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Freit -Zeitung.

Freiheit und Neeht!"

â' 2EKI. Wiesbaden. Donnerstag, 29. August 1830«

EleFreie Zeit ung» erscheint, mit Äuânavm« deS Wiontaga, täglich in dnem Bogen. Ler AdonaementSpretS beträgt v tertelja-rig ):?r in WleSdadc» | fl. 45 Jr aus­wärts durch die Post vezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Ä rorettung derGreten Zeitung» stets von wirf, sa nem Erfolge. Die JnseratioHSgebühren betragen für die vterspalttge Petttzeile 3 Kreuzer.

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Die preußis6)e Vonrgeoifie.

X Handelsminister von der Heydt, der sich auf seiner Reise in Preußens östliche Provinzen über­zeugt hat, daß für die materiellen Interessen Bedeuten­des geschehen müsse, war kühn genug, verschiedenen dortigen industriellen Unternehmungen namhafte Unter­stützungen aus Staatsmitteln zuzusichern, welche zusam­men sich auf die Suinme von 9 Millionen Thaler be­laufen sollen. Aber wird das Staatsministerium die Verfügung über eine so bedeutende Geldsumme ratifi- ciren? Wir bezweifeln, das es dies kann, wenn es ,hm auch Glicht am guten Willen fehlt. Die Gerechtig­keit muß man dem Kabinette wiederfahren lassen, daß es recht gern für das Handel-, Fabrik- und Gewerbe­wesen etwas Namhaftes thun würde, wenn cs ihm nur nicht zu sehr an Geldmitteln dazu gebrâche. Denn es gehört ja recht eigentlich zu der Ruhe- und Ordnungspolitik des Manteuffel'schen Systems, daß der größeren Bourgeoisie der möglichste Vorschub geleistet werde, um das Capital an das monarchische Prinzip zu fesseln. Ganz diesem Gesichtspunkte gemäß hat Herr v. d. Heydt operirt, als er jene Verheißungen machte. Aber darin zeigt sich an diesem Punkte, wie an allen andern, das Falsche und Verderbliche des je­tzigen konservativen Systems, daß man die Staats­mittel für Dinge erschöpft, welche nur dann Werth hätten, wenn sie wiederum zu mächtigen Hebeln für die materiellen Interessen verwendet würden. Preußen unterhält ein mächtiges Heer, das für die Staatskasse ein nimmersatter Schlund ist. Wenn dieses Heer nun als Basis diente, um eine großartige Politik in dem Sinne zu entwickeln, oaß dadurch ein mächtiger Schutz und Trotz für das Handels- und Jndustriewesen ge­wonnen würde, so wären die enormen Summen wenig­stens nicht ganz aus dem Fenster geworfen. So be­trachtete in den Jahren 1848 und 1849 die konserva­tive Bourgeoisie die Sache auch. Sie wollte um einer starken Regierung" willen ein starkes Heer. Einzig und allein, weil sie dies wollte, zahlte sie gern und abstrahirte bei vielen Maßregeln von so manchem Her­ben Beischmacke, sobald dieselben nur auf dieses Ziel hiiiauszulaufen schienen. Die Bourgeoisie begünstigte weder die starke Regierung um ihrer selbst willen, noch das herrliche Kriegsheer glänzender Paraden wegen. Konsequent spekulirte sie auf den Aufschwung des preußischen Militär - Staates vorzugsweise nur als auf das kostspielige, doch nothwendige Mittel zur Entfaltung einer auf ihre Macht und Stärke stolzen, kühnen Handelspolitik. Hätte das Kabinet in dieser Richtung etwas Ansehnliches geleistet, so würde ihm dieser positiven Leistungen wegen vieles Andere vergeben worden sein, was man allerdings ungern vermißte, denn die Bourgeoisie ist bei allen Opfern und Konzessionen der eingefleischte Egoismus. Für jedes Opfer an Freiheit erwartet sie eine namhafte

Sur Theorie der Cholera.

