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„Freiheit und Neeht!"
jyo 211» Wiesbaden. Freitag, 6. September 1850.
A it Freie JeUuM" erscheint, mit âuänajme 6; 6 MomaaS. tu,,1.» in einem Sogen. — »)er AoonnemeniöpreiS betragt v ierietlayrlg hier in Wiesbaden 1 45 tr au w.rlS durch die ’pm vezogen mit verhältnißtnâßigem Anftchiage. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen uns iiuv bei der großen Ärrdreitung der ,Greten in tu na- tzeto dm n- fuSIlftn Erfolge. Die 3 iferationSgebüßren betragen für die vierspalttge Petttzeile 3 Kreuzer.
Preuße» und die Unionsregierutigen.
y 3h Folge eines am 26. August vom gürfteiu fâguun gefaßten Beschlußes haben sämmtliche UüionSregicrungen eine ablehnende Antwort auf Oesterreichs Einladung zur Bcfchicknng des Bundes- luas in At ans flirt ergehen lassen. Diese Nachricht wird von den neuesten halbofsifiellen Blättern des preußi-
Kabinets veröffentlicht und dadurch die unver- schämte Erklärung der Frankfurter Oberpostamtszeitung zurückgewiesen, daß am 2. September „.die Bundesversammlung förmlich im vollen Umfange ihre verfassungsmäßige Thätigkeit angetreten habe."
Am 2 September war man laut der „Köln. Ztg." in sonst gut unterrichteten Kreisen noch zweifelhaft, ob Nassau sich diesem Schritte angeschloffen Vornan hoffte es jedoch. Da in obiger halbosfizielleu Nachricht aber von sämmtlichen Unionsregierungen die Neve ist, so werden wohl auch Nassau und Braunschweig dabei sein. „ . , ...
Hamburg war mit gutem Bespiele bereits voran- aeaanaen weil ihm Ungebührliches von Frankfurt zu- Vries für Ml öftmEch-n «un°èg »G S-n gr- schickt, worin is in entschiedener Weise BeiwahUing «egen die ihm augesounene Vertretung in de^ Efchen- khnev Gasse durch seine liebenswürdige Schwester Frankfurt, einlegte und erklärte, es wolle weder durch diese Stadt noch überhaupt durch Jemand am Bundestage vertreten und betheiligt sein.
Uebrigeus ist mit diesem gemein,chastlichen Schritte der Unionsregierungen für Deutjchlands Freiheit und Eüiheit wohl nur gerade so viel gstchehen als früher m,t dem Erfurter Parlamente. Denn höchst wahrscheinlich wird dieser Protest eben nur ein Protest wie so viele andere bleiben, ein Stuck Pergament, ein Aktenstück mehr für den Geschichtschreiber unserer tiefsten Zerrissenheit und Erniedrigung. Nach allen Anzeichen nämlich wird die ganze Union zuletzt darauf hmaus- laufen daß die dazu verbundenen Regierungen sich in materieller und administrativer" Beziehung mehr gleichmäßig gestalten, mit andern Worten, daß sie einen emirn Papiergeld- und Zollverein festhalten, wobei Preußen den Ausschlag mehr als je giebt und sich natürlich zunächst bedenkt; daß sie ferner sich nach dem Muster der preuß. Verwaltung;», pitzeu, sich mit Friedens- enaeU in der Pickelhaube umgeben, auch Die Schul- fteUcn gelegentlich durch verdiente Unteroffiziere besetzen, die Presse unter Kaution stellen nud vielleicht auch die Vereine daß sie die freien Gemeinden als politische Klubs betrachten u. s. w., kurz, daß sie die sämmtlichen Volks- beglückungsideen des „Jntelligenzstaates" übernehmen.
