DeuKschlsuZ.
* Wiesbaden, 18. August. Die neueste Kurliste meldete außer den zahlreichen Passanten, die fortwährend unsere Stadt beleben, 10,349 Kurgäste, die bis vorgestern hier eingeschrieben waren. Die gestrige, wie die heutige Fremdenliste enthält wieder eine große Reihe von Grafen, Vicomtes, Barone u. s. w. ans Frankreich, darunter zwei Prinzen d'Henin d'Älsace. Im Alleesaal ist Fürst Narischkin auS St. Petersburg angekommen. Engländer, tonst Wiesbadens Gäste par excellence, trafen verhältnißmäßig wenige ein.
oo Wiesbaden, 19 August. Am gestrigen Tage hat in Kirberg, in der Behausung der Frau Flindt, eine Versammlung von Demokraten, bei welcher Jul. O p p e tin aR n als Präsident, Carl Naht von Wiesbaden als Schriftführer fnngirte, stattgefunden. Ohn- gefähr 50 Personen aus allen Theilen des Landes nahmen an den Verhandlungen, welche sich über die Belebung des Vereinswesens, insbesondere durch Gründung von Lcscvcreincn, sowie über die Unterstützung der demokratischen Presse durch die demokratische Parthei verbreiteten, Antheil.
Der Laudtagsabgeordnete Braun von Dillenburg machte mit Recht darauf aufmerksam, daß die Theilnahme an dem Vereinswesen sich deshalb in nicht wenigen Gegenden vermindert habe, weil diese Theilnahme zu sehr und zu hänsig, bei dem jetzigen Mangel an großen, das ganze Volk bewegenden Tagesfra- gen, von den Bürgern in Anspruch genommen worden sei. A. Velde von Diez hob hervor, daß man das Interesse für die Vereine wieder beleben werde, wenn man häufiger, als bisher geschehen, die socialen Fragen in den VereinSversammlungen zur Sprache brächte. Fr. Mann von Biebrich wies auf die Nützlichkeit von Volksbibliotheken und die unentgeltliche Belehrung Seitens der Juristen über politische und Rechtsfragen hin. Barlow von Kriftel erörterte, wie vortheilhaft für die Ausbildung des Volks cs sei, wenn begabte und aufopferungsfähige Männer den unbemittelten Bürgern unentgeldlich über politische und soziale Fragen Vorträge halten und auf diese Fragen bezügliche Schriften yorlesen würden. I. Oppermann von hier empfahl den Lesevereinen als den Vereinen überhaupt das Anschaffen von Fremdwörterbüchern und Conver- sationslerika, mit deren Hülfe das Volk allem im Stande sein würde, alle in den Zeitungen und Schrif- ten politischen Innhalts vorkommenden, aus mcht- deutschen Sprachen entnommenen Redewendungen, welche nun einmal in der deutschen Sprache eingebürgert seien, zu verstehen; er empfahl ferner die Bildung von RedeübungSvereinen, namentlich für die jün- gern Bürger. Außer genanntem Landtags-Abgeordneten Braun, beteiligten sich noch die Landtags-Abgeordneten Lang, Raht, Justi, Born, an der Zusammenkunft in Kirberg. Sehr erfreulich war cs, wahr- zu nehmen, daß auch viele wackere Bürger vom Lande das lebhafteste Interesse für die Belebung und Verbreitung der demokratischen Ideen an den Tag legten. Die VersammIungItrennte sich in der freudigen und gewissen Zuversicht, daß die Idee der Demokratie, welche im Leben dermalen scheinbar Terrain verloren, immer mehr und mehr mit unwiderstehlicher Gewalt die Herzen in allen Theilen des Landes erobern werde.
