Einzelbild herunterladen
 

J^ 211» Wiesbaden. Dienstag, 10. September 1850

Bif ./ 3 r e t e Zeit ung" erschrtnt, mit ÄuSnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Adounementsprets beträgt viert, ljâ-rtg frier in Wiesbaden t ff. 45 K au« wärtS durch die Post bezogen mit verbaltnlömaSig-m Aufschläge. - Zuseraie werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Lerdrettuna der treten Reituna" Sita hon m^ saut ein Erfolge. - Die JnserattonSgebuyren betragen für die vierspaltige Petitzetle 3 Kreuzer. 8 a ° 8 000 wu

»---^»'â^d -^"^^ ^^'^r^â-5 '^-ä^.^^^^^^^^ '^'^^'l^^^^Ls-Lt_.^ ^^IIZ I ^t ..ä£^.«.'»:l--.-''''y,?'»;??'A<'!y^v?.-''.'T-i»^ j i**1*-*1"1 i'^iT» nifan^iaKBta^fc^jB,'-, is,', -^h< r- riT.-anr -tstt'~~ct^ '^ -<^~~ - -^ -^^ - ----- - ^-.,-r. _-_--_

( Dieses Ziel hat man mit der dieser Menschenart eigenthümlichen Zähigkeit unablässig im Auge behal­ten, und weder Zeit noch Mühe gespart. Ihre hart­näckigen Bestrebungen trugen die ersten Früchte, als vor mehren Jahren die Schulinspektionen nach den Confessionen geschieden, als die Orts­geistlichen zu ihrem großen Verdrusse zur persönlichen Ertheilung des Religionsunterrichts in den Elementar­schulen angewiesen und in Berücksichtigung der Inte­ressen der Staatsdienerschaft zu Wiesbaden und der ultrakatholischen Partei zwei neue Gymnasien, eines für jene zu Wiesbaden, und eines für diese zu Hadamar errichtet wurden. Solche Zugeständ­nisse führen folgerichtig zu Confessionsschulen, und er­innern wir uns der neuern Geschichte der evangelischen Kirchenverfassung, blicken wir auf die Geschichte der Sch ul Verfassung, gedenken wir der ganzen Strömung der Zeit, insbesondere des nothwendigen ewigen Bünd­nisses zwischen religiöser und politischer Unterjochung, so steigen die Besorgnisse, daß die Rückfluth von 1848 auch das wirklich Gute, was unS seit 1816 überliefert wurde, noch hinwegschwemmen wird.

Die solange fortgesetzte Verfolgung der Stadt Id­stein bildet nur ein Glied in der Kette jener Beftre- ! bungen. Zwar lautet stets auf die Frage:was thun j sie denn, dies» Idsteiner Bürger, die ihr so schrecklich schildert, was thun sie Gesetzwidriges?" DieAnt- I wort:leider nichts!" Alleinsie sind zum ' großen Theile gottlose Demokraten, ja Anhänger einer i freichristlichen Rcligionöansicht!" Das ist fürchterlich! ! Das wirkt.Also muffen sie gezüchtigt werden", ; also muß das Seminarium weg!Ja und das Semina- rium ist überfüllt, es mußten dort sogar Parallelklassen (*) eingerichtet werden." Also sind zwei Seminarien durch­aus nothwendig. Schreiten wir aber einmal zur Neubildung, so wollen wir die Sache auch gleich ganz gut machen. Was ist nun einfacher, als daß, wenn einmal das Seminarium getheilt werden muß, man dasselbe in seine natürlichen Theile zerlegt, und an diejenigen Orte bringt, wo durch Benutzung der vor­handenen Lehrkräfte sogar Gelb gespart werden kann. Und endlich wird man auch diese beständigen Schrei­bereien mit dem Domkapitel und Ordinariate los, die in der That recht unbequem sind. Also ein evange­lisches Seminarium nach Herborn und ein katholisches nach Limburg! Der Dümmste muß einsehen, daß dies sehr vernünftig ist, und daß es nur so und gar nicht anders gemacht werden kann.

Wißt ihr aber, was es heißt, Confessionsschulen errichten? Das heißt jede einzelne Gemeinde, folglich den ganzen Staat nach Confessionen zerreißen. Dean soll ein besonderer katholischer und ein besonderer evangelischer Lehrer besoldet werden, so erfordert dies die Bildung zweier Gemeinbekassen in

Jr, S :â)en deriJngend gegeir Verdummung und Verknechtung.

Von der Dill, 7.^Septcmber.

o°o Die in No. 191 der Freien Zeitung gebrachte Nachricht, daß die ans 8 Geistlichen bestehende neue Schulksmutisston sich für die Trennung des Idsteiner Szchnll eyrerseminars in der Art entschieden habe, daß die katholische Hälfte nach Limburg, die evangelische aber nach Herborn zu verlegen sei, mußte überall tiefen Unwillen und gerechte Entrüstung het-vorrufen. So gerecht auch die Beschwerde der Stadt Idstein hierüber sein würden, so ist deren Interesse doch hierbei ein untergeordnetes gegen das allgemeine In­teresse des Landes, der Bildung und der Zukunft jm dieser heiligen Angelegenheit der werdenden Geschlech­ter. Wie muß man sich fragen ist es nicht geima, alle Hoffnungen der Gegenwart so grausam ge­täuscht zu haben, auch der künftigen Generationen wollt ihr euch schon zum Voraus bemächtigen, um sie zu knechten? Und so plumps verhöhnt man den klaren Buchstaben des Gesetzes, daß man sich nicht einmal die Mühe nimmt, die Absicht zu verstecken, und statt Lim­burg etwa Camberg, statt Herborn etwa Usingen als Sitz des confefftoneUen Seminars zu bezeichnen.

Durch Art. VI. der Grundrechte, welche auch in der Zusammenstellung des im Herzogthum geltenden Staatsrechts (Seite 613 des V. Bl. vom 1849) noch als geltendes Gesetz anerkannt sind, ist die Schule ein- für allemal der Leitung der Kirche entnommen; und wenn auch nach Art. Ul. des Einführungsgesetzes vom 27. December 1848 einzelne Bestimmungen jenes Ar­tikels nach der Landesgesctzgèbung zurungesäum­ten" Ausführung überlassen blieben, so kann doch darüber kein Zweifel sein, daß der Grundsatz der Trennung der Schule von der Kirche schon jetzt positiven Rechtens bei uns ist.

Ist es aber eine Ausführung oder eine Ver­letzung dieses Grundsatzes, wenn die Schule nach der Confession, also nach einer kirchlichen Unterschei­dung getrennt wird? Ist es eine Ausführung oder eine Verletzung dieses Grundsatzes, wenn die so getrennten Pfianzfchulen der Lehrer durch Verlegung an dien Sitz der kirchlichen Bilbuügsanstalten, und hui- stchtlich der katholischen Abtheilung zugleich des Bischofs, des Domkapitels und Ordinariats, unter den unmittel­barsten, gewissesten Einfluß der Kirche gesetzt werden? Ist dies eine aufrichtige Vollziehung des Gesetzes oder nicht? ,

Völlige Unterordnung der Schule unter die Kirche ist der Zweck einer herrschsüchtigcn Priesterpartei, und die Bildung von Confessionsschulen im ganzen Lande das nächste Ziel derselben, welches sie schon seit län­gerer Zeit vom Staate bestimmt verlangt, und welchem sie mit der Theilung des Seminars nach Confessionen einen großen äußerst wichtigen Schritt näher rückt.

*) Bei nicht sehr vermehrter Zahl der Schulen im Her­

zogthum würden die Gemeiiidekussen, die Lehrer uno die Schulen besser stehen.

demselben Orte, und dies am Ende die Theilung des Gemeindeverinögenö nach Confessionen! Und würden nicht die Juden das gleiche Recht anzuspre­chen haben? Nicht zufrieden mit Erfolgen, wie die in Langendernbach, und nicht belehrt durch sie wird man, die Wirkungen mit den- Ursachen verwechselnd, vielleicht gar aus ihnen die Nothwendigkeit der Tren- nung zu beweisen suchen. Der Bruder soll vom Bru­der, die deutsche Nation noch einmal in zwei bis in die Familien hinab staatlich geschiedene Theile gerissen werden. O du armes Vaterland, bist du denn noch nicht genug zerrissen?

Welchem Loose aber die Schulen und die Lehrer alsdann verfallen würden, zeigt die Erfahrung anderer Länder, und die Betrachtung ver unzulänglichen finan­ziellen und geistigen Mittel nach erfolgter Trennung.

Wir sind überzeugt, daß wir die Ansicht und den Willen weit aus des größten Theiles der einsichtigen Glieder der evangelischen und der katholischen Kirche aussprechen, indem wir die Aufrechthaltung und Durchführung des Grundsatzes der Tren­nung der Schule von der Kirche verlangen, und die Spaltung des Seminars nach Con­fessionen für verderblich erklären.

Wir Alle haben ein Recht, zu erwarten, daß man in ängstlicher Scheu, sich an den zarten Seelen der Jugend zu versündigen, dieses befriedete Gebiet nicht mit leichtfertigen Fingern antasten wird, und daß Nie­mand es wagt, der Zukunft die Hand an das Leben zu legen.

Sollte es aber gleichwohl geschehen, so freut euch nicht allzusehr eures Gelingens. Es wird nicht von langem Bestand sein, und nicht die gewünschten Früchte tragen. Wenn wir auch in banger Sorgfalt für un­sere Kleinen und in der Liebe zum Volke, von wel­chem wir keinen Theil wollen von uns reißen lassen, mit Kummer auf solche Nachtgebilde blicken, so tragen wir doch das^ tiefste Gefühl der Siegesgewißheit in innigster Seele. Ihr aber, was treibt cuch^zu so rasender Hast? warum schaut ihr mit so bangem Blicke selbst auf die noch ungebornen Geschlechter hin? Es ist der To des Pfeil, der euch im Herzen sitzt, es ist der LebenSeifer des Greisen, es ist der sichere Instinkt, daß eure Tage ae- zäshlt sind. a

Die Jugend gehört der Freiheit, dem neuen Deutschland, dem Bunde der Völker Europa's. Richtet nur die Erziehung der Jugend ein, wie ihr wollt, mit jedemKinde wird doch der Freiheit ein neuer Streiter geboren, und jedes jungeGeschlechtwird euch doch sein Kriegsgeschrei von Neuem entgegen jauchzen, bis endlich der oberste Richter in Sachen der Jugend gegen die Knechtschaft sein Urtheil rechtskräftig zu Gunsten deS reinen Menschenthums mit Donnerstimme gesprochen hat.

Zwei Republikaner von Carl Bölsche.

(Im Berlage von Meidinger zu Frankfurt a. M.)

(Fortsetzung.)

^ .Die vollkommene Durchdringung von Verstand und Gemüth, die bei B ö r n e Naturell war, ist das Na­turwüchsige in seinem Wesen und Wirken. In diesem Gleichgewichte seiner Kräfte beruhte die unverwüstliche innere Harmonie seines Charakters im Kampfe mit der unharmonischen Außenwelt. Börne zürnte also nicht, weil er ein heftiges Temperament hatte, sondern ljeß dem Zorne nur, wenn er dessen vollkommene Berechtigung außer sich gegeben fühlte, den ganzen ungestörten, den natürlichen Verlauf. Das specifisch jüdische Naturell wird überwiegend vom Verstände beherrscht. Aber gerade weil Börne von dieser jüdischen Engherzigkeit durchaus nichts an sich hatte, wurde er vonfeinen Leuten" von Jugend auf seltener begriffen als bekrittelt. Die steten orientalischen Zumuthungen, sich für Dinge zu begeistern, die seinem Herzen fremd waren, zwangen ihn früh schon, sich von dem Schneckenhaus eingezogener, angeerbter Gefühle zu befreien. Weil er wußte, daß das alle Judenthum in der modernen Zeit nicht mehr Berechti­gung habe, als jedes andere versteinerte Wesen, so hatte , er keine Ader von jener mosaisch romantischen Senti­mentalität des Judenschmerzes, der sich so gern breit macht und so empfindlich ist, wie eine alte Jungfer, ja

tausendmal empfindlicher, weil tausendmal älter und alberner. Börne konnte sich daher nicht nur, ohne sich etwas zu vergeben, laufen lassen, er mußte sogar der innern Konsequenz wegen einen Schritt thun , der nur desl alb gewagt erscheint, weil er aus der Synagoge in eine Kirche führte, die gleichfalls noch ein Stück Tempel war, gleichfalls nod) ihre Schriftgelehrten und Pharisäer hatte. Indeß wurde er so wenig christlich orthodox, wie er cs mosaisch gewesen: er war viel zu religiös, um konfessio­nell werden zu können. ^Jch liebe nicht den Juden, nicht den Christen, weil Jude oder Christ; ich liebe sic nur, weil sie Menschen sind und zur Freiheit geboren" ! schreibt er in der Rezension: »der ewige Jude", und an einer andern Stelle:Der Judenhaß ist einer der ponti- nischen Sümpfe, welche das schöne Frühlingoland unserer Freiheit verpesten." Ihm war die Frage der Juden- emancipation nie eine Kasten- oder Confessivns-, sondern eine Weltfrage, wie alle andere Revolutionsideen in Staat und Kirche.Wer für die Juden wirken will," schreibt er am 2. Februar 1833 noch aus Paris,darf sie nicht isolireu; das thun ja eben deren Feinde zu ihrem Verderben. Um ihnen zu helfen, muß man ihre Sache mit dem Rechte und den Ansprüchen der allge« meinen Freiheit in Verbindung bringen!" Wie über­all radikal, so ging er auch hier der Giftpflanze an die Wurzel.

Gegen Börne ist, um hier auch diesen Punkt sogleich zu erledigen, häufig der Vorwurf geschleudert worden,

er habe sich durch seine spätere schonungslose Polemik gegen alles Bestehende für die Schmach rächen »vollen, die ihm als Juif de Francfort angethan worden sei." I Wohl klagt Borne in bitterem Spotte:In Frankfurt

wo ich wohne, ist das Wort Jude der unzertrennliche Schatten aller Begebenhetlcn, aller Verhältnisse, aller i Gespräche, jeder Lust und aller Verdrießlichkeit;' wohl ' fühlte er sich, seit er denken konnte, angeekelt von diesem dickstirnigen Philisterthum, das dem Israeliten zurief: Mach Mores, Jud!" und dann selber MoreS gegen die fremden Truppen machte; aber daß er aus jüdischein Zornmuthc auf Gott und die Welt geschimpft habe, ist eine eben so alberne wie boshafte Verdächtigung. Schwer, lich hat es seit Christus einenJuddebub" gegeben, der über Cie Armseligkeiten des konfessionellen Juden- und Christenzelotismus erhabener mar, als Börne. Den specifischen Standpunkt hatte er so früh überwunden, daß seine Behandlung der Judenfrage gerade deshalb so schlagend ist, weil er weit objektiver urtheilt, als beide streitenden Parteien. Nur darinrächt" sich derFrank­furter Jude" in ihm, daß er mit seinem früh 'geübten und auf die kleinsten Fasern und geheimsten Fäden des ganzen despotischen Hvchdrucksystems gerichteten Auge heller und weiter sah, als die meisten seiner christlichen Kampfgenossen; und auch darin, daß er im Kleinsten wie im Größten durch den dem Israeliten besonders eigenen praktischen Spürsinn sogleich den Fluch od> r Segen hrrauöwitterte, den cs der großen Emancipation