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â ^DO. Wiesbaden. Donnerstag, 22. August Z8ZO.
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Eine Rhapsodie.
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X Die Geschichte der Menschheit rückte in ihren ersten bekannten großen Ausströmungen von den Höhen Centralasiens strahlenförmig nach den großen Fluß- thälern Astens aus: im Doppelstromgebiete des gelben und blauen Flusses ward das chinesische Reich gegründet und bis in die Tiefebenen ans stille Meer vorgeschoben; — in Vorderindien bildete sich die Hindu- Civilisation am Ganges mit seinen riesigen Nebenflüssen und am Indus im Fünfstromlade; — am Euphrat und Tigris , den riesigen Stromzwillingen, entstand das alte Assyrerreich mit Niniveh und das üppige Babylon, von denen jede Stadt ein stolzer Staat im Ringe kolossaler Mauern war; — am Orus und Jarartes, welche jetzt in den Aralsee durch öde Flächen schleichen, blühte das alte Zendvolf, dessen Weisheit sprichwörtlich, dessen Zustände aber noch fast ganz im Morgengrauen der Urzeit liegen. Auch Afrika, der selbst noch in unsern Tagen nicht ganz erschlossene Erdtheil, ward in die Entwicklungen und Geschicke Asiens Hin- eingezogen durch den Nil, an dessen Gestaden eine abgeschlossene Welt sich gebildet hatte, Indien an Riesenbauten, China an Stabilität und Assyrien an Priester- klugheit und Wechselfällen ahul ch. Auch an den Ufern und Auen des Iordan setzte sich ein Völkchen fest, dessen Geist die Spitze dieser Civilisationen und die Brücke zu einer neuen Entfaltung werden sollte. Das nannte man den O r ie n t, das Morgenland, seit es Tag geworben im Menschheitsgelste. Fortan drehte sich die Civilisation nur im untergeordneten Maße noch um die Stromriesen : denn der Hellene ward ein Mceranwohncr und Seebezwinger, während die Tyrer nur uferumgleitende Kaufleute gewesen waren. Das Meer aber, welches jetzt die Welt bedeutete, war das M i t t e l m e e r. Als der griechische Geist seinen Gipfel erreicht, strömte er nach Osten zurück, wo seine Quelle lag: unter dem Jüngling der Jünglinge, dem Macedonier Alerander, trug Hellas sein Joch und seine Kultur, trug es Fluch und Segen zurück bis an den Indus. Indien ward berührt, China, weit dahinten gelegen, blieb was es war; doch alle übrigen Staaten wurden hellenisirt in Sprache, Geist und Sitte. Aber das macedonische Reich, eine Jünglingsthat, schwand dahin wie die Jugend zu schwinden pflegt. Es war der Männerfaust der Römer Vorbehalten, aus einer Räuberstadt ein Weltreich zu schaffen und ein eisernes Joch um Alles zu schlagen, was der Geschichte angehörte, um Vorderasien und Nordafrika, um Europa, so weit es vom Mittelmeere aus damals erreichbar war.
Und als Alles eine Heerde und ein Hirt geworden, eine Heerde von Sklaven unter dem römischen Despoten, ging die Menschheit, der Verzweiflung Raub geworden, in sich. Da ward aus Abend und Morgen der dritte Schöpfungstag. Vom See. Genezareth -stieg eine neue Sonne des Geistes auf, das Christenthum mit dem Motto: „Alle Menschen sind Brüder, alle Kin
der eines Gottes." Und aus den Urwaldungen Europas traten die Germanen hervor, denen die Verheißung war, diese Ideen zu erfassen, zum Panier zu machen und mit demselben zu siegen und besiegt zu werden. Das Chr t st e n t h u in ward R ö in e r t h u in. Da erbebte der Orient noch einmal und ergoß im Zorne seine Fluchen nach Westen: der MichamedaniSmus hatte ein Volk ganz durchdrungen, und dieses Volk glühte, Abendland und Morgenland unter dem Banner des Propheten zu vereinigen. Die Araber eroberten was die Römer besessen, bis auf die nördlichen Gestade des Mittelmeeres. Sie fanden in Karl Martell ihren Mann, doch Spanien blieb ihnen. Und Fanatismus setzte si h gegen Fanatismus, der Orient ward vom Occidcnt bekriegt, beider Kulturen mischten sich: mit der Eroberung des heiligen Grabes hatte das Mittelalter seine Höhe erreicht, in der Entdeckung der neuen Welt und in der Reformation fand cs seinen Abschluß.
