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Freit Ztilung.

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DieFreie Zeitung" erichetnt, mit LuSna-me Les Moatago, tuguch in einem Bogen. - Der Adonnenieluspreia betragt v ierteljäbrlg hier in Wiesbaden t fl. 45 h auf* wârtS durch die Post bezogen mit verhättuißmâötgcm Aufschläge. Znsera!« werden bereitwillig aufgerommen uns Kao bei der großen Ärrdrettung derFreien Zeitung" stets von mirs« saniern Erfolge. Oie Jnseratlonogebüßren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

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Briefe über den Legitimisten-Kongreß.

Erster Brief.

dx> Wiesbaden, 1. September. Der Graf von Chambord, Herzog von Bordeaux .und König von Frankreich und Navarra (in spe!) ist gestern abgereist. Damit ist also der Bann, welcher wahrend seiner An­wesenheit auf unsere gute Stadt gelegt war, gelöst und man wird wohl, ohne sich den Vorwurf zuzuzie- hen, man beeinträchtige dieInteressen der Kur" an das politische Drama, welches sich vor einigen Ta­gen vor unseren Augen entwickelte, Erwägungen und Betrachtungen der verschiedensten Art knüpfen können. Hätten die^ Henriquinquiste» ihren Aufenthalt, in wel­chem einige eraltirte Köpfe ein zweites Californien für den Säckel der Hauptstadt Nassaus erblicken woll­ten, noch länger dahier ausgedehnt, wahrhaftig, Sie hätten sich nicht darüber wundern dürfen, wenn Sie demnächst vernommen hätten, gewiße Leute der Bour­geoisie und Bürokratie erachteten es für eine strafwür­dige Handlung, daß man über den Schatten eines Kurgasts, namentlich eines solchen, welcher für die weißen Lilien des Nachkommen des Hugo. Capet in heiliger religiös-feudaler Begeisterung schwärmte, keck- lich cingeschritten sei, und wenn dieselben Leute es für eine Beleidigung einesauswärtigen Potentaten" er­klärt hätten,daß man vor dem Abkömmling Ludwigs XIV., den nur die Schmeichelei, nicht aber Unpartei­lichkeit den Großen nennt, einem Verbannten und Herren ohne Land und Leute", das Haupt nicht entblöß hätte.

Wir haben von jeher die Weise der Behandlung, welche der alte vertriebene, von dem eben verstorbenen Louis Philipp I. auf die niederträchtigste Weise Hintergangene, König Carl X., der Großvater des Mannes , den seine Freunde Henri V. zu nennen sich das Vergnügen machen, von denfreien" Engländern bei seiner Ankunft in England erfahren mußte, im höchsten Grade mißbilligt.

Als das Schiff, so berichtet ein neurer Ge­schichtschreiber welches Carl X und seine Familie trug, auf der Rhede von Portsmouth einlief, strömten die Engländer haufenweise mit der dreifarbigen Cocarde nach dem Hafen. Zugleich beklebte man die Mauern der Stadt mit Anschlägen, die für die Verbannten be­leidigend waren. Auf einem dieser Anschläge las man: Welches ist die wahre Gesinnung der Engländer ge­gen dasnustlücktiche Individuums welches die Gesetze verletzt hat, die zu halten geschworen?" Haß und'Verachtung." Als der Herzog von Ragusa, nachdem er von der königlichen Famlie Ab­schied genommen hatte, ans Land stieg, zeigten die Titane eine kleinliche Strenge gegen ihn, und kaum war er ans Land getreten, als die wüthende Menge seinen Wagen mit Drohungen umringte. Da Carl in Portsmouth nicht hatte aus Land steigen können, so legten der Great-Britain unb der Charles-Caroll

bei Corves vor Anker. Hier kamen die Engländer an Bord, und stellten sich dem gefallenen Fürsten von An­gesicht zu Angesicht gegenüber; sie behielten den Hut auf dem Kopfe und die Arme übereinschlagend betrach­teten sie denselben mit so ironischer und beleidigender Neugierde, daß der Capitän auf Carls X. Bitten das Betreten des Schiffs untersagen mußte."

