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Freiheit nnb Recht!"

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Dt» ..jrete je.t u n.3" erfc^tint, mit ÄaSna)mi MiÄyato.j»1, u^nt) in dnem Sogen. Des äbonnemeatdpreld betragt n iertelidprtg yler in Wiesbaden 1 fL 45 h» au** ivärtd durch die Post beigen mit ver-äUniZmaßtgem Aufschläge. A'srr^te »erben berettkvillig aufgeuommen »no sind bei der großen Verbreitung dergiften Zeitung" stets von wtN» snmcm Erfolge. Die J isrrattonSg<-re« betragen für die vierspaltige Pelttzetle 3 Kreuzer.

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JtalienisckeZ Zustände.

y Jenseit der Alpen , in den blutgcdüngten Fluren und Thälern der apennini^chen Halbinsel bereiten sich, still und von ter Mehrzahl der in der trüben Heimaty vielbeschäftigten Leser kaum bemerkt, Dinge vor, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Denn Italien ist mit Deutschland in gleicher, nur noch schlimmerer Lage. Hier wie dort schmeichelt sich das Haus Habsburg, wieder in alter Macht und Furchtbarkeit dazuftehcn und zu gebieten nach seinem Wohlgefallen. Aber nach Allem, was uns Augenzeugen, welche aus der Lombardei kamen, erzählen, steht Oesterreichs ganze Gewalt in der frucht­baren und nun so verwüsteten Poebene auf so schwa­chen Füßen, daß der plötzliche Tod des alten Radetzki oder Vie Abdankung des alten Haudegens und Diplo­maten in Folge neuer Zerwürfnisse mit dem Fürsten Schwarzenberg vielleicht allein schon hinreichen würde, um diesen trügerischen Schein der Ruhe und Ergebung zu vernichten. Noch schlechter aber ist es mit Habs- burg's Hegemonie in den übrigen Theilen der meerum­spülten Halbinsel bestellt.

In der Lombardei schweigt das ins Joch knirschende Volk und wartet auf den Tag der Vergeltung mit stummer Unterwerfung unter die schwere Hand derBar­baren." Im Kirchenstaate und in den kleinen Prin­zipaten aber hält es den Gewalthabern bereits wieder die geballte Faust so drohend ins Angesicht, daß ohne öficrreichsiche Bajonnette im Norden, ohne französische in Mittelitalien und ohne schweizerische im Süden und auf Sicilien die Eontrerevolution keine vier und zwan­zig Stunden obenauf bleiben würde. Gräulich sieht eS in Rom, grauenhaft im Neapolitanischen ans. Hier herrscht gut sultanisch ein aus Feigheit und Bigotterie doppelt grausamer Tyrann, der sein Fürstenwort nur verpfändet, um es zu brechen, der heute Eide schwört, um sich morgen durch Dispens aus Priestermunde von denselben befreien zu lassen; und in der unglücklichen Sicbenhügelstadt ist ein Priesterfürst wieder eingesetzt, der einst liberal schien, wie jetzt despotisch, ohne das Eine oder das Andere aus Ueberzeugung zu sein, weil er nichts ist, als der Spielball seiner jedesmaligen Um­gebung und deßhalb heute bindet, was er vor einem Jchre gelöst hat, heute verdammt, was er in besseren Tagen segnete. Der Nachfolger Petri, der das Schiff der Kirche lenken soll mit unbeirrbarem Auge, der sich rühmt, ein Fels zu sein in der Zeiten Brandung, läßt sich gängeln wie ein Kind, das die ersten Schuhe bekam! Der Stellvertreter Christi auf Erden, in dessen großem, welterlöscnden und beseeligenden Herzen nur Liebe und Erbarme» für die Mühseligen und Beladenen wohnen sollte, jener Pius IX., der Italien zum Kampfe um seine Unabhängigkeit rief und alle das namenlose Elend, welches im Gefolge dieses gescheiterten Wagnis­ses über die Völker der schönen Halbinsel kam, vor­zugsweise mitverschuldet hat und es daher auch wenig­stens mitdulden und mittragen helfen sollte sitzt in

seinen Prunkgemächern und ißt und trinkt mit lucullischem Behagen, während die politischen Gefangenen, seine Mitschuldigen, zu Tausenden im Kerker verhungern und vermodern. Der liberaleMassai", derWie- derherstetter der italischen Nationalität" liest die schamlosen Sophistereien des JesuitenblatteSLUni- vers mit Entzücken und liegt in Fehde mit Sar­dinien, dem einzigen Staate Italiens, an dem der Pio nono, wie das Volk ihn sich einst dachte, seine stille Freude haben müßte!

