Freit Zeitung.
„Dreiheit und Neeht!"
â' 21S» Wiesbaden. Samstrg, 14. September 1830»
Die „Freie Zeitung« erscheint, mit ÄuSna-me des Montags, täglich in einem Bogen. — Ler AdonnementSpreiS beträgt v iertettä-rtg hier in Wiesbaden I ff. 45 h„ au#« ivârtS durch Die Post orzogen mit verhâltnlßmäßtgem Aufschläge. — Inserat« werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Berbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirl- samcm Erfolge. — Die JiserattonSgedüßren betragen für die vierspalttge Petttzetl» 3 Kreuzer.
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Der schleswig-Holsteinische Kampf der letzte Ausläufer der rcvointionäre» Einheitsbestrebungen der deutschen Bourgeoisie.
Artikel II.
X Von der Lahn, Anfangs September. Die deutsche Bourgeoisie, oder vielmehr das deutsche Spieß- bürgerthum (denn jener Name ist eigentlich bei uns übel angewandt: mit den Gotha-Helden an der Spitze ist unverbesserlich. Dieselbe hat trotz unserer Revolution „Nichts gelernt und Nichts vergessen." In dem Kampfe Schleswig-Holsteins wiederholt sich dasselbe jämmerliche Spiel, wie wir es nun seit dritthalb Jahren in Deutschland gesehen haben, — gottlob der letzte Akt der großen Tragikomödie, deutsche Revolution genannt d!^,Anstatt mit Hilfe des Volks, mit Hilfe des Proletariats sich kühn in den Sattel zu schwingen und die Zügel des Regiments zu erfassen, kann diese sogenannte Bourgeoisie aus Angst vor der Demokratie noch immer nicht zu kräftigem Handeln kommen und bildet sich ein, durch Geldsammlungen die „Einheit Deutschlands" wahren zu können, wie sie sich vor zwei Jahren einbilvele, auf diese Weise eine „deutsche Flotte" vom Stapel laufen lassen zu können! Da verstand es die englische und die französische Bourgeoisie besser, eine Revolution zu ihrem Vortheil zu machen. Mit kühnem Geiste und mit Hilfe des Proletariats stürzten diese stolzen Bourgeois den edlen Feudalstaat von Grund aus nm, gründeten auf dessen Trümmern die Republik, köpften die widerstrebenden Aristokraten und schufen so große, mächtige Reiche mit einer blühenden Industrie und einem weltbeherrschenden Handel. Das waren die dewnndernswerthen Thaten, durch welche sich die Bourgeoisie in England und Frankreich die Bahn zur Erringung der politischen Herrschaft und unermpfihrhpr Reichthümer eröffnete. —— j
Was that unsere Bourgeoisie bei unserer Re- volution? Im Jahr 1848 war die Zeit gekommen, wo sie die Herrschaft hatte erringen können, und eine säe Zeit kommt nur einmal in der Geschichte eines Volkes. Aber anstatt sich an die Spitze der Demokratie ru stellen und mit Hilfe d e ö Pr ol e ta r la ts alle Hm- dc> Nisse der Einheit Deutschlands wcgzurasiren, und o die -staatliche Einheit, um welche es ihr ja allein zu thun ist, mit Einem Schlage zu gründen, stattdessen verkroch sich dieselbe schon am zweiten Tage nach der Revolution aus feiger Angst vor dem Proletariat hinter dem altgewohnten Ofen und begann wieder vor den Aristokraten, diesen Todtfeinden oes Emheltvstaa- tes zu schweifwedeln. Die armen Tropfe, welche fürchteten, das noch ganz unentwickelte und unorgam- sirte Proletariat würde die Herrschaft erringen, wenn man der Revolution nicht eilends einen Hemmschuh anlegte! Nein, wenn die Bourgeoisie auch das Volk zu dem wildesten Enthusiasmus aufgestachelt hätte, wie dies die engl. und franz. Bourgeoisie zu ihrer Zett thaten:
Robert Blum.
(N. D. Ztg.)
