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Wie man vernommen, sollte daS Resultat der Ver­handlungen, um unberufenem Tadel der Tagespresse zu entgehen, auf acht staatsmännische Weise im tiefsten Geheimniß bewahrt werden, es ist indeß doch bekannt geworden. Sie dürfen sich darauf verlassen, daß die 4 katholischen Mitglieder in Betracht der grenzenlosen Verkommenheit der sündigen Welt und der gänzlichen Respektlosigkeit gegen die hohe Geistlichkeit einmüthig der Ansicht waren, cs müsse den Dienern Gottes ein größerer Einfluß auf das Unternchtswesen durch die Lehrer eingeräumt, dahero das Seminar nach seinen Konfessionen getrennt und von Idstein wegverlegt wer­den. Es beunruhigte nur der Gedanke, es möchten die protestantischen Amtsbrüder aus Mißtrauen gegen die katholische Sache und aus übertriebener Vorliebe für das freigeistige Idstein sich dem Anträge nicht leicht fügen, wenn man auch auf ihrer Seite einen gleichen Eifer für größere Betheiligung am Schulregimente vor* aussehen dürfte. Diese Herrschbegierde fand sich nun auch vor, aber auch für konfessionelle Trennung und Wegverlegung von Idstein war solche Uebereinstimmung, daß sich die Katholiken, anscheinend ganz passiv, nur einfach dem strengen Votum der protestantischen Chor­herrn' anzuschließen brauchten. Demgemäß wurde be­antragt, die katholische Hälfte des Seminars nach Lim­burg? die protestantische nach Herborn zu verlegen. Mehr darf für den Augenblick nicht verrathen werden.

* Wiesbaden, 13. August. Unter den gestern neu angekommenen, etwa hundert Gästen, welche die neueste tägliche Fremdcnliste bringt, befinden sich wieder viele Franzosen, darunter der Abgeordnete der Nationalver­sammlung Chauvin. Die Kurliste zählte bis 9. August einschließlich 9,179 Gäste.

Frankfurt, 12. August. Die heutige Ober- postamtszeitung gibt den Legitimisten ein starkes De­menti, indem sie aus Berlin meldet, der Graf von Chambord habe sich in Potsdamsehr ernst gegen die Vermuthung, als sei er bei dem Legitimistenkon­greß oder überhaupt bei den legitimistischen Operatio­nen bet heiligt, verwahrt; nur wenn sein Va­terland rufe, werde er demselben seine Kräfte nicht vorenthalten." Das soll, wenn es etwas heißt, doch wohl heißen: erst wenn die Contrerevolution in Frankreich gelungen, will der Graf von Chambord auf sie eingehen, im klebrigen verwahrt er sich gegen alle Unannehmlichkeiten, die für seine Person aus dem Le­gitimistenkongreß und den Operationen der Legitimisten in Frankreich erwachsen könnten.Die Oberpostamts­zeitung meldet ferner aus Berlin, daß man dort hö­her» Orts nicht ohne einige Besorgniß nach Baden- Baden blicke. Die Const. Corr. findet diese Besorgniß durch das Zusammentreffen des Königs von Würtem- berg mit dem Herzog von Nassau und dem Prinzen Emil von Hessen motivirt. Der Prinz Emil ist als entschiedener Repräsentant der alten österreichischen Bundespolitik allerdings bekannt; die Reise des Her­zogs von Nassau aber erklärt man sich hier aus dem Umstände, daß derselbe die Nähe der Legitimisten ver­meiden will.

3m Frkf. Jr. und in der O.-P.-A.-Z. wird gegen eine Wiesbadener Correspondenz des ersteren Blattes auf das Bestimmteste Verwahrung eingelegt,daß auch der österreichische Gesandte von Frankfurt in Wiesba­den angelangt sei." Der Graf von Chambord findet also bereits Nachahmer. (©. Berlin.)

Braunschweig, 8. August. (Wes. Z.) Braun­schweig gleicht in diesem Augenblick einem Trauerhause, so arg hat die Cholera in den letzten Tagen gewüthet, gestern 46, ehegestern 33 Todesfälle gemeldet, gan^e Häuser und Familien sind ausgestorben und Trauer und Furcht erfüllt jedermann. Die Messe, die eine gute zu werden versprach, hat durch die Krankheit ganz außerordentlich gelitten.

