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Freie Zeitung.

âeiheit und Recht!"

â 1.1)0 WiesbadeR. Freitag, 16. August

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DtkFreie Zeitung" erscheint, mit ÄuSna-me des Montags, täglich IN einem Sogen. Der Adonnementöpreis warts durch die Post bezogen mit verhälmißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen unv fino bei ver sâincm Erfolge. Die JnseralionSgebii-ren betragen für die vierspaltige Petitzette 3 Kreuzer.

Freiheit und Macht.

^W Die Liebe bindet, der Haß löst, die Freiheit versöhnt und kräftigt, die Knechtschaft schwächt und erbittert. Politische Unfreiheit hat den deut­schen Reichskörper aufgelöst und mehrere seiner Theile zu den kräftigsten Gliedern anderer Staaten gemacht, politische Freiheit wird das Getrennte wieder einigen. Eine, deutschen Geist und deutsches Wesen athmende Verfassung hingcsteUt nicht auf geduldiges Papier, sondern ins wirkliche Leben und der Magnet ist geschaffen, dem alle ursprünglich deutschen Lande zu- fliegen werden. , _, ,

Polen und Italien können nur mit eiserner Faust bet Oesterreich und Preußen erhalten werden, Elsaß und Lothringen fühlen sich ganz behaglich bei Frankreich. Warum das? Frankreich ist der Vorkämpfer politischer Freiheit, Preußen und Oesterreich dagegen haben von jeher der politischen Unfreiheit gehuldigt, letzteres offen, ersteres in liberaler Maske. Freiheit ist das erste, deutsche Freiheit das zweite, eo lange der Nach­barstaat freier ist als Deutschland, kann ein deutsches Land die politische Verbindung mit ihm erträglich fin­den: bietet aber Dentichland die gleiche Freiheit, dann fliehen Mm die ursprünglichen Theile alle wieder yi, von einem Gefühle getrieben, das zugleich Frei­heitsdrang und Heimweh ist. Als nach der Marzbe- wcgung die demokratische Partei mit aller Begeisterung darauf drang, Deutschland den andern freien Staaten ebenbürtig zu machen, als diese Partei nicht nur eine freisinnige Verfassung, sondern auch die Garantie ihres Bestehens schaffen wollte, da arbeiteten ihr die Män­ner der Rechten und des Centrums mit aller Kraft entgegen. Mit der Phrase:das ist keine Frage der Freiheit, das ist eine Frage der Macht" wurden alle Anträge, die auf Befestigung der Freiheit gingen, ver­worfen. Wo ist denn nun eure Macht, ihr klugen Professoren? Dieses Aufopfern der Freiheit zu Gun­sten der Macht hat die Wirknng gehabt, daß der Czar den dänischen Zwerg mit Erfolg missenden konnte, um dem deutschen Riesen wiederum ein Glied vom Leibe zu reißen.

Mit' der Freiheit wurde auch Deutschlands Macht zu Grabe getragen. Doch die Freiheit, wie Alles Gött­liche, kann im Grabe nicht vernietet n, sie wird in vollem Glanze wieder aufersteh'n. Dann, ihr deutschen Söhne, denkt der letzten Jahre und opfert die junge Freiheit nicht wieder einer vorgcspicgclten Macht. Huldigt vielmehr ihr, als der wahren, der einzigen Macht und rastet und ruhet nicht eher, bis ihre Herrschaft dauernd befestigt ist.