Die wichtigsten Seiten der Union dagegen, die par- lamentarische und militärische, werden, mit Ausnahme der gemeinschaftlichen Waffenrocke und Pickelhauben worin der König von Preußen überall und selbst in
Oesterreich Konzessionen erhält — dem Wiener Kabi- m ite zum Opfer gebracht werden. Während Rußland und Oesterreich den Unionsstaaten gern das Vergnügen gönnen, sich nach dem preußischen Verwaltungöfchnitte zu modeln, sind sie desto eifersüchtiger auf den Ernst, der sich etwa aus der Union entwickeln konnte, wenn man vergäße ihr von fornherein die Tatzen abzuhauen. Der Union soll die Lebensfähigkeit im Parlamente und die Wehrhaftigkeit der Kriegöführung genommen werden. Kann sie in Zeiten der Gefahr und den Ueber» griffen ihrer Gegner gegenüber sich nicht durch Berührung mit dem Volke im Parlamente stärken und kann sie im Nothfälle nicht als Union sich mit den Waffen in der Hand wehren, so ist sie das fünfte Rad am Wagen, eine politische Nullität nud nichts weiter. Uno dies ist ja der Zweck. Es wird daher so lange mit Noten hinüber und herüber operirt werden, bis Herr v. Nadowitz der Sache müde wird und „sich zum Zweck legt."
Wie wenig auf den ersten Blick dieses traurige Ende sich mit Preußens Interessen zu vertragen scheint, so ist das Berliner Kabinct doch in so mannigfachen Verlegenheiten und Herr von Manteuffel so wenig deutsch gesinnt, daß es durchaus nicht verwundern darf, wenn man die nächsten Sorgen zunächst zu beschwichtigen sucht und sich in Betreff der Arrondirungen mir dem Spruche tröstet: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Unter diesen peinlichen Verlegenheiten steht die schleswig- holsteinische obenan. Palmerston hat Preußen aufge- fordert, die Statthalterschaft zur Raison zu bringen und nöthigen Falls Holstein mit Krieg zu beziehen; Preußen hat dies abgelehnt: was nun, wenn sich die Londoner Zumuthung in stärkeren Ausdrücken wiederholen sollte? Falls dies sich als wahrstheiulich heraus- stellt, dürfen wir uns darauf verlassen, Da^^tUifen noch einmal auf Ke^anen tosgelassen wird, um entweder durch einen Sieg bessere Ehaneen zu gewinnen oder durch eine entschiedene Niederlage und die darauf folgende Besetzung Holsteins durch Die Dänen die Sache sich selbst erledigen zu lassen und der immerhin sehr demüthigenden Intervention mit preußischen Bajonneten zu entgehen.
Daß Die schleswig-holsteinische Frage so entschieden werde, wie die Großmächte es wünschen, sann Preußen nur lieb sein, wenn es Die große Polnik anfgwt — was ja doch offenbar der Fall ist — nud sich nur auf die Beseitigung der nächsten Fatalitäten beschränkt. Die neuenburgische Frage nämlich hängt mit Der schles- wig'schen eng zusammen, so wenig beide auch sonst gemein zu haben scheinen. Denn Die Großmächte, welch n in Dieser Angelegenheit Preußen entgegcnsteht, sollen sich geneigt zeigen, sobald SchleSwig-Hviitein pacisicirt sei, mit der Schweiz wegen N nenburg so katbegorisch zu reden, daß der König von Preußen seine Freude daran haben werde. Um niM auf Neuenburg verzievwu zu müssen, wird man also in Potsdam auf llnterstüyung der schleswig'fchcn Sache verzichten, und verzichten zu-
qKich auf eine starke Union. Man opfert Großes, um Klein 0 zu reiten — das gewöhnlich Ende aller Halbheiten und llnschlnssigkeiteu.
Rede des Prafidenten Hru. La»gha»ts, gehalten bei Eröffnung der diesjährigen außerordentlichen September-Assisku zu
Wiesbaden.