^ Um von den in die Naturwissenschaften nicht tiefer eingeweihten Lesern verstanden zu werden, schicke ich eine Theorie des Blutumlaufes und der Wol­ken voraus. Nach Oken bilden Lunge und Lei­bes enden elektrische Gegensätze. Die Lunge ist mit negativer, die Leibesenden sind mit positiver Elektrizität belebt. Der Speisebrei, wie er den Magen verläßt, ist entschieden sauer, also elektrisch negativ, während die Galle positiver Natur ist. Im Zwölffingerdarm schlägt die Galle da ungleichartig elektrische Massen sich anzicheu alles Saure des Speisedreies nieder. Dieser Niederschlag wird nun von der Lunge abge­stoßen , der znrückbleibende Milchsaft (Lymphe) wird jedoch, als elektrisch positiver Stoff von der negativen Lunge angezogen. Er bewegt sich daher in eigenen Gefäßen von den Gedärmen aus nach oben und mün­det in der Brustgegend ins Blut, dort alles das wie­der ersetzend, was durch Schweiß, Ausdünstung re. ver­loren gegangen ist. Das, was den Milchsaft nach oben treibt, ist also der elektrische Gegensatz zwischen ihm und der Lunge; die Ursache dieser Bewegung hängt also aufs Innigste zusammen mit der elektrischen Be­lebung des Organismus. Sauerstoff (Lebenslust) ist der negativste Grundstoff. Mit diesem kommt das Blut in der Lunge in Berührung, und indein es sich mit ihm verbindet, erhält es seinen, d. h. den nega«

Vergütung an neuen Mitteln und Wegen zum Erwerb.

An und für sich zäh, zahlt sie nur gern viel als Ein­satz, um desto mehr Geld gewinnen zu können. Nun wird es aber täglich offenkundiger, daß Preußens Handels­und Gewerbs-Politik durch die unaufhörlichen Schlap­pen in der Diplomatie mehr und mehr gefährdet und in die Enge getrieben wird. Für den Augenblick ist dies am Rhein allerdings noch wenig fühlbar; aber auch dort kann der Schaden nicht lange ausbleiben. In den östlichen Provinzen dagegen schmecken Handel und Gewerbe bereits längst die herben Früchte jener falschen preußischen Politik. Hätte man in den däni­schen Händeln die wirklichen Interessen des Ostseehan­dels schärfer ins Auge gefaßt, hätte man sogleich im ersten Anläufe dem Kriege ein glänzendes Ende ge­macht und von dem Inhaber des Sundes Konzessionen ertrotzt, so würde man den russischen Gelüsten den Rang abgelaufen und den östlichen Provinzen den Ge­nuß eines gesunden, segensreichen Friedens verschafft habe». Aber das Gegentheil ist geschehen! Man hat viel geopfert und nichtzs gewonnen, ja dem Schlimmen folgt das Schlimmere mnv Schlimmste. Rußland wird den preußischen Ostsechandel nie aufkommen lassen, und Oesterreich legt dem Zollverein einen Selbstschuß nach dem andern; und warum? Alles, weil Preußen ein starkes Heer, doch keine Regierung hat, welche dieses Heeres Schwert in die Wagschale zu werfen wagt, um das zu erreichen, was erreicht werden muß, wenn man nicht zu Grunde gehen soll. Unmuth und Trost­losigkeit, in den -ärmeren Klaffen längst heimisch, stei­gen daher auch in den konservativen Kreisen mit jedem Tage mehr. Herr v. d. Heydt hat sich davon zu überzeugen überall Gelegenheit in Menge gehabt. Um zu beschwichtigen nnd^zu ermuntern versprach er hier eine GeldunterstützukG»imv dort. Aber was sind Ku­ren mit Palliativen?