Ihr habet Einheit und Macht der Freiheit nach­folgen sehen ins frühe Grab; strebet nun vor allem nach der Freiheit, dann werden euch die andern Schätze von selbst wieder zufallen. Belgien ist, um nur eines zu erwähnen, durch sein materielles Interesse direkt auf Deutschland hingewicsen. In Verbindung mit Frankreich

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ist Ankwerpen der letzte, in Verbindung mit Deutsch­land ist es der erste Hafen. Die Befreiung von den un­heimlichen Pfaffengewcben, welche den cvnstitütioncllcn FreiheitshMmöl Belgiens immer bedenklicher und düsterer überziehen, kann nur aus Deutschland kommen. Stellt Deutschland auch noch eine Verfassung her, welche mehr politische Freiheit garantier als Die belgische, so ist die Föderation mit Belgien gewiss im Augenblicke da und Ho.and muß dann von selbst folgen. Haben wir die Küsten, dann stehen wir groß und mächtig da und können mit dem Dänen und seinen Helfershel ern nach Herzenslust abrechnen. Merken wir uns daher: das un­freie Deutschland ist ohnmächtig, das freie Deutsch­land wird allmächtig sein.

D e u r f â è Ä K A.

Ä- Wiesbaden, 14. August. Die neueste Kurliste, die bis zum 13. einschließlich geht, meldet 9874 Kur­gäste, ohne die Passanten. Gestern Abend ist der Herzog auS Baden-Baden wieder in Biebrich eingc- troffen.

# Wiesbaden, 15. August. Die Wallfahrten der französischen Legitimisten dauern fort, doch meldet die neueste tägliche Fremdcnliste durchaus keine politischen Bedeutendheiten. Unter den neu angekommenen Fran­zosen befinden sich: Graf de Broyes, Graf Duluart, Baron de Montecloque, Marquis de Gaucheville, Graf von Maurui, Marquis d'Espcnays de St.Lue, Prin­zessin Bahration, Graf und Gräfin de St. Laurent, Baron b'Osy, Repräsentant, Hr. Thellier, Präsident, Hr. Nebelt, Advokat rc.

* Wiesbaden, 15. August. DerA. A. Ztg." wird aus Frankfurt geschrieben, daß der Legitimisten- kongreß schon am Dienstag wieder auseinander gehen werde. Wir haben heute Donnerstag und diese Pro- phezeihung ist noch nicht eingetroffen. Interessant da­bei ist jedoch die Begründung des konservativen Blat­tes, es meint, jenes Auseinandergehen werde erfolgen, aus Rücksicht auf die nassauische Regierung, welche so wenig wie die preußische geneigt sein könne, ein zweites Coblenz, wenn auch nur dem Anschein nach, auf ihrem Gebiete sich bilden zu sehen." DieAgsb. Allg. Ztg" will wissen, daß sogar von Berlin aus in diesem Sinne Vorstellungen bei dem herzoglichen Hofe kingelaufen seien. Ist dem so? Dann wäre die Vi­site" des Ministerpräsidenten, Herrn von Wintzingerode, bei dem Herzog von Bordeaux, den dieNass. Allg. Ztg." meldete, ein Dementi, das unsere Regierung der preußischen zu Gunsten der französischen Legitimitäts­bestrebungen gegeben hätte, und folglich ein bemerkens- werther politischer Akt.

DasFr. Journ." besteht, unter Berufung auf die tägliche Fremdcnliste vom 10. August, darauf, daß Herr von Noell, k. k. öftere. Gesandter aus Frank­furt", sich im Hotel Düringer unter den Gästen ein­geschrieben habe.

beträgt v icrteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr. aua. große» Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wir-

Frankfurt, 14. August. Die O.P.A.Z. erklärt jetzt, freilich etwas spät, daß die telegraphische Nach­richt der Köln. Ztg.:das Plenum hat sich aufgelöst", falsch sei; was das^ Plenum gethan habe, werde näch­stens durch Veröffentlichung der Protokolle offen­bar werden! Wir sind sehr gespannt auf diese Offenbarungen über den Fortschritt der Bundesrestaura- tion. Es soll uns jedoch durchaus nicht überraschen, wenn das Plenum nicht gethan hat, was der Telegraph mel­dete, und wenn die Köln. Ztg. jetzt dafür gehänselt wird. Es wäre das erstemal nicht, daß die Herren Diplomaten sich eine Weile todt gestellt hätten, um ab­zuwarten, welchen Eindruck es machen werde, und daß sie plötzlich wieder auflebten und sich straff auf die Füße stellten, wenn sie günstigen Wind merken. Daß aber in den obern Regionen mehr und mehr die Neigung zur völligen Wiederherstellung des alten Bundesrechtes hervortritt, weiß alle Welt.