Selbst das Toryministerium, welches zu jener Zeit England beherrschte, behandelte den verbannten alten König, der zu Grunde ging, nicht, weil er nichts ge­taugt hätte, sondern weil vielmehr das konstitutio­nelle System für Frankreich überhaupt nichts taugte, auf eine sehr schnöde Weise. '

Diesen Wellington und Aberdeen gegenüber, welche die Interessen der Hochtory's, also von Menschen, die die Freiheit nicht allein von England, sondern die aller Völker um einige Silberlinge verkaufen, im englischen Cabinet repräsentirten, brauchte wahrhaftig kein Tyrann schamroth zu werden, und ebensowenig kam es den Engländern selbst, welche sich statt einer Gesetzlichkeit der großartigsten sozialen Anarchie rühmen können, und die ein Volk mit großen und edlen Anlagen die Irländer rein und buchstäblich zur Verthierung durch ihre Barbarei herabgedrückt haben, zu, eine so unzeitgemäße, und in ihrer Form verletzende Achtung vor Eid und Gesetz an den Tag zu legen.

Aber wir müssen nicht weniger auf der andern Seite rügen, die sklavische Devotion und Unterthänig- keit, welche sich während der Anwesenheit der Henri- quinquisten in unserer Stadt hier und da widrig breit machten.

So soll ein Mann, wskHxx in einer der hiesigen gelehrten Schulen Unterricht ertheilt, der Schuljugend begreiflich gemacht haben, wie.sehr es sich zieme vor dem Grafen von Chambord, als einem Könige die Mütze zu ziehen. Wir wünschten sehr, daß der Mann, der hier gemeint ist, falls man uns einen Irr­thum berichtet, öffentlich das hier Erzählte in Abrede stelle. Sollte das Gesagte aber wahr sein, so wird der betreffende Betroffene selbst sich den Rang anwei­sen können, der ihm gebührt, wenn wir ihm die Ver­sicherung geben, daß auch der elendste Russe zuviel Stolz besitzt, um sich Vor einem Fürsten des Auslands in reu Staub zu werfen, und zumal vor einem Fürsten, der den Tyron seiner Väter nicht hat, sondern nur gerne haben möchte.

So sollen einige Leute, welche bei den Fragen der Cur alle Rücksichten des Rechts, wie der Freiheit, bei Seite zu setzen pflegen, wüthend geworden sein, über einige unschuldige, harmlose Artikelchen, welche während der Anwesenheit des Grafen von Chambord in diesen Blättern erschienen und den Congreß der Legitimisten berührten.

Wir selbst finden den glühenden Eifer für die Cur- so mancher Wiesbadener höchst natürlich und begreif­lich; wir wissen sehr gut, daß nach so vielen Mißärn-

ten gar manchen Personen dahier eine einträgliche Cur überaus Noth thut; allein diese Leute sollten vor Al­lem bedenken, daß die Kurgäste, allerdings in der Re­gel Anhänger des konservativen Prinzips, wenn sie in Wiesbaden alle die Forderungen befriedigt finden, die man heute an einen Eurort stellt, wahrlich durch eine demokratische Zeitung vom Besuche dieses Bades nicht abgehalten werden; und diese Leute werden auch ihrerseits der Billigkeit Raum geben und es uns nicht verargen namentlich jetzt, da wie gesagt der Bann gelöst ist wenn wir die ewigen und heiligen Regeln des Rechts, und hier des Völkerrechts, d. h. des Verkehrs zwischen den S t a a- ten, wie er durch hundertjährige Uebung seine feier­liche Sanktion erhalten hat, hervorkehren.

