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Freiheit und Uechi!"

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â iw, Wiesbadèrr. Dienstag, 13 August 1850.

DieFreie J e 11 u n g " trimmt, mit AuLna-me deS MouiagS, tajütö in einem Ävgen. Der AovimemcntöprclS wârtö durch die yog oejogen mit verdättnißmäßlgem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen unv fing bei der seinem Erfolge. Die Jnserattonügedüyren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

beträgt vierteliahrtg hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr aus. großen Berbrettung derFreien Zeitung" stets von tohU

Ein Preßprozeß der Freien Zeitung.

cro Wiesbaden, 9. August.

( Fortsetzung.)

Wie anderwärts sind es auch in Diez besonders die Demokraten, welche dem kirchlichen Fortschritt hul­digen, während die politischen Rückschrittsmänner, wel­che in Diez wie in Wiesbaden derVolköwitz mit dem WortHaio" bezeichnet, auch auf dem Gebiet des Kirch­lichen und im Reich des Glaubens konservativ sind.

Als die Demokraten alle Hebel in Bewegung setz­ten, von dem theologischen Zorn des unermüdlichen Pl-evigers in der Wüste erlöst zu werden, suchten die Rückschrittsmänner Künstler um so mehr zu halten. Ohnehin sind nun in Diez die Kartheigegensâtze sehr schroff entwickelt, und da nun der ewige Hader der Alten und Jungen mit dem Caplan stets neuen Stoff zu rein persönlichen Reibereien abgab, so wurde die Stellung der gegnerischen Partheien immer unbe­haglicher und unerquicklicher und man vergaß immer mehr, daß, wenn auch die nach Prinzipien vollzogene Partheibildung eine absolute Nothwendigkeit, gleichwol die Bewohner einer Stadt, gleichsam eine große Familie, immer viele gemeinschaftliche Interessen haben, welche gebieten, daß im gesellschaftlichen Leben und un Handel und Verkehr die Grenzen des Anständigen me überschritten werden.

War diesen Mißständen gegenüber die Presse nicht befugt oder vielmehr nicht verpflichtet, ihre Stimme zu erheben?

Das kann umsoweniger eine Frage sein, als, wie schon oben gesagt, die Staatsgewalt und das Ku- , chcnregiment die StellungKü »stlers und seine Wirk­samkeit in Diez fortwährend aus einem durch­aus falschen Lichte betrachteten.

Es wurde Anfangs mit ernsten Worten auf die schweren Folgen der Wirksamkeit Künstlers hinge- gewiesen; es half nichts.

Da wählte man die Form der Satyre, man ver­tauschte das Schwert des Ernstes mit den spitzen Pfei­len des Witzes und die Wirkung blieb nicht aus.

Der in der vorigen Nummer abgedruckte Artikel erzählt in launigem, alttestamentlichem Bibelton die oben entwickelten Vorgänge in Die; und zwar ohne Uebertreibung und ohne die geringste Entstellung der Thatsachen.

Der Caplan erhob zwar gegen diesen Artikel we­gen Beleidigung, und zwar auf speziellen Befehl seiner geistlichen Oberbehörde, Klage; allein dieser Artikel trug ausnehmend viel dazu bei, die Meinung aller Diezer, sie mochten den verschiedensten politischen Rich­tungen angehören, über den Caplan zu einer einstim­migen zu machen.

In der That geschahen bald Schritte in Diez, welche bewiesen, daß sich die Demokraten und die Con- ! servativen die Hand gereicht, um die Entfernung des Caplans von Die; zu erzielen.

Nicht allein der Gemeiucerath und der Bürger­ausschuß (letzterer mit beispielloser Einmüthigkeit) be­antragten bei den kompetenten Behörden die Versetzung des Künstler: sogar der aus bejahrten und seiner Mehrheit nach konservativen Männern bestehende evan­gelische Kirchenrat H that denselben Schritt.

Eine ähnliche Uebereinstimmung aller Vertreter und Glieder der Gemeinde ist in Diez noch selten erlebt worden. Diesem so imposant ausgesprochenen Willen der Gemeinde konnte natürlich das Kirchenregiment auf die Dauer keinen Widerstand leisten: Caplan Kün st- ler wurde endlich versetzt. Der junge Caplan, der den Herzen der Diezer durch Dick und Dünn seine Welt beglückenden Dogmata oktroyiern wollte, hat in Diez die alte Wahrheit, daß sich die Herzen mit starrem Trotze nicht erobern lassen, erproben unv die kostbare, unbezahlbare Erfahrung machen müssen: daß unüber­legter und übergroßer Eifer immer schadet.

Möge er jene Wahrheit und diese Erfahrung für die Zukunft stets nutzbringend anlegen: dann kann jein Aufenthalt in Diez noch immerhin für ihn ein Capital sein, das ihm reichliche und herrliche Zinsen trägt.

(Schluß folgt.)

DeutscytauV.

X Wiesbaden, 11. August. Was wollen die Pil­ger mit der weißen Weste und Halskrause in unsern Hotels und Schattengängen? Wollen sie sich mit den Orleanisten verständigen, um mit gemeinsamen Kräf­ten den Thron in Frankreich durch List und Gewalt hcrzustellen? Dem scheint nicht so. Thiers ist rhein- auf nach Baden-Baden gegangen und Guizot hat Eins zwar verlassen, doch nachdem er mit der Frau von Lieven Rath gepflogen, ist er nicht hiehergeeilt, sondern über den Rhein zurück, um jeden Verdacht der Mitge­nossenschaft abzuwehren. Auch Hr. v. Fallour, dieser schlaue Jünger Loyalas, ist nicht erschienen. Doch Hr. v. Larochejaquelin, der entschlogeue Volksrepräsentant, befindet sich, dem Advokaten der Legitimität gegenüber, im Hotel Düringer.