-t- Darmstadt, 13. August. Rudolf Fendt ist in Gendarmeriebegeitung hierher ins Areesthaus ge- bracht worden, da sein Prozeß, der letzte in dieser Äs- ststnsesfion, am 9. September zur Verhandlung kommt. Fendt sicht blaß und angegriffen aus, aber sein ge­wöhnlicher guter Humor hat ihn nicht verlassen, ob­gleich er cs mit einem ganzen Rattenkönig von Hoch- verrathsprozeffen nicht weniger als 14, schreibe Vierzehn! zu thun hat. Der Anklageakt ist blos 76 Seiten lang; 60 Sengen sind geladen. Darmstadt wird also genugsam Gelegenheit haben, in einem Theile seiner Bevölkerung vielfach noch mehr ins Klare über die Landeszustände zu gelangen, im andern, sich zu scandalisiren und zu entsetzen; lernen aber werden sie alle etwas bei den Verhandlungen, denn Fendt weiß, so jung er ist, weit mehr, als den regierenden Herren lieb ist. Schon Herr v. Du-Thil hat oft über diesen jungen Lärimroinpeter geseufzt, Herr Jaup nicht min­der. Auch Fendts Vertheidiger, Metz, wird der Re­gierung nichts schenken.

Karlsruhe, 12. August. (Schw. M.) So viel ich höre, beziehen die beiden jetzt im Lager stehenden Bataillone demnächst inländische Garnisonen, in Ra­statt und Mannheim, und werden zwei andere Ba­taillone ins Lager zur Ausbildung berufen.

Karlsruhe, 13. August. (O.P.A.-Ztg.) Die Aufhebung des Lagers in Forchheim steht nicht so nahe bevor, als man anfangs glaubte, dasselbe wirb jetzt vielmehr renovirt. In Knielingen sind vorgestern wie­der 375 Centner Munition für die königl. preußische Besatzung der Festung Rastatt eingetroffen und wurden heute an den Ort ihrer Bestimmung gebracht; sie kam von Koblenz. Das im Lager bei Forchheim be­findliche badische Bataillon von Walz rückt heute Ra­statt ein.

Stuttgart, 13. August. (O.-P.-A -Ztg.) Man spricht von einem aus Baden-Baden eilige: troffenen Befehl des Königs zur Mobilma­chung deS würtembcrgischen Armeecorps.

Die Völker Ost-Europas.

* DieAugsb. Allg. Ztg." ist ein eingerostetes doktrinär-konservatives Blatt, das in den heißen Ta- gesfragen der letzten Jahre sich mit entschiedenem Miß­geschicke bewegt und 99 pCt. von seiner früheren Be­deutung verloren hat. Aber in allgemeineren Fragen, in denen das pekuniäre Interesse,eine Zeitung für Oesterreich und für die europäischen Höfe zu schrei­ben", nicht unmittelbar in Betracht kommt, ist sie oft trefflich bedient. So bringt sie neuerdings eine Reihe von Artikeln:Das europäische Parteiwesen" betitelt, die vom konservativen Standpunkte aus geschrie­ben, aber, dies nie aus dem Auge verloren, sehr lehrreich sind. Besonders bemerkenswerth ist der Schlußartikel, den wir unsern Lesern in Folgendem vorlegen:

