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deutschkatholische Prediger Loose aus Stuttgart; aus Baden Gustav Struve; aus Hessen Dr. V. Löhr und Seinhändler Blenker aus Mainz; aus Oesterreich Fen- ner v. Fenneberg, der aus Wien bekannte Kuchenbä- ^er und das ehemalige Reichstagsmitglied Kudlich; ans Polen die Generale Sznayda und Mieroslawski.

^Karlsruhe, 27. August. Herr von Jtzstein ist um eine herbe Erfahrung reicher. Nach erfolgter Entbindung von der gegen ihn aus höchst kläglichen Gründen anhängig gemachten Hochverrathsklage hat cr sich in einem Schreiben vom 19. August an die zweite Kammer gewendet, um gegen die in seinem Wahlbezirk veranlaßte Ersatzwahl zu protestiren und seine Einberufung zu verlangen. Welche Gründe ihn zu diesem Schritte, der hier nicht wenig Anfschn macht, bewogen haben, kann hier nicht in Betracht kommen; daß Jtz stein in seinem Rechte ist, wird schwer zu leugnen sein. In der heutigen Sitzung kam die Sache zur Sprache. Weller verlangte sehr richtig, Jtzstein sei nicht von vornherein als außerhalb der Kammer stehend und folglich nicht als Petitionär zu betrachten, seine Eingabe dringe ja auf Einberufung; Redner be­antrage daher Bildung einer besondern Kommission zur Erledigung der Sache vor Vornahme der Ersatzwahl in Bretten. Präsident Be kk dagegen verlangte Ueber- weisung der Eingabe an den Petitionsausschuß, und sie behielten die Oberhand, da die zweite Kammer den Muth nicht hatte, Weller's Antrag zu unterstützen. Vater Jtzstein soll also als Bittsteller an die zweite badische Kammer klopfen und warten, ob ihm aus Barmherzigkeit der Platz eingeräumt werde, auf den er ein gutes Recht hat und auf dem er so viele Jahre dieser Kammer einen europäischen Ruf sicherte.

Ulm, 26. August. (A. A. Z.) Bei dem gestern hier abgehaltenen, von sehr gutem Wetter begünstigten Fest der schwäbischen Turngemeinden waren ungefähr 360 Turner einschließlich der Hiesigen versammelt, darun­ter einige Schweizer und sehr wenige Bayern. Es^sie- kn in keiner Beziehung auch nur die geringsten Stö­rungen vor und alles ging den ruhigen ltnd im Pro­gramm vorgeschriebenen ganz geordneten Weg. Die wenigen öffentlich dabei gehaltenen Reden und Anspra­chen hielten sich entfernt von aller politischen Färbung. T Kassel, 28. August. In der heutigen Sitzung der Ständeversammlung brachte zunächst der Abg. Wolff fol­gende Interpellation ein:Ist es wahr, was öffentliche Blätter behaupten, daß die Regierung des Kurfürsten k. H. die Statthalterschaft der Herzogthümer Schleswig- Holstcin mit ihrer Forderung für die Verpflegung kmchess. Truppen aus dem Jahre 1849 an die Bundes kaff ver­wiesen hat?" Hierauf berichtete Aug. Möller für den Mreßäüsschuf; und trug den Entwurf dieses Ausschusses vor. Der Entwurf tritt den Mißtrauensvoten der vorigen Ständeversammlung bei und billigt das ganze bisherige Verhalten der Volksvertretung. Berathung und Schluß­fassung darüber wird morgen startfinden. DieNeue Hessische Ztg.", wie sie sich selbst nennt, Organ dercou- stitutionellen Partei", bespricht die Möglichkeit einer Steuernerrveigerung Seiteiro der nun zutammen- getretenen Stände in folgenden Worten:Sechs Mo­nate haben die Vertreter des Landes die Schmach der Regierung ertragen, haben sie züschen müssen, wie sie an die letzten Keime der nationalen Hoffnungen ihre Frevlerhände legte; vornehmlich durch die vcrrätherische Thätigkeit dieser Regierung ist Deutschland an den Rand des Unterganges gebracht, muß es Schleswig-Holstein elend verrathen und die Fremden bereits ihre Würfel über die deutschen Gränzmarken werfen sehen; schon wird wiederum unter der Mitwirkung dieser Regierung, das Verderben der Nation durch Wiederaufrichtung des Bun­destages besiegelt, schon kehren die Tage von Verona, Karlsbad und Aachen, die fluchbeladenen Frankfurter Beschlusse des Jahres 1834 wieder, schon stehen wir am äußersten Rade eines Abgrundes, der vielleicht die ganze Zukunft des deutschen Volkes verschlingen wird, und jener äußerste Fall sollte noch immer nicht vor­handen sein, in welchem es Pflicht und Gewissen den Landesvertretern gebieten, von jenem Rechte der Steuer- verweigernng Gebrauch zu machen Ein Blick auf un­sere deutschen Angelegenheiten zeigt, daß darin gegen­wärtig ein kritischer Moment eingetreten ist; die Frage: Bundesstaat oder Bundestag, steht vor ihrer schließ­lichen Entscheidung. Und die kurhessische Volksvertre­tung sollte es nicht für ihre höchste patriotische Pflicht halten, das Gewicht ihrer äußersten Energie in diesem Augenblicke in die Wagschale zu werfen?"

