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Heidelberg, 28. August. (D. Z.) Als heute der Prinz von Preußen, von Frankfurt kommend, die Stu- ftil zum Wartesaale der badischen Eisenbahn hinaufstieg, trat ihm ein Reisender entgegen, ein Schweizer aus dem Canton Bern, in der einen Hand sein Neisekäpp- chen und in der anderen seinen Paletot. Der Schweizer ^dete den Prinzen auf Französisch an, und sagte ihm, Preußen genieße bereits die größte Achtung in der Schweiz, und es würde nur ein Wort auszusprechen haben, um sich vollends die Sympathie aller Schweizer zu erwerben. Der Prinz fragte:Und welches wäre dieses Wort?"Renonciation (Verzichtleistung auf Neuenburg), antwortete der Schweizer.Vous nen- tendrez jamais ce mot la !" sagte der Prinz trocken und ging in den Saal.

rg Karlsruhe, 2. Sept. Es gibt noch immer Stimmen genug, welche sich trotz des Kriegszustandes mit Grimm über das jetzige Beucymeu ter zweiten Kammer äußern, weil es trotz der Revolution noch immer jchr viele Badenser gab, welche für das konstitutionelle Zweikammersystem schwärmten. Baden mußte in dieser Beziehung erst noch einen Kursus durchwachen, der uns jetzt gehalten wird. Wer wurde es glauben, daß die unst ihres Freimuthcs so berühmte badische zweite Kam­mer eine Geburtstagadresse an den Großherzog zu richten vermöge, worin sie den seitherigen Gang unserer Regie- runzspolitik vollkommen billigt? Und doch ist dem sv. Der Großherzog hat der Deputation mit den durchaus zu jener Adresse passenden Worten gedankt:Otte werde Ich müde werden in der Sorge für des Landes Wohl, mögen auch noch so schwere Prüfungen Mir auferlegt sein. Daß Recht, Treue und Ehre stets die Leiter meiner Handlungen sein werden, wird Niemand bezweifeln und ich werde sie, wie auch die Ereignisse sich gestalten mögen, zu vereinigen wissen mit einem Streben für das Wohl des weitern wie auch des engern Vaterlan­des." Amen!

Stuttgart, 1. Sept. (N. D. Ztg.) Gerüchte sonderbarer und ernster Art gehen seit gestern schüch­tern, noch nicht durch unsere gute Stadt und das Land oder durch die Presse, sondern vor der Hand erst von einzeln, sonst sehr gut unterrichteten Personen zu an­dern, Gerüchte, die nichts mehr und nichts weni­ger wissen wollen, als daß im Laufe der nächsten Woche ein königliches Manifest au dielieben und ge­treuen Württemberger" erlassen werden solle, welches denselben verkündigen wird, daß die Negierung es in dem wohl und gewissenhaft erwogenen Interesse des Landes erachtet habe, die alte Verfassung von 1819 aufzu heben und hiermit eine ganz schöne neue zu oktroyiren, da man sich sattsam über­zeugt habe, daß Landesversammlungen, nach dem Wahl­gesetze vom 1. Juli 1849 gewählt, nicht im Stande seien, eine solche in Vereinbarung mit der Negierung zuwege zu bringen; daß demgemäß das Wahlgesetz vom 1. Juli 1849 mit allgemeinem Wahlrecht natürlich ebenfalls beseitigt sei, und also die auf den 20. Sept, bereits ausgeschriebenen Wahlen nicht stattfindcn wer­den ; endlich, daß es gleichfalls im wohl und gewissen­haft erwogenen Interesse des Landes erachtet werden müsse, die Steuern vom 1. Sept, (also von heute) an vor der Hand unverwilligt fortzucrheben; im Ueb- rigen aber bleibe man den lieben und getrauen Wür­tembergernin Gnaden stets wohl beigethau."

Ulm, 1. Sept. (Deutsche K.) Gestern sind alle Arbeiter an der Festung entlassen worden und die Ar­beiten somit eingestellt. Der Schaden, der dadurch entsteht, ist bedeutend, denn alle Werke sind unbedeckt und der Witterung preisgegeben. Die Kasse ist voll­ständig erschöpft.