* Frankfurt, 19. August. Die „Augsb. A. Ztg." bringt über die Politik der mittleren Staaten einen Artikel, dessen wesentlichste Punkte wir in Folgendem zusammenfassen: Es ist richtig, daß zur Erzielung einer engeren Verbindung der mittleren Staaten ^Schritte ^geschehen sind. „Wie viel oder wie wenig Bestimmendes die Ansichten der einzelnen Schichten der sogenannten großdeutschen Partei auf die Entschlüsse der Cabinette der deutschen Mittelstaaten geübt haben mögen, wird schwer festzustellen sein; daß ' aber der Wunjch die eine Großmacht durch die andere
. im Schach zu halten zugleich als eine Bedingung der : Aufrechthaltung der eigenen Selbstständigkeit erkannt wird, und daß damit alle andern Betrachtungen über- flüfsig würden, das wird man ohne Widerspruch behaupten können. Aus dieser Betrachtung entwickelt sich eine wichtige Wahrheit, deren Erkennen von ent- scheidendcm Einfluß auf die Beurtheilung der deutschen Frage in ihrer gegenwärtigen Phase ist. Das Interesse der Mittelstaaten geht nicht allein dahin, daß Preußen von der Union abstehe, daß also Oesterreichs Verbleiben in Deutschland gesichert sey, sondern es fordert ganz vorzüglich, daß Preußen in den Bund mit Oesterreich und den übrigen deutschen Fürsten wieder eintrète, daß Preußen also weder eine besondere Stellung einnehme, noch sich auf sich selbst, mit andern Bundesglieoern oder auch allein, zurückziehe. Die Sorge, daß die vorläufige Lösung der Wirrniß darin beruhen könne, daß Preußen in eine isolirte Stellung gedrängt werde, mag nur das Motiv verletztes Ehrgefühl, oder getäuschte Hoffnung oder Berufung an die Zukunft sein, ist die größte welche die Cabinette der Mittelstaaten beschäftigt. -Träte dieser Fall ein, so befanden sie sich in derselben Stellung Oesterreichs gegenüber, wie diejenige nach ihrer Meinung gewesen wäre, die Preußen ihnen zu bereiten beabsichtigt hat; selbst in einer bedrohteren, weil die Schwerkraft Oesterreichs eine noch größere als die Preußens ist, weil die Macht Oesterreichs sich nach aller Wahrscheinlichkeit in kurzer Zeit und in einem außerordentlichen Maße entwickeln muß, und weil oft Geschichte Fingerzeige gist, daß nicht allein junge Staaten das Bedürfniß der Erweiterung ihrer Herrschaft fühlen, sondern auch alte davon nicht frei sind. Wenn daher Preußen, obwohl vielleicht außer Stande, die Union auszubilden, den Zutritt zu dem Bunde auf der alten Basis versagen, und vorziehen mochte, außerhalb zu bleiben, und blos in der abwartenden Stellung zu verharren, die cs jetzt im Verhältniß zu den zum Bundestag sich vereinigenden Fürsten einnimmt, so ist damit für die mittleren Staaten eine Lage begründet, die sie leicht für noch schlimmer als den Eintritt in die Union erachten mögen, und die nicht geringere Besorgnisse in ihnen erweckt, als jene ihnen verursacht hat. Es ist darum ganz natürlich, daß sie für einen solchen Fall Vorsehung treffen, und das nächste, daß sie unter sich eine Verbindung schließen, für dieselbe das gejammte Deutschland außer Oesterreich und Preußen zu gewinnen trachten, und sich dadurch zu stärken glauben, um als Ebenbürtige mit beiden deutschen Großmächten unterhandeln zu können, oder auch Front gegen beide zu machen, wenn es nicht anders sein möchte. Das ist die Erklärung, welche man von erfahrenen Männern der vielverbreiteten Sage geben hört, und die ich Ihnen ohne weitere Beithat referire."
Frankfurt, 18. August. Gestern traf G.-F.-Z.-M. v. Haynau hier ein.
* Frankfurt, 19. August. Die Berliner „Const. Ztg." wird in ihrer Polemik über „Preußens Ehre" noch von der „Ober-Post-AmtS-Zertung" übertroffen, welche einen aus Berlin datirten Artikel mit folgenden Worten beginnt: „Wie ich Ihnen voraüsgesagt, so ist es eingetroffeu: die Wahrung der Ehre Preußens besteht nur in Abwendung der Beleidigung ins Gesicht hinein. Die Mainzer Angelegenheit und die Frage wegen des Bundcsèigcnthums werden von Oesterreich nicht so behandelt, daß dadurch ein Nachgeben zwingen; je nachsichtiger im Kleinen es ist, um desto unabwewlicher wird es. im Großen sein. Die Ehre Preußens, die Preußen nur beim badischen Truppenmarsch und bei der Bunvèskaffe für gefährdet hielt, wird dort gewahrt werden, aber — um den Preis der Verständigung mit Oesterreich. Man weiß hier, was das heißt, und Oesterreich mag damit wohl zufrieden sein, es hat gewonnen im großen Spiel der Diplomatie, aber Preußen, das verloren hat im Spiel mit der Diplomatie, wie mit der Volkssympathie, Preußen wird ver-
urtheilt sein, nicht mehr Kraft zu besitzen, als dieses Ministerium Brandenburg -Nadowitz - Manteuffel, das von Preußen nicht soviel mehr hinter sich hat/ von dem alle Parteien in ihren Führern sich lossagen."
