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dem uns nie irgend etwas geheim war, in dem Schrift- chen förmlich zu einem Privatheiligen gemacht, aber, was wahrhaft boshaft daneben, daß seiner politischen und staatsmännischen Laufbahn mit keiner Sylbe ge­dacht werde."

Frankfurt, 23. August. Nachträglich schicke ich Ihnen noch den Brief Victor Hu,go's, der in der gest­rigen Sitzung des Friedenscongresses vorgelesen wurde: Meine Herren: ich rechne es mir zu gleicher Zeit als eine Pflicht und als ein Fest an, in diesem wie im vergangenen Jahr in Ihrer Mitte in jenem Frie­denskongreß zu sitzen, der meinem Geiste als der hei­lige Abendsmahlstisch der Völker erscheint. Meine durch die Anstrengungen der Rede geschwächte Gesund­heit beraubt mich dieses Glückes. Zwischen den. hsn der eben beendigten und den möglichen Kämpfen der herannahenden Session in Frankreich lege» die Aerzte mir Ruhe auf. Ich gehorche ihnen, aber un­gern. Ucbrigeus sage ich dies nicht für mich allein, sondern für Sie Alle, als Männer von Ueberzeugung und Beharrlichkeit, als religiös gesinnte Männer. Unsere Körperkräfte können schwinden; was aber in uns niemals erlöschen wird, ist unsre Hingebung für die Menschheit, unser Feuereifer für die allgemeine Versöhnung, unser inniger Glaube an jenen göttlichen Gesetzgeber, der im Augenblick des Verscheibens aus seinen beiden a» das Kreuz genagelten Händen die beiden Gesetze der Zukunft fallen ließ: die Freiheit, welche das Gesetz der Menschen, und de» Frieden, welcher das Gesetz der Nationen ist. Der Friedeus- congreß, dem die Blicke der Nationen mit Spannung folgen und den: die edlen Gemüther Beifall zolle», besitzt bereits die ganze Lebensfähigkeit und Stärke ei­ner Institution. Gr ist in der That eine Institution Gr ist der Keim jenes große» Völkerkonvents, der einst vielleicht bald daö Schicksal der Welt friedlich ordnen, de» Haß beseitigen und alle Natio­nalitäten heiligen wird, indem er sie an eine höhere Einheit fesselt. Inmitten unserer traurigen Versamm- lungen, die unter Stürmen selbstsüchtiger Leidenschaf­ten und tobender Interessen berathschlagen, leuchtet der Friedenskongreß gleich der Versammlung der Zukunft her­vor. Setzen Sic, m. H., Ihren Unterricht fort, der ganz so friedlich wie eine Predigt ist; alle die Rede», die in Ihrer Mitte gehalten werden^ sind ein Commentar des Evangeliums. Ja, Sie schaffen die Zukunft, zweifeln Sie nicht daran. Glücklich sind die Mensche», die da werden sagen können: Ich habe das lcyte Schaffet und den letzten Krieg gesehen! Diese werden auch die letzte Revolution gesehen haben. Aus dem Innersten meines Herzens spreche ich Ihnen hiermit aufs Neue meine Zu- tiimmung aus. Nehmen Sie sic hin, wie ich Sie Ihnen sende. Wir Alle, wie wir da sind, welche Sprache wir auch sprechen, welch in Volke wir auch »»gehöre» mögen, Deutsche, Franzosen, Engländer, Italiener, Belgier, Europäer, Amerikaner, wir sind dieselben Menschen, wir haben dieselbe Seele, denselben Gott, wir haben ein ge­meinsames Geschick und eine gemeinsame Zusammenkunft: Landsleute auf Erden und Brüder im Himmel. Empfangen Sie also meine brüderlichen Grüße. Paris, den 16. August 1850. Victor Hugo.

^^ Berlin, 22. August. Die Regierung hat be­schlossen, Verfügungen zur Regelung des fremdländi­schen Papiergeldes zu treffen. Irre ich nicht, so soll dies ein neues Mittel sein, die kleineren Staaten an Preußen zu ketten: man wird die von der Union dc- sertirten und der Militärkonvention widerstrebenden Staaten auf den: Geldmärkte strafen und die guten belohnen. Uebrigens ganz von dieser politischen Seite abgesehen, ist es dringend nöthig, daß in dieses Chaos von Papiergeldern endlich einige Ordnung kommt, wenn wir nicht bald nordamerikanische Baiiknöthe ohne Nankeemuth bekommen sollen. Das Ministerium hat Nachforschungeu über Zahl und Beschaffenheit des Pa­piergeldes anstelle» lassen und durch die Deutsche Nef. die Resultate veröffentlicht. Nach diesen Berichte» si»d in den deutschen Staaten, mit Ausschluß von Oester­reich , an von Regierungen und Korporationen emit- tirtem Papiergeld insgesammt vorhanden: 41,913,775 Thlr., mithin kommen bei einer Einwohnerzahl (nach der Zählung von 1846) von 24,581,891 auf den Kopf l^/ooo Thlr. (in Preußen l2%00, in Baden 8%oo/ in Anhalt-Dessau 1587^00, Anhalt - Kötheu ll62/ioo/ Anhalt-Bernbürg lO^/^,, Thlr.) An Bank­noten und Darlehns-Cassenscheine» courfiren in Preußen 34,000,000 Thlr., in Baiern 8,000,000 Fl., in Sach­sen (30. Novemb. 1849) 5,084,000 Thlr., in Nassau 1,000,000 Fl., in Braunschweig 1,000,000 Thlr., in Anhalt-Dessau 2,500,000 Thlr., in den übrigen deut­schen Staaten außer Oesterreich sind Banknote» und Darlehns-Cassenscheine nicht ausgegeben.

* Berlin, 22. August. Die Speucr'scke und Voss"sche Zeitung wollen wissen, daß eine auswärtige Macht (Ruß­land?) der Statthalterschaft Vorschläge habe machen lassen, wonach ihnen, Dänemark gegenüber, eine völlig gesonderte Stellung, wie Norwegen gegen Schweden, cin- geräumt weiden solle, wenn sie von Deutschland läge! Die Umtriebe werden immer klarer.

Ueber den letzten Ministerrath wird dem Magde­burger Correspondenten geschrieben:Die Verhandlun­gen über die deutsche» Angelegenheiten sind trotz der langen Berathung noch zu keinem festen Resultate ge­diehen, und es soll in diesen Tagen erst eine definitive Entscheidung getroffen werden. Vorwiegend sprach sich im Ministerrath die Meinung aus, zur endlichen Schlies­sung aller Differenzen in der deutschen Frage, so wie

zur ^Reorganisation der gemeinsamen Bundesverhält- ] Nisse das Zusammentreten eines deutschen Fürstencongresses in Anregung zu bringen, der Vollführung des neuen Einiguugswer- kes in die Hand zu nehmen habe."

In einer Berliner Correspondenz derH. N." fin­det sich die Notiz, daß Oesterreich sich staatsrechtlich verpflichtet hat (gegen Rußland) seine Constitu- tivn vom 4. März nicht zur Ausführung zu bringen, in so fern sie nicht die beabsichtigte Cen­tralisation bezwecke, und keine Vertretung beim Bunde zu dulden.

Bis zum 19. d. M. waren als an der Cholera erkrankt gemeldet 101, Zugang bis zum 20. Mittags 31; Summa 132. Davon sind genesen 9, gestorben 72, in Behandlung geblieben 51. Nach einer tele­graphischen Depesche aus Magdeburg vom 21. August ist am 17. Abends in Torgau die Cholera plötzlich so heftig ausgetreten, daß bis zum 19. 42 Personen starben.

§ Leipzig, 20. August. Wenn Hunger oder Durst die Schritte eines Fremden nach einer Restauration oder einem Kaffeehaus lenkt, so möge er sich zuvor sorgfältig erkundigen, ob die Stunde seines Hungers oder Durstes nicht grade mit einer der vielen Stunden zusammenfällt, in welcher die betreffende gottesfürchtige Stadt des- nigreidyè Sachsen dem Herrn dient; er könnte sonst Ge­fahr laufen, zum vollständigen Fasten verurtheilt zu wer­den. Man hat nämlich das alte Gesetz wieder anfge- than, daß während des Gottesdienstes keinerlei Speise oder Getränk verabreicht werden dürfe. Viele wollen indeß behaupten, daß es weniger auf die Mägen der Fremden, als auf das Geld der Wirthe abgesehen sei.

Wien, 19. August. (A. A. Z.) Graf Nesselrode wird in 5 bis 6 Tagen nach Wien kommen. Aus diesem Grunde ist auch die Reise des Grafen Mcdem »ach Kissiugeu unterblieben. Der Graf Ncsselrode hat seine Gesundheit ganz hergestellt, und seine Hierher­kunft wird wahrscheinlich Anlaß zu wichtigen diplo­matische» Konferenzen geben. Die Nachricht von der Aufstellung eines Truppencontingents an der Gränze Holsteins ist unrichtig. Man erwartet hier zuversicht­lich daß die Dänen die Eider nicht überschreiten, son­dern die Angelegenheit der Herzogthümer durch die Diplomatie entscheiden lassen werden. Allerdings herrscht eine gewisse Verstimmung zwischen dem. Justizminister und Hrn. Dr. Bach, wegen der Verlegung des ober­sten Gerichtshofs; t och wird sie ohne politische Folgen bleiben.

S ch l e s w i g - H o l st e i n.

# Vom Kriegsschauplätze wird die Großthat der Statthalterschaft gemeldet, daß sie Sagern 1. vom Major zum Oberst - Licuteuant beför­dert hat. Noch drei andere Ernennungen dieser Art sind erfolgt. Die Sache macht sich! Oberstlieutenant Lesser in Rendsburg ist an der Cholera gestorben. Bis jetzt sind nur in der Festung Cholerafälle vorgekommeii, draußen noch nicht. Im dänischen La­ger und auf den dänischen Inseln herrscht der Typhus und in dessen Folge große Sterblichkeit.

Wepubtik Frankreich.

Paris, 21. August. DasPouvoir" veröffent­licht heute unter der spöttischen Aufschrift:Hofnach­richten", das Resultat der zu Wiesbadeu abgehaltenen Konferenzen von 28 legitimistlschen Repräsentanten mit dem ® rasen v. Chambord, das es für durchaus zuverlässig angibt. 1) Die legitimistische Partei soll sofort mit dem Versöhnungs-System brechen, eine eigene Haltung und Politik annehmen und sich in Allem aus­schließlich nach ihren Principen richten. 2) Im Falle der National-Versammlung die Verlängerung der Ge­walten des Präsidenten vorgeschlageu würde, sollen die Legitimisten sich systematisch dieser Maßregel wider­setzen, weil dieselbe dein Grafen von Paris Zeit geben .würde, seine Mündigkeit zu erreiche» und mithin die Aussichten des Grafen von Chambord bedeutend schwä­chen könnte. 3) Hr. Berryer soll der erklärte und anerkannte Führer der legitimistischen Partei bleiben. DieGazette de France" (Organ de Larochejaquelin's) ist wegen des herben Tones ihrer Polemik speciel ge­tadelt und desavouirt worden. 4) Der Graf von Cham­bord hat erklärt, daß an de» Gerüchten über eine Annäherung zwischen den beiden Linien des Hauses Bourbon nichts Wahres sei, hat aber hinzugesetzt, daß er bereit sei, zehn Schritte zu thun, wenn der Chef der Linie Orleans einen thue. DasPouvoir" setzt hinzu, daß dieses Resultat einstimmig von den achtundzwanzig legitimistische» ^Repräsentanten gebilligt und vom Grafen von Chambord genehmigt worden ist.

Man spricht hier in den politischen Kreisen viel von einem Schreiben, welches der Prinz von Join­ville an einen bedeutenden Mann der gemäßigten Par­tei gerichtet haben soll, ohne daß jedoch bwhcr ein Journal den Wortlaut desselben mittheilt. Im Elysee soll man in einiger Bestürzung über dies Schreiben fein, welches vom Bulletin de Paris" als das Mani­fest einer neuen Candidatur für 1852, und daher als unter den jetzigen Umständen sehr gewichtig bezeichnet wird. Der Prinz sagt angeblich darin, daß es, feiner Ueberzeugung nach, nur zwei NcgierungSformei: für Frankreich gebe: die erbliche und legitime Monarchie, oder eine Republik, aber nicht eine prinzliche Republik. Er soll hliizufügen was im Munde eines Sohnes von Ludwig Philipp noch sonderbarer lautet , daß von der Monarchie der Auskunftmittel, wie wir sie während der Herrschaft seines Vaters hatten, nicht

mehr die Rede sein könne. DasBulletin de Paris" meint, es sei leicht, die e hrgeizigen Absichten zu er­rathen, welche das Schreiben zu verstecken suche, und man dürfe aus demselben weniger eine bestimmte An­näherung zwischen den beiden Zweigen des Hauses Bourbon, als eine neue Candidatur für die Präsident­schaft von 1852 folgern.

* Paris, 22. August. Das Resultat der Präsi­dentenreise steht jetzt fest: man hat seinen Kaisertrâu- men keinen Vorschub geleistet, man hat ihn im Gegen­theil ernst gewarnt. Die Republik hat im Volke be­reits so tiefe Wurzeln geschlagen, daß monarchistische Pläne, gleichviel ob sie von den Bonapartisten, Legi­timisten oder Orleanisten geschmiedet werden, den Prä­tendenten nur in Ketten und vielleicht noch in eine schlimmere Lage bringen können. An der Börse herrschte noch immer einige Niedergeschlagenseit über den wenig schmeichelhaften Empfang Louis Bonapartes in Besancon und Straßburg. 3% 58,35 (B. 5 C.); 5L 97,05 (Hanffee 5 K.); Bankaktien 2335 (Baisse 5 Frcs.); Geschäfte fast keine.

Belg i e n.