* Auch in H äinb urg zeigt sich die Cholera, doch weniger verheerend, als in Braunschweig und Hannover.

sind, und so allenthalben verkümmerte und verrottete Individualitäten uns entgegentreten. Während in der Natur jedes Wesen die Mittel zu seiner individuellen ; Ausbildung findet, wird von der herrschenden Aristokratie i in jeden Entwicklungsprozeß mit roher Gewalt eilige- griffen, der rtwas ihrer Herrschaft Gefährliches hervor­zubringen im Verdacht steht. Die Schulen, statt die Individualitäten frei zu entwickeln, mögen in der j nriftofnuifd;en Gesellschaft das dem Aristokratenthume Mißliebige in den jungen Persönlichkeiten abtödten und das seinen Zwecken dienende in sie hineinkünsteln. Die Wissenschaft, die in ihrer naturwüchsigen Ursprünglichkeit befreiend und verschönernd ins Volksleben eingreifen würde, spuckt in den Köpfen unserer DoctrinärS als eine Reihe fixer von Natur und Wirklichkeit losgetrennter Ideen. Was hier das rechte Mittel wäre, dem empfind­lichen Mangel abzuhelfen, ruft dort, indem es sich zu einer Ueber fülle gesellt, nur Fäulniß hervor. Was hier geeignet wäre, das mächtige Sehnen zu ffillcn, zu befriedigen, hat dort die Wirkung, alles Streben zu vernichten. Wirf Pflanzensamen an einen feuchten, finsteren Naum, das Streben nach individueller Entwick­lung ist auch hier noch vorhanden; aber cs gibt sich nur in Auswüchsen kund und die Lebenskraft, die trotz aller Anstrengung das heitere Sonnenlicht nicht erreichen kann, kocht schädliche, ja giftige Säfte.

(Schluß folgt.)

U Karlsruhe, 10. August. Wir haben eine Am­nestie zu erwarten, aber eine ganz kleine, harmlose Amnestie, die nur den Unselbstständigen und Urtheilö- losen zu Gute kommen soll, welche pater peccavi! sagen. Alle Schwergravirten bleiben ausgeschlossen. Die preußische Partei, an deren Spitze Klübcr steht, hat sich zu dieser Konzession verstanden, um dadurch den Beschluß zu verzuckern, daß jetzt auch die noch restiren- den badischen Truppen nach Preußen abgeführt wer­den sollen. Von Seiten der österreichischen Partei, voran Prinz Friedrich, wurde im letzten Ministerrathe Alles aufgeboten, diesen neuen Akt der Abhängigkeit von Preußen zu hintertreiben. Es fragt sich nun, ob Oesterreich die Truppen vom Mainzer Festungörayon mit Gewalt züruckweisen wird, woran man jedoch hier selbst in der österreichischen Partei zweifelt. Das hiesige Stadtgericht hat gegen Franz Rav eaur öffent­liche Fahndung ausgeschrieben, weil derselbe in seiner Schrift:Mittheilungen über die badische Revolution" (Frankfurt in der hier. Anstalt)Haß und Verach­tung gegen die großh. Regierung hervorgerufen und zu neuem Hochverrath aufgefovdert haben soll". 4ka- türlich wurde die Schrift hier, wo die Bücherballen so sorgsam von der Polizei eröffnet werden, nur wenig verbreitet; doch jetzt ist Jedermann gespannt, zu erfah­ren, wie Raveaur diesenneuen Hochverrath" moti- virte. Gestern wurde Galleriedirektor Götzenber- ger aus Mannheim in Baden-Baden verhaftet und seine Papiere mit Beschlag belegt.

ff Berlin, 10. August. Die widerstrebenden Elemente im Ministerium gleichen sich aUmälig wieder aus. Die Sache macht sich von selbst. Die Schcin- armirung des Herrn von Radowitz ist verrathen und muß daher jetzt von selbst Wegfällen. Es bleibt nichts weiter, als milder Union jetzt bittern Ernst zu machen oder sie fahren zu lassen. Auch General von Stock­hausen sieht dies ein. Um die übrigen Minister gleich­falls zu gewinnen und die Jadiskration, welche man im ersten Aerger beging wieder gut zu machen, (als, ob das Publikum noch immer ein Uhrwerk wäre, das man vor- und zurückstellen könnteE bringt Man­teuffels Deutsche Reform einen höchst geschraubten Ar­tikel, worin die ächt preußische Gesinnung auch der übrigen Mitglieder des Kabinets, ja sogar daspreu­ßische Gefühl" des Herrn von Radowitz gerühmt wird. Herr v. Manteuffel will das Kompliment, das ihm unberufene Publicisten" zudachten, nicht annehmen, daß erder einzige Wächter preußischer Ehre" sei. Alles dies Gewebe ist Dunst und nichts als Dunst, den man dem Publicum vormachen möchte. Als End- ergebniß wird immer bleiben, daß Herr v. Manteuf­fel entweder mit einem neuen Cabinette eine energi­schere Unionspolitik beginnt, oder, was wahrschein­licher wäre, daß er den Versuch dazu macht und dann wieder lavirt, oder aber, daß er zurücktritt und Herr v. Radowitz trotz alles Grolls der Gegner den österreichischen Plänen ganz im Stillen nachgiebt, wenn er es nicht bereits gethan hat. Es würde nicht so viel von Muth geschwatzt werden, wenn man im Hoflager der HohenzoUern wirklich Thatkraft hätte.

