Einzelbild herunterladen
 

Freiheit und Neeht!"

gwu^»rW^.^...w«»lMJi^»i^^.a.lgBM9 ................ -, . ! gg."Ji.ft«"« ........... 'Hiili II IHM « ^iinu i gggggMeBMMEB

^ 212 Wiesbaden Samstag 7. September 1850.

Ik , gtete Zeitung" erschaut, mit ÄuSnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der AbonnementSpretS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden t (L 45 h aus- wârtö durch die Post bezogen mit verhältnißmäHtgem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Berbreitung derFreien Zeitung" stets von wlrt- samem Erfolge. Die Juserationögebühren betragen für die vierspaltig« PKttzeil« 3 Kreuzer.

ttaayWgg esN^«-»'»»^^SüüSr^-r,^^.u.-.-^-ä--»SLll-»«»«E-^^->,>»^S-»«--!M!--W-SS> " BJ* ' '-^"tn-muL-- .'.»_ il'r i; ..... utgggli-UuM. l. i I» > 1 i. JHIiilLHBHW B^i

Proudhons Volksbank.

d£ Zwischen den Theilnehmern der Volksbank herrscht Solidarität, d. h. einer haftet für alle und alle für einen. Die Gesellschaft geht von dem Grundsätze aus:jedes Kapital an und für sich ist un­fruchtbar." Um aber diesen Grundsatz ins Leben einführen zu können, bedarf sie eines bestimmten Ka­pitales Proudhon setzt als das Kapital einer in Pa­ris zu errichtenden Volksbank 5 Millionen Franken fest und erklärt die Gesellschaft für endgiltig eonstituirt, wenn 10,000 Aktien, die Aktie zu 5 Franken, gezeich­net sind. Die Aktien lauten sämmtlich auf den Namen; die Uebertragung ist nur gültig, wenn sie im Verwal- tunasbureau vorgenommen worden ist. DleBankgibt

Noten" aus und jeder Theilnehmer der Gesellschaft verpflichtet sich, dieselben als baares Geld anzuerkennen. Während die Noten einer gewöhnlichen Bank in Geld zahlbar sind, ist bas Papier der Volksbank eine Lle- ferunqsa»Weisung, welche nach Sicht von jedem Mitgliede in Produkten oder Dienstleistungen seines Geschäftes auszuzahlen ist. Die Volksbank ver­abreicht ihre Noten nicht nur gegen gleich baare Be­zahluna, gegen Versatz von Waaren und gegen Zin­sen sondern auch gegen Garantien, welche fn'der Persönlichkeit als arbeitendem und sittlichem Wesen liegen.

Wer gegen Waaren eine Note der Volksbank er­hielt, ist als eine Person anzusehen, der die Bank die genannten Waaren gegen den Werth der Note abge­kauft hat. Innerhalb einer bestimmten Zeit kann der Verkäufer gegen Erstattung der ihm gemachten Vor­schüsse seine Waaren wieder zurücknehmen; ist ver­min verflossen, dann werden sie öffentlich versteigert. Der Ueberschuß des durch die Versteige­rung über den Versatzpreis erzielten Er­löses gehört von Rechts wegen dem Ver­käufer der Waare. Was die gegen Zinsen ge­machten Darlehen betrifft, so darf der Zinsfuß 2 Pro­zent nicht übersteigen und muß mehr und mehr abneh. men. Was an Zinsen rc. mehr cmgeht, als die Ver­waltung kostet, wird zum Kapital der Bank geschlagen, die Aktionäre erhalten keine Zinsen, keine Divi­dende Das wären in Kürze die wejentlichsten Eigen­thümlichkeiten von Prondhons Volksbank. Sie geht offenbar darauf aus, einen demokratlsch-sozlalen Staat inmitten der bestehenden Gesellfchaft zu errichten und ihn mit der Fähigkeit auszustatten, letztere aUmahltg in sich aufzulösen. Diefe demokratifch-sozialiftifche Insel muß aber wenn sie einst die Welt werden will, zu­nächst selbst eine Welt im Kleinen sein: es muffen in ihr alle Gesellschaftselemente ihre Vertretung finden. Die Noten, welche die Bank abgibt, ersetzen den Em­pfängern nur dann das baare Geld, wenn Produzen­ten aller Art Mitglieder der Gesellschaft find. Befin­det sich z. B. innerhalb derer, welche die Noten der

Zwei Republikaner von Carl Bölsche.

