„âeèheit und Neehl!"
^^ FZDG. Wiesb^deR. DicnstLg, 20. August l&$0j
Die „Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen. - Der MvnnemenrüoretS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr.. aus wärtS durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen uno sino bei ocr großen dabtiüunj der „Frelen Zeitung" stets von wirl- pmem Erfolge. — Die JnserationSgedü-ren betragen für die vierspaltige Petitzctle 3 Kreuzer.
EU»" ^■^g-;-raj7^sgr5p^^<,<.j^.are^jjirin-TgF'r^^—'__!_XJ. 1 ■-—"'"■"^ >1»--! . /> ' >" , 'i ■ ■ i' Tftäii*i8ate^aagMgaBMMfeaaaJWaWMMMMWBI
Die neuesten Thaten der Diplomaten in der Gensralsuniform.
X Auch in Berlin fängt man jetzt an, über Willisens Taktik lauten Tadel auszusprechen. Man findet dieses Stillliegen unbegreiflich; man wundert sich nun auch, daß er ruhig zusteht, wie die Danen sich mehr und mehr im Mittelpunkte ihrer Stellung befestigen; man ruft ihm Suwarows Schlagwort zu: „Drauf los und schlage, schlage, schlage!" Aber der Diplomat in der Generalsuniform hört und sieht nicht; er denkt: „Vieg still und laß die Demokraten schreien!" Rührend ist rS anzuschaucn, wie die Gothaer in ihren Berichten ans Kiel, Rendsburg u. s. w. trotz aller ihrer Ungeduld wiederum die alte Lammesgeduld bewähren. Herrn von Manteuffels „Deutsche Reform" dagegen stimmt in einer Rendsburger Korrespondenz vom 14. Aug. folgenden Grabgesang an:
dt glaabe, es geht hier auf die 9i e i ge. Man spricht von Uute,Handlungen, aber aus welcher Basis könnten diese angeknüpft werden? Wenn es wahr ist, daß Rußland und England diplomatisch interveniern, w wird es wohl geschehen, um den Krieg i n Status quo zu beendigen, und Schleswig wäre dann verloren.
11 w wird der Krieg svrtgefuhrt, so ist Schleswig gleicl- falls verloren; wir haben nicht die Macht, den weit überlegenen Dänen aus seinen allerwärtS angelegten Ver- sthanzunge» zu werfen. Gebe man sich doch in dieser Beziehung in Deutschland keiner Täuschung hin! Was noch mehr, wir sind nicht im Stande, den Dänen zu hindern, bei Friedrichsstadt über die Eider zu gehen und Streif-Colonnen nach Holstein zu werfen, die das Land brandschatzen und in Schrecken seyen können. Kiel kann der Däne jede Stunde besetzen, ohne daß wir cs zu hindern vermögen. Betrachten Sie Picse Angaben als eine Mittheilung von Personen, die unsere Verhältnisse genau kennen; es wäre freventlich und gefährlich, Deutschland länger in Unwissenheit über unsere Lage zu erhalten. Wir sind keine Freibeuter und verzweifelte Menschen, daß wir uns aufs Gerachewohl gegen die Dänen stürzen sollten. Es wäre gewissenlos, so viele Menschenleben und vielleicht das noch von fremden Tyrannen nnbetreteue Holstein auf einen Glücksfall zu setzen. Auch wird unsere Armee nicht von Pessimisten geführt, welche das weitere Vaterland in Verwicklungen und gewaltsame Krisen stürzen möchten mit dem Rufe: Vogue la galère ! Wir sind redliche Patrioten und werden auShalten in unserer Position, um Holstein zu erhalten und die deutsche Ehre zu wahren. (!!) Mit unserem Fall würde sich Deutschland ein unverwischbares Brandmal aufdrücken. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß das Fort „Delius" im inneren Hafen von Kiel schon vor 8 Tagen darum deöar- miet worden , weil es den Dänen in die Hände fallen könnte, falls diese von Eckernförde her eine Streif- Co- ionne über den Eider - Canal geschickt hätten. Dieses stritte Fort ist nämlich von der Landseite ganz bloß ge
Der Handel mit Japan.
