Freie Zeitung.
^Freiheit und Neeht,!^
M 221» Wiesbaden. Mirnvsch 18 September 1850»
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Briefe über dei» Legitimiften-Koligrest.
D v t H c r B r l e f.
00 Wiesbaden, 12. Sept (Schluß.)
Während so die ^w« BällerN der ycnoée ihr Blut für Menschen verspritzten, die ihnen schmeichelten im Unglück, um sie im Glück zu drücken und auszubeuten, und einen Muth an den Tag legten, der einer bessern Sache würdig gewesen, fuhren die Häupter der legitimistischen Partei fort, im Ausland zu konspi- riren, und im Inland bei den Männern, die bei der Regierung Kinfluß hatten, den Verrath der Republik zu erkaufen.
Solange Danton und Robespierre lebten und den Convent beherrschten, schien, mit Ausnahme der Ven- dee, die legitimistische Partei in Frankreich und namentlich in der Hauptstadt erstorben zu sein.
Aber nach dem Sturz von Robespierre ( 20. Juli 1794) erhob die legitimistische Partei wieder ihr Haupt.
Durch die Rückkehr vieler verbannten Priester und Adeligen wurde die Partei bedeutend verstärkt. ■ All- mählig bildeten sich in der Hauptstadt königlich gesinnte Clubs.
In den Departements aber gaben sich die Royalisten der wahnsinnigsten Rachsucht hin. In Lyon, Marseille, Air mordeten sie die verhaßten Republik» - ner im Kerker, auf den Straßen; in Lyon wurden die Republikaner in die Rhone geworfen, in Tarascon von Felsen herabgestürzt.
Bevor der Convent sich auflöstr, — 25. Oktober 1795 — faßte er den Beschluß, zwei Dritthcile seiner Mitglieder sollten in den gesetzgebenden Körper der Verfassung vom Jahre 1795 gewählt werden. Diesen Beschluß faßte der Convent hauptsächlich aus dem Grunde, um den Republikanern in dem Rath der Alten und dem ider Fünfhundert das Urbergewicht über die Royalisten, welche an nicht wenigen Stellen große Aussichten hatten, in den gesetzgebenden Körper gewählt zu werden, zu verschaffen.
Dieser Beschluß verblüffte Anfangs die Legitimisten; aber sie erholten sich b 4o und beschlossen, mit Gewalt wieder die gute alte Jett zurückzuführen. Cs bildete sich ein förmlicher Centralausschuß der Pariser Sektionen, der die neue Verfassung annahm, aber den eben erwähnten Beschluß des Convents verwarf.
Im Angesicht dieser drohenden Stellung der Legitimisten zog der Convent zu seiner Sicherheit ein Heer bei Paris zusammen und beauftragte am 2. Oktober den General Barras, gegen die Pariser Wahlmänner, welche eine Restauration des Königthums anbahnen wollten, Gewalt zu gebrauchen.
Barras erhielt auf seinen Wunsch zum Unterbefehlshaber — Napoleon Bonaparte, der damals in Paris ohne Anstellung lebte.
Bonaparte ergriff sofort mit aller Energie alle Maßregeln, um die Angriffe der Legitimisten gegen
den Convent und die Republik niederzuschmettern. Das j Sitzungsgebäude ließ er mit Bewaffneten und Geschützen
> von allen Seiten umgeben. ,
Am 4. Oktober 1795 rückten 40,000 Royalisten in wolgcorvncten Zügen uns angeführt von einigen Generalen gegen das SitzungSgebäude des Convents an, um sich der vor demselben aufgefahrenen Geschütze zu bemächtigen. Aber der junge General Bonaparte empfing sic mit einem so wolgerichteten und nachhaltigen Feuer, daß sie nach Verlauf einer Stunde in wilde Flucht sich auflösen mußten.
i Die Republik war gerettet, gerettet durch den Mann, der einige Jahre später als Kaiser die Erbschaft der Republik antrat. i
Nicht lange nach diesem Debüt des jungen Corsen wurde auch vom Direktorium der General Pichegru, i der an der Spitze der Rheinarmee stand undjin Folge ! i geheimer Unterhandlungen, welche er mit den Royalisten, ; namentlich dem Prinzen von Cond6 ein,geleitet hatte, ' Mannheim geräumt, und die Belagerung von Mainz aufgegeben hatte, als des Landesverraths dringend ver- . dächtig, zurückgerufen. Doch dieser General, ein cif- nger Royalist, wußte sich, vom Heere verdrängt, bald wieder ein anderes Gebiet zu erobern, auf welchem er für die Interessen der verbannten Königsfamilie eine ; wirksame Thätigkeit entfalten konnte.
Jm Frühling 1797 wurde ein Drittheil der beiden Räthe durch Wahlen neu ergänzt und fast sämmtliche . neu eingelretene Abgeordneten waren Anhänger der i Legitimistenparlyel. Unter ihnen befanden sich Piche- 1 gru nnv Barbe Marbois, und da die Legitimisten in beiden Räthen die Mehrheit bildeten, so traten diese beiden als Präsidenten an d:e Spitze deö Raths der i Alte», und des Raths der Fünfhundert.
