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Freie Zeitung.

Freiheit und Necht!"

â 203» Wiesbaden. Mittwoch 28 August 1830.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, taglech in einem Bogen. Der AdonnemcntSpreiS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden t fL 45 fr auf­wärts durch die Poff bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Äerbreitung derFreien Zeitung" stets von wirk- filtern Erfolge. Die JnserattonSgedühren betragen für die vierspaltige Petitzelle 3 Kreuzer.

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Die Geldsammlungen für Schleswig-Hol­stein und die Demokraten.

x Wiesbaden, August. Schleswig-Holstein, ein deutsches Land, soll von demliebenswürdigen" Dänen- könig von Deutschland losgerissen werden. Als das Volk aufs Aeußcrste getrieben zum Schwerte griff, bemächtigte sich der alte deutsche Bund, noch kurz vor seinem Absterben, seiner Sache. Aber unter dem Scheine, dasselbe zu schützen, überliefert man es dem Feinde. Das Volk greift abermals zum Schwerte, um sich dem schmählichen, von Preußen in seinem Na­men geschlossenen Frieden zu widersetzen. Wen, der noch einen Funken von Gefühl und Ehre und Gerech­tigkeit im Buse» trägt, empört nicht dieses Spiel mit den höchsten Gütern eines edlen Volkstammes? Wer möchte dem unglücklichen Brndervolke nicht helfen? Aber was thut die Schleswig-Holsteinische Regierung, dieedle" Statthalterschaft? Was thut der Ober­general des Heeres, Willisen? Sie, deren Ar­mee an Zahl schwächer ist, als die feindliche, und na­mentlich an Offizieren und Unteroffizieren Mangel lei­det, sie weisen die einzig wirksame Hilfe, die Hilfe an Streitern, die ihnen von den Demokraten geboten wird, schnöde zurück! Während die Dänen sich alle Mühe geben, die kriegsgeübte» und jetzt müßigen ungarischen Offiziere in ihren Dienst zu ziehen, erklärt die Statthalterschaft, daß sie mit solchen Revolutionärs Nichts zu thun haben wolle, ja sie weist die deut­schen Flüchtlinge, die aus England herbeigeeilt waren, um ihren Arm anzubieten, aus dem Lande, sodaß sie mit knapper Noth der Verhaftung entgehen! Wäh­rend die Dänen alle Kräfte aufbieten, um ihren Krieg zu einem Volkskriege zu machen, verbietet die Statt­halterschaft die Volksversammlungen, wirft die De­mokraten in die Kerker und erläßt Steckbriefe gegen Ronge wegen einer Broschüre, durch welche der edle russische Kaiser, der offene Bundesgenosse des Dänen­königs, beleidigt worden sein soll! Das sind die Mit­tel, welche in Schleswig-Holstein angewandt werden, um den Feind zu besiegen!

Wer so handelt, der ist entweder verrückt, oder er ist ein Verräther, denn bloße Dummheit kann es nicht sein. Da es nun nicht wohl möglich ist, daß sämmt­liche Mitglieder der Statthalterschaft sammt Wil Il­sen an Geisteszerrüttung leiden sollten, so ist nur der andere Fall möglich, es sind Verräther; sie sind mit Vorbedacht und klarem Bewußtsein Feinde der Demokratie und haben sich der revolutionären Bewe­gung nur deshalb bemächtigt, um dieselbe an die Feinde des Volkes zu verrathen!

Und diese Elenden wollt ihr, Demokraten, mit eu­rem Gelde unterstützen? Diesen Volksverrâthrrn , die sich mit frechem Hohne selbst für eure Feinde erklären, die eure Brüder und Gesinnungsgenossen in die Ker­ker einschließen und mit Steckbriefen verfolgen, wollt

ihr eure paar Batzen geben, damit es ihnen zur voll­ständigen Durchführung ihres Verrathes nicht an Geld fehle, oder damit euer Geld den Dänen, welche bald die Holsteinischen öffentlichen Kassen in Beschlag neh­men werden, in die Hände falle?