Die slavisch -magyarisch-walachische Welt, kurz das ganze Völkergewiinmel des europäischen Ostens scheint dazu berufen, in näherer oder fernerer Zukunft eine wichtige Rolle auf dem Geschichtstheater des eu­ropäischen Centrums und Westens zu spielen. Nun steht diese Rolle weder ihnen selbst, noch der übrigen civilisirten Welt klar und fertig vor Augen, aber der Instinkt, daß ihnen eine große Zukunft nahe sei, be­seelt sie allerdings. Der Panslavismus mag jetzt noch als eine Chimäre erscheinen, aber er kann unter Um? ständen eine für die Westwelt furchbare Wahrheit wer­

den. Jene Völkerstämme sind an Naturkraft und Naturtrieb den westlichen Völkern, welche durch die Retorte der ausgebildetsten Kultur gegangen sind und an denen sich das eigentliche Naturell gar sehr ver­flüchtigt hat, offenbar überlegen. Es wäre Thorheit, von den verweichlichten, an ein üppiges und bequemes Leben und ein ebenso bequemes Raisonnement gewöhn­ten Bevölkerungen der Gauen am Rhein und Main die Ausdauer und die Entbehrungs- und Widerstands­fähigkeit der Csikos und HonvedS oder der Kroaten und der Männer aus dem Grenzbezirk, deren Haut zu Stein abgehärtet ist, zu verlangen; die Turnerei ist nur ein höchst künstliches und höchst unvollkommenes Surrogat für die Leibesübungen, an welche jene Völker von Natur und durch Lebens- und Beschäftigungsart gewiesen und von Kindesbeinen an gewöhnt sind, und hat bis jetzt leider noch nirgends die wohlthätige Folge gehabt, in ihren Verehrern und Jüngern wenigstens jene moralische Widerstandsfähigkeit gegen phantastische Wahngebilde und anarchische Gelüste zu erzeugen, welche, wie das eng­lische Bürgcrthum beweist, auch mit der höchsten Kultur vereinbar ist. Der verweichlichten Civilisation, slbst wenn sie sich hinter wilde Bärte und Blicke und hoch, trabende Phrasen versteckt, ist die rohe Naturkraft mit dem ihr angebornen Haß gegen die feinere Humane Bil­dung immer ein gefährlicher Gegner. Sie muß diese Bildung hassen, denn sie weiß daß, wenn ihr nicht ge­lingt, diese Bildung zu vernichten, sic selbst früher oder später von ihr aufgerieben wird. Es kann der Augeu-

blick kommen, wo die Führer der panslavischen Partei ihre längst erwarteten Triumphe feiern, wo alle diese Völkerschaften wie von einem mächtigen Naturtrieb in Bewegung gesetzt und ihre StammeSabneigiingcn verges­send, sich wie ein einziges brausendes Meer erheben, um sich, selbst mit Einschluß derauf ihren Opanken wie Geisterzüge geraMchlvs Cabiii schwebenden Kroaten" über die westlichen Völker zu ergießen die, so lange Deutsch­land in seiner Zerrissenheit beharrt, und so lange es unter uns Tausende gibt, welche selbst jene rohen Söhne der Steppen alsBefreier" willkommen heißen würden, kaum einem solchen Gewalkstoß gewachsen sein dürften. Völker wie diese sind gewohnt, mit zugevrückten Augen zu thun, was ihr Priester oder Pope sie thun heißt, und blind­lings dahin zu folgen, wohin ein beliebter und ehrgei­ziger Heerführer ihnen vorangeht. Unter Umständen werden die Kroaten und Serben noch lieber mit den Ma­gyaren vereint auf die durch Reichthum und Genüsse verlockende Westwelt sich stürzen, als sie mit Mi O ster- reichern vereint jüngst die Magyaren auf Tod und Leben befehdeten. Das Völkergewiinmel der absterbcndeu, nur noch durch das wenig haltbare Band der Geivohn- Heit zusammengehalienen Türkei würde dann vielleicht in den Wirbel dieses VölkerzugeS mit hineingerisscn, werden, während der Panhclleiiismus nicht säumen würde, in diesem achten Volksschauspiel die Rolle zn übernehmen, mit deren Einstudiren er be­schäftigt ist. Dann hätte man eine neue Völkerwan­derung, eine neue Kultur, hervorgegangen aus der