Ein Conflikt zwischen der Exekutivgewalt, dem Di- ' rectorium, und der Majorität der Räthe war unver- : weiblich. Nachdem die Räthe die Bildung einer Na- tionalgarde mit welcher das Direktorium gestürzt wer» den sollte, beschlossen hatten, schloß der General An- . gereau in der Nacht des 4. September, die Tuilcrien, das Versammlungslokal der royalistisch gesinnten Räthe, ■ mit 12,Oi)O Soldaten ein. Pichegru und andre namhafte Legitimisten wurden von Augereau verhaftet, der seinen Auftrag mit solcher Stille vollzog, daß das erstaunte Paris erst am nächsten Morgen die gewaltsame ; Reinigung des gesetzgebenden Körpers von den legiti- I mistischen Elementen erfuhr.
Die Räthe ernannten auf Verlangen der Direktoren Barras, Rewhel und la Reveillere eine Commission zur Untersuchung der gegen die Verhafteten erhobenen Anklage und dieß verurtheilte 52 Mitglieder , der Räthe , unter ihnen die beiden Präsidenten, die beiden Direktoren, Carnot und Barthelemy, 35 Redakteure und Verschiedene andere Personen zur Deportation nach Cayenne. Außerdem erklärte man die Wahlen von 48 Departements für ungültig und ließ 1 die Gesetze, durch welche die Emigranten und die un
beeidigten Priester in's Vaterland zurückgcrnfcn wurden, wieder aufheben.
Durch diese Maßregeln waren die Hoffnungen der Royalisten, durch eine Bewegung in Frankreich selbst wieder an's Ruder zu kommen, für immer vernichtet. Nachdem aber der General Bonaparte gesehen halte, was man mit einer zur richtigen Zeit und mit Umsicht an- gewendeten Gewaltthat nicht Alles erreichen könne, bereitete er sich darauf vor, mit Gewalt sich an die Spitze Frankreichs zu schwingen und so vernichtete dieselbe Maßregel zwar die Hoffnungen der Legitimisten, aber auch die Zukunft der Republik.
Als 1799 Barras heimlich mit dem Grafen von Provence unterhandelte, warf Sieycs seinen Blick auf den Helden von Italien und Aegypten
Am 8. Oktober landete Napoleon, von Aegypten zurückkehrend, an der heimathlichen Küste; am 9. Nov. sprengt er in St. Cloud den Rath der Fünfhundert, und bemächtigt sich der Staatsgewalt; anfangs unter dem Titel eines Consuls auf 10 Jahre, dann eines solchen auf Lebenszeit, dann eines erblichen Kaisers.
Nie war aber der Einfluß der Legitimiste i in Frankreich ohnmächtiger als zur Zeit der Herrschaft Napoleons
Sie erschöpften sich in fruchtlosen EmporungSver- suchen und ui Konspirationen, welche der schlaue Corse zur Befestigung seiner Macht benutzte.
Die Vcnröc beruhigte Napoleon durch Wohlthaten und die Waffen rcS Generals Brüne, und vergebens setzten zweimal englische Schiffe in der Bretagne Bewaffnete an's Land. Der vereitelte Mordplan einiger Chouans, welche Napoleon durch die Sprengung eines Pulverfasses am 24. Dezember 1800 in einer Straße von Paris lobten wollten, gab den Vorwand ab zur Vermehrung der Consularwache und strengerer Handhabung der Polizei und rüstete ihn mit der Kühnheit aus, die unerhörte Frevelthat an dem harmlosen Herzog von Enghien, einem Sprößling der Familie Conrö, einer Seitenlinie des Hauses Bourbon, am 21. Febr. 1804 zu verüben.
Die Verschwörung des Pichegru und Georges, welche im Februar 1804 entdeckt wurde, bahnte dem lebenslänglichen Consnl den Weg zum Kaiserrhum
Die Legitimisten, als sie alle ihre Versuche, die Herrschaft in Frankreich mit Gewalt wieder zu erobern, einen so kläglichen Ausgang nehmen sahen, als sie an dem Beispiele des Herzogs von Enghien sahen, mit welcher Verwegenheit Napoleon den legitimistischen Conspirationen die brutale Gewalt entgegensetzte: gaben auch schließlich siedle Verschwörungen und Mordplane auf.
Zu einer vollständigen Thatenlosigkeit verdammt, irrten die verbannten Legitimisten bettelnd an allen Fürstenhöfen Europa'S umher, und auf seiner Flucht durch Deutschland ruhte der spätere König Ludwig X VIII. unter einem Pfahle aus, auf welchen ein König die Worte hatte schreiben lassen: „Hier dürfen Bettler
Zwei Reprtblikaner
von Carl Böls ch e.
