Freie Zeitung
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Fs 207. Wiesbaden. Sonntag 1. September 1850.
©u „Freie 3e11 ung" erichrlut, mit Luünatime des WjaiajS, ta.ji^ in einem Äogen. — Ler AoonaeMiNlSptels betragt d nrieljdfrrtß frier in Wiesbaden t fl. 45 h au?« wârtS durch die Post bezogen mit vrrhaltmßmaßigem Aufschiaze. — Zuseraie werden bereitMillig aufgenom neu »no fino bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirk, samcin Erfolge. — ©k JnserationSgedüßren betragen für die vierspaltige Petttzeile 3 Kreuzer.
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IV
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^Russische Plan e.
X Es wäre fluchwürdiger Leichtsinn, sich noch irgend welche Illusion über die furchtbare Gefahr zu machen, in der wir schweben. Der Absolutismus spielt seine letzte Karte aus, und vielleicht während wir dies schreiben, ist Deutschlands Schicksal bereits in Salzburg entschieden. Krieg gegen Rußland, Krieg auf Leben und Tod! war die' Parole aller Weitersehenden im Frühling 1848. Die Fürsten haben dem Rufe ihr Ohr verschlossen: sie suchten nicht des Vaterlandes Heil, sic suchten nur ihre eigene Rettung. Und hatten sie falsch spekulirt? Hat der Czar nicht, nachdem er den rmhcbcndeu Sturm au der polnischen Grenze beschwichtigt, Ungarns tapfere Schaaren zerschmettert und Görgels Verrath zur Möglichkeit gemacht? Hat er nicht Frankreichs erwachende Stärke gelähmt durch seiner Diplomaten Schlauheit und Gold? Hat er nicht Preußens Arm gelähmt, als es galt, die überelbischen Her- zogthümer zu retten für Deutschland und die Freiheit? Hat er nicht in Frankfurt durch seine getreuen Diener das Werk der Wiedergeburt vernichtet durch Zwiespalt zwischen Oesterreich'und Preußen? Hat er nicht die Hand des Königs von Preußen festgehalteu, daß sie die üngeboteue Kaiserkrone nicht zu ergreifen wagte? Hat er nicht Mißtrauen gesäet zwischen den Staaten und Stämmen und bald das böse Gewissen und bald die Furcht der Regierungen und Dynastien benutzt, um jeden guten Gedanken im Keime zu ersticken, jede That der Rettung zum Verderben des Vaterlandes zu kehren? Hat er nicht die deutschen Fürsten unter dem Vorwande, siezn retten, in immer bedenklichere Lagen gebracht?
- Hat er nicht in Deutschlands Völkern ein Mißtrauen erweckt, das den Freund gegen den Freund, den Bru- ber gegen den Bruder hetzte? Und hat er nicht, als Spitze diplomatischer Schlauheit, das Alles, was von seinen Agenten betrieben wurde, was die Feinde ^des Vaterlandes -thaten, den Freunden desselben zugeschoben? Hat er die Demokratie nicht für alles Unheil und Verderben verantwortlich zu machen gesucht, die Demokratie, welche allein hell sah in der Finsterniß , die Demokratie, die allein das Wort besaß,!das diesen Zauberkreis zu zerstören vermochte, in dem Deutschlands Schicksal vollendet werden sollte gleich dem Geschicke Polens, das uneins war, wie wir.
