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^M jei^ Wiesbaden. Mittwoch. 21. August 1850.
Dt» „Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deâ Montags, tagtich in einem Äogen. - Oer Aovnnrmemöxreis betragt v icrteljâhrtg hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr., au.« wârtS durch die Poff bezogen mit verhâltnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen uno ftuo bet oer großen Ä.rdrritung der „Freien Zeitung" stets von wir - fvnem Erfolge. — Die JnserationSgedühren betragen für die vierspalttge Petttzeile 3 Kreuzer.
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Sozialismus, Gommuuismus und Aristo- kratenthum.
VII.
^: Louis Blanc ist Communist, Proudhon Sozialist; —in diesen beiden Männern tritt uns aber statt der wilden Leidenschaft des Babeuf und statt der unklaren Gefühle des Cabet überall scharf ausgeprägtes System, klarer Gedanke entgegen. — Während Proudhon den Satz aufstellt: „Der Staat, als solcher, dürfe kein Geschäft betreiben, weil er jedemfeiner Bürger gegenüber ein übermächtiger Concurrent wäre," will Louis Blanc gerade durch den Staat die Privat- roncurren; völlig vernichten Die Staatsregierung bekommt nach ihm die oberste Leitung der Produktion in ihre Hände und zu dem Zwecke auch eine bedeutende Gewalt. Damit muß sie Concurrenz machen, um alle Concurrenz zu vernichten. Mittelst eines Au- lehcns werden Ratio nalwerk statten errichtet, in -denen jeder ordentliche Arbeiter Beschäftigung finden kann. Die Statuten dieser Werkstätten ei halten durch die Nationalversaminlung Gesetzeskraft. Anfangs wird der Lohn nach der persönlichen Leistung des Arbeiters bemessen, später wird er für alle gleich. Im ersten Jahre soll die Regierung die Arbeiten Vortheilen, spater geschieht dies durch die Arbeiter selbst. Der jährliche Reinertrag wird in drei Abtheilungen gebracht 1) zur gleichen Vertheilung an die Theilnehmer, 2) zur Erhaltung der Arbeitsunfähigen, 3) zur Anschaffung von Werkzeugen. Dies sind die Grundzüge vom System des Louis Blanc. Man sieht, sein Ideal ist eine Versorgungsanstalt für Alle, für die rüstige Jugendkraft, wie für das kraftlose Alter. Die -Gesellschaft darf aber nur dem Versorgungsanstalt sein, dessen Arbeitskräfte in der freien, industriellen Welt sich erschöpft haben und der alles persönlichen Eigenthums ermangelt. In der Arbeitswelt des Louis Blanc hegt jeder Arbeiter Furcht vor der Arbeitskraft der Andern und alle fürchten sich gleichsehr vor der industriellen Freiheit. Da zuletzt alle Arbeiter gleich bezahlt werden, so erlahmt alles Streben — die persönliche Anstrengung trägt ja nicht die ihr entsprechenden Früchte.
Durch den „gleichen Lohn", welchen Louis Blanc anstrebt, ist das Recht der Arbeit, das Recht der Persönlichkeit aufs Tödtlichste verletzt. Die schöne Wechselwirkung, daß sich das Eigenthum aus der Persönlichkeit und die Persönlichkeit hinwiederum aus dem Eigenthum heraus gestaltet, ist nach Louis Blanc System eine Unmöglichkeit. Die Vortheile der Gemeinschaftlichkeit sollen, seiner Ansicht gemäß, auch zur Vereinigung in der Befriedigung der Bedürfnisse und Genüsse führen. Wie unerquicklich mag in einer solchen Werkstätte das Regiment der (wenn auch selbst gewählten) Aufseher sein!
Man wird dabei unwillkürlich au eine Stelle in Börnes Schriften erinnert: „Nichts ist betrübter und lächerlicher zugleich, als die kranke
Lust, sich freiwillig cinzupferchen und aus Furcht vor Den f c 1t e n c n Wölfen, der man im Freien ausgesetzt wäre, sich täglich den Launen desSchäferS n no sei neu unvermeidlichen Hunden preis^ugeben."
