Manufakturen Crefelds und Elberfelds, die^Tuch-Jn- vustrieen Eupens, Montjoie's, Aachens, Dürens, Lenneps und Kettwigs waren seit Jahren nicht so mit Aufträgen versehen, wie zur Zeit. Dasselbe gilt von Rheydt, Gladbach und Viersen, wo die gezwirnten und halbseidenen Stoffe äußerst gesucht sind. Der Haupt- ; markt ist überseeisch. Die Berichte aus den Vereinigten Staaten lauten hinsichtlich des Absatzes zwar weniger günstig, desto größer aber zeigt sich der Bedarf im südlichen Amerika. Am meisten in der Zunahme d begriffen hat sich der Handel nach Rio de Janeiro ge« j stalten. Alle Arten deutscher Metall-Waaren, besonders aber wollene und halbwollene Stoffe, werden daselbst schnell und zu guten Preisen verkauft, und sind in Folge dessen auch zahlreiche Bestellungen eingegan- geu. Mehrere deutsche Häuser haben es bereits für angemessen erachtet, in Rio Zweiggeschäfte zu errichten.
-{• Berlin, 20. August. Die N. Pr. Ztg. behauptet, daß die am 16. in Berlin eingegangene Embe- rufungsnvte zum Bundestage nicht gleich lautend mit der an die übrigen deutschen Regierungen gelangten sei! Ist das wahr? Die Herren in Wien und Frankfurt werden hoffentlich diesen Vorwnrf der seltsamsten Doppelzüngigkeit nicht auf sich sitzen lassen, wenn er unbegründet ist. — Die konservative Partei wird immer ungeduldiger; man spricht sogar von Adressen an den König, die in mehreren Provinzen vorbereitet werden, um vor Herrn von Radvwitz zu warnen. Gleichzeitig dringt die Coust. Ztg. immer energischer auf Einberufung der Kammern. Dieselben hätten, meint das genannte Blatt, sich früher willfährig gezeigt, um nur erst einmal eine beschworene Verfassung zu erlangen; diesmal aber würde das Parlament seine Pflicht thun und das Volk den Abgeordneten sagen, was sie zu thun hätten, — Aber wer glaubt denn noch an diese Möglichkeit? Das Volk nicht; vielleicht Herr von Rado- witz? Fast scheint es so, da die von lhm influencirten Blätter und lithographirten Correspondenzen heute zu verstehen geben, wenn die Regierung die Kammern jetzt zusammenbcriefe, würde sie die Verwirrung nur noch größer machen; übrigens werde sich Herr von Radvwitz zurückziehen., sobald das Land mit solchen Adressen vorschritte, „da ihm seine Stellung ohnehin schon Widerwärtigkeiten genug zugezogen habe." Der Magier hat seinen Zweck erreicht, die Verwirrung ist allgemein; jetzt kommt die Zeit, wo er seine Hände in Unschuld wäscht.
Berlin, 21. August. (Telegh. Dep.) In Sachen der gemeinschaftlichen Commission, auf welche einzugehen Preußen unter schon gemeldeter Verwahrung sich geneigt zeigt, sollen noch Erklärungen über die Zusammensetzung der Commission verlangt werden.
Wien, 17. Aug. (A. A. Z.) Die ungarische Angelegenheit scheint wieder in eine neue Phase getreten zu sein, mnd es wurde nun der ehemalige Sectionschef im ungarischen Ministerium der Justiz, Coloman Giczy eingeladen, um an den Reorganisationsberathungen theilzunehmen. Nach den abermaligen Schwierigkeiten zu urtheilen, welche sich in der jüngsten Zeit der bereits in Anssicht gestandenen Annäherung der altconservativen Partei zur Regierung ergeben haben, dürfte indessen die Berufung des ebengenannten Oppositionsmitglievs kaum zu einem gewünschten Resultat führen, da Giczy bekanntlich den Deak'schen Ansichten huldigt, und wie ich höre vor allem auf die Wiederherstellung der früheren Gränzen Ungarns dringen soll.
W Wien, 18. August. (Nat.-Ztg.) Ein halbofsizieller Artikel in der heutigen „Reichszeitung" bespricht nochmals die durch Cirkularnote vom 14. August eingeleitete Einberufung der Bundesversammlung als einen -letzten.Versuch, endlich eine Einigung herbeizuführen. „Die Bundesversammlung, so schließt sie, soll mit dem 1. September zusammentreten, sie hat bis nach der Revision der Verfassung zu dauern, und Oesterreich hat feierlich sein Wort gegeben, daß es nicht danach strebe, einfach und allein zu den alten Einrichtungen zurückzukehren."