Krieg gegen Rußland — o, wäre er damals ausgesuchten ' worden! Ganz Deutschland wäre ein Herz und eine Seele gewesen in diesem Kampfe um Freiheit und Unabhängigkeit! Es sollte nicht sein; wir sollten so tief erniedrigt werden, daß jetzt, wo der Ruf von Neuem aus jeder angstgepreßten Brust sich ringt, fast die Möglichkeit der raschen Thäl verschwunden ist. , , Oder ist der Krieg gegen Rußland etwa nur eine Chimäre! Ist dieser verderben schwangere Kampf zu vermei
den? Ja, er ist zu vermeiden, um einen Preis, den zu nennen wir zittern — um den Preis der Theilung Deutschlands! Wir haben uns geschlagen gegen Napoleons stolze Pläne und wir sind Sieger geblieben ; freilich Sieger mit R u ß land s Hülfe und daher auf Kosten unser. r Freiheit. Werten wie nun jetzt Rußland Troy bieten kön- j neu? Wenn wir einig sind, allerdings; doch sind wir einig? ' Wir sind es nicht, Dank jener dänischen nordischen Politik, die uns bereits schlau gelähmt hat vor dem Kampfe, tie uns gegen einander heyre, wie in Polen den Adel gegen das Volk und wie in Ungarn Nationalitäten gegen Nationalitäten.
Wer da glaubt, wir übertrieben die Gefahr des Augenblickes, der sehe sich um in den Blättern Englands und Frankreichs, Oesterreichs und Preußens; oder i er nehme nur die Ober-Post-Amts Zeitung zur Hand, dieses wahrlich nicht demokratische, nicht freiheitschwärmende Blatt des allerevafeevanvsten Coniervativismus.
Dort steht in einer Correspvndcnz aus Berlin vom 25. I mit dürren Worten geschrieben, was uns zwar längst ' kein Gei eimriß mehr, was uns aber das Blut in den Adern } zum Sieden bringt, nun wir es fogir dort schon unverblümt verkündigt sehen. Warum ist Preußen j so lahm, warum läßt König und Kabinet sich ; Alles gefallen, da ihnen doch das herrliche Kriegsheer zur Verfügung steht?
Die O.-P.-A. -Zeitung antwortet: „Rußland ist das Schreckbild, die Furcht vor Rußland, das ist die ! wahre Triebfeder und das Gesetz unserer innern und äußeren politischen Wandlungen und diese Furcht gründet sich auf des Czaren Willen und dieser Wille ist unser größter Feind!" der Czar ist Preußens Verbündeter, | fährt die O.-P.-Ä -Ztg. fort, so lange Preußen die Revolution bekämpft; ist dieser Kampf beendet, so „tritt die treibende Macht der auf Preußen gerichteten erobernden Nothwendigkeit ein. Wie Preußen die Gothaer benutzt und abgedankt hat, so benutzt Rußland Preußen und ist jetzt nahe daran, es abzudanken. Schon ist, täuschen wir uns nicht, der nordische Riesenarm gehoben. Der das Netz auf Dänemark geworfen, der wird die Herzogthümer zerreiben, dann wird er, mit dem Schlüssel der Ostsee in der i Hand, ihre Küsten verlangen, das Land, angespült und ernährt von seinen russischen Strömen. Wer sich daher recht umthut, wird in Wahrheit finden, die Lösnng der deutschen und europäischen Verhältnisse hängt mit einer jetzt noch im Stillen gewünschten, aber bald als Grundsatz zu proklamirenden e r st e n T h e i l u n g Deutschlands zusammen. Rußland wird sie propomreu und die Theilnehmer des Geschäfts leicht finden." Wird es? Wir theilen diese Stelle wörtlich mit; fie ist eine Bestätigung dessen, was wir seit Wochen wiederholt | gesagt haben. Und die preußische Regierung kennt I diesen Plan und darum ist sie so thatenlos? Sie I steht getheilt zwischen Furcht undHoffen: dort die rus- ] fischen Bajonnete an der Grenze und hier die Vor- i I spiegklungen von dem zubereiteten Mahle der kleinen
deutschen Staaten, mit denen Rußland im Westen und Süden Preußen für das entschädigen zu wollen vorgiebt, was es bei der Liguidirung des deutschen Bankerottes im Osten verlieren würde. Will Preußen diese „Schmach", wie die „Nat.-Ztg." es nannte, wirklich vollenden, will es dem Verrath am deutschen Vaterlande die Hand reichen, wie es bei Polens Theilung sich beteiligte? Ach, diese Frevelthat ist unsere Nemesis!