Und nun gar, was sind Kuren mit V e r h e^i ß u n g e n, auf deren Verwirklichung kaum zu hoffen, geschweige denn zu rechnen ist! Wenn das Gesammtministerium die Millionen nicht bewilligt, weil es das Geld nicht entbehren kann, da es sie für das Heer so dringend nöthig hat, und wenn es trotz dieses kostspieligen Heeres den Russen und Oesterreichern gegenüber immer kleiner beigibt, wie kaum anders zu erwarten steht, so liegt es auf der Hand, daß die Verstimmung sich nur noch steigern und daß sich zuletzt von derselben Bourgeoisie, welche eine starke Regierung nach außen wollte, ein Sturm erheben wird, dessen Vorboten; bereits die Wetterkundigen mit Sorgen erfüllen. Man lese nur die Organe der industriellen Bourgeoisie, die wuth­schnaubende, früher so vertrauensvolle Const. Ztg., die immer lauter murrende, sonst so sanftmüthige Kölnerin, Die ängstlich beschwichtigende Vossische und Spener'sche Zeitung; man lese die heiligen Betheuerungen der D. Reform, baß Preußens Ehre und Macht gewahrt werben würden: sind das keine Wolken, die Sturm bedeuten? Wir sinv wahrlich nicht allein diseer An-

tiven Charakter. Sowie dies geschehen ist, wird es von der gleichfalls negativen Lunge abgestoßen, von den positiven Leibesenden aber angezogen. An den Leibesenden setzt sich nun das ernährend an, was bas Blut negativ gemacht hat, es ist nun wieder positiv geworden und bewegt sich der Lunge zu. So lange also der elektrische Gegensatz zwischen Leibesenden und Lunge in lebensvoller Weise besteht, sind die Hauptbe­dingungen des Blutumlaufes erfüllt.

Gehen wir nun zu den Wolken über. Der Grund, warum die unzählig vielen Wasserbläschen, aus denen eine Wolke besteht, nicht beständig dem Gesetz alles Materiellen gehorchen, nämlich zu größern Waffermas- sen sich vereinigen, ist die Elektrizität. Die Bläs­chen jeder Wolke sind nämlich von Elekrizität derselben Art belebt, müssen sich also, so lange diese elektrische Belebung bauert, gegenseitig abstoßen. Jedes Wasser­bläschen für sich kann aber von den Strömungen per Luft getragen werden, die in Folge ungleicher Erwär­mung in der Atmosphäre stattfinden. Man unterschei­det aber Fed erwolken und Haufen wollen. Diese Wolkenarten tragen nicht nur Unterschiede in der Form, sondern auch in der elektrischen Belebung. Während die Bläschen der einen Wolkenart' negative Elektrizität answeisen, besitzen die der andern positive. Bläschen der Haufenwolke werden somit von Bläschen der Fe- derwolke angezogen, so entsteht die Regenwolke und wenn die Bläschen sich zu Wassermassen vereinigt ha-

sicht: auch die Herren von Manteuffel und von der Heydt scheinen nichts weniger als getrosten Muthes zu sein. Letzterer wird sich wahrscheinlich bald zurückziehen, wenn seine Zusagen nicht ratificirt werden und ersterer traut dem Frieden am Rhein so wenig, daß er sich nach Louis Napoleous Muster zu einer Jnspektions- und Missionsreise durch die Rheinlande rüstet.

N. S. In der neuesten Nummer der Ostsee-Zeitung wird bereits versichert, bas preußische Staatsministe- rium habe einstimmig die vom Hankelsminister in den östlichen Provinzen versprochenen 8 bis 9 Millionen auf anderthalb Millionen rebucirt! Die in obigem Ar­tikel entwickelten Kombinationen erhalten daher um so mehr Gewicht.

Deutsches L.