Von Wien aus der Brigittenau, komm' ich geschriten her . Kann ruhen nicht in meinem Grab, die Wunde brennt zu sehr, ruhen nicht, wie And're ruh'n, in stiller Todtengruft, Mir ist'-, als hör'! ^ daß zum Kampf auf s Reu' die Freiheit ruft. O' daß ich nur ein Schatten bin, nicht schwingen kann den Stahl, Bei Gott! ich stürb' für'S Vaterland so gern zum zweitenmal. Zum zweitenmal — ein SiegeSheld in offner Völkerschlacht, O! dann vergaß ich auch, daß mich der Henker umgebracht.
Und hat die Stimme mich getäuscht? Wo tobt der wilde Kampf? Hei! hoch im Norden steht das Volk im schwarzen Pulverdampf Und würfelt mit der Tyrannei wohl um sein gutes Recht, Um Sein und Nichtsein! Gott mit Dir! Du ritterlich Geschlecht!
Und doch ich bin zu früh erwacht, der Freiheit gilt eS nicht, Die bis zum letzten Eisenring die Sclavenfeffel bricht; Ob Königreich, ob Herzogthum und deutsch und „stammverwandt
ES ist der alte leere Streit um Professorentand.
Es ist daS alte Gaukelspiel mit fürstlichem Betrug, Und dir mein Deutschland, ist eS doch noch immer nicht genug? Wie Hamlet zaudernd redest du wohl über den Verrath Wie Hamlet hörst du zagend nur des Geistes Ruf zur ^ha'.
Du hoffst und harrst, daß aus dem Berg der Kaiser auf sich rafft, Und weißt nicht, daß ein Kaiser nur dmch's Volk das Große schafft; O! träum' nicht länger diesen Traum, im Norden droht Gefahr, „Der Kaiser, der sonst aufersteht, ist Rußlands weißer Czar!"
Fulda. Friedri ch Hornfeck.
es wäre für das Volk zunächst doch immer nicht viel dabei herausgekommen. Nachdem dasselbe sein Herzblut verspritzt gehabt hätte, wäre zuletzt Nichts als die Einheit Deutschlands, d. h. der einheitliche Föderativstaat mit einer wohlfeilen Regierung, Einem Schutz- zollverband, einer deutschen Flotte nnd den übrigen Bedingungen einer großartigen Industrie und eines blühenden Handels herausgesprungen. Aber das ist's ja grade, ihr Bourgeois, was ihr wollt! In Frankreich, wo doch daS Proletariat viel weiter entwickelt ist, hat dasselbe, trotz der Februarrepublik, nicht einmal die Herrschaft erringe» können: wie viel weniger in Deutschland! Dies Alles glaubt ihr Spießbürger zwar nicht, weil ihr so unverbesserlich seid, wie ihr seid. Zeugniß davon gibt euer abermaliges Benehmen in dem schleswig-holsteinischen Kriege, >wo ihr die Dänen mit euren paar armseligen Kreuzern schlagen wollt; Zeugniß gibt euer „Vereinsblatt für deutsche Arbeit" (Zollvereinsblatt), welches die „vaterländische Arbeit" „schützen" will, ohne einzusehen, daß eine politische Umgestaltung des „Vaterlandes" die unerläßliche V o r b e y i n g u n g dazu ist: kurz Zeugniß von eurer Unverbesserlichkeit gibt Alles, was ihr denkt und thut und schreibt und treibt. Wäret ihr nicht mit unheilbarem Staar behaftet, so müßtet ihr die Wahrheit unserer Behauptungen einsehen, da sogar eine eurer Autoritäten, Gcrvinus, mit uns übereinstimmt, jetzt, nachdem es zu spät ist.
Ja wohl, zu spät, zu spät für die Beurgeoisie! Die Gelegenheit, Macht, Ehre und Reichthümer zu erfämpfen, ist ungenützt vorübergegangen. Die Stunde, wo es gilt, das Glück im raschen Fluge zu ergreifen, kehret nicht wieder. Der Gott des Heils lächelt dem Menschen nur einmal in seinem Vebeu und er wendet sich auf immer von dem ab, der ihn nicht erkennt! ___ JUnvItA« f ^^M^o* I <S^ |"iHV U*4V»te ^i AC^t» , tV?l* chen die Zukunft- f-^t ^«b-''^-------
D e u t s eh l « « K.
t Höchstenbach, Kreisamts Hachenburg, 8. Sept.
