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„âeèheLL und tleeht!"
Jg z§ZD. Wiesbaden. Freitag, 23. August IMO
Tif „Freie Zeitung" erschein!, mit Lnöna-me deS MonèagS, tagUch in einem Bogen. — Der AdonnementSpreiS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 st. 45 fr au» wärtS durch die Post bezogen mit verhältmßmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Lerbreitung der „Freien Zeitung" stets von wo. - samem Erfolge. — Die InserationSgebuhren betragen für die vierspaltige Petitzetl» 3 Kreuzer.
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Assoziationen nach Proudhons Prinzip.
W Angenommen, es seien in einem Städtchen 1000 rüstige Arbeiter von der Wahrheit der Grundsätze Proudhons vollkommen überzeugt und entschlossen, dieselben in ihrem Kreise zu verwirklichen. Sie vereinigen sich zu dem Zwecke, sie bilden eine Assoziation. Jeder zahlt per Monat etwa 15 kr., es werden dann am Ende des ersten Jahres 3000 fl. in der Gesellschaftskasse sein. Diese 3000 fl. werden nun nicht auf Zinsen verliehen, sondern es wird mit ihnen nach Proudhons Grundsätzen, die aus Vernichtung alles Zinses gehen, gearbeitet. Es sei in demselben Orte ein angehender, ebenfalls für Proudhons Sozialismus eingenommener Gastwirth. Sein Etablissement koste 60^000 fl., er sei aber, da ihm 40,000 fl. zur Verfügung stehen, mit 20,000fl. Schuldner der Kapitalisten. Diesem Gastwirth offerirt nun die Gesellschaft der Arbeiter ihre 3001) fl., sodaß derselbe von den Kapitalisten nur noch 17,000 fl. nöthig hat. Die Arbeiter sind nun mit y20 am Geschäft des Gastwirths be- thciligt und erhalten also, wenn dasselbe 4000 fl. als reines Einkommen abwirft, am Ende des Jahres 200 fl. Hatten sie ihre 3000 fl. zu 5 pCt. verliehen, so hätten sie nur 150 fl. erhalte». Der Gastwirth muß nun freilich den Arbeitern mehr zahlen, als er dem Kapitalisten für 3000 fl. hätte zahlen müssen ; dieses Mehr wird aber vielfach ausgewogen durch folgende Vortheile: 1) dem Gastwirth stehen 1000 Leute zur Seite, deren lebhaftes Interesse es ist, den Gasthof zu heben, die also, jeder in seinem Kreise, unablässig thätig sein werden, das jährliche Einkommen zu erhöhen. Jeder der Arbeiter wird für seine Person natürlich nur diesen Gasthof frequentiren und wenn der Einzelne dem Wirthe per Woche nur 1 Kreuzer zu verdienen gibt, so erhöht dies allein den jährlichen Ertrag schon um 866 fl. — Der Kapitalist aber würde eben jährlich seine 150 fl. Zinsen fordern und sich nicht weiter um das Geschäft bekümmern. 2) In Unglücksfällen trägt die Arbeitergesellschaft das Mißgeschick mit; der Kapitalist aber zieht zur rechten Zeit noch seine 3000 fl. heraus und überläßt dann den ruinirten Geschäftsmann seinem Schicksal — Ist so das erste Arbeitsjahr verflossen, so sind weitere 3000 fl. beisammen, der Wirth hängt nun fortan von den Kapitalisten nur noch mit 14000 fl. ab und die Gesellschaft erhält am Ende des zweiten Jahres den 10. Theil des reinen Einkommens, also 500 fl., wenn sich der Ertrag durch obengeschilderte Einflüsse auch nur um 1000 fl. erhöht haben sollte. Die erhöhte Einnahme des Wirthes — im ersten Jahre bezog er 19/20 von 4000 fl., im 2ten Jahre schon 9/10 von 5000 fl. — hat aber die Wirkung, daß er gar nicht lange die jährlichen 3000 fl. der Assoziation in Anspruch zu nehmen braucht, daß er vielleicht von den Kapitalisten schon vollständig emanzipirt ist, zu einer Zeit, in welcher die Arbeitsgesellschaft mit % am Gast