(3m Verlage von Meidinger zu Frankfurt a. M.)
zFortschung.)
W: „Sind das die Fieberphäntäsien eines „Untcrlcibö- kranken," oder ist es die ergreifende Vorhersagung der Geschiwle UGarns, Italiens und Deutschlands in den Jahren 1848 und 49? llud weiter: „Was ist eS aber, was einer legitimen Monarchie größere Dauerhaftigkeit gewährt als einer upirpirün oder einer Republik? Etwa, weil erstere in den Herzen der Völker Wurzeln schlägt? Q nein! Es ist nichts, als daß alle Fürsten die Sache eines legitimen Monarchen als eine Familienangelegenheit, als ihre eigene betrachten, und ihm darum in Gefahr Beistand leisten, cs ist nicht», als weil die legitimen Fürsten alle Usurpatoren und Republiken als — Broddiebe hassen und sic offen oder heimlich, mit Gewalt Mr mit List, zu Grunde zu richten suchen." Ist das üicht der Schlüssel zu dem Ganzen der legitimen Umtriebe seit den Februartagen? Ob er die Fürsten durchschaute? Ek wu^le auch, was ihre Fürsorge für die Aufklärung zu bedeute» habe! „Unsere Gelehrten sind'die Schatzmeister der Aufklärung. Diese Narren bilden sich ein, sie würden von den Regierungen gut bezahlt, damit sie den Schatz in Ruhe und Frieden genießen. O nein, man stellt sie an, daß sie den Schatz wohl verschlossen halten, damit nichts davon unter das
Volk komme. Mit dem allein, was die Göttinger i Bibliothek gekostet, konnte man in ganz Deutschland I Dorfbiblivlhcken errichten. Wenn man dreißig Fürsten ! in zwanzig Millionen Bürger und Bauern, wenn man j dreißig Professoren in dreißigtauseud Schulmeister zerschlüge, wäre ein ganzes Volk wohlhabend, gebildet, sittlich und glücklich." OOebt minder kannte er die „liberalen" Kammervirtuosen. „Der Spott," schreibt er am 8. Februar 1833, „Den sitzt die deutschen Fürsten mit ; ihren Ständen treiben, empört mich nicht, ich bin dessen i schadenfroh. Ein edler Mann kann oft der Gewalt : unterliegen und immer unverdient; aber der List unver» ' dient nur zum ersten Male. Wen sie zu n zweiten ; Male täuscht, der hat sein Geschick verschuldet; und es : ist das zweite Mal, daß sich die deutsche Freiheit bc= thörenläßt. Wieder einmal haben die c v n st i l u t i o n c l l e n Fürsten die Schranken der Verfassung durchbrochen, wieder einmal jubeln sie wie die entsprungenen Sklaven. Die Gitlerstangen, die sie eingeschränkt, dienen ihnen jetzt zu Waffen, diese Einschränkungen zu rächen, und mit den Gesetzen, die sie aus dem Boden gerissen , zerstören sie die Gesetze, Die noch aufrecht stehen." Ist das nicht die Geschichte von 1850 auf ein Haar? Noch deutlicher spricht folgendes Urtheil vom 4 März 1833: „Da sind Rottcck und Welcker, Männer, die es gewiß gut meinen und auf welche sonst so Viele als auf Erretter sahen. Sie haben der guten Sache mehr geschadet, als deren schlimmste Feinde. Sie haben sich und ihre Leidcnsgc-
nossen aus der Sklaverei befreit, ließen aber ihrem Tyrannen die Pferde im Stalle zmück, waren ehrlich und flüchteten sich zu Fuße und wurden bald von den verfolgenden Reitern wieder cingeholt und mit Schimpf zu- rückgeführt. Sie haben das Volk mitten auf seiner Sieges- bahu aufgehalten, ja es oft zurückgehen heißen! Wo sie Handeln sollten, sprachen sic; und wo sie reden sollten, die schlafenden Herzen aufzu- wecken, sprachen sie so lange und viel, bis die wachen Herzen vor Müdigkeit wieder entschliefen." Hätte das deutsche Volk in den Märztagen die „Pariser Briefe" beherzigt, würbe cs von diesen Maulhelden in Frankfurt wohl zum dritten .Male betrogen worden sein? Die Schmerling und Rabowiy, die im Börne besser bewandert waren, wußten, wozu tic Gagern und Welcker zu gebrauchen seien; die Pariser Briefe hatten es ihnen längst verrathen! Ab.r Börne hat auch diesen feinen Maechiavellisten bereits die Grabschrist geschrieben, als er b.t Anfrage wegen eines FürstencongresscS, wozu beide Kaiser kommen sollten, wie eS damals hieß, vergnügt äußert: „Es wäre schön! Das würde ja der deutschen Revolution eine Eisenbahn eröffnen!" (Fortsetzung folgt.)
Verschiedenes.
In Wien circulirt, laut der „Neuen Oder-Ztg. folgende Anekdote: Ein junger in das dort garnisoni-