An den Nativualwcrkstattcn sollen auch Kapitalisten Theil nehmen können, wenn sie aber nicht mitarbei- teten, würden sie nur Zi nsen erhalten. Im Systeme des Louis Blanc wird also rein Kapital, als solchem, noch eine besitzerzeugende Kraft zugestanden. Proudhon dagegen will volle, industrielle Freiheit, völlig freie Bewegung des Individuums, nur soll das Kapital, als solches, nicht Besitz erzeugend sein. Das Kapital hat aber feine besitzerzeugende Kraft verloren, wenn der Zins in allen seinen Erscheinungsformen abgeschafft ist. — Angenommen, A habe dem B auf ein Haus, das 50,000 fl. werth ist, 40,000 fl. dreißig Jahre lang geliehen und es würde nun plötzlich Aufhebung des Zinses dekretirt. Kann dann B mit Recht zu dem A sagen: ich habe Dir seit 30 Jahren 60000 fl. Zins bezahlt, dieser ist jetzt aufgehoben, also ist Dein Haus nun mein Eigenthum und ich bekomme von Dir noch 10,000 fl. ? Keineswegs, denn so wenig als irgend einem G setze kann auch der neuen Gesellschaftsorganisation rückwirkende Kraft zugestanden werden. Der Besitz, der sich bei Aufhebung des Zinses in den Händen eines Mannes befindet, muß eben so unverletzlich sein, wie derjenige, den sich dieser Mann in Folge der neuen Gesellschaftsordnung erwirbt. Hat er durch Ausleihen ein ursprüngliches Kapital von 30,000 fl auf 50,000 fl. gebracht, so erkennt die neue Gesellschaft diese 50,000 fl. als sein rechtmäßiges Eigenthum an; nur kann er es von nun an durch bloßes Ausleihen nicht mehr vergrößern, weil in der neuen Gesellschaft nur die Arbeit besitzerzeugende und be- sitzvermehrende Kraft haben darf. Er muß nun eben mit seinen 50,000 fl. Theilnehmer eines Geschäftes werden und alle Wechselfälle des Geschickes mit den andern Theilnehmern nicht nur faktisch, sondern auch r e ch t l i ch tragen. Daß seine 50,000 fl. als Eigen- thum anerkannt werden, damit ist der Vergangenheit des Individuums Rechnung getragen, daß aber diese 30,000 fl. nicht besitzvermehrend fortarbeiten können, daß ihm dieses Kapital fortan nur Hebel seiner persönlichen Arbeit sein kann: das ist eben die Wirkung des neuen Gesellschaftsprinzips. So wahrhaft staatsmännisch weiß Proudhon sein Prinzip mit den bestehenden Verhältnissen zu vermitteln. Noch mehr: er will nicht die plötzliche, sondern die allmähliche Abschaffung des Zinses. Die Procentzahl soll immer kleiner und kleiner werden: erst 4, dann 3, dann 2, dann 1, endlich 0. So entwickelt sich, für die Einzelnen fast unmerklich, aus der alten Gesellschaft die neue. Die Macht aber, mit der er die Herabdrückung der Procentzahl bewerkstelligt, liegt in seiner Nationalbank, deren spezielle Beschaffenheit wir im nächsten Artikel geben werden.
Die Zeit der Prüfung.