Aber das Volk, sagt ihr, das arme unschuldige Schleswig-Holsteinische Volk! Niemand kann dieses betrogene helbenmüthige Volk mehr bedauern, als wir, weil wir den schwarzen Verrath, von welchem dasselbe von allen Seiten umgeben ist, in seiner ganzen Scheuß­lichkeit erkennen. Aber meint ihr denn, eure Liebes­gaben kämen diesem Volke im Mindesten zu gute? An Eharpie ist, wie man vielfach vernimmt, in Holstein kein Mangel, und euer Geld kommt in die unsaubern Hände der Regierung. Was aber Volks v erräth er in Händen haben, das wird wahrlich nicht zum Besten des Volkes verwendet! Nein, euer Geld, das jene Herrn, obgleich sie die Demokraten hassen und verfol­gen, sich nicht schämen, von euch anzunehmen, euer demokratisches Geld werden diese Feiglinge, die bereits von Kiel, aus Furcht vor einem dänischen Angriff, burchgebranlit sind, dazu verwenden, um, wenn das Trauerspiel zu Ende ist, mit dessen Hilfe ihre Flucht zu bewerkstelligen! Denn die blasse Furcht, die jäm­merliche Sucht, ihre schlechte Haut zu retten, ist das einzige Motiv, welches diese Menschen' in dem gegen­wärtigen Stadium des Kampfes bei allen ihren Hand­lungen leitet. Lwu Anfang an haben sie nicht daran gedacht, dasjenige Mittel anzuwenden, wodurch man allein Revolutionen macht, das Schwert. Viel­mehr durch diplomatische Unterhandlungen wollten sie Schleswig - Holstein befreien, um auf diese wohlfeile Weise die Herrn im Lande zu werden. Da dies nicht gelang, was außer den Gothaern jedes Kind voraussah, so machte sie die Angst vor der Strafe für ihr früheres revolutionäres Gebühren zu Verra- thern. Erschrocken über das, was sie selbst angerichtet haben, und verfolgt von den Vorwürfen der Diplo­maten und Absolutisten, bilden sie sich ein, sie könnten die drohende Strafe von sich abwenden, wenn sie das unglückliche Volk seinen Unterdrückern in die Hände liefern. Die eiteln Thoren, die nicht begreifen, daß die Reaktion niemals verzeiht!

So jammervoll steht's mit Schleswig - Holstein. Darum Demokraten, sei keine Gemeinschaft zwischen euch und diesen Volksverräthern! Spart euer Geld für die Flüchtlinge, die bald anch von dort wie von den übrigen deutschen Ländern ausgehen werden. Nützen kann es, wie gesagt, dem Volke doch nicht. Wenn ihr aber der Regierung desselben eure Unterstützung versagt, so kann dies vielleicht dazu beitragen, dieses Volk von dem blindenVertrauen", welches bei ihm noch stark grassirt, zu heilen und dasselbe zur Einsicht zn bringen, daß auch ihm nur durch die Demokratie geholfen werden kann.

Deutsâlsus.

A Wiesbaden, 27. August. Ein imDaily NewS" veröffentlichter Brief wird als das Produkt des Herrn Gervinus bezeichnet. In diesem Briefe, dem einzi­gen Lebenszeichen des Herrn Gervinus während seines Londoner Aufenthaltes, befindet fich die Stelle:Jeden­falls ist es höchst unbillig und unweise, aus dem Um­stande, daß die Deutschen in zwei Jahren nicht daS erreicht haben, wozu andere Nationen Menschenalter gebraucht haben, auf ihre allgemeine politische Unfähig, keit zu schließen." DerGlobe" bemerkt hierzu sehr richtig:Es fällt uns gar nicht ein, aus dem Um­stände, daß Deutschland das Werk konstitutioneller Re­formen nicht in zwei Jahren vollendet hat, auf die allgemeine politische Unfähigkeit der Deutschen zu schlie­ßen. Aber wir machen einen Schluß auf die politische Unerfahrenheit der Deutschen aus dem Umstände, daß sie bei der neulichen Krisis ihrer Geschichte statt ihre Anstrengungen auf das Weik der konstitutionellen Re- organlfation im Innern zu richten, sämmtlich mit Wort und Feder auf die falsche Fährte^Schleswig-HolsteinS gerictheu und mit Eifer, unter Vernachlässigung ihrer eigenen praktischen Politik, einen unsinnigen «einen Krieg anschürten. Schleswig hat etwa eine halbe Mil­lion Einwohner, Danen und Deutsche, und unsere weisen deutschen Vettern verschwendeten bei der neuli­chen Krisis ihren ganzen Enthusiasmus an der Frage, ob diese 500,000 Seelen ohne Weiteres (nebst Hol­stein) dem neuen Systeme deutscher Einheit einverleibt werden sollten. ^Nur unterließen sie leider die deutsche Einheit, welche sie a u s v e h u e n wollten, zu gründe n." Sehr wahr, füge ich bei, wenn derGlobe" nur dasoffizielle Deutschland", wenn er diejenige Partei meint, welche während der Krisis das Ruder in Hän­den hatte. Diese Partei hat allerdings eine gesetzge­bende Versammlung geschaffen, aber den Moment ver­paßt, in welchem sich eine vollziehende Gewalt hätte gründen lassen, sie war in dem Wahne befangen, Einheit und Macht könne nur auf dem Grabe der Freiheit erblühen. Sie war verliebt in die deutsche Erbärmlichkeit, nannte dies Nation algefühl und jeden einen Feind des Vaterlandes, der diesen ange­stammten Jammer und Wust zu bekämpfen wagte. Aber nur eine Partei war es, die sich also benahm, es waren die deutschen Gelehrten, welche derar­tige Verrücktheiten begingen. Die demokratische Partei dagegen hat im Großen und Ganzen eine po­litische Reife und eine Ta'tik entwickelt, welche sicher zur wahren Befreiung des Vaterlandes geführt hätte, wenn sie nicht von der Halbheit verrathen, durch die absolute Brutalität niedergetreten worden wäre. Das aber ist in der deutschen Bewegung das ungemein wichtige Resultat der letzten zwei Jahre, daß jene Partei der Halben und der Doktrinärs moralisch ge- tödtet worden, daß sie dem Fluche der Lächerlichkeit gänzlich verfallen ist. Wir können demGlobe" ver-

Z w e i Republikaner

von Earl Bölsche.