SchwarzenbergsOesterr. Corr." gibt sich in sei­ner neuesten Nummer Mühe, zu beweisen, Frankreich werde aus der Republik die Lehre gezogen haben, daß eine Republik in Frankreich eine Unmöglichkeit sei. Mit mehr Recht könnten Oesterreichs Diplomaten den hiesigen zurufen: Preußen werde aus der Union die Lehre gezogen haben, daß die Union unmöglich sei! Denn wenn die Republik in Frankreich noch einmal scheitern sollte, so scheitert sie an der Halbheit ihrer Führer; die Union aber scheitert nicht blos an der Un­sicherheit unserer Politiker, sondern diese Unsicherheit war zugleich eine Folge von der prinzipiellen Halbheit des ganzen Unionsprojektes vom Anfang an. Die Union konnte nur eine Wahrheit werden, wenn sie ganz Deutschland umfaßte; sie ging aber aus dem Umstande hervor, daß nicht ganz Deutschland sich

Zur Statistik der italienische» Volksbe- gluckung.

w Italien ist arm an allen Institutionen, die zur Hebung der Volkswohlfahrt in modernen Staaten nun einmal unentbehrlich geworden sind. Desto reicher ist die apeuninische Halbinsel mit Erz- und Bisthümern bedacht, ja der Papst hat sich beeifert, ein neues Bis- thum in ModiglMna hinzuzufügen, das die toscauische Romagna umfassen soll. Um einen unvergeßlichen Ein­druck von dem Segen der Erz- und Bisthümer in Ita­lien zu gekommen, darf man sich die vielen Zahlen nicht verdrießen lassen, welche der Agsb. Allg. Ztg. aus Florenz über diesen Zweig der Volksbcglückung ^gegangen sind.Italien," heißt es dort,ist mit Bisthümern überfüllt, und obgleich seit den Revolu­tionstagen und dcr Restauration des Jahres 1815 deren Zahl sich gemindert hat, ist sie doch im Ver­hältniß zu andern Ländern exorbitant. In Oberita­lien ist dieß Verhältniß noch einigermaßen richtiger, aber die Zahl der Diöcesen nimmt mehr und mehr zu, je tiefer man nach Süden hinabstcigt. So haben die sardinischen Festlandstaaten mit Einfluß Sa­voyens vier Erzbisthümer und 26 Bisthümer, und das Verhältniß derselben zur Bevölkerung ist wie 1: 125 bis 130,000 (auf der Insel Sardinien nur wie 1: 48,000), Das iom bardisch-venezianische Königreich zählt zwei Erzbisthümer (von diesen

einigen konnte und wollte, sie war folglich ein Wider­spruch in sich selbst. Daß Herr von Radowitz sie nie anders betrachtet hat, beweist sein ganzes Operiren: die Union war ihm Maske, um Herrn von Manteuffel und den Prinz von Preußen hinzuhalten und zu dem Punkte zu führen, wo auch ihnen einleuchten mußte,, daß ein erfolgreiches Vorgehen mit derselben unmöglich sei. Auf diesem Punkte stehen wir jetzt; was^ weiter geschehen muß, weiß alle Welt, nur will sich's noch Niemand offen eingcstehen.

Berlin, 11. August. DieConst. Ztg." sagt heute in Betreff der Ministerkrisis: Obwohl sich die Ge­rüchte von einer bevorstehenden Aenderung im Mini­sterium erhalten, und durch die wahrscheinlich verspä­tete Nou; des heutigen Staatsanzeigers, daß Hr. v. Manteuffel nach Gollsen abgereißt sei, bestärkt wur­den, so scheint doch die uns gestern gemachte Mitthei­lung, daß die Minister des Innern und des Krieges ihre Entlassung eiureichen werden, noch etwas ver­früht. Wir hören wenigstens von wohlunterrichteten Personen' daß die Fragen, um die cs sich handelt, noch nicht ihre volle Entscheidung gefunden haben, und daß mithin die Aussicht nicht aufzugeben sei, diese Entscheidung werde nicht in der Richtung der von Herrn von Radowitz vertretenen Ansichten 'ausfallen.