hof betheiligt ist. Beide Theile werden es nun in ihrem Interesse finden, dieses Verhältniß für immer bestehen zu lassen. Die ArbeitsgescUschaft erhält für ihre 10,000 fl. viel mehr, als wenn dieselben auf Zinsen ausgeliehen wären, uuo % des Reinertrags, der durch beständige Mithülfe der Gesellschaft erzielt wird, sind eine größere Summe alö der ganze Reinertrag wäre, wenn der Wirth allein dastände, der 1000 in seinem Interesse arbeitenden Leute entbehrte und von jeher entbehrt hätte. Die Assoziatian wird von nun an ihre 3000 fl., die jedes Jahr der Kasse zufließen, sowie die verdienten 200 fl., 500 fl. re. andern Unternehmungen zuwenden, als Theilnehmer in weitere Geschäfte eintreten. Es wollen z. B. einige tüchtige Leute eine Unterrichtsanstalt errichten, die im Orte Bedürfniß ist, es fehlen ihnen aber die Mittel. Der Kapitalist würde ihnen allerdings aus der augenblicklichen Geldverlegenheit helfen,' dann aber jährlich seine Zinsen fordern und sich nicht weiter um das Unternehmen kümmern. Treten über die Begründer einer solchen Anstalt mit der Arbeiterassoziation in Verbindung, so haben sie außer den nöthigen Geldmitteln auch 1000 Leute gewonnen, die allerwärts für die Hebung der Anstalt thätig sein werden. Wird nur wenige Jahre in dieser Weise glücklich operirt, so kann der Verdienst in zwei Theile gebracht werden, von denen sich der eine unter die Mitglieder der Assoziation vertheilen (Dividende) mit dem andern aber weiter operiren läßt. Je kleiner der Bezirk ist, über welchen sich die Assoziation arbeitend verbreitet, um so sicherer wird der Erfolg sein, weil die Gesellschaft alle Verhältnisse und Persönlichkeiten sich genau besehen kann, ehe sie damit in Verbindung tritt. Es werden in solcher Weise die eigentlich zuverlässigen und prompten Zinsenbezahler den Kapitalisten mehr und mehr entzogen; — diesen verbleiben nur noch die unzuverlässigen Elemente. Die Kapitalisten haben dann nur zwei Wege: 1) Die Prozentzahl herabzusetzen und dadurch Leute, die mit der Assoziation in Verbindung treten wollen, anzulocken, oder 2) Auch im Sinne der Assoziation zu verfahren, d. h. Theilnehmer von Geschäften zu werden. Beides bringt uns aber dem näher, was Proudhon will. — Hat ein Mitglied der Assoziation einen glücklichen Gedanken, sein eigenes Geschäft zu vergrößern oder fruchtbringend zu erweitern, fehlen ihm aber persönlich die Mittel, so werden ihm diejenigen seiner College» ihre Dividende abtreten (resp, mit dem Betrag ihrer Dividende als Theilnehmer in dies erweiterte Geschäft eintreten), welche von der Zweckmäßigkeit der Erweiterung überzeugt sind, welche ihrer Dividende zum Lebensunterhalte nicht bedürfen und im Augenblicke keinen bessern Gebrauch davon zu machen wissen. So bildet sich innerhalb der großen Assoziation eine engere, die ganz und gar die Wirkung der Vorschuß lassen hat. Die Gesellschaft stellt in einer Liste ihre Mitglieder nach dem individuellen Wohlstand zusammen und revidirt diese Tabelle in angemessenen Zeiträumen. Werden nun Arbeiter krank, so