Doch dieWeltgeschichte geht ihren ehernen Gang und sie benutzt häufig als blinde Werkzeuge diejenigen, welche in ihr Rad greifen zu dürfen vermeinen. Der letzte Papst sollte ein Mann seyn, an dem sich der alte Widerspruch, in welchem sich so viele Geister zerarbeiteten, jener kulturhistorische Unsinn:Priester und Fürst in einer Person", noch einmal in seiner ganzen Glorie dem Wien Jahrhundert veranschaulichen konnte. Es ist derselbe Papst, der jenen unglückseligen, in der Ver­bannung geworbenen Karl Albert zum Heiligen Unab­hängigkeitskrieg gegen Oesterreich durch seine vertrau­testen Sendboten aufgefordert uno gegen Oesterreich konspirirt hat: darüber ist längst jeder Zweifel ver­schwunden. Sollte er nicht wenigstens an dein Sohne gut zu machen suchen, was er dem Vater, wenn auch damals ohne böse Absicht, Uebels that? Doch kann ein Papst gerecht sein, wo das Priefterinteresse das Gegentheil gebietet ? Sardinien, viele Jahre hindurch eine Hauptdomäne der Jünger Loyolas, hat es gewagt, an diesem Joche zu rütteln, es hat einen Anlauf zu einem modernen Staatsleben genommen, also Fluch ihm! Ja, dieses Königreich, das auf der einen Seite einen unversöhnten übermächtigen Femd in Oesterreich, auf der andern einen zweideutigen Freund in der jetzi­ge» französischen Präsidialregicru-P hat, das von der Heiligen Miliz in Klöstern und erzbischöflichen Palästen fortwährend auch von innen her bedroht ist, während seine schweren Kriegswunden kaum zu vernarben anfan­gen: fürwahr es hat einen so harten Stand, das es leider nur mühsam und unter steten Schwankungen einer besseren Zukunft entgegenzuschreiten vermag. ^u seiner politischen Lage kommt, daß seine Regierung nichts weniger als eine so demokratische ist, daß sie eine fuync Politik auf ihre Fahne zu schreiben und die Begeisterung des Volkes neu zu entstammen wagen mochte. Sie ist monarchisch -konstitu loiiell aus Prinzip und Neigung, doch sie meint es wenigstens ehrlich mit der so theuer erkauften, heilig beschworenen und noch so vielgefähr- deten konstitutionellen Staatsform. Dem Fortschritte nach Kräften aufrichtig ergeben, will sie Aufklärung des Geistes und Hebung des materiellen Wohlstandes. Das Gute für Alle wollend, glaubt sie an den Sieg des Fortschritts und hält das Beste für das Erstrebens- wertheste. Das ist viel, unendlich viel, zumal in Ita­lien. Ihr Muster ist Belgien zunächst. Sie will Ruhe und Friede, Erstarkung und Erfrischung in der Weise, i wie Belgien dies Ziel seit 1830 verfolgte, doch klüg- i

llch den dort gemachten Erfahrungen Rechnung tragend, sucht sie die Uebergrifle der klerikalen Partei mit Umsicht und Energie so viel wie möglich nievcrzuhalten.