Aus Baden, 15. Aug. Durch hofgerichtliche Ver- urtheilung des vormaligen flüchtigen Advokaten E. Barbo von Emmendingen sowie des Rabenwirthes Fr. M. Grieshaber von Haslach, jeder zu 8 Jahren Zuchthaus, ist oberhofgerichtlich bestätigt worden. — Der frühere hiesige Bürgerwehrobrist, Kaufman Johann Peter Osterhaus auS Rheinpreußen, wurde durch hofgerichtliches Erkenntniß vom 2. d. M. wegen seiner Betheiligung an unserer Revolution zu 4 Jahren Zuchthausstrafe verurtheilt. Derselbe befindet sich bekanntlich seit ungefähr einem Jahre in Amerika.
Stuttgart, 15. August. Der „Beobachter" zeigt heute an: „Wir rathen den Bibliotheken, ihre Ge- fchichtsbücher in Sicherheit zu bringen, damit, wenn diese Gewässer sich verlaufen haben, wenigstens noch etwas Geschichte für die Nachkommen übrig bleibt. — Die heutige Nummer des Beobachters ist gestern Abend wegen des Feuilletons von A. Weisser, welches über das deutsche Hofleben des vorigen Jahrhunderts Auszüge ans Pahl, Schlosser und andern geschichtlichen Quellen enthält, von Polizeiamtmann Müller so eifrig mit Beschlag belegt worden, daß selbst eine Anzahl halb gedruckter Eremplare aus der Druckerei hinweg- nommen wurden."
Düsseldorf. 13. August. (N. Pe. Z.) Die Mu- nitionscolonne, welche früher in Köln lag und seit kurzer Zeit hierher dislocirt war, hat Ordre erhallen, nach Köln znrückzukchreu, um, um, wie es heißt, dort com- pletirt zu werden und dann nach Wetzlar zu dem Observationscorps abzurncken.
PP Berlin, 16. August. Die Zusammensetzung des Schiedsgerichts, das Oesterreich für die Interpretation des Festungsreglements von Mainz angenommen, wird unsern halboffiziellen Blättern zufolge, so erfolgen, daß Oesterreich eine Macht erwählt, Preußen die zweite und diese beiden ihre Stimmen für eine dritte vereinigen. Oesterreich hat seinen „versöhnlichen" Sinn sogleich durch Ernennung von Baiern kundgegeben, was in diesem Punkte grade so viel ist, als wenn es sich selber vorgeschlagen hätte. Ueber die Wahl unserer Regierung verlautet noch nichts; doch dürfen wir uns darauf verlassen, daß Alles nach Wunsch ablaufen wird. Denn, wohl gemerkt, diese SchiedögerichtSfrage ist blos eine spanische Wand, hinter der man ganz andere Dinge versteckt. Für die Zusammensetzung der Kommission für die Verwaltung des Bunseseigenthums sollen die Kommissarieu für Oesterreich vom engern Rathe ernannt werden. — Lächerlich ist die Jllusson mancher unserer Politiker, welche sich einreden, jetzt sei Alles gut, man habe versprochen, die Union "festzuhalten". Zwischen „Festhalten" und Vorangehen ist bekanntlich ein kleiner Unterschied. Wenn dies „Festhalten" mit definitiver Constiluirung gleichbedeutend wäre, so müßte man doch schon etwas davon hören, da in „Ehrensachen" jeder Verzug auffallen muß. Es ist aber Thatsache , daß in dem Ultimatum unserer Regierung an den Wiener Hof kein Wort von einer Anmerkung der Union von österreichischer Seite steht. Die ,N. Pr. Ztg." findet es lächerlich, daß es. noch Leute gebe, welche an die Lebensfähigkeit der Union glauben, /„nachdem selbst Herr von Gagern die Union für lebensunfähig erkannt hat." Die „Const. Z." dringt jetzt auf Berufung der Kammern, alS ob sie der Verwirrung steuern könnten! Hat denn die „Const. Ztg " ganz vergessen, daß die Kammern, wenn sie blos zum Jasagen kommen, die Schmach, welche die „Const. Ztg." im Aufgeben der Union sieht, nur noch vermehren, und daß, wenn sie ein energisches Wort reden, die Abgeordneten heimgeschickt und hinterher wohl gar noch mit Prozessen verfolgt werden? Nein, mag die Regierung die Suppe, die sie sich ge-
Licbe gehalten werden, wenn ein Mann nur eine Frau hätte, da die übrigen Fraucn die Dienerinnen der ersten sind.' Mit dem brüten oder vierten Lebensjahre werden die weiblichen Kinder in große Erziehungshäuser gegeben und von den Besitzern derselben später verkauft. Kehren wir noch einmal zu dem Handel zurück, so wird zu dessen Erhaltung holländischer Scitö alle vier Jahre eine Gesandtschaft an den Kaiser von Japan mit Geschenken gc- : schickt, die verschiedene Erniedrigung«, sich gefallen lassen muß, um die Gunst des Kaisers zu erhalten. Jedes - Scbiff ohne die Parole wird mit Kanoncnschüsscu von i ter Küste fern gehalten und deßhalb ist sonst für andere als die chinesische und holländische Nation noch kein Markt in Japan geöffnet.
K u n ft n o t i z.
E Was vorzügliche Naturanlage für den Gesang verbunden mit einer classischen Kunstbildung für herrliche Wirkung hervorzubringeu vermögen, davon können alle diejenigen erzählen, die dem legten Conzert der Frl. Rummel am 12. d. beizuwohncn Gelegenheit hatte». Der Name, welcher der Künstlerin vorausging, hatte ein zahlreiches Publikum, besonders .Fremde, in dem Reunivnssaale des Kursaals versammelt. Daß von ein- gebornen Wiesbader Familien wieder.nur wenige, ein
Dutzend etwa, erschienen waren, kann nur denjenigen befremden,7.der nick t wußte Z daß gerade nur unter der zahlreichen sogenannten gebildeten Classe der hiesigen Bevölkerung nur sehr wenige Personen geneigt sind, dem Kunstinteresse eine thatsächliche Huldigung darzubrin- gen. Hohe Anerkennung verdiente bei dem gedachten Conzert die Mitwirkung des hiesigcn Orchesters, das durch den Vortrag zweier Ouvertüre (Euryanthe von > Weber und Leonore von Beethoven) [jebe Erwartung ] mehr als befriedigte. Nur hätten wir zur Verstärkung der Gesammtwirkung den Saal noch einmal so groß gc= wünscht, indem die Tonmassen, besonders bei rascher Bewegung (wie namentlich in der brillanten Partie der Streichinstrumente im Schlußsatz der letzten Oper) sich so sehr über einander stürzten und deckten, daß in einiger Entfernung eine klare Auffassung nicht mehr möglich war. Nur vorübergehend, aber mit voller Anerkennung gedenken wir des Hrn. Stepan, der zwei deutsche Lieder mit großem Beifall -rorlrug ■ sowie eines anspruchlosen jungen Mädchens, Joh. Bierlich aus Jena, die auf der Violine Beriot'sche Variationen mit seltener Fertigkeit spielte. Die Leistungen des Hrn. Ad. Gollmick auf dem Pianoforte würden in Beziehung auf Fülle der Gedanken und Schwung des Ausdrucks gewiß bedeutender gewesen sein, wenn der wackere Künstler nicht, wie es augenscheinlich war, an jenem Abend körperlich angegriffen gewesen wäre. Desto glanzvoller war der Vortrag, desto lebhafter der allgemeine Beifall bei Frl. Rummel.
Insbesondere war es ein Gesangsstück: Les cherz o d’Amore, Thema mit Variationen, von dem berühmten Pergetti in London für die Künstlerin eigens cvm- ponirt, das durch Schönheit der Komposition nicht minder wie durch die erstaunliche und doch so ausdrucksvolle Gewandtheit der Sängerin das Publikum zu lauten, wiederholten Beifallsbezeigungen hinriß. Dem Vernehmen nach wird Frl. Rummel das gedachte Lied auf mehrfachen.Wnusch in einem anderen Konzerte nochmals Vorfragen, das zum Besten der Kleinkinder-Bc- wahranstalt in einigen Tagen abgehalten werden soll und worauf wir die Freunde der Tonkunst hiermit zum Voraus aufmerksam gemacht haben wollten. Möchte unsre Stadt eine Künstlerin von solcher Bedeutung bald wieder zn den ihrigen zählen dürfen!
Verschiedenes.
% Ueber das Riescngebäude zur Londoner I n d u st r i e- Ausstellu n g, das jetzt im Bau begriffen ist, hat Prapton in diesen Tagen folgendes ^Nähere mitgethlt:
Es besteht ganz aus Eisen und Glas , und der Architekt hat cs sich zur besonderen Aufgabe gemacht, den Riß so cinzurichten, daß alle Eisen- und Glas- stücke genau von derselben Größe und Gestalt sind, also nicht numerirt zu werden brauchen. Das Gebäude wird 5100 Fuß lang und 400 Fuß breit;