(3m Verlage von M-idinger zu Frankfurt a. M.)

lFortsetzung.)

^ Wenden wir uns nun zu Ludwig Börne. So verschieden auch Börnes und Carrels Individua­litäten sind, so lassen sie doch in den eigentlichen Tie­fen des Wesens Gemeinsames erkennen, so bilden sie dennoch Glieder einer Gattung. Die Verschieden­heiten dieser Charaktere reduziren sich auf den Gegen­satz zwischen französischem und deutschem National­charakter, und ihr Gemeinsames ist das, was den der- cinstigcn Bund beider Nationen möglich macht und verbürgt. Bei Carrel ist es der frische Instinkt der That, bei Börne mehr das sorgfältige Abwägen auf der Gedankenwage, was die striftstellerische Thätigkeit charakterisirt. Carrel hat die Feder mit dem Schwerte vertauscht, Börnes Schwert ist die Feder. Carrels Wirken gleicht dem Sturme, der die morschen Stämme zerbricht, Börnes Wirken mehr dem stillen aber schar­fen Säuseln, das die ausgelebten Blätter und Zweige abschüttelt. Um denfertigen" Börne verstehen und bewundern zu können, müssen wir den Prozeß seines Werdens belauschen. Wandern wir daher mit Bolsche zunächst au die Geburtsstätte unseres Helden, nach der Stadt Frankfurt: '

Volksbank als baares Geld anerkennen, kein Bäcker, dann können eben die Besitzer von Banknoten mit­telst derselben kein Brod beziehen. Die Verflich- tulig, jeden Augenblick für die Noten den Nennwerth auszuzahlen, darf die Volksbank offenbar nicht aus­sprechen, ohne ihren Charakter zu verwischen, ohne zur gewöhnlichen Bank herabzusinken. Das Streben der Volksbank ist ja dahin gerichtet, die Geld macht zu entthronen, den Austausch der Produktionen, der Dienstleistungen zu organifiren, den Credit mehr und mehr vom Gelde zu emanzipiren und ihn einzig und allein vom persönlichen Werthe abhängig zu machen. Auch eine gewöhnliche Bank gibt an Noten eine größere Summe aus, als ihr Kapital beträgt und indem sie die Verpflichtung ausspricht, jeden Augenblick die No­ten gegen baares Geld einzulösen, spekulirt sie darauf, daß ihr Kapital im schlimmsten Falle wenigstens für die Noteninhaber ausreichen werde, welche durch die Verhältnisse gezwungen sind, baares Geld einzutauschen. Bei der Volksbank verlangt cs aber das Prinzip, daß die Verpflichtung des Baaraustausches nicht ausge­sprochen werde. Ein Kapital muß aber trotzdem die Volksbank haben und zwar aus folgenden Gründen

1) Ihr Hauptvorzug ist ja der, daß sie ihre Noten nicht nur gegen Geld-, sondern auch gegen persönliche Garantien verabreicht. In Beziehung auf den persönlichen Werth wird sich aber die Verwaltung häufig täuschen ; damit nun namentlich in den Augen der Aengstlichen das Unternehmen in Folge solcher Unvermeidlichkeiten nicht in Mißkredit komme, muß das handgreifliche Ka­pital im Hintergründe stehen; ein Kapital, durch wel­ches sogar nötigenfalls diejenigen entschädigt werden können, welchen der Mißgriff der Verwaltung bezüg­lich der persönlichen Garantie sich fühlbar macht. 2) Die Gesellschaft ist ja ringsum von der Welt des Geldes umgeben, sie muß daher selbst Geld haben, um mit ihrer Umgebung anmüpfen und verkehren zu können. Daß keine Dividende, kein Zins an die Ak­tionäre gegeben, daß vielmehr der reine Gewinn zum Baarkapital geschlagen wird, ist der consequente Aus­fluß von Proudhons Prinzip.