(5m Verlage von Meidniger zu Frankfurt a. M.)

(Fortsetzung.)

=$= Diesem Systeme galt der Kampf Carrels. Mit dem Flammenschwerte des Geistes hielt er tagtäglich Ge­richt im National zum Schrecken aller Stütz n des Systems". Seine Geistesblitze beleuchteten jede aus dem Systeme" entspringende Schandthat, wie abgelegen und versteckt auch deren GeburtSstätte sein mochte. Aber Carrel war deroffene" Gegner desSystems", wie jetztPrvudhvn" der offene Feind jeglichen Aristokratcn- rhums ist.

Sich vom öffentlichen Kampfplätze zurückzichen, nicht mehr das ganzeSystem" mit allen seinen Beschützern mit allen seinen Auswüchsen bekämpfen zu wollen, sondern sich im Dunkel der Nacht gegen einige Persönlichkeit ver­schworen: das hielt er für Wahnsinn, das war ihm gleichbedeutend mit dem gänzlichen Anfg ben der Sache; noch mehr, es war in feinen Augen geradezu Verrath gegen die Freiheiten. Hören wir den Verfasser über Carrel's Stellung zu den geheimen Gesellschaften:

Noch schärferen Prüfungen und noch glänzenderen Triumphen sollte der unerschrockene Kämpfer für die Rein­heit und Untheilbarkeit der Vvlkssvuvcränität entgegen: gehen. Wir haben gesehen, daß vor und während der

Julirevolution noch keine republikanische Partei be­stand. Gleich nach der Thronbesteigung Louis Philippes suchten sich die Geistesverwandten an einander zu febbegen, ohne jedoch aus der Zersplitterung hinauskommen zu können. DieAssociation der Schulen" bis tote sich gegen das Mono- polsystem der Universität. Im Quartier latin verbreite sich unter dem Studenten Sambuceine Gesellschaft der Ord­nung und des Fortsetnitls", deren Ziel in Wiederherstellung und Ausübung der Vvlssouverämtät durchs Volk und deren Verpstidtung ffr jedes Mitglied in Verschaffung eines guten Gewehres tu bst 50 scharfen Patronen bestand. Athnlich, nur vorsichtiger lauteten die Satzungen der Union". Auch die GesellschaftHilf dir selbst" be­stand noch und hatte sich überwiegend republikanisch um­gestaltet, nachdem die Guizol und Genossen sie verlassen hatten, um den Julisieg in Gesellschaft mit dem Bür- gerkvnige zu verwerth, n. Emstußreicher als diese war dieGesellschaft der Volksfreunke", die nach Händeln mit der Polizei sich bereits am 25 September 1830 aus einer öffentlichen in eine geheime verwandelt, durch alle Departements verzweigt und auf ihre Kosten sogar ein Bataillon ausgerüstet und nach Belgien geschickt hatte. Diese Gesellschaften boten AllcS auf, um die Regierung zu lähmen oder in Sackgassen zu treiben; noch öfter aber diente» sie durch ihre Unbesonnenheit den Monarchisten zum Deckmantel für ihre Maßregeln gegen die Grund­sätze des Republikanismus überhaupt.

Schwach in ihren Anfängen, doch wichtiger und bald

mächtiger als alle übrigen Verbindungen war die Ge­sellschaft der Menschenrechte". Sie darf ihren Grundideen nach füglich für die Mutter der Prinzipien ' gelten, welche bei der Februarrevolution 1848 zum mo­mentanen Siege gelangten, um schon im Juni desselben . Jahres ihre PassivnSzcit zu beginnen und daraus neu- I verklärt und gereinigt von Schlacken und Entstellungen aufzneistchen als die Geundvesten des künftigen socialen Staates. J>n Februar 1833 machte eins der bedeutend­sten Talente dieser Gesellschaft, Charles Teste, einen Ver- fassungsentwurf bekannt, worin es hieß:Alle Mobiliar- i oder Jmmobilargüter, welche im nationalen Gebiete ent« I halten sind oder von den Mitgliedern der Gesellschaft , besessen werden, gehören dem Volke, daS allein die Vcr- ' theilung derselben regeln kann", und:Die Arbeit ist eine Pst ich t jedes kräftigen Bürgers gegen die StaatS- gesellschaft; der Müssiggang muß als Diebstahl und als unversiegbare Quelle der Sitten, verderb» geb randmarkt werden." In den nächsten Monaten stand die Gescllscl'aft bereits als eine Macht da, die sich in Paris auf 3000 Klubredner und Kämpfer" in den Provinzen auf zahllose Zweig- vereine stützte: ein Staat im Staate, mit Regierung, Verwaltung, BezirkScintheilunge» und einer Armee ein Auswuchs, doch der natürliche Gegensatz gegen das Alles umstrickende und abnutzendr Bürgerköiiigthmn."

: (Fortsetzung folgt.)