Als Belgien seine Unabhängigkeit erlangte, stand es bereits in industrieller Beziehung auf der Höhe der Zeit und der Handel von Antwerpen bedurfte nur der Ruhe, um sich aus eigener Schwungkraft zu glänzenden Re­sultaten zu steigern. So glücklich ist Sardinien nicht. Wohl hat auch es in Genua einen wichtigen Seehafen, der wieder ein Weltemporium durch seine Lage werden kann; wohl hat auch es unlerucpmenve Köpfe und gern erb fleißige Hände; wohl darf auch es auf eine durch Han­del und Schifffahrt blühende Vorzeit stolz zurückwei- sen; aber jene Blüthe Genuas liegt so weit ab in dec Vorzeit, daß fast alle Verbindungsglieder mit dem Da­mals und Jetzt abhanden gekommen sind. Sardiniens Gèiverbthätigkeit muß erst nach modernen Bedürfnisse,r und nach den neuesten Ersinvungen der Mechanik uno Wissenschaft gehoben werden; die moderne Auf lärung dringt nur erst langsam in die unter Priesterdruck so lange verdumpften Herzen und Sinne ein, und das Vertrauen des auswärtigen Handclspublckums ist eine Pflanze, die nur langsam auf fremdem Boden gedeiht. AuswaitigeHülfe ist daher unumgänglich. Doch wo sie finden V In England?

Der Brite hilft nie ohne Unterpfand, ohne Pco- cente. Mber demungeachtet wird Sardinien in diese parte Schule zu gegen sich enl;chließen müssen; denn es hat keine Wahl. Die britische Handelspolitik weiß aus eigener Erfahrung, daß nur geordnete Staatsverhält- inge zu dauerndem Frieden führen, daß gesunde Ruhe und Zufriedenheit aber überall unumgänglich nöthig zuin Vertrauen in Sachen der Politik, wie des Handels und Wandels sind. Von Diesem Gesichtspunkte aus­gehend, bietet Die englische .Regierung Sardinien poli- tilchen Schutz zur Vollfüprung seiner innern Entfal­tung, es bietet Geldmittel, um Genua zu einem Ha­fen ersten Ranges zu erheben uno Absatzwege zu Han­del uno Wandel. Allerdings betreibt Großbritannittt dies seinetwegen zunächst, doch als kluger Ge­schäftsfreund, greift es Die Sache so an, daß auch die Mitbetheiligten vollfommeii ihren Vortheil dabei ge, wahrt sehen.

Oesterreichs Einfluß auf der apenninischen Halb­insel zu brechen, ist allen Italienern Parole. England kann dies nur wünschen, Sardinien muß dies als seine Lebensfrage wollen. Schon sind Die Dinge so weit gediehen, daß die Wiener Regierungsblätter Sturm lauten. Ein Handelsvertrag zwischen Sardinien und England ist laut derReichszeitUng" bereits so gut als ein »satt ueooinpV" zu betrachten; und einem andern Wiener Blatte zufolge ist es gleichfalls bereits im Werke, mit englischem Gelde in Genua großartige Decks zu bauen und diesen Platz dann zu einem Freihafen zu erheben, Londoner Unternehmer sind eS auch, welche Die Kapis lallen zur Ausführung Der Lukomanier- Essenbahn an^ bieten, und nach italienischen Berichten soll ein ttahent.

Zwei Republikaner von Carl BSIsche.

(3m Verlage von Meidinger zu Frankfurt a. M.)

(Fortsetzung.)

Die weisen israelitischen Patriarchen trieben damals noch eifrig die französische Gartencultur: statt die jungen Bäume frisch und frei in Den Himmel hi ne in wachsen zu lassen, schor man sie zu Affen und Bären, Pfauen und allerlei Gethier zurecht, damit sie in der Welt nicht Aergerniß noch Anstoß erregen möchten. Als der alte Großvater bei einem Besuche in Frankfurt seine drei Enkel vor sich kommen ließ, war der zweite, Lob, so scheu und wurde er dafür so ächt orientalisch gescholten, daß der Finanzagent begütigend sagte:Laßt mir den Jungen gehen, das gibt noch einmal einen großen Mann!" Oft gedachte Börne dieser Prophezeihung später scherzend und sie ist in Erfüllung gegangen, nur anders, als der alte Diplomat es dachte. B öruc 's Jugendlehrer, Jacob Sachs, zwar ein Reformjude aus der Berliner Schule, kam mit der Verpflichtung in's Haus, die drei Kinder streng orthodox zu unterrichten. Daß er sich dieser Censur gefügt, ist so gewiß, wie daß ihm Dennoch wohl manches Samenkorn von Moses Meudelsohn's und Lessing's Geiste mit durch die Haud geschlüpt sein mag. Denn früh schon machte sich in Löb's Herzen eine Richtung geltend, die in merklichem Widerspruche mit dem Talmund stand. Als dem Lehrer die Zöglinge vor­