Zugleich mit einem verschärften Preßgesetz soll auch die Organisation der Nationalgarde in einem neuen Gesetzentwurf ihre -Erledigung erhalten. Der „Wande- Tev" bemerkt in dieser Beziehung: „Nach den Grundsätzen, welche bisher sich in unserer nachoktvberlichen Gesetzgebung geltend gemacht haben, dürfte das zu gewärtigende Bnrgerwehrgcsetz gänzlich in die Kreise des Kvm- munallebens eingebaut werden und die Waffe nur der besitzenden, steuerpflichtigen Mittelklasse anvertraut werden. Schutz des Eigenthums, Aufrechthaltung der innern Ordnung und Sicherheit wird der ihr angewiesene Wirkungskreis sein." — Für Ueborwachung der Presse, der Vereine und öffentlicher Versammlungen soll bei den Stadt- Hauptmannschaften ein besonderes Centralburcau errichtet werden, dem unter oberster Leitung des Stadthauptmanns ein Polizcirath versteht. Aus den bereits an die Slatt- Haltereien versandten Grundzügen für die Organisation der Polizeibehörden geht hervor, daß der Stadthauptmann dem Statthalter unmittelbar untergeordnet ist, und an denselben täglich zweimal Rapport abzustatteu hat. In Wien sind diese Rapporte auch an den Minister des Innern abzugeben.
$ Wien, 20. August. Die heutigen Blätter nehmen das Aufgeben der Union von preußischer Seite als eine ausgemachte Thatsache an. Aber damit ist Oesterreich noch keineswegs zufrieden. „Erwartet das preußische Ministerium etwa", fragte gestern der halb- offizielle Lloyd, „daß unser Cabinet die Union aner-
kennen, die Militärconventionen gutheißen und die Entführung der badischen Truppen billigen soll? So von heiliger Einfalt erfüllt wird man in Berlin doch nicht sein!"
Aufgeben des Marine-Ministeriums keinen anderen Grund hatte als die gerechte Entrüstung über die Demoralisation am Hofe und das Herabzerren der königlichen Würde in eine eben so lächerliche als indigni- rende Skandalgeschichte."
Italien.
AuS Savoyen, 15. August wird der Köln. Ztg. berichtet: Santa Rosa ist nun bas allgemeine Felbgeschrei geworden, und namentlich wird in Chambery Alles an. gewendet, um den Einfluß Der Geistlichkeit zu untergraben. Am 13. fand in allen Gegenden Leichen-Gottes- dienst zur Ehre S. Rvsa'S Statt, und Die Theilnahme wird als sehr groß geschildert. Auf die gottesdienstliche Feier folgte in Chambery ein Banket, bei welchem man S. Rosa's Andenken, und N. Parrent, welcher wegen Preßvergehen verhaftet worden , hoch leben ließ. — In Bezug Fransoni's gehen uns folgende Einzelheiten zu: Unter den Papieren befindet sich ein in Chiffern abgesagtes Schreiben an den Papst; ferner sind die beiden Pfarrer der Viertel Barrone unb San-Dalmaz;o noch verhaftet worden; auch verfolgt man den Guardian des Klosters Madoua bei Angeli und noch viele andere Dominicaner. Den größten Verdacht wirft man auf einen Abvocaten Gonella, welcher alS Haupt des „ComplotteS" mit Oesterreich betrachtet wird. — Bianchi-Giovini ist auf spezielles Verlangen der österreichischen Regierung aus Sardinien gewiesen worden wegen seiner Aufsätze in der „Opmione" über die österreichischen Generale, in welchen er diese mehr o:er weniger als Diebe bezeichnete. Die sardinischen Schriftsteller, von denen Bianchi Giovini sehr geachtet ist, wollen dagegen einfommeu.
MepubLik Frankreich.