Als die Portugiesen in Japan im Jahre 1637 mit ihren Missionären auf ewig aus dem Reiche verbannt worden und gegen die von ihnen zum Christenthum bekehrten Japanesen, welche fast die Hälfte des Volkes bildeten, eine 40 Jahre andanernde Verfolgung begonnen hatte: gestattete die japanesische Regierung den Chinesenz und Holländern, ^und zwar den letzteren einmal im Jahre, ein Schiff nach Japan zu senden, jedoch durfte dieses nur für 300,000 Thlr. Waaren ein- flihren. Während der 200 Jahre dieses Handels haben die Holländer allein für 18 Millionen Gulden Gold aus dem goldhaltigen Kupfer gewonnen, das neben dem Kampfer Haupterport- Artikel ist. Eigenthümlich ist die Art dieses Handels. Sobald das holl. Schiff auf der Rhede von Nangasaki erscheint, muß es eine Flagge hissen, und den Besuch der Beamten erwarten. Diese Flagge ist mit dem letzten von Japan abgegangenen Schiffe an den Gouverneur von Batavia geschickt, und dieser überliefert sie dem Kapitän des nächsten Schiffes in einem versiegelten Behälter, mit dem Befehle, den Behälter erst auf der Höhe von Nangasaki zu öffnen. Dort wird also der Behälter geöffnet, die Flagge aufgezogen und die außerdem mitgegebene Parole vom Kapitän zur Kenntnißnahme genommen. Bald nach der Ankunft des Schiffes erscheinen wenigstens 30—40 Böte mit Beamten; einer von ihnen kommt an Bord
geben, seine früheren 10 Sechszigpfünder waren nur gegen das Wasser hin zu gebrauchen, von der Höhe Bellevue hätte ein heranstürzencer Feind, jeden Artilleristen in dem Fort wie einen Sperling wcgschießen können/'
Herr Brüggemann meint in der Kölnischen Zeitung, der Artikel müsse au einem „trüben Tage" geschrieben sein; wir setzen hinzu, daß er wahrscheinlich im Hauptquartier zu Rendsburg selbst geschrieben und dem Manteuffelschen Organe so zugegangen ist, um die heißen Köpfe in Deutschland abzukühlen und auch Dinge vorzuberciten, welche allerdings manches sonst höchst loyale Herz schmerzlich berühren würde. Ein Hamburger Korrespondent der Köln. Ztg. nennt diesen Artikel „indiskret"; er findet es arg, daß Hrn. von Manteuffels Agenten unumwunden die Furcht der Statthalterschaft vor einem Handstreiche der Dänen für Kiel aussprechen. Aub Hrr Beseler sucht das Vernichtende in diesem Vorwurfe über seine blasse Furcht — wir wollen lieber sagen: der Gothaer Furcht; denn die Kläglichkeit dieser Menschen wird dereinst in der Geschichte sprichwörtlich werden! — Jin Alto ace M ekur betheuert er oder einer seiner Freunde durch ein n officiöscu Artikel, seine Ueber fiebelimg sei blos zur Erleichterung der Geschäftsverbindung mit dem Generalkommando geschehen: natürlich, die Herren hab n hyt in Folge der Unterhandlungen mit dem Feinde viel mit einander zu verhanblen.