Wenn die Aktionäre von der Gesellschaft mehr hätten als jeder ändere Theilnehmer, so wäre ja wie­derum das Geldprivelegium anerkannt. Das Baarkapital wird freilich nur von solchen gegeben wer­den, welche die Prinzipien des Sozialismus anerken­nend, durch ihren Besitz die Privilegien des Geldes zu stürzen entschlossen sind, denen also das Verzichten auf Dividende und Zins kein Opfer, sondern nur ein Genügen ihrer selbst ist. Haben derartige Persönlich­keiten ein anständiges Kapital zusammengeschossen, dann ist eine Grundlage vorhanden, deren Solidität auch die Gegner des Prinzips anerkennen. Magnete aber, um mehr und mehr die Elemente der alten Gesellschaft in den Kreis der Volksbank zu ziehen, sind in Menge vorhanden. Wir erwähnen nur: die Art und Weise, wie die Volksbank mit Pfändern verfährt, die all-

Am 22. Mai 1786 wurde in der Judengassc zu

Frankfurt am Main ein schwächliches Knâblein geboren, der zweite Sohn seiner Eltern. Im Vaterhanse hieß das Kind Lob Baruch, in der Geschichte führt es den unsterblichen Namen Ludwig Börne. Geburtsjahr, Geburtsstadt und Geburtsstätie, zur Seelenkunde jedes begabten Menschen wichtig, sind hier von ganz beson­derer Bedeutung. Die Geburtsstätte mit ihrem jüdischen Austcrnwescn, die dem Knaben am Meisten zu schaffen machte, wurde von ihm am Frühesten überwunden; die Ge- burtsstadt, die Werkstätte des Mannes und seine Folter­bank, verwand sich schon schwerer; die Geburtsepoche, am Anfänge jener großen Staatew und Jdeenrevvlution, die sich wie ein rother Faden durch unser ganzes Zeitalter zieht, erhob den Schriftsteller immer ausschließlicher zu ihr, m Organe, je selbstständiger er sich als Mensch seinen individuellen Verhältnissen gegenüber stellte.

Die unblutigen, doch nicht minder folgenreichen Schlachten waren geschlagen, in denen die Aufklärer der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, die Les­sing und Moses Mendelsolm iwan, der alten Glau- bensstarrheit und Gewissenspein des verknöcherten Spieß­bürgerthums einen Fuß breit nach dem andern abnahmen, j Ideen waren hinausgeschlendert worden in die stille Welt, swicksalsschwangerc Saaten, die in den Köpfen Vieler ! langsam zu keimen begonnen hatten, doch von den Wenigsten 1 schon in ihrer ganzen Tiefe begriffen und von noch Wenigeren in ihrer vollen Lebmsberechtigung gewürdigt

mählige Herabsetzung des Zinsfußes, die Verabreichung von Noten auf rein persönliche Eigenschaften hin u. s. w^ Je mehr aber das Unternehmen abwirft, desto besser können diese Zwecke erreicht werden, da ihnen ja der ganze Gewinn zugewendet wird.

Afstsenverhandlunqe» zu Wiesbaden.

Vierter Prozeß.

Anklage gegen Adam Korbach von Schön­berg, wegen Fälschung und Betrugs.

$ Wiesbaden, 6. September. Präsident: Herr Oberappellationsgerichtsrath Langhans; Staatsan­walt: Herr Staatsprokurator Reichmann; Verthei­diger: Herr Prokurator Cramer.

Da der Angeklagte nicht erschienen ist, so tritt das ContumacmIverfahren ein.