geführt wurden, fragte er:Ist das ein aufgeuommencs Kind?" Die Mutter lachte; aber der scheue Löb war und blieb in der That nur ausgenommen in einem Kreise, an den ihn nichts fesselte, als der Zufall der Geburt. Das Haus war eng und beschränkt, wie Die Herzen seiner Bewohner: dem Knabcu geistig und leib­lich ein Gefängniß. Auch fehlte es in der Klause nicht an einer häßlichen Kreuzspinne, einer alten Magd, Die als Faktotum sich gebahrte und Den schwächlichen, in sich gekehrten Löb nicht leiden konnte. Die alteElle" schalt ihn einenKatcv", einen Spötter, in dem sie be« reits allerlei ketzerische Einfälle und Gelüste wittern mochte.

Ditse peinlichen Jugcndeiudrücke wurden durch den geflissentlichen Mangel, zu dem des Knaben Talent im Unterricht verdammt war, gesteigert. Das ewige Ap- füttern mit hebräischem Schriftthum und jüdischem Cere- mouiell wäre bei einem minder tiefen Gemüthe voll­kommen geeignet gewesen, jedes religiöse Gefühl im Keime zu ersticken. Aber es weckte in Börne nur Die Oppo- ! ftti0n gegen die Geistlosigkeit und Dürre jedes For- ! melwcsens. Sein Religionssinn schlug nach innen und I bildete sich um so tiefer aus, je gehcimnißvvller er gc= j pflegt werden mußte.Das ist dumm!" lautete des i Knaben stehende Abfertigung gegen Alles, was seiner - Natur zuwider schien. Schon hier kündete sich B ö rn e's milde Weltanschauung an. Aus der Beschränktheit ans dem Mangel an Aufklärung, aus der Erbbornirthcit erklärte er sich das Alberne, V »drehte, Gemeine mid

Unmenschliche auf der Welt. In Der Dummheit er­blickte er Die Hayptwurzel alles Ikbdo, alles Druckes, aller Tl)raniiei. Daß ein kluger Mensch ein Sclao auf geistigem ui'd sozialem G biete bleiben könne, bauchte ihm schon damals unbegreiflich. Ob BKr üe Spinoza 's Werke stndirr habe, darüber ist mir nie etwas Bestimmtes zu Ohren gekommen ; in B ö r n c 's W ltanschauung zeigt sich indeß von Kindesbeinen an eine so frappante Verwandtschaft mit jenem großen Weisen, daß es mich wundert, wie diese Erscheinung bisher gänzlich unbeachtet bleiben mochte.

Weil Borne schon damals die Menschen und Ver­hältnisse mit dem Gemüth e beurteilte, sah er überall Gutes in der liefe. Deshalb erzürnte oder erfreute sich Der Knabe selten grenzenlos über etwas. Was ihn unangenehm afficirte, empfand er in der Regel weniger als etwas durchaus Schlechtes, denn als die bloße Ver­zerrung oder Verkrüppelung des an sich Guten. Diese durch und durch humane Anschauung vom U^bel in der W lt, findet im Gemüthe und nicht im V rstande ihre Erklärnng. So lange die Dummheit naiv war und sich nur selber schadete oder andere nur absichtslos benach- theiligte, aus purem Unverstand klagte er:Wenn sie nur klüger wären!" Doch sobald die Beschränktheit geflis- Ientlieh Andere kränken, unterdrücken und beherrschen wollte, sobald sie sich gegen das erkannte Bestere selbstisch versiockte, nahm er den Fehdehandschuh gegen sie auf. Daun war die Nachsicht zu Ende, dann wurde sein Zorn cücksi^tslos." sFortsetzung folgt.)