Im Kriegsministerium wollte man laut derConst. Ztg." aus authentischen Berichten wissen, daß die schleswig-holsteinische Armee sich in einem so guten Zustande befinde, daß man mit Zuversicht auf ein glückliches Resultat der nächsten Affaire rechnen dürfe.

Reisende aus Böhmen machen die Mittheilung, daß in Töplitz bereits mehrere Badegäste an der Cho­lera verstorben sind, und daß aus dem Lande um Töp­litz der Typhus herrsche.

* Aus Berlin meldet dieO.P.A.-Ztg." in ver­wahrendem Tone, das der Graf von Chambord,, sich bei Sr. Maj. dem Könige an gesagt" hatte.Diese Hindeutung", wird hinzugefügt,möge bei den Betrach­tungen, welche über die Aufnahme des Grafen von Chambord am preußischen Hofe gemacht werden, nicht außer Acht gelassen werden." (!)

Saatz an der Eger, 5 Aug. (Augsb. Allg. Ztg.) Trotz dec heftigen Mahnung preußischerBlätter, die Ver­wickelung deutscher Zustände mit den Waffen zu lösen, glaubt weder in Berlin, noch hier im österreichischen Lager irgendjemand an einen Krieg mit Preußen. Bei dem persönlich guten Einvernehmen der beiderseitigen Monarchen, betrachten die österreichischen und preußischen Generale den ganzen Streit als einen rein müüsterricllen Hader, der in Noten fortvaneru und in einem deutschen Bund anfgchcu wird, wo Preußen nicht mehr als eine zweite, sondern mit Oesterreich gleichgestellte deutsche Macht seinen Platz cinznnchmcii hat.

Prag, 5. August. Für die Religionslehrer an unseren Gymnasien sind bereits von Seite der Bi­schöfe die nöthigen Instruktionen ergangen, in welcher Art im künftigem Schuljahr der Religionsunterricht einzurichten sei. Als bezeichnend für den Geist dieser Instruktionen wollen wir nur bemerken, daß jedem Religionslehrer, welcher den Schülern der Oktava die Kirchen - Geschichte vorzutragen hat, die Weisung ertheilt wird, er möge seinen Schülern ja begreiflich machen, daßdie Reformation die Weltge­schichte verdorben habe!"

Tiest, 6. August. Nach Berichten der A. A. Z. aus Dalmatien wäre der bulgarische Aufstand auf das Befrieoigeuste für^alte Theile beigelegt, und das Haupt­verdienst in der Sache gebührte dem serbischen Minister Simitsch, welcher die friedliche Vermittelung zwischen den Bulgaren und den türkischen Behörden übernahm. Ja die Bulgaren, als sie hörten daß der Sultan ge- neigt sey ihre billigen Wünsche zu gewähren, sol- . len sich größtenteils sogleich nach Hanse begeben ! haben. Den Bulgaren, heißt es weiter, wurde die

hat Venedig bekanntlich den Titel eines Patriarchats) und achtzehn Bisthümer, und das Verhältniß stellt sich wie 1:217,000. Das Herzogthum Lucca hatte ein Erzbisthum auf 175,000 Einwohner. Im Her­zogthum Parma zählt man vier Bisthümer auf 495,000 Einwohner, mithin 1: 124,000; im Herzog­thum Modena (mit Einschluß des neuerworbenene Guastalla) fünf Bisthümer auf 581,000 Einwohner oder 1: 116,000. Im Kirchenstaat hingegen fin­den wir acht Erzbisthümer und 59 Bisthümer, oder bei Annahme einer durchschnittlichen Volkszahl von drei Millionen 1: 44,776. Einigermaßen besser stellt sich das Berhälniß im Königreich Neapel Pro­vinzen diesseits Faro: sie zählen zwanzig Erzbisthümer und 65 Bisthümer.

Aber auch dies ist viel zu viel: kaum hat man die Thore der Hauptstadt verlassen, so setzt man den Fuß in die Erzbisthümer Sorrent, Amalfi, Saleen, Ca- serta, Capua, und ist überdies noch umgeben von den Bisthümern Pozzuoli, Aversa, Acerra, Nola, Castella- mara, Cara, Nocera, Alife, Apellino nnd der Jnsel- diöcese Ischia. Das Verhältniß stellt sich, wie 1: 75, 176; auf der Insel ©teilten, welche drei Erzbis­thümer nnd elf Bisthümer zählt, wie 1: 116,000.

Blicken wir nun auf Toscana, so hat dasselbe mit Einschluß Lucca's vier Erzbisthümer, Pisa (Primas,) Florenz, Siena und Lucca, und sechszehu Bisthümer, von deren Arezzo, Cortona, Montepulciano, Pescia