Kassel, 2. Sept. (Hornisse.) Die ganze erste Hälfte des ersten Aufgebots ist in den Dienst beordert worden. Das aktive Militär wird dadurch um mehr als das Doppelte verstärkt. Hr. Hassenpflug wird ver­muthlich ein Lager vor seiner Wohnung bilden lassen.

fast vollkommene Windstille. Der Bissiwind (Nord­wind), welcher hier regelmäßig jeden Morgen weht, und Der Föhn (Südwind), der ihn gegen Mittag zu ersetzen pflegt, waren kaum bemerkbar. Gegen 6 Uhr Abends zog sich ein Wvlkeiigebirge nordwestlich von der Stadt Luzern zwischen Dem Pilatus und Dem Emmenflüßchen zusammen, Dem gewöhnlichenWettcrlvch" unseres Sees, s Die verschiedenen Wolkenformen vereinigten sich zu einer j scharf abgegränzteu Gewitterwolke, welche Forster und Howard wahrscheinlich cumulo-stratus genannt haben würden. Der Anblick Dieser Wolke, welche ich am See- Ufer bei ihrem Entstehen sehr genau beobachtete, schien zwar keineswegs ein außergewöhnliches Naturcreigniß anzu- deutcii, hatte aber doch das Eigenthümliche einer sehr be­stimmten und scharf gezeichneten Abgränzung der dunkeln Dunstmasse, hinter welcher im Nvrdwestcn eine sonderbare Helle bemerkbar war, die ihren Rand beleuchtete. Ich äußerte deshalb zu einem jungen Schweizer, welcher, neben mir am Gestade stehend, die Annäherung der Wolken betrachtete, die Vermuthung: das Gewitter werde heute schneller als gewöhnlich vorübergehen. In der That fehlte gewöhnlich bei der Ansammlung der Dünste in in jener westlichen Richtung die scharfe Abgrän­zung des dunkeln Wolkenrandes. Zwischen der Em- menmünduug und dem sogenannten Sonnenberg, einem Hügel von 2460 Fuß Meèreshöhe, welcher einen Der nördlichen Stufen der Pilatusgruppe bildet, scheint sich die Wolkenmasse zuerst gesenkt zu haben. Am Gütsch-

Kassel, 3. September. (N. H. Ztg.) Die Mit­glieder der aufgelösten Ständeversammlung sind größ- tenthcils abgereist, nicht ohne für die zu erwartenden Katastrophen ihre ernsten Maßregeln zu treffen. Has­senpflug, durch die Nachrichten aus Kassel hierher ge­scheucht von Frankfurt, wo er den Bundestag, engern Nath, gestern nicht hat inuauguriren können, steht am Ende seiner Kunststücke, bevor ihm der Bundestag Hülfe leisten kann. Zwar befindet sich die Staats­maschine schon seit sechs Monaten ohne eigentliche Lenkung und in zunehmender Desorganisation. Sie wurde nur durch die Tüchtigkeit der einzelnen un­tern Organe, durch die selbstständige TMtigkeit der Behörden im Gange gehalten, welche bei der voll­ständigen Verwaisung der Ministerien ganz auf sich selbst angewiesen waren, und sich durch künstliche Gelvoporationen, durch schwache Zuflüsse aus Domanial- 2c. Einkünften das Leben fristeten. Auch diese sind erschööft und vorgestern konnten keine Gehalte ausge­zahlt werden. Erst gestern ist es gelungen, Geld zur Auszahlung der halben Besoldungen aufzutreiben. Be­reits machen sich die Folgen für den Verkehr sehr fühl­bar. Die Steuererhebung, die direkte wie die indirekte, hat vollständig aufgehört. Rücksichtlich der Zölle hat dem Vernehmen nach die Oberzolldirection, gestützt auf die Geltung der Verträge und im Einverständnisse mit der hier versammelten Zollconferenz, die einstweilige Forterhebung und Deposition auf ihre Verantwortung angeordnet.

Königsberg, 28. Aug. (K. H. Z.) Dr. Rupp ist wiederum wegen Vollziehung einer Taufe in Pr. Eylau zu 30 Thlr. Geld- oder dreiwöchentlicher Ge- fängnißstrafe verurteilt und in eine andere Untersuchung wegen Austheilung der Communion in Gemeinschaft mit Prediger Rasche verwickelt; der Letztere darf seine Gefängnißstrafen kaum vor Ablauf eines Jahres zu überstehen hoffen, da fast jeder einzelne der von ihm in freien Gemeinden vollzogenen Religionsgcbränche von den Geistlichen des Consistopiums den Gerichten zur Untersuchung und Bestrafung angezeigt ist.