# Wiesbaden, 28. August. Gestern hatten wir Besuch von den Mitgliedern des Friedenscongresses, die jetzt große Ausflüge machen, um sich von ihren An­strengungen in der Paulskirche zu erholen. Das meiste Interesse erregte der in Heidelberg zum Doktor freute entlaufene Sklav" (wie er sich selber in Heidelberg nannteH, NegerPennlngton und der zahme Indianer­häuptling. Die Kongreßmitglieder kehrten gestern Abenv mit einem Zuge von 21 Waggons nach Frankfurt zurück.

* Wiesbaden, 28. August. (Die siamesischen Zwillinge.)Preußen wird die Unionspolitik nicht aufgeben, aber auch von Oesterreich nicht weiter die Anerkennung der Union verlangen; der Bundestag wird nicht beschickt werden und dennoch eine Verstän­digung zwischen den beiden Großmächten nicht ausblei- ben!" Sind das keine Widersprüche? Nicht doch, eS ist nur ein Pröbchen auö der Berl. Lith. Corr. Dies soll kein schlechter Witz, sonder» die ernste Wahrheit sein. Im weiteren Verlaufe der genannten L. C. nämlich wird so ziemlich die Lösung jener Widersprüche angedeutet. Die Regierungen der kleineren Staaten würden, heißt es dort, immer vorsichtiger;man möchte in jeder kleinen Residenz Wien und Berlin versöhnen, wenn man auch nur für sich ven jetzigen Traum der po­litischen Selbstständigkeit nach dieser Versöhnung fort- ' träumen könnte." Mit beißender Ironie heißt eS dann I weiter:Bei einer Versöhnung und Verständigung i zwischen Preußen und Oesterreich, wie sie nicht auS- ' bleiben kann und wird, steht aUervings die europäische I Bedeutung von Hessen-Homburg uub Lichtenstein auf ! dem Spiele; aber was thut's, meinen hier Politiker, ' wenn der Verlust dieser Selbständigkeit Oesterreich und I Preußen einigt und für Deutschland wieder eine aus- I wärtige Politik schafft, hinter der Bajonette stehen?" ! Hiernach würde also Preußens Nichtaufgeben der ; Unionspolitik darin bestehen, daß es die Unionsstaaten fest hielte und Sachsen und Hannover (worauf die Lity. i Corr, hindeutet) zur Raison zurückzuführen suHte; daß Oesterreich währenv der Zeit in Frankfurt seine Netze aufstellte und den Rest Hineintriebe, während Preußen

ben, die von jenen Strömungen nicht mehr getragen werben könne» der Regen.

Denken wir uns innerhalb einer Wolke die elek­trische Belebung aufgehoben, dann ist die Kraft ver­schwunden, die die Bläschen auseinander hält, sie ge­horchen bann dem Gesetze der allgemeinen, materiellen Anziehung, der ganze Wassergehalt der Wolke stürzt herab. So entstehe» in der Regel die Wolken­brüche. In Ostindien, dem Heimathlanv der Cholera, waltet während der Regenzeit immer ein derartiger Zustand tu der Atmosphäre, und gerade zu solcher Zeit tritt die Cholera überhaupt am gewal­tigsten auf. Namentlich in diesem Jahre ist der Zu­sammenhang zwischen Cholera und Wolkenbrüchen ganz unverkennbar. In der That darf man aber auch nur den Zustand, der bei Wolkenbrüchen rc. in der Atmo­sphäre herrscht, in den menschlichen Organismns ver­setzen, um die wesentlichsten Merkmale der Cholera als nothwendige Folgen zu erblicken. Nehmen wir an, die elektrische Belebung, die elektrischen Gegensatze des Or­ganismus seien erloschen, was wird dann mit dem lymphatischen Saft geschehen? Von der Lunge nicht mehr angezogen, wird er, statt nährend ins Blut zu münden, aus dem Darmkanal nach Außen entfernt; daher die rasche Abnahme der Körperkraft. Die Haut verliert ihre Spannkraft so, daß die aufgehobene Falte stehen bleibt, die Stimme wirb zitternd und schwerfließend, lauter Erscheinnngen, die im Erlöschen der elektri-