* * Brüssel, 23. August. Gestern Mittag traf die Königin von England mit Prinz Albert in Ostende ein, wo sie vom König Leopold begrüßt wurde.

Itiederlande.

Z Haag, 21. August. Heute wurde die Session der Generalstaaten in einer Sitzung, wozu beide Kam­mer:: vereinigt waren, durch den Minister des Innern geschlossen, welcher noch einmal auf die Arbeiten der Generalstaatenhinwies, namentlich auf das neue Schiff­fahrtsgesetz und auf die Reformen im Staatsgrundge­setze in Bezug auf das Untersuchungsrecht der zweiten Kammer, auf das Wahlrecht und auf die Bildung der Provinzialstaaten. Um die Nation unverzüglich in den Genuß ihres neuen Wahlgesetzes zu setzen, bemerkte der Minister, und ans keinem andern Grunde sei die Re­gierung zu der heutigen Auslösung geschritten. Die Nation solle jetzt ihre Schuldigkeit in aller Freiheit thun, um das Staatsgrundgesetz zu vollenden. Im ganzen Lande sind die Vorversammlungen zur Verstän­digung über die aufzustellenden Kandidaten bereits in vollem Gange. In Maestricht hat derliberale Wahl­verein" einstimmig die Herren Ro berti und Villers de Pita angenommen. Letzterer war Mitglied der zweiten Kammer. Hier im Haag werden Borrel und Baud wohl in die zweite Kammer kommen.

(Großbritannien.

* London, 20. August. Laut der Times hat die österreichische Regierung hieher gemeldet, daß sie Eng­länder, die jetzt häufig mit einem französischen oder belgischen Passe reisen, nicht in Oesterreich zulassen werden, wenn dieselben nicht mit einem englischen Passe versehen seien.

Amerika.

ff New-Aork, 6. August. Wir hatten eine Revolu­tion, in welcher deutsche Schneider die Hauptrolle spielten. Dieselben verlangten höhern Lohn und verga­ßen sich in ihrer revolutionären Hitze so weit, daß sie Eigenthumsverletzungen verübten, und Personen miß­handelten. In dem Handgemenge, daß zwischen ihnen und Polizeisoldate» entstaub, sind 2 Schneider geblie­ben, 60 wurden verhaftet, darunter 40 mit Wunden. Anch Viele Polizeisoldaten sind verwundet worden. ^Amtliche Nachrichten.

B e k a n « t tu a cb u n g.

(Die Ordnung des Beitreibungs- und HülfsvoUstre- ckungsverfahrens in den Finanzsacheir des Staates und der Civil- und Kirchengemeinden betreffend.

Auf den Grund der bestehenden Gesetze werden zur Ordnung des Beitreibungs- und Hülfsvollstreckungs- verfahrens in den Finanzsachen des Staates und der Civil- und Kirchengemeinden, sowie zur Durchführung der in der Verordnung vom 23. Dezember 1848 in Aussicht gestellten Trennung desselben von dem Hülfs- vollstreckungsversahre» in Cwilsachen, bis zur weiteren Gesetzgebung über das Erekutionswesen im Allgemei­nen aachssèhende nähere Vorschriften ertheilt:

§ . 1. Alle Abgaben, Gefälle und sonstige Leistun­gen, mit Ausnahme der direkten Steuern oder ähnli­cher öffentlicher Umlagen, welche durch besondere Ge­setze oeer Verordnungen auf einen bestimmte» Termin ausgeschrieben werden, müssen bei den Pflichtigen ohne Kosten für dieselben «»gefordert werden.

§ . 2. Diese erste Anforderung hat bei allen Ge­fällen der Rezepturen, welche durch Untergeber erhoben werden müssen, durch diese zu geschehen. Die Rezep­turen können sich zu der ersten Anforderung derjenigen Gefälle, welche nicht durch Untererheber erhoben werden, dennoch entweder der Untererheber, oder aber besonders dazu anzunehmender Personen, auch der Finanzereku- tanten, und am sitze der Rezeptur selbst des Rezep-' turdiencrs bedienen. I» allen Fällen sind diejenigen Personen, welche die erste Anforderung zu besorgen haben, in so weit solche nicht schon in Pflichten stehen, auf Requisition der Rezeptur durch das Justizamt zu diesem Dienste zu verpflichten. Die Rezepturen kön­nen sich derjenigen Personen, welche die Untererhe- bling oder die erste Anforderung besorgen, auch zur Versehung sonstiger dienstlicher Aufträge bedienen. Die Belohnung für die erste Anforderung derjenigen Gefälle, für welche eine Hebgebühr vergütet wird, ist in dieser inbegriffen. Wenn die Untererheber auch die erste Anforderung der übrigen Gefälle besorgen, und