: Paris, 19. August. (Köln. Ztg.) Erst heute bin ich im Stande, Ihnen über den Verlauf der schon im Ministerrathe vom 16. August begonnenen Verhandlungen zu berichten. Wie ich Ihnen schon geschrieben, , wurden für die Conferenz vom 17. auch der Gesandte ' von Sardinien und der päpstliche Nuncius eingeladen i Letzterer eröffnete nun die Ansichten und Wünsche des 1 Päpstlichen Hofes. Der Papst könne es nicht zugeben, daß eine weltliche Regierung sich eine Machtvollkommenheit über die Disciplinarangelegenheiten des Clerns anmaße. Zwar stelle er nicht in Abrede, daß die sardinische Regierung das Recht habe, das äußere Verhältniß der Kirche zum Staat zu ordnen; allein sie hätten sich auch innerhalb dieser Grenze bewegen müssen. Ihr Verfahren gegen den Erzbischof Fransoni sei um so ta- delnswerther, als dieser, so wie die beiden anderen sardinischen Bischöfe nur die kirchliche Disciplin wahren wollten. Ueberdies beständen zwischen dem päpst- lichen Hofe und der sardinischen Krone diesfällig rechts- . kräftige Verträge, die allein hinreichten, den Widerstand des turiner Erzbischofs zu rechtfertigen. Der Pabst werde daher in keinem Falle nachgeben, und er hoffe Frankreich als „erzkatholischer" Staat werde in dieser Angelegenheit seine Dazwischenkunft eintreten lassen Der Gesandte v. Sardinien erwiderte den Vortrag des geistlichen Diplomaten auch mit keinem Worte. Erst als General Lahitte ihn befragte, ob feine Regierung in die Dazwischenkunft Frankreichs einwillige, meinte er, daß er hierüber keinerlei Instructionen besitze; er wolle aber umgehend an Herin d Azeglio Bericht erstatten und die diesfällige Antwort dem General Lahitte seiner Zeit mit- theilen. Doch könne er nicht unterlassen, feine Meinung dahin auszufprechcn, daß seine Regierung schwerlich gewillt sein Dürste, den Forderungen des Papstes sich zu fügen. Nach dieser kurzen Erklärung entfernte sich der sardinische Gesandte (gegen 4V4 Uhr), während der päpstliche Nuntiav bis $um Schlüsse des YRinisterrathes blieb, der bis 6 Uhr Abends dauerte. 7 Einer der Vertrauesten Ratygeber des Elisee soll dieser Tage, als man ihn über die wahren Beweggründe und den Endzweck der Botschaft vom 31. Oktober befragte, geäußert haben: „Es ist wahr wir haben sehr eifrig zur Erlassung dieser Botschaft getrieben, weil wir hofften, daß innerhalb einer Woche ihr die Proklamirung des Kaiserthums folgen würde Wenn'wir uns hätten einbilden können, daß man da- ! bei stehen bleiben würde, so hätten wir niemals zu i einer solchen Albernheit gerathen." 3
■ '^E, 21. August. Heute hieß es, man habe : den Präsidenten auf dem Balle in der Fruchthalle »u ; Besancon ermorden wollen; nach anderen Gerüchten i sei es auf eine Entführung abgesehen gewesen; meß' i rere Tausende von Demagogen hätten ihn mit Geschrei 1 und Gestikulationen umringt und General Castell ane (habe den Degen zur Vertheidigung Louis Bonapartes ziehen müssen. Die Patrie erklärt alle diese Gerüchte von einem Komplotte u. s. w. für grundlos.
. eine feindselige Kundgebung gegen den Pmsiveuten auf dem Balle erfolgte, soll aber Thatsache sein Mit ausfallendem Takte gibt die Patrie zu, daß der vorherrschende Ruf der Bevölkerung auf der Tour von Lyon nach Besancon der: „Vive le Rupubliaue'" gewesen sei. 1
! Än der Börse wirkte jene Gerüchte so nachtheilia ’ daß Die 3pCt. auf 58, 40. Baisse 15 C) Due I auf 97; (Baisse 20 C.) und die Bankaktien auf 2340; (Baisse s $r.) fielen
* Vom Kriegsruheplatze durchaus nichts Erfreuliches. Willisen beschäftigt sich mit Paraden, während die Dänen überall reine Bahn machen. Aus dem südwestlichen Schleswig vom 19. August erfahren wir durch die N. fr. Presse: Seitdem die Dänen am 6. die Stadt Husum besetzt, am 7. Friedrichstadt eingenommen, sind diese Städte nebst Umgegend völlig in ihrer Gewalt und nicht wieder verlassen, im Gegentheil wird Friedrichstadt stark verschanzt und ist bei Husum ein Lager aufgerichtet. Tönning, das ihnen eine zeitlang von Dithmarschen aus durch eine Abtheilung unserer Jäger streitig gemacht, scheint jetzt auch in ihrem dauernden Besitz, obgleich es einer Abtheilung unserer Jäger unter dem Lieutenant Ahlmann gelang, circa 80 Ochsen und viele andere von den Dänen in Eiderstedt requirirte Gegenstände aufzuheben. Die ganze reiche Westküste ist somit in der Gewalt der Dänen. Daß die Dänen über die Maßen requiriren, ist bekannt, aber die bestimmte Aussicht auf Militäraushebungen hat die Bevölkerung vollständig in Schrecken gesetzt, und sucht sich diesem Unglück jeder einigermaßen Waffenfähige zu entziehen. Holstein und vorzüglich Dithmarschen ist mit Flüchtlingen überfüllt, die Haus und Herd haben verlassen müssen. Da alles Intelligentere, alles Bessere sich aus dem von Dänen besetzten Schleswig entfernt, Mißtrauen unter der Bevölkerung einreißt, die Beamten nicht allein zur Gewaltherrschaft geneigt, sondern sogar dazu gezwungen sind, so muß, wenn die Zustände sich nicht bald ändern, das schleswigsche Volk einer schnellen Demoralisation entgegengehen. —
Aus Eiderstedt erfahren wir, gleichfalls durch die „N, fr, Presse", daß diese Landschaft schon am 17. August gänzlich in den Händen der Dänen war, so daß an keinen Widerstand mehr gedacht wurde, auch die ausgeschriebenen Kontributionen eingingen. Viele Einwohner, auch Dienende und Vermögenslose, hatten sich nach Dithmarschen geflüchtet. Jetzt wird aber Niemanden mehr der Uebergang über die Eider gestattet.