-T- Braunschweig, 26. Augusts Die Cholera wüthet jetzt 11 Wochen in unserer Stadt. Bei ihrem ersten Zuge durch Europa während der polnischen Re­volution blieben wir gänzlich verschont. Auch diesmal trat sie anfangs sehr gelind auf und wurde nur da gefährlich, wo starke Diätfehler vorkamen, die bei uns leider nur zu häufig vorkommen, wo Schweinebraten und Gurkensalat die Paradepferde der Küche sind. Nach und nach steigerte sich die Seuche so, daß wir jetzt nach amtlichen Angaben 955 Choleratodte zählen. Gestern starben 10 Personen. Die Stimmung in der Bürgerschaft ist sehr gedrückt, was vielleicht nicht we­nig beiträgt, das Uebel ärger zu machen. Handel und Wandel liegen ganz darnieder.

5 Hamburg, 26. August. Unser hochweiser Senat verfängt sich im preußischen Wesen immer mehr. Jetzt sollen auch die Berliner Friedensapostel eingeführt wer­den, die Konstabler, welche, selbst wenn sie wahre En­gel an Geduld wären, einen schweren Stand bekämen,

da die Bevölkerung mit Ausnahme der hochmögenden Herren einen Preußenhaß hat, der oft bis zur Karri- katur steigt. Es wird an Raufereien mit unsern hand­festen Matrosen nicht fehlen.

^ Berlin, 26. August. Auf Palmerstons Note, worin Preußen aufgeforvert wird, weil es den Frie­den mit Dänemark in Deutschlands Namen abgeschlos­sen, nun auch die Statthalterschaft nachdrücklichst und im Nothfall mit bewaffneter Hand zur Einstellung der Feindseligkeiten zu zwingen, ist eine Ablehnung erfolgt, motivirt durch folgende Punkte: 1) die Statthalter­schaft sei nicht eine von Preußen, sondern von der deutschen Centralgewalt, dem damaligen Neichsvep- weser, legal eingesetzte Behörde, könne also nur von der Gesammtheit der deutschen Bundesstaaten und nicht von Preußen allein Befehle empfangen; 2) der von Preußen vorgeschlagene einfache Frieden bedeute nichts anderes, als daß die Entscheidung der Streitfrage als eine innere Angelegenheit betrachtet und also den Her- zogthümern selbst überlassen bleiben solle; 3) dieser Friede sei zwar von Preußen vorgeschlagen, aber von den übrigen Mitgliedern des deutschen Bundes nicht ratifizirt worden ; er bestehe daher nicht als Vertrag, und man habe also auch kein Recht, seine Beobach­tung zu fordern; 4) wollte man indeß auch diesseits wirklich Schritte thun für die Herstellung des Friedens in den Herzogthümern, so könnte Preußen solche Schritte nur im Auftrag des deutschen Bundes, nicht aber auf eigene Hand unternehmen, und es würde daher ein derartiger Auftrag immer erst durch Verein­barung mit den übrigen deutschen Regierungen ausge­wirkt werden müssen.

Swinemünde, 23. August. (D. R.)^ Seit drei Tagen haben wir an der Küste heftige Stürme aus Südwest und Süd gehabt, heute Nachmittag aber um 5 Uhr erlebten wir ein Wetter, wie sich dessen die äl­testen Leute kaum zu entsinnen wissen. Bei heftigem Gewitter verfinsterte sich der ganze Horizont ein Orkan brach los warf die stärksten Bäume um, zertrümmerte Fenster und Dächer. Kurze Zeit vor Ausbruch dieses gewaltigen Orkans, der mit einer furchtbaren Entladung der Wolkenmassen endete, ver­ließen eine englische Brigg, mit Gerste beladen, und ein Schooner unseren Hafen. Der Orkan erfaßte die Brigg und kenterte dieselbe, so daß im Verlauf von Minuten der untere Theil des Schiffes nach oben ge­kehrt stand. Die Mannschaft ist, bis auf den Koch, der ertrunken, durch die Entschlossenheit der Besatzung des Schooners gerettet lind kam heute Abend ein. Der Schooner^hat sehr bedeutend in der Takelage gelitten. Andere Schiffe im inneren Hafen schlugen leck und müssen dauernd pumpen. Kähne und Böte schlugen um und läßt sich bis jetzt noch nicht ermessen, ob und wie viele Menschenleben zu beklagen sind.