DC Diez im August. Die jetzige Epoche ist für die Demokratie gleichsam eine Zeit der Prüfung. Als durch den Mangel aller Parteiorganisation in den Märztagen dem Volke"allmäylich ein Recht nach dem andern wieder entrissen wurde, da sah man auch Einen nach dem Andern von denen, die in den Tagen des Sturms ihre Stimme nicht laut genug erheben konnten, sich wieder in's Lager der volksfeindlichen Parthei hinüberschleichen. Mochte ihr Ehrgeiz einstweilen ge- sättigt sein, oder mochten mit den öffentlichen Hoffnungen auch manche Privathoffuungen zu Grabe gehen : das geschlagene, oder sagen wir lieber das betrogene verrathene Volk fand, da es am Tage der Niederlage seine Reihen musterte, daß viele Streiter, ohne doch auf dem Wahlplatze geblieben zu sein, nicht mehr erschienen waren. Aber das Volk that auch damals den Schritt, den nie eüw Parthei, ob aristokratisch, oder demokratisch, unterlagen soll: es brandmarkte öffentlich die Namen Dorer, die ihm ihre Treue entzogen, die ihm vorher ihre Liebe nur angeheuchelt hatten,. alS Verräther, als Apostaten! „Wer — so schloß es — mir nicht zu folgen vermag durch die Schule meiner Leiden, wer nicht sein Laos mit mir zu theilen begehrt in den Tagen der Entbehrung, während er in den Tagen des Glücks doch dessen Antheil mit für sich hinwegnahm; wer nicht mein Kreuz auf seine Schultern nimmt, ob er's schon tragen müßte bis auf die Nichtstätte: der ist nicht werth meiner und meiner heiligen Sache!" Wer will das Volk darob schelten? Hat es nicht ein Recht zu verlangen, daß diejenigen, die das Wort für es ergreifen, und die es dafür mit seiner Liebe belohnt, seine Fahne nie beschmutzen, daß sie ächte Jünger der Demokratie, dieses Messias der Zukunft, seien, daß sie nicht für dreißig Silberlinge das Leben ihres Herrn und Meisters an die feindlichen Gewalthaber verrathen?
Das Volk wahrt nur seine eigne Ehre, indem cs Diejenigen, die sich an der Reinheit seiner Sache versündigt, von sich stößt. Es ist nur die Richtstimme jenes Gewissens, des Gewissens, das sich da nennt öffentliche Meinung, die diesen Spruch vollzieht.
Doch es ist nicht genug, daß diese heilige Pflicht im Großen und Ganzen geübt werde, an Apostaten, deren Namen das ganze Vaterland kannte, auch jede nach so kleine Gemeinde, jeder einzelne Theil des großen Ganzen, muß darüber wachen, daß seine Vertreter, seine Vorkämpfer sich stets als ächte Jünger erweisen. Erst dann gewinnt die demokratische Partei jenen innern moralischen Halt, -jenes unbedingte Vertrauen auf sich selber, jene sich in allen Lagen gleich- bleibende Zuversicht, die ihr allein zuin Sieg verhelfen können.
Wo dieser Grundsatz aber nicht anerkannt wird, wo man ruhig zusieht, wie die demokratische Joee dem
Das Oraniensteiner Volksfest.
Limburg, 11. August. Heute waren die Mitglieder des Central-Comite's zur Organisation des Oranien- ßetiKf Volksfestes zahlreich versammelt; für dasselbe be- ftimmien sic als gemeinschaftliche Gesänge für Cie nassauischen Gesangvereine auf Vorschlag des Herrn Kauf- mmm Isbert in Diez 1) das Lied „Brüder reicht die Hand zum Bunde" 2) das Morgenlicd „Heil Morgen Dir" von Stoffert. Die Auswahl der einzelnen Wettgesänge wurden den Mitgliedern eines jeden Ge>augver- cinö überlassen.
Diese haben bis jetzt zahlreiche Betheiligung zuge- schrieben und werden hiermit ersucht, eifrigst die Uebung der Gesänge zu betreiben.
Herr Verwalter S a u e r b r e i dahier imD Herr Verwalter Stiel in Oranienstein haben in Verbindung mit Herrn Franz Seibel dahier die Leitung des Bergmannszuges an den Festtagen und die Vorbereitungen hierzu zur Ausführung übernommen.