So eben kommt hier die Nachricht an, daß unser seitheriger Lehrer Kring mit dem 1. Oktober seines Dienstes entlassen ist. Der Fall ist sehr hart, da Kring eine starke Familie hat und kein junger »Miaun mehr ist.
§§ Darmstadt, 11. Sept. Die heutige Morgensitzung in der Fenv t'schen Sache war wichtig durch des Angeklagten Rede über die Oberohmener Volksversammlung, aus der Fendt mehremale mit dem Can- didat Welcker, dem Neffen,des badischen Professors altliberalen Andenkens, sprach. Seine erste Rede, bemerkte der Angeklagte, habe die vormärzlichen bäuerlichen Zustände geschildert, denen als früheres geschichtliches Er- eigniß der Bauernkrieg zu Grunde liege. Zum Beleg las er die zwölf Bauernartikel vor und erklärte sie.
Zwei Republikaner von Carl Bölsche.
(Im Verlage von Meldinger zu Frankfurt a. M.)
(Fortsetzung.)
=#= „So hat auch Börne den Kläffern in den kritischen Schlachthäusern Deutschlands manchen Kimmen vorge- worfen, damit sie sich die Zähne auvbetyen sollten. Und sein Zweck ward zwar langsam, doch zuleyt voiO ständig erreicht. „In einem neuen Zeitungsartikel gegen meine Bliese, heißt es unter andern Merkwürdigkeiten, ich wäre erboßt gegen alle Leute von Rang und Stand, weil ich selbst kein Hofrath wäre; erboßt gegen die Reichen, weil ich arm sei; erboßt gegen die Fürsten, weil ich keine Hoffnung hätte je selbst ein Fürst zu werden: — ist das nicht hiiimlisch? Ich arm? Ist mein Herz nicht allein eine Million werth?" scherzt er über seine Rezensenten, und im dieselbe Zeit (Dezember 1831) äußert er: „Ich wirke kein Wort zurücknehmen, wenn ich sie (die ersten beben Bände) heule schriebe und keine einzige Rede nur un einen Lichthauch blasser machen. Grob sind sie freilich, wie man sie gefunden. Wer hieß ab.r auch die dunmen.Menschen ihnen so nahe treten und sie durch die Brille betrachten? Sie sind grob, wie Freskogcmälde sind und sein müssen, die in einiger Entfernung angeschatt werden sollen." Auf der frischen, noch feuchten Gegenuart gemalt , mußten die
Seine Aeußerungen über die Fürsten seien nur in Bezug auf ihr renitentes Benehmen gegen die Frankfurter Nationalversammlung zu verstehen; über die Frankfurter Septemdervorfälle habe er sich selbst misbilligend ausgesprochen; vom Erzherzog Johann aber habe er nicht gesagt, er gehöre auf den Mtsthaufen, sondern ec sei ein besserer Bauer als Staatsmann und wäre besser bei Mist und Ochsen im Steyerlande geblieben; zu bewaffneten Widerstande habe er allerdings aufgefor- dort, doch nur im Falle, daß die beschworenen Volksrechte angegriffen wurden; zu Gewaltmaßregeln g gen die Fürsten als solche habe er dagegen durchaus nicht aufgerufen, sondern nur gesagt, wenn das souveräne Volk sie nicht mehr gebrauchen könne, werde es z. B. in Hessen sagen: „Bürger Ludwig, du kannst nicht länger Großherzog sein!" und dann müßten die Für« steil sich selber ernähren, ein Handwerk lernen oder nach Belieben auöwandern, wozu das Volk gern die Ueberfahrtskosten zusammenbringen werde. Die badische Bewegung im Oberlande schilderte der Angeklagte sodann mit zu Geundelegung einer Reihe von inkriminirteu Artikeln aus dem „jüngsten Tag", die er geschrieben, als eine allgemeine deutsche Volkserhebung zum Schutz des