^P Berlin, 31. Ang. Die Landwehrmobilmachrmg wird eifrig fortbettieben , so daß die Infanterie in drei Tagen ciugekleldet und marschfertig sein kann. Auch wegen der CavaUerie werden Kaufe mit Pfirdebesitzern abgeschlossen, wobei sich die Regierung die Ratificirung für den Bedarffatt vorbehält. Daß Rußland wieder mit vollem Winde segelt, um die deutschen Regierungen im Zuge zu erhalten, beweisen die neuesten Lärmartikel ge­wisser Blätter, wonach die ganze russische Westgrenze von der Ostsee bis zum schwarzen Meere von Hecres- massen besetzt sein soll. In Polen stehen diesen Berichten zufolge 78,0000 Mann, an der Wcstgrcuze überhaupt 253,000 Mann und im europäischen Rußlund über­haupt 400,000 Mann. Doch was wollen diele Horden, wenn DeutschlandsVölker zum Streite ziehen? Nur den Fürsten ist Rußlands Macht fürchterlich, nicht den Na- tionen, sobald diese sich für ihre Sache erheben.

Das Ministerium wird etidlich zu einem entscheiden­den Schritte in der Union gestoßen, da das Fürften- collegiuin anfängt, heller zu sehen, als der König, der im letzten Mmistcrralhe noch geäußert haben soll, die Ideen des Herrn v. Radowiy fänden den meisten An­klang in der Presse! So verblendet wird der Monarch über die wahre Sachlage gehalten. Natürlich ist d.n Rathgebern des Königs eine wirkliche parlamentarische Regierung verhaßt, da sie ihm vielleicht die Augen öffnete.

Berlin, 2. Sept. (Nat.-Z.) Die vielbesprochene preußische Denkschrift, welche der ablehnenden Noten i wegen Beschicknng des Bundestages beigegeben worden ist, wurde in der letzten Sitzung des FürstenkoUcginms den einzelnen Mitgliedern desselben gedruckt cingehän- digt. Dieselbe wird auch dem Buchhandel in einem besonderen Abdrucke übergeven werden, und schon in diesen Tagen in dieser Form erscheinen.

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walde, berühmt dtirch die Niederlage der Freischaaren, verdiente sich der Sturm seine ersten Sporen, indem er gegen 600 Waldbäume niederstürzte. An der Nord­seite der Emme bemerkte man noch keine Spur von Verwüstung. Mit unglaublicher Schnelle kam der Or­kan über Luzern und dem sogenannten obern Grund hergefahren und richtete dort schreckliche Verheerungen an, scheint aber erst an der Südwestseite des sogenann­ten Luzerner See's den höchsten Grad seiner wüthen­den Kraft entfaltet zu haben. Im Gegensatz zu den Beobachtungen, welche man sonst bei allen gewöhn­lichen Gewittern machte, nahm der Wind eine sehr gleichmäßige Richtung. Ein Wirbelwind oder eine un­regelmäßige Windrichtung, wie man sie bei starker elektrischer Entladung der Wolken gewöhnlich beobach­tet , scheint nirgends stattgefunden zu haben. Alle entwurzelten Bäume, die ich gesehen, lagen in der gleichmäßigen Richtung von Nordwest nach Süd­ost umgestürzt. Die Schnelligkeit war eine ganz außerordentliche, und scheint die all anderwärts beo­bachteten Stürme bedeutend übertroffen zu haben. Be­kanntlich werden 70 bis 90 Fuß in der Sekunde oder 12 bis 14 MAlen in der Stunde als das Marimum der Windesschnclligkeit wenigstens in Europa betrach­tet. Leider konnte ich in Luzern, Kriens und Meggen niemand finden der mir über den chronologischen Ver­lauf des Phänomens genaue Auskunft zu geben fähig gewesen wäre. Im Schrecken über eine so außerge­

Die eigenthümliche Sachlage , daß die preußische Regierung mit umfangreichen Nechtsdeduktionen dem Wiener Kabinct die Aufhebung und Rechts-Ungültig­keit der früheren Bundesverfassung beweist, w -.end in demselben Augenblicke preußische G . h>e Ur­theile fällen, durch die sie einzelne Individuen selbst mit der Todesstrafe wegen Vergehen e be n g e g e n d^i e sc B u nd e s v e r f a f f u n g belegen, bietet in der That einen der eklatantesten Belege der inneren Widersprüche dar, in die man sich hinsichtlich der deutschen Frage verwickelt. Unter diesen Umstän­den erscheint die Spannung gerechtfertigt, mit der man dem in dieser Woche zu gewärtigenden Aussprüche des Obertribnnals wegen der aus diesen Widersprüchen hergeleiteten Nichtigkeitsbeschwerde des zum Tode ver- urtheilten Schauspielers Trzeciack entgegenfteht. Der Termin für diese Entscheidung steht binnen wenigen Tage bevor.

* In Magdeburg sind nach amtlichen Angaben seit dem Ansbruche der Cholera am 14. Juni biS Ende August 551 Choleratodesfälle, darunter 30 bei Mili­tärs , erfolgt; in der letzten Woche starben 51 Per­sonen qn der Seuche.