Der verstorbene Johann Ludwig Klüber, vielleicht der erste aller Publizisten, die Deutschland je gehabt hat, erklärt in seinem Lehrbuch des Völkerrechts für einearge Beleidigung" eines Staats ge­gen einen andern, wenn der erstere eine rechtswidrige Empörung, die gegen den Ickern gerichtet ist, begün­stigt, und also namentlich der erstere Conspirationen gegen Verfassung, Staatsoberhaupt und Lanvesintegrität des letztem innerhalb seiner Grenzen zulaßt.

Dieser Satz liegt durchaus in der Natur der Ver­hältnisse und abstrahier sich von selbst aus dem Prin­zipe, daß Staaten gegen Staaten ebensowenig ohne Grund nachtheilige Handlungen zulaffen dürfen, wie Private gegen Privaten. Was würdet Ihr von einem Nachbar halten, der sein HauS zum Versammlungs­lokal für Leute hergäbe, die kein Geheimniß daraus machen, mit aller Energie die erste Gelegenheit wahr­zunehmen, um Euch an Leib, Eyre und Leben Scha­den zuzufügen? Würdet Ihr nicht über diesen Nach­bar, zumal wenn Ihr demselben keinen Grund zu Feind- seUgkeltelt gegeben hättet, mit Recht sehr ungehalten sein? Wohlan! Die'französische Nation leibt und lebt in der Verfassung, welche sie sich selbst gegeben hat, und wenn in einem deutschen Laud Bestrebungen, darauf gerichtet, diese Verfassung zu beseitigen, sich breit machen dürfen, so haben die Franzosen gerechte Ursache zu sagen, daß Deutschland ein für Frankreich sehr unfreundlicher Nachbar sei.

Man sage uns hier nicht, wie die N. A. Z., welche sehr wohl die Wahrheit des hier Gesagten fühlt, und von der daher gilt, qui sexcuse, saccusc so häufig gethan hat, die Versammlung der Legitimisten habe keinenpolitischen" Charakter gehabt; sie habe keine der Republik feindselige Haltung manifestirt. Wir haben nur die Wahl die Legitimisten für Männer oder für Kinder zu halten. Sind sie letzteres, so haben sie eben kein Interesse, als zu dem Nachkommen Luv- wig'ö XIV. wie zu einem Heiligen zu beten, ohne daß es ihnen je in den Sinn käme, diesen Heiligen von dem Thron der Phantasie auf einen reellen Königs­stuhl herabzuziehen; so rannten|ße nur nach Wiesbaden, um wie die frommen Katholiken durch den Anblick des

Nikolaus Lienau.

(Ostd. Post.)

Nikolaus Lenau, eigentlich Nikolaus Niembsch, Edler von Strehlenau, war der ätzte Sprosse eines alten Adels- geschlechts und wurde am 13. August 1802 im Dorfe Csatad im Banat geboren. Von Natur mit wahrhaft bedeutenden Geistesanlagen ausgestattet, von lebhaftem Wissensdrang beseelt, studiere Lenau in Wien Philosophie und später Medicin und Rechtswissenschaft. Aber das verknöcherte Formenwesen der vormärzlichen österreichischen Universität beengte seinen kühnen, strebenden Geist, und so verließ er im Jai r 1831 Oesterreich, ohne ein Fach­studium ganz absolvirt zu haben. Er reiste nach Wür- temberg und lebte einige Zeit bei Justinus Kerner, der auf seine spätere melancholische, ja sogar zuweilen etwas mystische Richtung nicht ohne Einfluß geblieben zu sein scheint. Außer Kerner gehörten Gustav Schwab, die beiden Pfizer und Alexander Graf von Wnrtemberg zu seinem näheren, vertrauten Umgang. Jin Jahr 1832 reiste Lenau nach Amerika, wo er sich mit dem Rest des kleinen Vermögens, welches er von seinen Groß eitern geerbt hatte, einige hundert Morgen llrwaldcs kaufte und an einen mit ihm ausgewandericu Zimmer- meister aus Würtemberg verpachtete. Unterdessen hatte Gustav Schwab das zurückgelassene Manuskript, seine Gedichte veröffentlicht, und als er bald Darme zm üek-