Im Begriff, die ersten außerordentlichen Assisen in unserem Herzogthum für eröffnet zu erflären, bin ich — ich kann und mag das nicht bergen — zu meinem großen Leidwesen, zu meiner großen Bekümmerniß nicht in der Lage, dies als ein günstiges Zeichen zu betrach- ten, und deshalb ein erfreuliches Wort an Sie, meine Herren, zu richten. Jeder, dem das Wohl des großen Ganzen und seiner Mitbürger am Herzen liegt, wird, ich bin fest, hiervon durchdrungen, diese Gefühle theilen Zu beklagen ist am meisten, daß in Dem hiesigen Hof- gerichtsbezirk, der doch durch die Natur so vielfach begünstigt und wahrhaft bevorzugt ist, diese außerge- i wohnliche Maaßregel zuerst und so sehr schnell nothwendig geworden ist
Die örventlicheii Assisen des hiesigen Bezirks haben bereits in diesem Vierteljahre Drei volle Wochen gedauert, am 15. Juli wurden sie eröffnet, und erst am 4. August geschlossen. ES wurden in zwei Fällen, wegen der Schwere des Verbrechens, lebenslängliche Zuchthausstrafe ausgesprochen. In den übrigen Fällen wurden Zilchthausstrafen von 8, 7, 3 und 2 Jahren und Eorrektioushausstrafen bis zu z>vei Jahren erkannt. Eine einzige Untersuchung gegen eilf Aizâ'g^ theilt allein sechs volle Tage in Anspruch. ’ ,
Die Zeit von 3 Wochen reichte jur Vorbereitung und Aburtheilung aller Straffälle nic^hin. Die Aii- oroiiung außerordentlicher Assisen, Die Einberufung neuer Geschworenen au Die Stelle der vielfach in Anspruch genommenen früheren, war nicht zu umgehen, und bereits sind jetzt schon so viele Sachen vorbereitet, daß auch Die eben beginnenden Sitzungen bis in die dritte Woche dauern, und der Schluß derselben vordem 18. September nicht erfolgen wird.
Nicht günstiger sind die Aussichten für die A sisen des IV. Quartals. Ji voriger Woche noch waren 61 Uutersuchungsgefaugene in dem hiesigen Crimlnalge' fängntß in Untersuchungshaft. Heute sind es noch 60 Personen. Gerade Die am günstigsten gelegenen Striche unseres Bezirks, dem Main und Rhein entlang, liefern die reichlichsten Beiträge hierzu und zur Beschäftigung der Assisen.
Wenn ich den von der Natur im Durchschnitte weit stiefmütterlicher behandelten, dabei dennoch nicht weniger zahlreich bevölkerten Hofgerichcjbezirk Dillenburg erwähne, so werden Sie die bemioenoe Betrachtung, die sich, wie erwähnt, für uns hieran knüpfen, vollkominen bestätigt und gerechtfertigt finden.
Der Orkan am Bierwatdstädter - See.
(Schluß.)