Mehr und me^r bestätigt es sich, daß Schleswig Holsteins Sache von den Gothaern gerade so geführt wird, wie die Sache des Parlament. Statt in Frankfurt zu rechter Zeit etwas zu wagen, was allein der Revolution dauernde Erfolge sichern und die dynastische Politik — dieses Marterbett der deutschen Nation seit nun einem halben Jahrtausend — für immer zu Grabe tragen könnte; statt den Bundestag als Leiche zu.proklamiren, wo es galt, der Hydra den Kopf zu zertreten; kurz statt zu handlen, schwatzten und faselten sie, statt voranzuschreiten gingen sie den Krebsgang von Frankfurt über Gotha nach Erfurt, um dort sich vollends in ihrer ganzen Hohlheit zur- Schau führen zu lassen. Jämmerlicheres ist nie gesehen worden, als jener Papageienschwarm, der Alles nachplapperte,, was sein Herr ihm vorsagte,der große Herr von Radowitz, und zuletzt doch mit Fußtritten heimgeschickt wurde, recht als wollte man der Nation zurufen: „Seht, das waren eure Götter in den Märztagen!" In die Hände dieser Klique waren die armen Schleswig-Holsteiner gefallen; sehr natürlich, daß die Diplomatie zu ähnlichen Mitteln wie in den Parlamenten griff, um auch dieses Kind der Revolution, Schleswig-Holsteins Befreiung vom Dâ- nenjoche, langsam zu Tode zu furtren. Es bedurfte zu dem Zwecke nur eines alter ego von Radowitz. Dieser Diplomat war bald gefunden. Man brauchte nur auf seine Rolle in Posen und Italien zu sehen, um in General von Willisen den Doppelgänger des General von Radowitz zu erkennen.
Die Gothaer, welche das seltene Talent besitzen,
i und prüft die Parole. Ist diese für richtig befunden, ■ so wird die Ladung auf der Insel Desima gelöscht und sämmtliche Waaren in die Waarenhäuser geschafft. Bald erscheinen die Kaufleute und beginnen eine eifrige Rechnung, die nach 2 3 Wochen einen festen Preis zur Folge hat, der jedoch von den Japanesen allein be- : stimmt wird. Ist der Preis festgesetzt, so beginnt alsbald das Geschäft, das in der Regel sehr einträglich für die Holländer ist. Die ganze Schiffsmannschaft nimmt an dem Geschäft Theil uno zwar bringt sie für ihre bmonatliche Löhnung Waaren mit und verdient fast 200 pCt. Eigenthümlich ist es, daß der Preis, den der Verkäufer empfängt, in umgekehrtem Verhältnisse zu dem Range steht, den er auf dem Schiffe ein- nimmt. Je niedriger der Rang, um so höher wird die Waare bezahlt, so daß der Kapitän nur 30 Rt. für eine Waare erhalten würde, für die der Schiffsjunge 100 Rt. erzielt. Vorzugsweise führen die Hollander außer Zucker starke Tuche und Banmwollenwaareu in Japan ein. In der Regel währt der Anfenthal des Schiffes 4 Monate und sobald dieses wieder in Batavia .eingctroffen ist, geht das zweite Schiff von dort ab. Japan ist ein hochkultivirtes Land und das Volk zeigt einen außerordentlichen Kunstfleiß. Metall- arbeiten und Lackirwaaren werden in ausgezeichneter Güte aiigefertigt. Vorzugsweise sind die Lacke von ausgezeichneter Härte und sehr geechmackvoll mit Perlmutter ausgelegt. Weltall spiegel von Kupfer mit einem Ueber-
immer erst vier Wochen später als andere ehrliche Leute klug zu werden und immer erst zu merken, daß ihnen eine Nase gedreht wird, wenn sie längst dupirt sind, gingen auch diesmal in die Falle: sie vertrauten Willisen den Oberfehl an und erhoben gegen jeden, der ihr Gothaer „Vertrauen" nicht theilte, Verfolgung So sich Schritt vor Schritt mehr verblendend, so die Begeisterung der deutschen Nation, die allein hier wirklich retten konnte, in Mißmuth und Zorn ver- wandlend, sich energischen Zuzug abschneidend und zuletzt sich als Feinde der freien Volksinstitutionen erweisend, sind die Statthalter so weit gediehen, daß sie zuletzt sich schon gegen den Vorwurf der Feigheit