Was wird geschehen? Wird es bei einer bloßen Wall­fahrt und Weihrauchstreuung bleiben wie 1843 bei der noch Belgrave-Square." Allerdings scheinen in diesem Jahre die Chancen ungleich günstiger als damals; aber hat sich die Gefahr vermindert, ist das Wunderkind" kühner geworden? Das wird entschei­den, ob der Kongreß des Hotel Düringer ein ge­schichtliches Ereigniß oder blos ein harmloses Lilien­fest zum Nutzen unserer Wirthe und zum Spaß der demokratischen Bevölkerung der Nheiugegenden werden soll. Diese Frage wird ihrer Lösung näher rücken, wenn die Linke der Rechten, Larochejaquelin an der ! Spitze, über Lewis und Berryer den Sieg erhält, woran wir aus persönlichen und politischen Gründen zweifeln. Außer den Fragen in der Partei über die

künftige Stellung und Taktik der Jungen auf der Linken gegen die Alten auf der Rechten, handelt es sich nach Außen hin um das Verhalten der Gesammt- partei gegen die Orleanisten einerseits und gegen den Präsidenten der Republik andrerseits. Soll man sich Mit den Orleanisten railliren und soll man diese An­gelegenheit noch vor Louis Philippes Tode zur Entscheidung tre.ben?

Letzteres scheint sich bereits durch das auffallende Zurück- ^^IL n der Orleanisten von selbst zu beantworten. Ferner: ist es zweckmäßig, auf die Verlängerung der Vollmachten Louis B Mr parke 's Einfluß zu üben und die General­räthe zu Kundgebungen über die Verfassungsrevision zu veranlassen? Soviel bis jetzt aus den französischen Blättern erhellt, werden die Gcueralcvnseils sich nur im Allge­meinen für die Revision, doch nicht über eine Verlän­gerung der Vollmacht! ii des Präsidenten vernehmen lassen.* DerPonvoir" hat ein Manifest der Bonapartisten gegen den Congreß erlassen, worin dem Herzog von Bordeaux zuge­rufen wird, welches die Wünsche der Nation seien: Diese Wüniche und Hoffnungen liegen in den Wor­ten : Widerwille gegen neue Revolutionen, unend­liches Bedürfniß nach Sicherheit und Ruhe durch mög­liche, ausführbare, nicht dem Unbekannten, den Schwär­mereien der Utopisten, der Laune der Ereignisse aus- setzende Mittel! Indem wir diese Worte entwickeln und die Aufmerksamkeit ces Prinzen auf die Besserung lenken, die sich seit einiger Zeit in den verschiedenen Zweigen der Arbeit und des Staatseinlommens, im allgemeinen Wohlstände und dem jedes einzelnen Bür­gers, überhaupt in der allgemeinen Thätigkeit und dem Vertrauen einer Gesellschaft, die sich wieder auf- richtet und zu hoffen beginnt, gezeigt hat, bittn wir ihn, lange und ernstlich nachzudenken, ehe er unge­nauen Berichten, interessirten Mittheilungen, urzeitigen Enthüllungen und vielleicht selbst Thorheiten sein Ohr öffnet. Wir bitten ihn, das seit weniger als zwei Jahren in dem Frankreich, das ihm theuer ist, voll­brachte Gute und die Anstrengungen des Mannes zu bedenken, der so muthig diese edle und schwierige Auf­gabe über sich genommen hat." Lonis Bonaparte klopft auf feinen Sack von 6 Millionen Stimmen, wie sein Gegner auf die Lilien des heiligen Ludwig. Aber wir glauben, die einen sind im Laufe der letzten stcben- zig Jahre sehr welk geworden und die andern sind tauben Wissen nicht ungleich. Mr. le comte de Chambord, wie Mr. le prince Louis Napoleon sind die Männer der That nicht, die sie sein müßten, um gleich dem alten Wilhelm von der Normandie bei Englands Erobe­rung rufen zu können:Ich halte Dich, Frankreich 1*

* Wiesbaden, 11. August. Gestern Abend traf mit dem Herzog von Bordeaux (Graf von Chambord) eine vollständige Schiffsladung von Legitimisten ein, indem der DampferMarianne" nur von Legitimisten besetzt war. Der Zuzug dauert noch immer fort. Drei­bis vierhundert Franzosen sind noch für die nächsten Tage gemeldet. In der Nähe des Herzogs wohnen im Ho-

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im Reiche der Natur.

Der verständige Saemann schafft den Samen nur so tief unter die Erbe, daß Luft und Wärme ihn noch erreichen können. Angeregt durch .diese Kräfte er­wacht in ihm der Drang nach der äußern, sonnigen Welt. Kcimcnv durchbricht er die dünne Erdkruste und entfaltet nun sein eigentliches Wesen im Lichte der Sonne. Alle Pflanzenarten erreichen in dieser Weise das Svn- nenlichkeit, nach welchem sie sich im finstern Schoß der Erbe so lebhaft gesehnt. Die jungen Keime treten in die äußere, sonnige Welt, welche für alle Pflanzenarten, für alle Pflanzenindivibuen die Bedingungen der lebenskräf­tigen Entfaltung in sich trägt. Jeder Pflanzengattung, ist die Bedingung ihrer Entwicklung, ihrer Ausbildung zugänglich, nicht eine ist von der Natur verurteilt, in finsterer Tiefe unentwickelt zu vermodern. Rosen und Lilien, