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â' ^O0. Wiesbaderr. Samstag, 24. August 1^5^>.

OleFreie Zeitung" erscheint, mit Luüua-me M MvntagS, luguch in einem Bogen. Oer AdoanementSpr.-is beträgt v irrteltä-rig hier in Wiesbaden i ü. 45 fr.. au . wärts durch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Äufschlage. Jufetaie werden bereitwillig ausgenommen und find bei oer großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von rot. - amcm Erfolge. Die Jnserattonögedühren betragen für die vierspaltige Petttzeile 3 Kreuzer.

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Der militärische Standpunkt.

Q Born Rhein. DieNassauische Allgemeine" hat meine Behauptung, Hauptmann Blu m sei in der An­gelegenheit des Biebricher Militärkrawalles verurteilt worden, als unwahr bezeichnet; ich bin aber vollständig in der Lage, meine Aussage beweisen zu können, und so dieNass. Allg." als ein Blatt hinzustellen, dem man auch nicht einmal in Beziehung auf amtliche Vor­gänge immer Glauben schenken kann. Da mir mehrere Wege offen stehen, die Verurteilung des Herrn Blum zu beweisen, so will ich denjenigen wählen, der am schnellsten und besten zum Ziele führt: ich werde näm- lrch eine Stimme aus Biebrich vom militärischen Standpunkt herab ertönen lassen. Die Gerichte des Landes und unsere Negierung wissen vielleicht noch nichts von diesem spezifisch militärischen Standpunkte, es ist aber jedenfalls gut und nützlich, daß sie ihn ken­nen lernen. Ich ichicke zu dem Ende folgenden in der Deutschen Wehrzeitung enthaltenen Artikel:

.Biebrich a.RH., 5. August. Noch klingen die zu Lehrrzigeitdeu Worte eines Artikels der Deutschen Wehr­zeitung frisch zu uns herüber, in welchem Offiziere aller deutschen Staaten eingeladen werden, ihr Contiugent «n diesem Soldatenblatt zu repräsentiern. Diese Auf- sorderung war eine kameradschaftliche, eine innige. Nicht als ob es der Wehrzeitung an Stoff gebräche, sie hat ihn reichlich zur Hand, aber im eigenen Inte­resse der verschiedenen Contingente bietet sie uns ihre Spalten, sie will den TitelDeutsche Wehrzeitung" nicht ohne Grund führen.

Es hätte wahrlich einer solchen Ansprache nicht be­durft, um sich Berichterstatter zu erwecken, die gerne ihr Scherflein zu der guten Sache der Wehrzeitung beitragen möchten, aber zu einer solchen Correspondenz gehört eine gewisse Freudigkeit, die Freudigkeit des Soldaten, der sich fühlt. Leider haben wir lange auf eine bessere Zeit gewartet sie kam nicht.

Die Wehrzeitung ist aber auch auf der- Hochwache für deutsche Waffenepre und deutsches Waffenrecht, und hat die Verpflichtung übernommen, keinen der Ihrigen ungestraft tränten zu lassen. Wir beschränken uns da­her auf die einfache Mittheilung folgender Thatsache, und überlassen es den Führern der Wehrzeitung, vom militärischen Standpunkt ein Urtheil über die­selbe und deren Folgen zu fällen.

Vor einigen Wochen drang ein Haufe Gesindels in den offenen Hof der hiesigen Caserne und belustig­te sich ohne Erlaubniß der Militärbehörde am dorti­gen Turnapparat; einer kräftigen Aufforderung des ge­rade anwesenden interimistischen Bataillonskommandan- ten (zugleich Stadtkommandant) sich zu entfernen, wur­den Schmähworte entgegengesetzt, worauf ein Theil der Mannschaft unter das Gewehr trat und ohne den Be­fehl dazu abzuwarten, die unbefugten Gäste ziemlich nachdrücklich aus dem Bereiche der Caserne delvgirte,

wobei das kalte Eisen, das vielgefürchtete Dajonuet'"), dem Volke recht unbequem und mißliebig, keineswegs aber unmöglich wurde.

Das nahm der souveräne Pöbel sehr übel auf, und verklagte den energischen Hauptmann N. wegen Beleidigung. Da nun im Herzogthum für Vergehen außer Dienst eine eigene Gerichtsbarkeit nicht mehr eristirt (wohl aus ökonomischen Rücksichten?), so wird der BataillonsL Commandeur durch den Gerichtsvoll­zieher beim Justizamt in Wiesbaden vorgeladen, er­scheint und erklärt zu Protokoll, daß er in dieser An­gelegenheit diese Behörde für imcompetent erachte, da er im Dienst und zwar in der doppelten Funktion als Bataillonskommandeur und Stadtkommandant gehan­delt habe. Der Hauptmann N. erhält eine zweite Vorladung und erscheint nicht, endlich eine dritte fol­genden Inhalts:

Ladung. In der Untersuchung der Beschwerde des Theodor Kobsch und Consorten zu Biebrich, wegen Beleidigung durch den Herzog!. Hauptmann N. zu Biebrich. Mit Beziehung auf die Ladung vom 18. und 23. d. M. wird der Herzog!. Hauptmann N. zu Biebrich in die angedrohte Strafe von 3 fl. verfälligt und zur Vernehmung in dieser Untersuchung nochmals auf Montag den 5. August, Morgens 9 Uhr, hierher mit dem Bemerken geladen, daß bei fortgesetztem Ungehorsam seine Verhaft u n g und gefängliche Vorführung verfügt werden muß. Wiesbaden, den l9. Juli 1850. Herzogliches Justiz- Amt. (gez.) Winter. (An den Gerichtsvollzieher Iff­land dahier. Zur Abgabe an Herrn Hauptmann N. zu Biebrich und Bescheinigung.)

Hierauf erbittet sich der interimistische Bataillons­kommanbant Verhaltungsbefehle von der obersten Mili­tärbehörde, und wird von dem derrrmligen Chef des KriegsdepartemèMS Herrn v. Haveln dahin beschicken, daß er sich dem sauklionirten Gesetz fügen und der Vorladung zu folgen habe. Die Sache spricht laut genug für sich selbst, ein Urtheil über die Maßnahme unserer eigenen Negierung steht uns nicht zu; möge das militärische Publikum unsere Stellung würdigen.

Eine der schwierigsten Pflichten des Soldaten ist diejenige, still zu gehorchen, wo er eine andere Satis­faktion nicht nehmen kaun, noch darf!In Berlin mußten die siegreichen Truppen-die Barricaden räumen. Es war wohl der schmerzlichste Dienst, den je preußische Trup­pen auf den Befehl ihres Königs vollzogen, aber sie vollzogen ihn.

Gewiß stehen alle unsere Kameraden zu uns, wenn

*)Der souveräne Pöbel fürchtet daS Bajonnet, sowie Lanze ober Degen, überhaupt alle Stoßwaffen, weit mehr, als die Ku­gel, weil es immer losgeht, und seinen Zeitraum und Ladung be­darf, weil es still und sicher wirkt und weil es keine Deckung da­gegen kennt, wenn man ihm einmal rasch und nahe zu Leibe kom­men kann. Man hat Freischärler sich mit großer Bravour hinter Barrikaden und Deckungen herumschießen sehen, während sie das nahe Blitzen des geheimnißvollen Bajonnets nicht vertragen konnten."

wir solche Thatsache» ihrem unparlheiischen Urteil verlegen, wenn wir ihnen sagen, baß wir die ein­zigen sind, welche zu jederStunde gewärti­gen können, durch den Gerichtsdiener au, die Amtsstube citirt zu werden, wenn es ir- genjy einem Schuft von Proletarier ein­fällt, unS zu verklagen, sei immer die An­klage begründet oder nicht Sie werden gewiß zugestehen, daß solche Verhältnisse nicht geeignet sind, uns die Freudigkeit zu geben, die Freudigkeit des Sol­daten, der sich fühlen darf."

Der Friedenscongreß.