Mehrere scharfsinnige Meteorologen der neuern Zeit teilten keineswegs die vormals herrschende Ansicht, daß die Elektrizität die erste veranlassende Ursache Der Bildung von Gewittern sei. sDie während des Gewitters in großer Menge frei werdende Elektrizität ist wahrscheinlich nur die begleitende Erscheinung und Wie» verschlüge, obwohl ihre Entladung zum raschen Verlauf der Gewitter und zu den vielen Abwechselungen während ihres Ausbruchs wesentlich beizutragen scheint Man kann wohl annehmen, daß bei Dem Gewitter am 23. August weniger eine übergroße Menge von Elektrizität, als die entgegengesetzte elektrische Beschaffenheit Der Wolkenschichten zur Entstehung der gewaltigen Bewegung des Windes beigetragen haben möge. Bekgüntlich verursachen gleichförmig elektrische Wolken bei ihrem Niederschlag einen ruhigen gleichförmig fallenden Regen, welcher oft lange bloß die eine oder andere Elektrizität ohne den raschen Wechlel wie bet Gewittern zeigt. Wenige Sekunden bevor der Sturm in seiner vollen Stärke Seeburg erreichte, vergrößerten sich die weißen Wölkchen , welche mitten in Der dunkeln Wolkenmasse sichtbar waren; sie verkündigten wie gewöhnlich den Hagel, der sich mehr durch seine dichte Masse als durch sehr bedeutende Größe ausznchnetf. Die stärksten Schlossen mochten zwei Loth wiegen und
Meile in der Länge und höchstens eine Viertelmeile in der Breite. Bei Adligenschwyl und Ebckon find nur sehr geringe Spuren Der Verwüstung bemerkbar; am Fuß des Rigi ist kein Baum gefallen. Hätte die Wolken- mqsse sich eine Stunde weiter südwestlich gesenkt, so würde die ganze Kraft deS Windstoßes den Rigi getroffen haben und die eleganten Gasthäuser auf ihrer luftigen Höhe, welche mit einer sehr leichten Erschütterung davoukamen, hätten der Wuth des Orkans wohl so wenig widerstanden wie das Thürmleiu der Bar- süßerkirche und die Schornsteine in Luzern. Unter Dai Waldbäumeu haben die Buchen, unter den Obstbäumen die Nußbäume am kräftigsten widerstanden Von Buchen sah ich auf Dem Wege nach Meggen nicht eine einzige entwurzelt, obwohl davon gewaltige Eremplare mit sehr ausgedehnten Aesten am Saume der Landstraße stehen. Von Plantauen, welche bekanntlich tiefe. Wurzeln treiben, sind in der nächsten Umgebung von Luzern Die kolossalsten Individuen umgestürzt. Eichen haben sich noch weniger gut gehalten, und man sieht davon wahre Riesen am Boden. Bei Meggen be» merkte ich, daß jene Bäume, welche von starken Schlingpflanzen, besonders von Epheu, umrankt sind, vom Sturme nicht entwurzelt werden konnten. Es sind Dort ziemlich viele süße Kastanien, mehrn? von ganz ungewöhnlicher Größe und Dicke der Stämme. Der dünne Epheustamm , welcher, selbstständig wurzelnd, diese Bälune fest umflqmmert, diente ihnen offenbar zur
einen Zoll im Durchmesser haben, während sonst nach Schübler's Angabe bei sehr bedeutenden Hagelgewittern Körner bis zu vier Zoll im Durchmesser und ein halb Pfund Gewicht am Fuß Der Hochgebirge beobachtet worden sind. Die kurze Dauer und die bestimmte Be- gränzung des Phänomens sind besonders merkwürdige i Umstände. Nach fünf bis, sechs Minuten hatte, sich j die Wuth des Sturms und Ungewiters vollständig ! erschöpft. Der See war zehn Minuten lang in außerordentlicher Bewegung und die Wellen wurden zu einer Höhe aufgepeitscht, welche der stärksten Brandung, die ich an Der Nordsee beobachtete, wenig nachgab. Dann folgte eine fast gänzliche Ruhe und Stille. Eine Viertelstunde nach dem Anfang des Orkans war auf der Oberfläche nur jenes linde WeUengekräusel wahrnehmbar, welches man auch bei ganz reinem Horizont und stiller Luft wahrnimmt. Die gewöhnliche Dauer Der Gewitter am Vierwaldstätter See ist sonst zwei bis drei Stunden. Ebenso auffallend wie Die kurze Dauer war die bestimmte Begränzung des Sturmes. Er drang vom Fuß des Pilatus über den Luzerner See und folgte daun dem nordwestlichen Gestade des sogenannten Küßnachtersees. Bei Mürlischacheu, eine Viertelstunde unterhalb Meggen, war seine Kraft erschöpft. Bei der hohlen Gasse von Küstnacht ist kein Baum gefallen. In Arth spürte man nur einen gewöhnlichen Gewitterwind. Die Ausdehnung des ganzen Striches, welchen der Orkan durchzog, beträgt eine starke