wird so vielen der wohlhabendsten Mitglieder die Dividende vorenthalten, als zur Bestreitung der Armenpflege nöthig ist. Diese Summen werden jedoch als Vorschüsse verzeichnet, welche die wohlhabendsten Mitglieder den Kranken gemacht haben und wenn letztere wieder voll* kommen arbeitsfähig sind, werden ihre Dividenden so lange den ersteren zugewiesen, bis die Schuld getilgt ist. So wird die Gesellschaftskasse im Falle der Noth zur Krankenkasse. Die Mitglieder der Assoziationen könnten unter einander Käufe, statt mit baarcm Gelde, mit Papier betreiben, indem der eine dem Anderen seine Dividende verschreibt. Das baare Geld kann dann vorherrschend nur zum Verkehre nach Außen hin verwendet werden, die Assoziation ist so nach Außen hin in ihren iinzelnen Mitgliedern reicher, mächtiger. - In verkleinertem Maßstabe lassen sich derartige Ass'zia- tioucn in jedem Dorfe aufrichten. Diese Gesellschaft: - Umgestaltung im Kleinen kann sofort in Angriff genommen werden, es steht ihr durchaus kein gesetzliches Hinderniß im Wege. Sehr heilsam wäre es, wenn in Bezirken, in benen keinerlei Assoziation besteht, inte idente und bemittelte Leute gemeinsam anregend und anfm.mtenid in dieser Sache wirkten, wenn sie zu dem Ende einen Verein bildeten. Ein solcher Verein mußte sich zur Hauptaufgabe machen, die Leute durch Wo t und Schrift vom Wesen und von der Wirkung der Affoizativnen zu überzeugen und dann eine ziemlich bedeutende Summe als Prämie der ersten Assoziation innerhalb des Bezirkes zusichern, die einige Jahre in gedeihlicher Weise besteht. Nur so kann die Lösung der sozialen Frage, die Beseitigung der gesellschaftlichen Uebel angebahnt werden. Selbsterlösung ist die Losung unserer Zeit — auch die Gesellschaft muß ihr eigener Heiland sein, und sie ist es, sowie sie sich in ihrer ganzen Kraft fühlt,^somie sie sich in organischer Gestaltung ganz und vollständig erfaßt.
»eutfcblenfc.
* Wiesbaden, 22. August. Die neueste Kurliste zählt bis zum 20. August inclusive 10,920 Kurgäste. Unter den vom 16. bis 20. angekommenen und noch anwesenden Gästen befinden sich 227 Franzosen, außer den weit zahlreicheren Passanten.
o=o Wiesbaden, 22. Aug. Die Nummer der Nass. Allg. Ztg. vom heutigen enthält in einem Artikel von Luuburg (19. August) die Behauptung, „es habe am vorigen Sonntag im Flindt' schen Wirthshause eine Versammlung von Demokraten aus mehreren Theilen des Landes bei verschlossenen Thüren stattgefunden". Daß die Versammlung stattgefunden, ist, wie die Leser bereits aus der Nummer der „Fr. Ztg." vom Montag wissen, richtig; daß sie bei verschlossenen Thüren stattgefunden, ist eine Lüge, wie sie uns in der „N. A. Z." nicht überrascht. Es wurde vielmehr von dem Vorsitzenden, I. Oppermann, ausdrücklich erklärt, daß, da die Versammlung einen durchaus Icga-
Californien.