bestehenden gesetzlichen Zustandes gegen die Contrerevolu- lion, wobei er erklärte, er habe sich damals allerdings geirrt gehabt, als er den Struve'schen Aufstand für mehr als einen Putsch des zwar ehrlichen, doch durchaus unpraktischen Parteiführers gehalten habe. — In der Nach- Mittagssitzung kam die Volksversammlung in Gießen an die Reihe, wobei Fendt „zur gewaltsamen Befreiung der in Folge der Septemberereignisse verhafteten A. Becker und Az aufgefordert" haben soll. Durch Zeugenaussage ergab sich jedoch nur, daß Fendt eine Petition ans Hofgericht um Freilassung beantragt und zum Beschluß der Versammlung befördert habe. Zum Schluß der Sitzung erzählte der Angeklagte seine Erlebnisse Orgai'sisüsiiii'F^ oiss ^VÄkviM/fëu thätig gewesen und später als Dolls Adjutant mit dem Dollschen Korps den Preußen unter Gröben an der Murg anderthalb Tage Stand gehalten habe, zuletzt aber mit in die Schweiz gedrängt worden sei. Seine Betheiligung an dem Feldzuge vertheidigte der Angeklagte^ sowohl ans politischen wie juristischen Gründen als ^vollkommen berechtigt.
4- Darmstadt, 11. Sept. In der ersten Kammer, wo durchaus keine Wahlbeanstandung vorlag, wurde diesen Morgen sofort zur Bildung das Bureau geschritten. Da von den bereits gewählten 18 Mitgliedern nur erst 16 anwesend und die Parteien sich gleich waren, so entschied nach dreimaliger Abstimmung das Loos zwischen dem Dekan Dieffenbach und dem Ober- appelationsgerichts-Rath Schencks dem früheren Präsidenten, für letzteren worauf Dieffenbach zu ersten Vice- präsideillen gewählt wurde. — In der zweiten Kammer waren 43 Mitglieder anwesend. Von sammt- litten 50 Wahlen find nur zwei beanstandet, die
Züge schnell der entschlossenen Hand iiachstürzcn, durften nicht hinter zaudernder Bedenklichkeit nadifdileieben. Dem Volke, das in weiten Kreisen umhersteht, und kein Vergrößerungsglas g- braucht, fällt es grade mit dem rechten Maße in die Augen. Wie freue ich mich, daß mir das gelungen, wie froh bin ich, daß ich der pastellartigen Artigkeit entsagt, die len verzärtelten Diplomaten so gut gefällt, weil sie es weglächeln, sobald es ihnen nicht mehr behagt. Nein, diesmal habe ich tiefe Furchen durch ihre Empstndung gezogen, und das wird Früchte tragen. Denn selbst für ihre eigenen Felder ist die Saat nicht in ihrer Hand — Golt sorge dafür, daß man mir nur das Herz öffne, feindlich oder freundlich, gleichviel; beides ist mir willkommen, denn beides nüyt der guten Sadie.' — Wem diese Ausschlüsse nicht deutlich genug, der lasse die Hand von den „Pariser Briefen"; der gehe erst in die Schule und lerne lesen.
„B ö r n e 's Politik war im Jahre 1830 noch durchaus monarchisch, doch demokratisch. Erst als sich die con- flitutiondlc Staatslhevrie in Frankreich Schritt vor Schritt durch die Praxis selbst vernichtete, wurde er, wie Carrel und alle ebrlidvn Leute von Herz und Kopf, Republikaner b i 6 zu de n leyten sozialistischen Kon sequenzen. Um diese nämlich war es ihm bauptsächlich zu thun. Alo beste StaatsforM erschien ihm die, welche in jeder Zeit die möglichst weite Begründung und Entfaltung der Volks- : Interessen gewähre. Die Freiheit war ihm nur Form, die Veibrüd^ruvg aller Bürger und die Veibündung mtt gleich-