V Frankfurt, 28. August. Ist die PaulSkirche dazu berufen, die politische Narrhalla Europa's zu bleiben? Welcher Unsinn ist in diesen Räumen schon zu Markte gebracht worden; welche Utopien wurden hier geträumt; wie wenig ist in Erfüllung gegangen! . Der Friedknöcongreß hatte kaum eine unglücklichere I Wahl treffen können, als in dieser Todtenhalle zu ta­gen. So dachte ich, als ich in die Paulskirche trat, i Mir war ganz lcichcnbestattermäßig zu Muthe, als ich ; nach Jahr und Tag hier wieder so viel Volk brisam- men sah. Auf den Emporbühnen dieselben neugierigen, gedankenleeren Gesichter, dieselbe Ostentation mit Ge­fühlen für eine Welt, für deren Verwirklichung man keinen Finger rühren, keinen Kreuzer wagen will. Die Versammlung der Congreßmitglieder bietet manche interessante Einzelnheit; im Ganzen trägt sie jedoch das Bild der Zusammengewehtheit aus allen Him­melsgegenden. Man macht ein gar wichtiges Gesicht, man ist gesammelt, man ist sehr gottesfürchtig, jedoch ohne darum die Kuriositäten zu vernachlässigen. Es ; ist in der That eine höchst merkwürdige Menagerie von wirklichen Größen und notorischen Nullen hier bei- | summen. JDort steht der wohlmeinende'Gothaer Jaup, i der friedliebende^ Alte, der in den letzten Jahren in ! Hessen so viel Streit und Spektakel gehabt hat, er ist müde, er_ sehnt sich nach Frieden, und er wird deshalb ! zum Präsidenten des Kongresses befördert. Auf Gagern . folgte Jaup im Darmstädter Ministerium; der Kongreß ' erkennt dies Verhältniß auch für die Succession in der Paulskirche an und Jaup erhebt seine Stimme und spricht: Gewiß entspreche ich dem Sinne der ganzen Ve.« ' sammlung, wenn ich Sie einlade, in dieser feierlichen i Stunde Gott um den Segen für unser Unternehmen anzuflehen." (Pause.) Der Redner fährt fort:Lange gewohnt, beim Guten mitzuwirkcu, nehme ich die mir angebotene Auszeichnung an. Ich rechne auf die Un­terstützung der mir Beigegebcuen. Im Namen meines Vaterlandes begrüße ich den Friedenskongreß. Mein Vaterland, das ich so sehr liebe, wird nicht Zurück­bleiben." Der Redner wirft einen Rückblick auf die Wirksamkeit des Friedensvereins. Es ist ein Vornr- theil, sagt er, daß der Krieg nothwendig sei. Als der Gedanke des allgemeinen Friedens zur Anerkennung kam, bildeten sich in den Jahren 1815 und 1816 in

Verschiede»» es.

-»- Die Cholera hält jetzt wieder ihre Leichenerndte in furchtbarer Ausdehnung. Sie schreitet durch Nord­amerika bis hinüber nach Californien; sie wüthet in Mexiko, sie wüthet auf der Insel Cuba so, daß auf manchen Pflanzungen die Sterblichkeit unter den Negern 2530, ja auf einigen Plantagen sogar 40-50 Pro­cent beträgt, so daß man fürchtet, der Gesammtverlust werde, wenn die Seuche so fortschreitet, für Cuba allein 100 bis 120,000 Sklaven (oder mindestens 1,200,000 Dollars Kapitalverlust) betragen. Die Cholera wüthet gleichfalls in ganz Centralamerika; ferner auf der anderen Seite des atlandischen Meeres in Algerien, auf Malta, in Ägypten, in mehren Theilen des südöstlichen Asiens; endlich in den Städten Ost- und Norddeutschlands: na­mentlich in Braunschweig, Hannover, Magdeburg, Halle, Berlin u. s. w. In Braunschweig starben in 70 Tagen, ; vom 8. Juni bis 18. August 808 Cholerakranke, also ungefähr 12 Fälle täglich oder etwa 2 Prvc. der Be­völkerung. In einem einzigen Hause starben 13 Menschen in einer Nacht! Am 17. August wurden noch 23 To­desfälle gemeldet. Aus den neuesten Wiener Berichten erfahren wir, daß die Cholera am Semmering unter den Eisenbahnarbeitern plötzlich so bösartig wurde, daß an einem Tage 20 Leute starben; bis zum 17. waren ip, Ganzen 90 Sterbefälle vorgekommen. In Böhmen ist die Seuche bisher noch ziemlich gelind; in Prag kamen in voriger Woche 15 neue Fälle vor. Wie die Cholera,