Es ging vor zwei Jahren eine Sage durch die Blätter, daß die russischen Soldaten erzählten, Deutschland gehöre seit 1815 zu Rußland, es werde beherrscht in des Czaren Namen von vielen kleinen Knesen unter einem Ober kn es, dem König von Preußen! Was damals für eine Beleidigung gc-- gen Preußens König und Deutschlands Fürsten galt, soll es jetzt Wahrheit werden, furchtbare Wahrheit/ Nein, nein, so entnervt sind Deutschlands Völker noch nicht, daß sie sich zutheilen lassen dahin und dorthin nach deck Czaren Wohlgefallen wie Schafe, die einen zur fetten Weide der Wolle wegen und die andern zur Schlachtbank! Nein, noch einmal erhebt sich Germaniens Löwe aus dem Staube, noch einmal ertönt der Ruf: Krieg gegen die Riesenschlange, die uns Alle zerdrücken will! Krieg gegen Rußland, das um die Revolution zu vernichten, Land und Leute verschlingen will! Der Krieg gegen Rußland ist der Kampf nicht blos um unsere Freiheit und Unabhängigkeit, eck ist der letzte EntscheidUngskampf zwischen unserer Civilisation und der nordischen Barbarei. Es handelt sich um Alles, und darum gilt es, Alles daran zu setzen. Unsere Ehre, unsere Habe, unser Glaube, unsere geistige und leibliche Eristenz — Alles das ist durch. Rußlands Pläne bedroht!
Deutsch!«» A.
55 Lahneök, 25. August. Der Staat hat die Pflicht, den Bewohnern aller Orten möglichst gleichmäßig Er-- werbsqneUen zu eröffnen und die Verwerthung nnb Absetzung ihter Produkte zu ermöglichen; cs wird dieß eine Pflicht der Selbsterhaltung, wenn eine ganze' Gegend ans Mangel an Absatzwegen einer gänzlichem Verarmung anheim zu fallen droht; Ursache zu gerechten Klagen gibt es aber, wenn die Einwohner einer* solchen vernachlässigten Gegend sehen müssen; daß ihre mit unerbitterlicher Strenge eingetriebenen Steuern theilweise zum Vergnügen schon ohnehin bevorzugter Orte- verausgabt werden. — Wiesbaden, der Zusammenfluß fast aller Steuer, weil der Sitz der Höchstbesoloeteu, erfreut sich z. B. einer namhaften jährlichen Unter-- stützung seines städtischen Theaters aus der Staatskasse.. Die übrigen Badeorte — gewiß nicht die gebrücktestcu Punkte des Landes — genießen neben einer betrachtli-- chen jährlichen Unterstützung zur Hebung bet' Bave- industrie das schauderhafte Vorrecht, auf ihren grünere Tischen manch unschuldige Familie dem Elend nnb der
I Zwei Republikaner
von Carl Bölsche.
(Im Vorlage von Meidiiizer zu Frankßirt a. M.) er ----------
j (Fortsetzung.)