kehrcnb in Bremen die heimathliche Erde betrat, be­grüßte ihn der Ruhm und die Liebe Deutschlands. Die nun folgenden Jahre waren ein unaufhörliches Wandern zwischen Wien und Stuttgart, wo er in dem Hause des Hofraths Reiubeck und seiner liebenswürdigen gemnth« vollen Frau, einer Tochter des Geheimraths Harttmann, eine zweite Heimath gefunden hatte. Außer diesem gc« fettigen Mittelpunkt zog ihn auch der Wunsch, seine Werke, die in der I. G. Cvtla'scheu Buchhandlung cr= schienen, selbst zu cvrrigircn, immer wieder nach Stutt­gart, während ihn andrerseits die Liebe zu seiner in Wien verheirateten Schwester und ein inniges Freund» schaflsverhältniß mi' einer herrlichen, geistvollen Frau, die, wäre sie, als sie der Dichter kennen lernte, noch Mädchen gewesen, sein Glück wohl dauernd begründet hätte, abhielten, sich in der Hauptstadt Würtembergs für beständig anzusievtln. Seine Gediebte erlebten rasch nach einander die bedeutende Anzahl von sieben Auflagen; Faust, Savonarola und die Albingenser wurden zweimal aufg legt. Außerdem gab Lenau in dieser Periode noch zwei Jahrgänge eines FrühlingSalmauachS heraus, ar­beitete an einem Don Juan und dem leider unvollendet gebliebenen Ziska, und schrieb einzelne kritische und lile« raturhistorische Aufsätze, wie z. B. für die Hallische Litera- tnrzeitung den Versuch einer Bestimmung, was eigentlich Nat'irpvesie sein müsse. Häufige Ausflüge in die öster­reichische Alpenwelt unterbrachen allein diese Arbeiten.

Im Jahre 1844 lernte Lenau in Bade -Baden ein

sehr achtbares und kebenswürdiges Fräulein aus Frank­furt a. M. kennen, jund kurze Zeit darauf überraschte die Allgemeine Zeitung seine zahlreichen Freunde mit der Nachricht seiner V rlobung mit dieser Dame. Nun folgten mehrere rasche Reisen zwischen Wien und Stutt­gart zur Ordnung von Verniögciisangelcgcnheiten, welche die vhucdicß angegriffene Gesundheit des Dichters völlig erschöpft haben mögen. Am 29. September erlitt Lenau in dem Hause des Hofraths Rcinbeck, als er mit dessen Familie am Frühstückiischc saß, eineN^lcichten^Schlag- anfall; am 11. Oktober zeigten sich zum erstenmal Pa­roxysmus und Tobsucht. Die Selbstmordversuche, welche der Unglückliche mehrmals wiederholte, wurden immer glücklich gehindert; aber am 20. Oktober sprang er mit dem Ruf: in die Freiheit will ichs"! im Hemde aus seiner damaligen Parterrewohnung auf die Straße und lief einige hundert Schritte weit fort, bis er ergrif­fen und zurückgebracht wu de. Von da an jobte er un- unterbromen, nahm wider Speise noch Arzney unb.mußlc zwei Tage darauf in die drei Fahrstunden von Stutt­gart entfernte Heilanstalt von Winnenden, die unter der Direktion des Hr». Hofraths^Dr. Zeller stand, gebracht werden. Drilthalb Jahre blieb der unglückliche Dichter in Winnenden, abwechselnd in einem halb Hoffnung er­regenden, bald verzweifelten Zustand. Da galt es einen Versuch ob nicht eine Luftveränderung, der Anblick des Vaterlandes ihn IrcttenJJömie'pmb^jbr. Anton Schurz, sein Schwager und selbst Dichter, dessen in dem Album