Prag, 21. August. DieD. Z. a. B." theilt Folgendes aus dem Bundesbüchlein für den Tugend­bund christlicher Jungfrauen mit:Die Bischöfe und Seelsorger, heißt es darin, sahen von jeher die Jung­frauen als den edelsten Theil ihrer Heerde an und ließen sich ihre Pflege besonders am Herzen liegen. Als Jungfrauen, heißt es Seite 10, werden Diejeni­gen betrachtet, die wenigstens noch in den Au­gen der Welt als solche gelten, und nicht unter 42 und nicht über 40 Jahre alt sind. Wird eine Bundesjungfrau 40 Jahre alt, hört sie auf eine Bun- desjungfrau zu sein, wird aber in das Verzeichniß der Ehrenmitglieder eingetragen. Auch etwaige Fehl­tritte der Bundesjuugfrauen, welche von dem Seelsor­ger und den helfenden Schwestern untersucht werden, haben den Ausschluß der Schuldigbefundenen zur Folge. Jede Bundesjungfrau leistet Verzicht auf alle Tanz- belustigungen, denn es heißt: das Tanzen hat der höllische Drache mit dem Unidrehen seines Schweifes gelehrt, und der Tanz ist ein Tenfelsspiel, eine Pest der Seele, der gewisse Untergang der Unschuld unb ein Freudenfest der Höllengeifter. Jede Bundesjung- frau leistet ferner Verzicht auf sogenannte Bekannt­schaften oder Liebschaften, die mit und ohne nahe Aussicht auf Verehelichung angefangen und fort­gesetzt werden. Jede Bundesjungfrau verpflichtet sich endlich auch zu Abtödtungen, denn nur unter den Dornen der Abtödtung kann eine Jungfrau ihrem himmlischen Bräutigam treu bleiben. Zu allen Dem verpflichten sich die Jungfrauen durch eine feierliche Angelobungsformel und werden hierauf in das Jung- frauenbuch eingetragen."

Wien, 23. Aug. Ueber die Stimmung in Oesterreich meldet die Köln. Ztg: Wenn man die einsichtigeren Männer der Regierung darüber zu Rede stellte, weßhalb sie Leib und Leben, Gut und Erwerb unter die uncontrolirte Gewalt der Soldaten stellen und die Ausnahmsbehördr langer als es die äußerste Nothwendigkeit gebietet, fortwalten lassen, so erhält man stets zur Antwort, daß die schnelle Gerichts-Pro­cedur einen wohlthätigen Schrecken einjage, und wenn auch Ungerechtigkeiten mit unterlaufen, so sei doch ein solcher Standgerichtshof am besten geeignet, nach vie­len Stürmen schnell das Land zu pacificiren. Es war besonders dieses letzte Wort ein Lieblingsausdruck.

1 Nun sind beinahe zwei Jahre verflossen, seitdem hier die Herren das Werk der Pacification begonnen; aber ihre Kraft scheint es noch nicht dahin gebracht zu haben, daß die Friedenspalme auch nur eine grüne KuoSpe an­setze. Zwei Monate bewiesen den hohen Herrn in jüng­ster Zeit, daß wir ferner stehen von der Pacisication

als im Sommer 1848. Die Rückkehr der Amnestirten und des Kaisers Geburtstag öffneten denn doch Eini­gen die Augen, daß auf dem bis jetzt eingeschlagenen Wege weder Ruhe noch Frieden, noch weniger Sym­pathie zu erlangen ist. Der Kaiser verließ Die Resi­denz absichtlich, um allen Demonstrationen vorzubeugen; die Kirche blieb leer, und die Beamten paradirten in ihrer Uniform bloß vor einander, und selbst die Mili­tär-Parade fand kein großes Publikum zum Jammer der hohe Stehplätze aufzimmernden Speculanten, die trotz der billigsten Preise ihre Tribunen nicht gefüllt sehen konnten. Draußen aber in den kleinen Vorstadt- Gärten jubelte und klatschte das Wiener Volk bei Ka- lozd's ungarischen Melodien, welche dieser junge Mann mit einer Gesellschaft magyarischer Musiker seit meh­reren Wochen in öffentlichen Localitäten produzirt. Eljen! schreien die Wiener", und Mancher lispelt dazu, bevor er das Glas Bier an die Lippen bringt: Kos- suth. Man hat das Aufspielen des Rakoczy-Marsches verboten, aber so viele andere Melodien begeistern die anwesenden Ungarn, wovon der größere Theil früher als Honved für das Land kämpfte, und sie sagen verstohlen den Oesterreichern, daß dies der Klapka- Marsch oder die Egressy'sche Schlacht-Hymne sei, und plötzlich erdröhnt die enge Räumlichkeit von Beifall. Allein nicht bloß in der Residenz offenbarte sich diese Stimmung. In Mailand wanderte die Bevölkerung förmlich aus der Stadt, und das Militär und die Beamten cekbrieten ohne Publikum den 18. August: die weiten Hallen der Domkirche blieben leer. In Venedig wurde eine Gondelfahrt veranstaltet; es schloß sich außer den Fremden Niemand dem Znge an. In Preßburg mußte man die Aufführung eines historischen Drama's verhindern, welches trotz des unschuldigsten Inhalts zu Demonstrationen benutzt wurde, und in Pesth ließ man die Galerieen räumen und die Zischer welche das Absingen der Volks-Hymne störten__. abprügeln. Per Postoriora sollen die Magyaren Liebe und Hochachtung gewinnen! Wer kann alle diese bunten Beweise der Stimmung im Volke herzählen ? Aber taub sind die Ohren der Regierenden dafür, und dem Volke blieben sie zur Last auf, was nur Pie Folge ihrer eigenen Mißgriffe und Verschuldungen ist. Der Kaiser soll sehr mißgestimmt sein; denn die Nach­richten über diese Erzesse bringen doch bis zu ihm, und er hatte von den letzten Gnaden-Akten eine ganz andere Wirkung erwartet. Die Soldaten aber rathen, zweimal zu hängen und doppelte Portionen Stockprü­gel auszutheilen, und glauben, dann würde das Ver­trauen hergestellt!