» In dem sehr kalt und ruhig kalkulirenden „London News" finden wir folgende Bemerkungen über das neue Gold- und Geschichtsland Californien, die wir als Ergänzung, weil vom Standpunkte deö einfachen merkan- tilisch-pvlitischrn Kalküls ausgegangcn, zu der Rhapsodie in unserm gestrigen Blatte zu betrachten baten:
„Es ist zweifelhaft," bcmeift daS genannte Blatt, „d6 alle bis jetzt in Kalifornien entdeckten oder noch zu entdeckenden Schätze den jetzigen Goldwerth auf den Geldmärkten der Welt wesentlich beruhen und verändern werden. Bis jetzt scheint noch kaum so wcl als 10 Mill. Pfv St. in ganz Kalifornien ausgcgraben zu sein und es fragt sich, ob auch das Zehnfache dieses Betrages, über Amerika und Europa vertheilt, das Gold weniger kostbar machen würde, als cs jetzt im Verkehr der geschäftigen Menschheit ist Aber die Entdeckung dieser kalifornischen Schätze, sollten sie auch so unerschöpflich glänzend sein, als Manche sich einbilden, scheint bestimmt andere und noch wichtigere Ergebnisse für die Weltgeschichte zu liefern, ais es irgend eine Aenderung im relativen Werth der kostbaren Metalle sein könnte. Ein bisher öder uud beinahe unbekannter Streif Landes, der im äußersten Westen von Europa und America, dem äußersten Osten Asiens gegenüber liegt , ist plötzlich bevölkert worden mit einem kräftigen, thätigen, unruhigen, kühnen und nicht sehr gewissenhaften Geschlecht. Die
Einwanderer in Kalifornien, obgleich angcstcckt von den Lastern der Civilisation, besitzen in großem Maße auch ihre Tugenden — besonders die zwei großen Tugenden: Energie und Liebe zur Arbeit. Diese Tugenden sind die charakteristischen Eigenschaften des Herrschenden Weltvolkes, der Angelsachsen, und eben dieses Volk bildet eine große Masse der Einwandererschwärme, die entweder bereits im Hafen von San Francisco gelandet, oder sich zum Aufbruch rüsten nach den lockenden Strömen der Sicra Nevada. Solche Schaaren thatenlnstiger Männer werden ihre Kraft nicht immer auf die mühselige und ungesunde Arbeit des Goldgrabens beschränken; die Gold- jagd, wie bezaubernd auch dieses Trachten ist, wird nicht für immer ihre Aufmerksamkeit beschäftigen. Millionen von Menschen werden sich schon im Verlauf weniger Jahre in jenen Goldregionen ansiedeln, und diese werden bald zu der Einsicht kommen, daß Reichthum noch auf andere Weise zu erwerben ist, als durch Waschen und Sieben deö Flußsandes oder durch Zerbröckelung des cali- forniswen Felsgesteincs, um Goldadern zu finden. Auch wird der Ehrgeiz und die Streitsucht auf einem solchen Boden und unter einem solchen Volke kaum erlöschen. Wurde doch der Erwerb Kaliforniens selbst und die nachfolgende Entdeckung seiner Schätze durch Ehrgeiz und Streitsucht, und vbencin mittels einer Ungerechtigkeit herbtigeführt! Die Vereinigten Staaten brachen einen Hader vom Zaune mit einem schwachen Nachbar, und schlossen mit ihm erst Frieden, nach Abtretung eines
werthvollen und lange gewünschten Landstrichs. Nach den unerforchlichen Führungen der Vorsehung entsprang aus diesem Unrecht ein Segen. Ein in duc Irre wandernder verfolgter Marmone arbeitete an einem Mühl- I bache, und siehe da! das kalifornische Eldorado war entdeckt. Das Ergebniß dieses Unrechts und dieses Zufalls war die Schöpfung eines neuen civilisirten Staates in einem Theile der Welt, der bisher von Menschen mit den eigenthümlichen Kräften der europäischen Racen nicht bewohnt war, und Dabei in der Nähe von zwei der jajl« reichsten, eifersüchtigsten, ältesten, reichsten, aber w nigst bekannten Nationen der W.lt. China und 5 .pan, l ngc ohne Beobachter, haben nun den Bruder Jonathan zum Nachbar erhalten — denselben habsüchtigen, nnbedenk- llchen, kecken und pfiffigen Bruder Jonathan, der mit Mexico Streit anfing und es besiegte. Brilder Jonathan in seinem neuen Wohnsitze wird früher ober später, wenn er des Goldgrabens müde ist, jene Neugier, welche neben seiner Energie sein hervorstechender charakteristischer Zug ist, üben und den zwei geschloffenen Solf «Korporationen einen Besuch abstatten, eben nur, um sich die Fremden anzuschauen, wo möglich ihre Bekanntschaft und Geschäfte mit ihnen zu ‘machen — wo nicht, um einen Anlaß zum Hader zu finden, oder zu schaff n. Erwägt man ben Charakter der jetzt Kalifornien besiedelnden Angel- sachsen und den der ausschließlichen und stolzen, aber schwachen und entnervten Chin sen und Japanesen, so erscheint der Hader als das Wahrschein ichrre der beiden