vertheidigen müssen und leider mit schlechtem Erfolge! Schleswig war Frankfurt! Mit Schleswig mußte die Sache stehen oder fallen. Wir haben früher aus einem Berichte der „N. Pr. Ztg." gezeigt, daß es ein schwer oder vielmehr jetzt nur zu gut zu begreifender Mißgriff Willisens war, im Herzogthum Schleswig sich nicht fester zu setzen, uns in der Gegend die Schlacht anzubieten, wo in den Hecken und Gaden das beste Terrain sich bot. Doch Willisen hatte nicht einmal für eine Steferve gesorgt! Daran ging die Idstedter Schlacht verloren und statt mit einem kühnen Streiche rasch wieder Alles zu wagen, um Schleswig wieder zu erobern, ließ er die Dänen sich festsetzen, gab er das Herzogtyum auf, wie die Gothaer Frankfurt aufgaben, als es galt, einen männlichen Schritt zu thun und ihr gegebenes Wort zu lösen. In Rendsburg ist Erfurt! Wie es hier ging, so geht es dort: man ist unschlüssig, man duckt sich, man opfert Land und Leute, Treue und Glauben, des nackten Lebens willen, um der Weiiduilg zuvorzukommea, daß Heinrich von Gageru in Trützschlers Gefahr, Herr Beseler in Brentanos Noth kommen könnte! Mit dem Feuer der Revolution haben diese Gothaer gespielt wie nie Kinder; aus Eitelkeit uno Großemannssucht drängten sie sich an die Spitze der Beivegung. „Ein Volk, das noch so dumm ist, solchen Mannern zu vertrauen, für solche Menschen zu sch värmen, ist noch nicht reif für die Freiheit!" dachte Ravowitz, als er nach Frankfurt kam; und darnach hat er gehandelt. Und konnte Willisen von einer Armee und einem Stamme besser den-' fen, als er sah, daß man Hab und Gut, Le.b und Leben, Freiheit und Ehre Leuten anvertraut hatte, die recht gute Stellenhalter, doch die schlechtesten Statthalter siud, welche jemals an der Spitze einer Volksbewegung standen. „Radowitz nnd Willisen, oder die Diplomaten in Generalsuniform," wird die Geschichte dermaleinst^die Krisis des Sommers 1850 betiteln und sprechen: „Sie waren getreuere Diener ihrer Herrn, der Fürsten, als jene Gothaer, welche den Historiker in Verlegenheit setzten, ob er sie ihrer unseligen Verblendung wegen mehr bemitleiden oder wege i ihres unglücklichen Einflusses auf die Geschicke Qiee Zeitgenossen dem Fluche der Nachwelt anheingeben soll."
zuge von Platin oder Nickel, der nur auf galvanischem Wege darauf befestigt sein kann, zeigen eine solche Gleichmâßiekeit des Gusses und der Politur, daß sie einem europäischen Kunstler Ehre machen würden. Höchst zierliche unb geschmackvolle Körbe von Bambusrohr in der höchsten Manigfaltigkeit der Flechterei, werden in Kisten zu dreißig Stück verkauft und kosten ungefähr zehn Silbergroschen pro Stück. Es sind dies Arbeiten, die bei uns wenigstens mit 2 3 Thlr. bezahlt würden. Die Sprache Der Japanesen gleicht nicht der chinesischen, die meist aus Kehl- und Ytasenlaulen besteht, sondern hat einen Klang, der dem Russischen sehr nahe kommt. Ede go gleicht die GesichtSbildung mehr dem Typus der Russen und hat weniger Aehnlichkeit mit dem der Chinesen. Die 9i.« gierungsform ist bekanntlich der härteste Despotismus, des Kaisers Wille ist das höchste Gesetz, er theilt jedoch seine Macht dem Scheine nach mit einem Nachkomm u des früheren H.r> scherstammes, eine Art von geistlichem Oberhaupte. Ausgesprochene Todesuriheite vollzieht der Verurtheilte an sich selbst dadurch, daß er mit einem Messer den Utturmb quer durchschneidet. Zu diesem Zwecke führt jeder Japan.se außer dem ©duverbte noch ein Messer bei sich. Sich nach einer Verurtheilung selbst zu tobten, ist Eh.krache. Die Frauen höherer Etände vergolden die Lippen und färben die Zahne fchwarz- während die Männer b.en.end weiße Zähne haben. Die Vielweiberei ist S:tc: es würde für cin.it Mangel an