Eine neue Welt im 3 t au nie und eine halb neue im Geiste ward errungen: der vierte Schöpfungstag der Menschheit begann. Das Weltmeer war erfaßt. Nicht mehr um Stromgebiete, nicht mehr um Binnengewässer, wie das todte Meer und daS Mittelmeer, bewegte sich die Menschheit. Das atlantische Meer war das vorherrschende Gebiet geworden. Spanien bildete ein Weltreich durch Abenteurer und Pfaffen; es brach vor dem Geiste der neuen Gewissensfreiheit zusammen. Deutschland, Europa's Herz, war gebrochen: ein kleiner Userstrich trat die Herrschaft zur See an. Denn wem die See gehörte, dem gehörte die Welt. Holland erblühte in Kraft und Freiheit, und Holland verfiel dem goldenen Kalbe des Mammons und England erhob sich. Wie jenes unter einem Regimente reier Männer erstarkt war, so trat England unter dem großen Rebellen Cromwell die Erbschaft der herrenlos gewordenen Meere an. England blühte, England, I irt von jeher gegen eins seiner Glieder, Irland, verhärtete sich gegen die kühnen Pflanzer am andern Gestade des atlantischen Oceans. Da schlug die Geburtsstunde des nordamerikanischen Freistaats und mit ihm die Woz- genstunde eines neuen Völkertages.
Die Unabhängigkeit, die Europa den neuen Staaten wehren wollte, kehrte sich als Freiheit gegen ihre Schützen. England ermannte sich zu Reformen im Innern und es griff nach Südasien hinüber. Während die nordamerikanische Union sich befestigte nud Europa's Festland unter den ersten Wehen einer Wiedergeburt erseufzte, eroberte es Ostindien und riß mit kecker Faust ein lang vergessenes Glied der Geschichte in die Gegenwart empor. Napoleon, größer an Ruhm, doch nicht kühner als Clive, enthüllte Aegyptens Geheimnisse.
Was weiter geschah, um den Kreis der Geschichte zu vollendenden, war Stückwerk. Frankreich landete in Algier, England rüttelte an Chinas Niegeln. Da ward von einem Haufen Abenteurern Hinteramerika erfaßt. In Californien wurden Goldgruben aufgethan
i und Alles staunte. Gold ist viel, doch nicht Alles. Was bedeutet dieses Rennen und Jagen nach den fernen Gestaden des großen Oceans? Was hat der dunkle Drang zu bedeuten? Nur den Germanen ist es gegeben, die Weltmeere zu erschließen und zu beherrschen, die Germanen sind das Wander- undWnn- dervolk, seit Griechenland siel und Rom erstarrte. Die ' Holländer, die Engländer, die Nordamerikaner, war sind sie dem Ursprünge nach? Germanen!
Die Weltgeschichte rüstet sich in Californien pun letzten kühnen Sprunge; sie schüttet Gold ans am San Sacramento, um kühne Gesellen anzulocken, Män- ; ner, bereit zu verwegenen Thaten. Und schon strömen ! sie hin, die wilden, gährenden Massen. Bald wird die Lawine sich in Bewegung setzen; denn die Ge- ; schichte schreitet jetzt schneller, als vordem, sie hat den ; Dampf zu Flügeln geschaffen ihren Werkzeugen, bau i sie die pfadlosen Länder zwischen dem atlantischen znm stillen Meere durcheilen und dann hinüber ziehen nack Asien, um, was zwischen San Francisco und Cantyn ! liegt, zu ergreifen, um China zu schütteln, um den versteinerten Orient im Rüssen anzugreifen, damit die Zeit erfüllet werde, die neue Zeit, wo die ganze Erdkugel erschlossen ist zu Handel und Wandel, wo mit ihnen Freiheit und Gesittung ziehen, und wo in den { materiellen und Kulturinteresseu sich die große Riesen - iUmwälzung vorbereitet, wo die Völker sich selber Kö- ' nige und Priester, wo sie frei, gleich und verbrüdert sind.
So beutet es die tiefdudue an, so denkt es der Geist, so wird die Wahrheit Wirklichkeit werten!
llpb Rußland? Der Czar will den Orient mit dem Dee Went verbinden, wie Ka-'^' Kartenhäuser bauen: her Wind weht und sie stürzen zusammen. Napoleon wollte ein Kontinentalreich gründen, daS Abendland und Morgenland unter ein Scepter bringen sollte; der Plan ward in Rußland zu Kis., Die Pläne des Claren werden im lauen Westens« WassE_wcrdcn; denn bi m webt der Gluthhauch des Frcihe-tsgeisteo gen Osten. Stolze Cäsaren mögen Leiber erobern, G ist r ni H. Das fran- zösisibe Weltreich war nur eine Episode, das legte riesige Aufflackern monarchischer Kraft und d ßhalb unter einem illegitimen Herrscher, unter dem undankbaren Sohn der Revolution. Rußland wird cs kaum zum verwegenen Beginnen bringen, niemals mehr zu dau rüdem Erfolge.
Es ist mitunter Bedürfniß, aus den engen Gängen unserer erbärmlichen Maulwurfspolitik aufzusteigen zu den Hoch- gebirgsgipfeln der Menschheit und mit raschem Blicke ans der Logelperspective zu überschauen, was da war und ist und sein wird. Es erhebt, ermuthigt, beflügelt!
Denn nein und aber nein, was uns jeyl für Geschichte verkauft wird, es sind nichts als schmutzige Psnyen, schaurige Blutlachen. Nicht der russische Czar ist der gegenwärtige Gott der Menschheitsentwicklung; nicht das monarchische Prinzip ist die Zukunft der Welt; nicht Pfaffeirlist und Pharisäerlrug sind die Genien der neuen B tt 1 Die Völker der aldn Well müssen durchs rothe Meer aus der ägyptischen Sklaverei zum gelobten Lande
Die neuen Dragonaden.