Wien, 24. Aug. (Oest. R.-Ztg.) Wie man vernimmt wirb Se. Maj. der Kaffer im äMonat September zu einer großen Htèresjchau nach Böhmen abgehen und da­hin von mehreren kaiserlichen Prinzen begleitet werden Der Herzog von Bordeaux wird Anfangs September wieder in FrvhSdvrf erwartet. Mit ihm werven dem Vernehmenach kommen: Herzog von Levis, Marquis de la Ferte, Graf Feronais, der bekannte Redner Ber­ryer, der General St. Priest, der Marquis Pastoret und die Grafen von Monti.

Wien, 24. August. Die Wiener Blätter bringen übereinstimmend nachstehende Notiz:Gestern ist ein besonderer Kourier aus der Bundesfestung Mainz hier augekommen. Dem Vernehmen nach stehen die preu­ßischen Truppen dort fortwährend in Bereitschaft Der österreichische Commandant hat den Auftrag ertheilt jeden Zusammenstoß Einzelner strengstens zu verinci- den; die Truppen sind übrigens auf jede Eventualität gerüstet.

Erzherzog Albrecht hatte laut demWanderer" während seiner letzten AnweseMt in Dresden eine mehrstündige Conferenz mit dem Kriegsminister Ra­benhorst und soll umständlich nach der Stärke und Lei- stuttgöfähigkeü der sächsischen Armee geforscht haben. Die Rückkehr des Erzherzogs in das Hauptquartier ist am 19. wieder erfolgt.

Aus vollkommen verbürgter Quelle berichtet das Neulgkeltsburean", daß bereits beschlossen worden sei, alles verzinsliche Papiergeld aus dem Verkehre zu zie­hen. Die Art und Weise, wie dieß am geeignetsten bewerkstelligt werden könne, bildet noch den Gegenstand der Verhandlungen in dieser Angelegenheit.

Die Couscription in Siebenbürgen soll beendigt sein. Dem Vernehmen nach hat sich folgendes Verhältniß der Bevölkerung rückfichtlich der Nationalität ergeben: Walachen 1,100,000, Ungarn 800,000, Deuticke 200,000.

# In Gloggnitz hat die Medicinaluntersuchung in Folge der ausgebrochenen Cholera die schändlichsten Verfälschungen in den für die Arbeiter bestimmten Le­bensmitteln ergeben: Mehl mit Gyps gemischt, Fleisch von krankem Vieh, schlechtes Bier, ungesunde Wohnun­gen u. s. w. bereiteten der Cholera das Feld zur Ernte vor.

Wien, 2<. August. (a.ekgr. Dep.) Die heutige Numcr derWiener Zeitung" enthält eine Note, wo­raus ersichtlich ist, daß Oesterreich durch das von Ihm genehmigte Schiedsgericht nur die I a t e r p r e t a t > o n d es Re g l e m e u c s d e r B u n b es- f e st u II g M ainz ( des Mainzer Festungsreglements ) beabsichtigt. Die Reise des k. k. Ministerpräsi­denten Fürsten v. Schwarzenberg nach Ischl wird mit der Ankunft des kaiserl. russischen StaatskanzlerS Gra­fen v. Neffelrode in Linz und mit der deutschen Frage in Zusammenhang gebracht. (Also ganz so wie m unserer gestrigen Korresp. angekündigt wurde.