Innsbruck, 26. August. (Brsl.Z.) Die plötzliche Reise des kaiserlichen Paares nach Botzen, als eben der Besuch des jungen Kaisers angemeldet war, gibt zu mancherlei Randglossen Anlaß; denn es bedarf eben keiner diplomatischen Finesse, um das gespannte Ver­hältniß zu errathen, das zwischen dem alten und dem neuen Kaiserhof obwaltet, da es ohne Zweifel nicht die redlichsten Mittel waren, durch die man den gut­herzigen, aber furchtsamen Kaiser Ferdinand zur Ab­dankung drängte. Botzen ist gegenwärtig die Residenz des Erzherzogs Rainer. Meran als Curort ist in diesem Jahre mehr denn jemals besucht, Und Personen aller Volksstämme treiben sich in dem grünen Wein­lande umher.

Wien, 30. Aug. (Angsb. Allg. Ztg.) Dem Ver­nehmen nach geht das Finanzministerium damit um, nach dem Anträge der Bundescommission die Ein- und Z w e i - G u l d e n - N o pe n der Bank g e g e u S t a a t s- Noten gleicher Kategorien einzulösen und zu diesem Behuf 70 Millionen unverzinslicher Papier­geld zu 1 und 2 ft. anSzugebcn. Dadurch würde der Staat der Bank vor allem um 70 Millionen weniger schulden, und Die Zinsen für diese Summe in der Tasche behalten.

w Der Bischof in Brünn hat durch Rundschreiben allen guten Katholiken das Lesen freisinniger Zeitungen als schwere Sünde bezeichnet und die -Geistlichen seines Sprengels aufgefordert, mit allen Kräften das Volk von dergleichen Zeitungen fern zu halten. Demnach gehört es in Mahren zur Eigenschaft eines guten Ka­tholiken, nur unsinnige Zeitungen zu lesen. Ob der Bischof die Geschichte vom Baum der Erkenntniß im

1. Buch Mosis nicht kennt?

Schleswig-Holstein.

$ Am 31. August fand eine große Allarmirung im Rendsburger Lager statt; 13 Bataillons eilten zu den Waffen. Es war aber nichts als ein unbedeutendes Vorpostengefecht dahinter. Die Dänen machen kein Hehl mehr daraus, daß sie jede Schlacht vermeiden werden, da die Diplomatie so tapfer für sie kämpft. Nur für den Fall, daß Preußen von den Protokoll­mächten zu sehr in die Enge getrieben. wurde, ist an einenkühnen Griff" Willisens zu denken: die Schles­wig-Holsteiner würden dann losgelassen werden, um Preußens Ehre zu retten, und um unter das Mes­ser der Russen zu gerathen. Daß zwischen der Statt­halterschaft und Dänemark zur Zeit keine Verhand­lungen schweben, wird so angelegentlichst betheuert, als ob man ein böses Gewissen hätte.

Wie dieSpen. Ztg." berichtet, ist Hr. v. Pech- hn gegenwärtig in Wien, um über die Pacisieirung

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wöhnliche Erscheinung hat wohl auch niemand auf die Uhr gesehen. Eine Ueberladung mit starker Elektri­zität möchte ich bezweifeln. Blitz und Donner waren nicht stärker als bei gewöhnlichen Gewittern und von weit kürzerem Feuer als wir sie hier je beobachteten.

(Schluß folgt.)

Vom frankfurter Friedens-Conresse gibt der pariserConftitutionel" folgende Schilderung: Alle disponiblen Doctoren der deutschen llniveesitaten, alle großmäuligen Stndenten, denen der schleswig'sche Krieg, daS Bier und die geheimen Gesellschaften einige Muße lassen, sind in den alten Sitzungs-Saal der deutschen Konstituante zusammengeftromt, um mit den aus England angekommeneu Utopisten und einem halben Dutzend ans Frankreich ringet: offener Deklamatoren zu fraternisiren. Die wenig interessanten Vorstellungen haben am 22. Aug: unter dem Vorsitze" feiner ErccUeuz des Drn. Johann Gottlob Friedrich Jaust ( Jaup ), Geheimenrath und Special-Referenten Seiner grostyer- zoglichen Hoheit des Großherzogs von Darmstadt, be­gonnen, welche promptste Tütch. .einen winzigen Oorf- Advocaten verbergen. Jauß, Beck, Mäurer, Vischers re. Haben Reden gehalten. In den Sitzungen herrscht der größte Lärm und die größte Politik. Die Deutschen haben die englischen Reden lebhaft beklatscht, die Eng­länder waren über jedes deutsche Wort außer sich vor Freude."