^P „Die Julie, volutlvn, fuhr er fort. fei wegen - ihrer mmerorbeutiieben Milde se r gelobe worden, und eil auch er habe damals Menschlichkeit gepredigt; aber die en Nachwelt werte ihr Die unglaubliche Naivität ihres Ver- trauens zum 'Borwurf machen, daß sie, kaum vor den 611 Bajonette» ter Schweizer gesichert, die Mesallianz mit dem Königchumt eingegangen fei , wodurch sie jetzt erdrückt werde. Der Grund dieses Fehlers sei, daß sich unter der Restauration zwar der Tyranncnhaß doch seine feste - politische Me.nung ausgebildet und man nur gelernt lb- habe, die Freiheit wieder zu erobern, aber noch nicht sich gegen deren abermaligen Verlust zu sichern! Daher â, bleibe von den Julierrutigenschaften nichts als ein Symbol: die Tricolvre, nichts als ein Wort: die Volkssvuverai- ch- nität, und ein unsterbliches Bespiel, um nimmer wieder zu vergessen, daß man an einer großen und heiligen g^ Sache nie verzweifeln dürfe! Dann schilderte er, was fr- der „praktische Geist" der Cvntrcrevvlution Alles gewagt â habe: den Belagerungszustand von Paris, die lleberant- wortuiig der politischen Schriftsteller an die Gerichtsbarkeit Lee Unteroffiziere , die Preisgrbung der persönlichen
Freiheit an die Launen der untersten Posizeidicner, die Verletzung Ler Heiligkeit der Wohnung, ja deren Bespritzung mit Bürgerblut, die Verletzung und Mißbrauchung des Briefgeheimnisses' bei den Untersuchungen, tie Behandlung des Vcrcmsrcchts als Hochverrath! „So haben wir", schloß er diesen Theil der Vertheidigung, „und sogar unserer Bürger- und Schriftstellerrechte beraubt gesehen und sind in unserer Freiheit und unserm Vermögen angetaftet worden, weil wir die Existenz desselben Blattes, von welchem der erste Aufruf zu Gunsten-der Dynastie Orleans ausging, aufrecht erhalten wollen." Zur Vertheidigung des angeklagten Artikels über die Pairskammer speziell übergchcnL, wies er sodann auf Mign t und Thiers hin, von Denen jener 1830 im „National" gesch ieh n, die Paine sei die PensionsaNstalt für ausgediente Depntitte, der Preis für allerlei Gefälligkeiten, das Spital aller im Dienste Der Staatsgewalt Verwundeten, während sich Thiers damals so ausgesprochen habe: „Die Herrn PairS haben offenbar kein anderes Geschäft, als Las Glück zu beobachten unb zu sehen, auf welche Seite es sich neigen wirv. — Solchen Poltrons gegenüber ist Kraft nöthig." Schwerlich sei die Heftigkeit dieser Angriffe jemals übertroffen worden , und doch sei Signet zur Zeit Staatsrath , Thiers Minister! Die jetzige Erneuerung dieser Feindseligkeiten gegen die Pairie sei dem „National" durch den Gang der Pairskammer selbst aufgedrungen worden , da dieselbe ihr llebelwvtlcn bei jeder Maßregel kundgkaeben und dasselbe sogar so weit
getrieben habe, daß sie die Revision Les Neysschen Prozesses verweigerte! während die Aufregung in der Versammlung bei Heränfbeschwörung dieses blutigen Schattens stieg, fuhr Earrcl nach einer Pause fort: „Ich halte hier aus Achtung vor einem ruhmvollen und bckla--' genswerthen Andenken ein. Es ist nicht meines Amts, zu entscheiden, ob es leichter war, Las Todesurthcil ober die Revision eines ungerechten Prozesses zu legalisiern. Die Zeit hat gesprochen. Jetzt bedarf der Richter der Reha- blitirung mehr, als der Hingeopfcrtc!"---Stolz' Muth, Verachtung und Zorn sprühten aus des Redners Augen, als er den Pairs diese Worte ins Gesicht schleuderte. Bestürzt bemerkte der Präsident: „Bedenken Stè Las; Ihre Ausdrücke leicht als Beleidigung betrachtet werden könnten!" Da rief Carrel herausfordernd: „Wenn unter den Pairs, die für den Tov Les Marschal? Wen gestimmt haben. wenn unter den Pairs, die Hidn sitzen, einer sich Lurch meine Worte verletzt fühlt, der stelle einen Antrag und klage mich vor dieser Schbanke an —ich werte erscheinen! Stolz werde ich darauf sein, ter erste Mann aus der Generation vom Jahre 30 zu sein, der hier im Namen des erzürnten Frankreichs gegen diesen scheußlichen Mord Protest,rt!" — Enthusiastische Bewegung unter den Zuhörern; kump'e, lautlose Niedergeschlagenheit unter Leu gerichteten Pairs. PaSguier will dem Redner das Wort entziehen, als Ney's Waffen, geführte, der tapfere General Excelmaiis aus tiefster Seele ruft: „Ich theile des Vertheidigers Ansicht! Ja