I wüthet in diesem Sommer namentlich in Brasilien das I gelbe Fieber, das in Rw de Janeiro an 30,000 Men­schen , besonders Schwarze, fortgerafft haben soll. Auch die atmosphärischen Verheerungen sind in diesem Sommer keine vereinzelte Erscheinungen: auf den Antillen hat ein Wettersturm furchtbar gewüthet und die Wolkenbrüche am Schwarzwald, in Belgien und überall in größerem oder geringerem Maße dies Alles beweißt ungewöhn­liche Stimmungen in der Atmosphäre. Als neuesten Fall dieser Art meldet dieAngsb. Allg. Ztg." ans Verona, daß in der Nacht vom 14. auf den 15. Aug. in Folge eines Wolkenbruchs die fruchtbare Ebene zwi­schen Opsedaletto und Brescia überschwemmt und ein Schaden von mindestens 500,000 Lire angerichtet wurde. Schon hatte man 20 Leichen aus den cingestürzten Häu­sern gezogen. Der Pvstcnlauf war 12 Stunden lang gehemmt.

* Es ist zur Statistik der belgischen Industrie nicht unrichtig, die Theilnahme der Provinzen an dcr allgemeinen Londoner Ausstellung zu kennen. Die Kom­mission hat die Liste derjenigen Industriellen veröffent­licht, welche ihre Betheiligung fest zugesagt haben. Diese Liste enthält 387 Namèn , darunter fast die sämmtlicher industrieller Größen Belgiens.

Die ungeschriebenen Producenten ordnen sich nach den Provinzen, worin sie ihr Geschäft betreiben, so: Brabant . . . 118. Antwerpen . . 28.

Lüttich . . . 76. Hennegau . . . 22

Ostflandern . . 50. Luxemburg . . 5.

Westflandern . 50. Limburg ... 2,

Namur ... 36.

Dw Industrie-Erzeugnisse selbst ordnen sich so: Rohstoffe . ,. 73. Manufaktur-Erzeugnisse . 217.

Maschinen . 78. Kuustgegenstände, Skulp­

turen u. s. w. . 19.

Die Absendung der Gegenstände nach London findet im Februar 1851 statt.

(Passiver Widerstand.) Der Breslauer An­zeiger bringt folgendes Geschichtchcn: ,Jn der Nacht vom 11. zum 12. d. M. wurde in dem Hause zur Palme genannt, in der Bahnhofstraße, ein Keller gewalt­sam durch Losreißcu der Gitter an den Fcupern erbrochen und daraus mehrere Flaschen Wein und andere Gegen­stände gestohlen. Der Werth des gestohlenen Gutes ist gerade nicht von sehr großem Belang, jedenfalls ab r sind die Diebe zu dem Einbrüche nur durh den glück­lichen Erfolg eines frühern gleichen Unternehmens ermir« thigt worden. Denn schon vor etwa 4 Wochen wurde derjelbe Keller in ganz gleicher Weise erbrochen und aus dcmjelben mehrere Flaschen Wein, einige Flaschen Spiri­tus und andere Gegenstände gestohlen. Damals wmdcn die Diebe bei der Ausübung des Dicbstalfles beobachtet. Ein Bewohner des Hauses lag nämlich früh nach drei Uhr im Fenster, sah die Dirbe ankommen, eiubrcchcn, einsteigen und mit den gestobenen Sachen abg^cn, setzte ihnen aber nur passiven Widerstand entgegen, d. h. er