Es wird ihm zur Last gelegt, daß er sich am 2teu Pfingsttage laufenden Jahres durch einen auf den Na­men des Anton Jäger von Schönberg geschriebenen Brief von dem Kaufmanne Johann Adam Christ zu Grönberg 2 fl. widerrechtlich verschafft hat. Er war in der Voruntersuchung des Verbrechens, das er auch aus Noth begangen haben will, geständig. Wegen Diebstahls ist er schon einmal bestraft worden.

Nach Verlesung der auf den Eintritt beSMontu- macialverfahrens bezüglichen Gesetzesstellen wird der An­geklagte zu einer Correctionshausstcafe von 6 Monaten und in die Kosten verurtheilt. Ferner wird die Be­schlagnahme seines Vermögens und der Verlust seiner ! staatsbürgerlichen Rechte verfügt.

MerLèfâLLRK.

ZZ Mainz, 5. September. Baden, Sachsen, Württemberg, Kurhessen, find es noch konstitutionelle Staaten oder nicht? Welch eine Wirthschaft in diesen unglücklichen Ländern! Baven und Sachsen sind nur noch Schatten, welche ein Scheinleben führen, kalt und öve, wie dürre Blatter, die der erste Herbstwind vom Baume reißen wird. Um die Revolution zu erschlagen, machten sie es gleich dem Wahnsinnigen, der, um ei­nem Schlafenden die Fliegen abzuwehren, mit dem Hammer darnach schlug und dem Schläfer das Hirn zermalmte. Wo zwischen Regierung und Volk eine solche Kluft befestigt ist, da hort das gesunde Zusam­menwirken der Staatsgewalten auf und jede Hülfe ist vergeblich. Auch in Kurhessen ist in diesen Tagen das Vertrauen des Volkes gemordet worden; der Eigen­wille eines Einzelnen will sich dem Lande als Gesetz auforingen: das ist kein Verfassungsstaat mehr, das ist die Proklamirung der Despotie, wie sie im Orient besteht. Wen Gott verderben will, den schlägt er mit Blindheit! Sollte man nicht fast versucht werden, an ein Verhängniß zu glauben, wenn man sieht, wie die Regierungen der deutschen Kleinstaaten, je mehr Deutschland zur Einheit reift, in heilloser Verblendung grade alles das thun, was sie am Sorglichsten zu ver-

wurden. Das freie Denken, das rein menschliche Empfin­den, die Ueberzeugung von der Gleichberechtigung aller Bürger in und zu Allem in der Gesellschaft, in Staal und Kirche, diese Liebe, diese Toleranz, sie galten theo­retisch zwar bei vielenGebildeten" als Ltbensregel; aber Kebcnofmi und Strebeziel wai cn sie nur erst ausnahms­weise. Von der Theorie zur Praxis, von der Ansicht zur Landiungsw.ise war von jeher ein weiter Weg, der

weiteste aber im Heiligen römischen Reiche deutscher Sta­tion. Es bedurfte des wellerschütterten Gewitters, das von Westen kain, und der darauf folgenden langen Kriegcs- stürme, um in den Herzen nach und nach die harten Schollen aufzureißen und den ueueu Saaten zwischen dem Unkraut der alten Vvrurtheile Luft und Licht zu verschaffen. Härter aber war der Boden nirgends, als in den alten Reichsstädten. Hier wurden die unsinnigsten Satzungen des Kastenswesens noch mit wahrhaft in­discher Widersiniilgkeit heilig gehalten. In allen deutschen Landen drückten Fürsten und Adel den Bürger und Bauer und alle vier christlichen Kasten drückten den Paria des Abendlandes, den Juden. Aber cs war keineswegs ein lebhafter Krieg Aller gegen Atte, sondern nur ein starres dtiederhalten von Seiten rer jedes­maligen oberen Schichten gegen die ihnen unter den Füßen liegenden unteren.

In den Judengasscn, auf denen die vier christlichen Schichten der Gesellschaft am schwersten lagerten, war die Bewegung daher am Schwierigsten. Die Starrheit