sache Muth und Opfer er­heischt. Die N. Pr. Ztg., welche stärker als je ihre konstitutionsfeindliche Tendenz entwickelt, liest dem Kur­fürsten und seinem dummen Rathgeber derb den Tert doch sie verräth zugleich, wohin die absolutistische Contre- rcvolution fortan ihr Augenmerk richten will: sie wird Alles ausbieten, um die Macht zu brechen, welche in Kurheffen sich so glorreich gezeigt hat, die Entscheidung konstitutioneller Streitfragen durch Gerichtshöfe! Es ist nicht Muth", brummt die Neue Preuß. 3^ sondernLeichtsinn und Uebermuth, in einer so schwie­rigen und folgereichen Situation die Schwierigkeiten und die Mittel zu deren Beseitigung uuerwogen zn- lassen, und es darf uns nicht befremden, wenn ocv leichtsinnige Uebermuth ein klägliches Fiasko macht. Man findet es so natürlich, daß der Soldat für seine Pflicht und Löhnung sein Leben in die Schanze schlägt, und man sollte cd noch natürlicher finden, mit der Schätzung seiner Pflicht und seiner Krone nicht hinter dem Soldaten zurückbleiben: doch wie wir schon oft wiederholt, der Muth der deutschen Fürsten erhebt sich selten höher als zur Flucht. Vom Belagerungszustände bis zum Lächerlichen ist in der That ' nur ein Schritt, und man that diesen Schritt als man den Civilgerichte» Raum gab, nicht nur die militärischen Verfügungen in Betreff der Presse und sonst wieder aufzuhebe», sondern auch die' Rechtsbe- ftändigkeit der kurfürstlichen Verordnung selbst vor ihr Forum zu ziehen. Von dem Augenblick an war uns das Schicksal Hagenpflugs entschieden, wenn gleich wir allerdings nicht meinten, ihn auf der Flucht' sehen zu müssen. Wir haben schon auf mehrere Erfahrungen hingedeutet, welche die Kasseler Katastrophe in Betreff der gangbarsten Grundsätze bes vulgären Constitutio- nalismus allen einsichtigen Staatsmännern darbietet. Nicht zu den verächtlichsten Lehren gehört die Erfahrung, welche in Kassel mit der Entscheidung von Verfassungsfragen durch die Gerichtshöfe gemacht wurde, und die Vertheidiger deS Erfurter Schiedsgerichts invgen di e W arn u 11 g beherzigen, wenu sie an­ders überhaupt für Belepiung empfänglich sind. Le­bensfragen des Staates, wie sic in Kassel auf dem Spiele stehen, können nicht nach dem Ergebniß casui- stischer Advokatenlogik entschieden werden, (I!) sie müssen ihre Lösung finden nach dem Bedürfnisse des Moments, wie des dauernden Staatswohls, nach dem Rechte der Nothwehr und der Selbsterhaltung des StaatS, und zwar in rascher entschlossener That ohne alle Einmi­schung unberufener, hemmender, vielleicht gar verrä- theri;chen Elemente!" Was die N. Prß. Stand­rechtszeitung unterrascher, entschlossener That" ver­stehe, bedarf selbst für diewohlmeinendsten Konstitutio­nellen" wohl keiner weiteren Beinerung.

DieNat.-Ztg." bringt einen neuen Ma hn r n f für Kurhcssc», dessen Grundideen lauten:daS deutsche Volk begrünt Oiejen ersten Sieg des verfassungstreuen Volkes über eine rechtöbrüchige Regierung, den ersten Sieg des Rechts über die Gewalt besonders darum mit Freude miß Genugthuung , weil er nicht auf dem Wege Oer Gewalt, sonveln des gesetzlichen Widerstandes erzielt wurde. In Würtemberg und in Darmstadt, in Dessau und in Köthen, vielleicht auch in Sachsen und Hannover wird das Volk und die Regierung eine ernste Lehre aus dieser Thatsache schöpfen. Aber es ist Nichts, es ist weniger als Nichts geschehe», wenn nicht Preußens Volk und Preußens Regierung in diesem entscheidenden Augenblick ihre Pflicht erfüllen. In Frankfurt am Main lugt eine Versammlung, die sich der Bundestag nennt, die unter dein Vorp'tz Oesterreichs und unter der Pzot. klivN Rußlands steht und Deutschlands Recht und Preußens Macht vernichten will. Will man abwarten, was diele Versammlung in Frankfurt beschließen, was die verbündeten Regierungen thun werden d Ehe jene beschließen, muß Preußen gehandelt haben, und seine That muß unziveideutiges Zeugniß geben, daß jener so­genannte Bundestag ohne Macht und seine Bcschl-üsss ohne Bedeutung, daß Preußens Macht noch nicht ge­brochen und Deutschlands Recht noch nicht verloren ist. Wenn Preußen seine eigene Bestimmung und seinen Be­ruf für Deutschland nicht ganz aufgeben will, so ist es jet)t, i u diesem Augenblick Zeit zum Handeln. Aber es muß gehandelt, schnell und entschieden ge­handelt werden, wenn es nicht 3um letzten Male und für immer zu spät sein fort V Was von Herrn v. Rado w i y in der kurhessischen Frage zu erwarten, lehrt die Notitz derNat. Ztg.", daß derselbe der Erzieher des Kurfürsten von Hessen gewesen ist. Wenn wir hinzuseyen, daß er es zugleich war, der bei Hasscu- pflugS Anstellung als Premier eine Rolle spielte, so haben wir für den Nachdenkenden wohl genug gesagt.

DieAugsb. Allg. Ztg." stellt in einem Artikel and Hannover folgende Betrachtung an:Hassenpflug möge sich indeß nicht täuschen, eS scheint keine Aussicht vorhanden, daß seine Pläne glücke^: eine schmählichere Berurtheilung als die in GreifsMjde wird daS Ende vom Lied seyn! Es sind in diesem Monat gerade Zwanzig Jahre, daß sich die Kasseler ihre Waffen durch die Zeughausbelagerung eroberten, mit Todesverachtung eroberten, denn die geladenen Kanonen standen vor­der Zeughausthür. . Wird die Bürgergarde diese Waffen jemals freiwillig auf den Frièdrichsplatz bringen? Werden die hessischen Truppen sie dazu zwingen? Der engere Rath in der Eschenheimer Gasse zu Frank­furt könnte sich und den Weg der Bundesversammlung nicht gründlicher verderben, als wenn er Hülfeleistung