Herr Bezirksrath Dünkelberg von Diez erstattete vollständigen und allgemein gutgeheißenen Bericht über die zweckmäßige Einrichtung des Scheibenschießens und den Kostenvoranschlag. Hierauf las Bezirksthierarzt Rübsamen von Welschneudorf einen äußerst klar und richtig abgefaßten Bericht über die eigentliche volkswirthschaftliche Bedeutung der Pferderennen und ihre günstige Bezugnahme auf die Pferdezucht im Allgc-
meinen. Es wurde sofort ein Renn verein gestiftet. Das von dem Genannten vorgeirgte Statut wurde geprüft und angenommen; zunächst ist hierbei die bäuerliche Pferdezucht in Rücksicht genommen, allein Prwatwettrennen nimmt der Verein in seinen Schutz und können sie an den Festtagen zur Ausführung kommen, die Actic ist nur zu 2 fl. angenommen worden ; der Vorstand und Ausschuß wurde sofort gewählt.
Es cuculircn zahlreiche Slatmcn Eremplare im ganzen Lande zur Einziehung von Aktien nun sobald als möglich die durch die Ausführung des Pferderennens bei diesem Feste erwachsenden Kosten zu ermöglichen; der höchste Preiß ist zu 66 fl. angenommen. Es werden alle Interessenten aufgefordert, dem Verein beizutreten, der bis jetzt eine große Theilnahme erregt hat. Der Zweck desselben ist auf die Hebung der Pferdezucht und auf die Ausführung von Wettrennen als Mittel hierzu gerichtet. Die Statuten können auch bei dem Vorsitzenden des Cen- ! tral-Camites unterzeichnet wc.den, wo sie offen liegen. Das abgeänterte Festprogramm mit Tagesordnung wurde von dem Vorsitzenden verlesen und angenommen.
Sonntag, den 18. l. Mts. Nachmittags sind die Hrn. Wirthe von Diez und Kimburg zur Vergebung von Plätzen in das Wirthslokal des Herrn Napp in Oranien- stein eingcladen.
Es wurde der Vorschlag gemacht, daß die Ausstellung der landwirthschaftlichen und gewerblichen Productc, in dem Gasthaus des Herrn Göbel in Diez statt finden
solle. Die Festtage sind nun auf bett 15. und 16 September L I. festgesetzt. Aus dcm Fcstprvgramin und der Tagesordnung werden nun folgende wesentliche P nkte hier hervorgehvben.
Am Vorabende des Festes werden auf dem Haupt- platze Böllerschüsse abgefeuert, die Vorversammlung deS Festcomite's mit den Untercommifftonen u. s. w. findet den 14. Septcmbi r l. J. von Abends 6 Uhr, im deutschen Hause bei Hrn. Gasthalter Franz Lothar Walther dahier statt. Die Vereine von der unteren Lahngegend Nassau, Ems u. f. w. werden ihr Standquartier in Diez nehmen, die von der oberen Lahngegend Weilburg u. s. w. in Limburg. Die Fremden haben sich an die Mitglieder des Comites und die Quartier -Commissionen im Nothfall zu wenden. Am Iten Festtage erscheint das Comite mit dem durch ihn geordneten Festzüge und empfangen von den in Diez versammelten entgegen komm n- hn Vereinen auf dem Festplay. Das Comite eröffnet den Zug, dann folgen die Ordner, eine Abtheilung Schlitzen, die Musik, die Sänger, die Turner, Bergleute, die übrigen Thrilnchmer am Feste nUd eine Abtheilung Schützen. Beim Erscheinen des Zugs auf dem Festplaye erfolgen Böllerschüsse und die Musik spielt.
Die Eröffnung des Festes findet um 9 Uhr mit einer kurzen Rede von dem Festplaye aus, statt, hierauf spielt die Musik, dann folgen von % 10 Uhr bis 11 Uhr die Verhandlungen über Landwirthschaft, Gewerbe und Volk b lduug. Vorerst übernimmt das Ccntralcomite