™ Jetzt erfahren wir cnvlich den Grund des plötzlichen Ansrückenö aus Rendsburg: die Cholera ist ausgebrochen; um ih>e Verbreitung möglichst zu hindern, ist der größte Theil der Truppen in die Umgebungen oder in Zeltlager verlegt worden. — Generalstabsarzt Strvmeycr ist aus der Gefangenschaft wieder zurück. — Die Kopenhagener Blätter besprechen Die Zukunft Schleswigs als eines eroberten Landes, nehmen aber das Wort Eroberung in ungefähr Dem Sinne, wie es die Barbaren der Völkerwanderung anwandten. „Fly- vcposten" will dadurch für die Besetzung der Aemter durch Dänen Platz geschafft wissen, daß die schlimmsten deutschen Beamten in Schleswig nach Guinea, die weniger gravirten in untergeordnete Stellen auf Island, den Farverinseln und in Jütland versetzt werden. „Fädrc- landct" ist sehr zufrieden damit, daß Tillisch in Schleswig mit Absetzungen der deutschen Beamten fortfährt, da cs erwartet, daß er Dabei bleibt und besonders auch die Geistlichen nicht ansnimmt; allein nicht so zufrieden ist „Fädrelaudet" mit den Wiederbeseyungen Der Stellen und kämpft für Die Besetzung Der Aemter durch Nativ- naldänen, wobei man sich durch untergeordnete Schwierigkeiten nicht abschrecken lassen dürfe; habe man z. B. keine Prediger und Schullehrer, die deutsch sprächen, so müsse man Die schon in Nordschleswig angestellten dänischen Prediger, Die deutsch gelernt, auf bessere Stellen in Südschleöwig verpflanzen, und ihre Stellen in Nord- schleswig mit Den Dänen, die noch kein Deutsch könnten, besetzen. — Der Telegraph meldet: „Mit dem 1. September d. J. tritt das Herzogthum Schleswig bis zur Eider in den dänischen Zollkomplex."
Dänemark.
Die „Weser-Zeitnng" meldet nach Privatbriefen aus Kopenhagen: „Es herrscht in vielen Kreisen Kopenhagens wie des dänischen Landes überhaupt eine tiefgehende Unzufriedenheit über die allerdings sehr ärgerliche Ehe, welche der König zur linken Hand einging. Man weiß hier aber mit derselben Bestimmtheit, daß das Ministerium dazu niemals seine Einwilligung gegeben paben^ würde ohne die vorausgegangene Wicder- eroberung Schleswigs. Der König hat seinerseits der Erbfolgesrage ganz in die Hände seines Ministeriums und der mit diesem unterhandelnden Mächte gelegt; als eine Art von Belohnung wurde dafür Sr. Majestät^ gestattet, die bereits vor längerer Zeit zur Baronesse Danner erhobene Rasmussen zu seiner Gemahlin zu machen. Die Abdankung Friedrichs VII. zu Gunsten seines Oheims Ferdinand wird der Heirath vielleicht schon binnen kurzem folgen; daß sie aber früher oder später sicher eintreten wird, daran zweifeln wir nicht. Der König liebt die zwanglosen Le- hensgenüsse. ohne die Mühe und die Langwelle des Re- i gierens. Sein Oheim paßt freilich noch viel weniger als er selbst dazu, eine Krone zu tragen. Doch für Dänemarks Zukunft wird Gott und Der Kaiser von ; Rußland sorgen, denkt man in den höchsten Regionen 1 Kopenhagens, die noch nie einen so kläglichen Anblick
^ Strasburg, 22. August. Gestern Nachmittag 6 Uhr traf Der Präsident unter Kanonendonner Glockengeläute und allem verbrauchten monarchischen - , . , , „ FUtter ein. Das „Vive Republique" ertönte ba’wt-
von den auswärtigen Angelegenheiten und Zahrtmannö schen, wie ein Mahnruf des Volkes, das seinen ersten
darboten, wie jetzt. Wir schöpfen aus sehr glaubwürdiger Quelle die Versicherung, daß Moltkes Rücktritt