)*( In Königsberg wird ber Entwicklung der . freien Gemeinden von Seiten der Regierung mit ber# ’ selben Schonungslosigkeit entgegengearbeitet, wie in Rheinhessen unter der gesegneten Hand des Herrn von Dalwigk. Aber trotz wiederholter Auflösung der Versammlungen, trotz Geld- und Kerkerstrafen der Prediger Rupp und Rasche, verbreiten sich die freieren Re- ’ ligionsüberzeugungen mehr und mehr und die prote- ‘ . stantischen Schriftgelehrten und Pharisäer gerathen im- c mer ärger in die Enge. Wie es wohl kommen mag, ! daß die preußische Regierung sich je weiter von der
l Intelligenz entfernt, je entschiedener das Volk sich derselben zuwendet, begreift sich; aber wie man glauben mag, daß das Volk durch Polizeimaßregeln, durch Dragonaden zum Pietismus bekehrt werden könne, das ist schwerer zn begreifen. Preußens Macht beruhte seit anderthalb Jahrhunderten auf seinen Bajonneten: man denke sich einmal den Fall, daß alle Preußen sich zum Muckerthum bekehrten, welch eine Armee wurde . das geben! Die Regierung wüthet also gegeu^ das, • was sie so gern erhalten möchte und worauf sie sich besonders stützt, gegen die Zukunft ihres „herrlichen Kriegsheeres",sie untergräbt also ibr mächtigstes Bollwerk. Aber freilich, wenn einmal die Mehrzahl der Prcuuen frei in ihrem Gewissen wäre, so würde das Heer gleich
falls nicht mehr so maschinenmäßig für Gott und König aziren. Also so oder so verloren, wäre es doch wohl das Bequemste, der Sache ihren Lauf zu lassen. Doch dann würden sich die Elemente nicht so schnell klären. Die Polizei thut also, was sie nickt lassen kann: sie „bient dem Herrn" und wirkt cadurch mächtig mit zur neuen Aera. Nächst den Predigern der freien Gemeinden I sind die Missionäre in derPickelhaube die wirksamsten Apo- . siel der jungen Zeit. So war es zur Kaiserzcit in Rom, so war, ist und wird eS ewig sein.
Verschiedenes.
'!- (Die Lola des Nordens.) Wenn eine ehrsame Bürgersfrau sich im gerechten Stolze ihrer Würde vor den hoch- und edelgebornen Damen nicht beugen will, wenn sie gar gleiche Berechtigung in der Gcscll- sckaft beansprucht, so rümpft mau die Nase. Wenn aber ein König das legitime Prinzip so versteht, jvie der König von Dänemark mit der „Mamsell Rasmussen", so trägt eine Gräfin der neuen Standesgeuossiu Die Schleppe! , Es war die Gräfin Schulin, die bei der Vermählung ' sich dieser beneidenswerthen Ehre zu erfreuen hatte. — Ein Correspondeut der „D. Allg. 3tg^ schildert die „Lola des Nordens" so: „Lola Rasmussen ist ein Seo- tenstück der Lola Montez. Wie diese letztere ist auch sic ehedem eine Tänzerin, wenn auch nur im Balletchor gcweseii; doch Hut sie früh dieser Laufbahn entsagt, unb
sich in Paris statt zur Künstlerin zur Putzhändlerin ausgebildet. Von da zurückgekehrt, errichtete sie in Kopenhagen das erste elegante und großartige Putzgeschäst, das sie nun verlassen hat, um die rechtmäßige , an die linke Hand getraute Gemahlin des dänischen Monarchen zu werden. Was diesen an sie fezselt ist mehr als ein Räthsel. Lola Rasmussen ist weder schön, noch jung, noch geistreich. Sie ist von niederer Herkunft, hat eine schlechte Erziehung gehabt, und ist frühzeitig sehr cor- pulent geworden. Was ihr nicht abzusprcchen sein dürfte, wird ein sehr munteres, ordinär-geniales Wesen sein, ein Wesen, wie es einst ähnlich an der Gräfin Licktenau gefunden worden ist." Der Correspondeut der „D. A. Z." seyt hinzu, der Hof sei über diese Heirath allerdings sehr aufgebracht, weil sie illegitim sei; die ersten Charge» und Damen hätten der Trauung nur beigcwohnt, weil ihnen mit Entlassung g-^-r-yt worden sei. A so so bc- dicntcumäßig ist der dänische Hofadel, daß er der Fmckt vor Entlassung Ueberzeugung, Scham und Ehre opfert! Und eine solche Aristokratie spricht von „Pöbel"?
Aus Holstein wird der „L. C-" geschrieb-u: „Hier rüstet fick Alles zum Auswantern für den Fall der dänischen Herrschaft, b. h. des burcaukratisckcu Absolutismus. Sehr viele reiche Leute sind für diesen Fall entschlossen, sich ein zweites und freies "Vaterland in Ceutralamerica zu gründen."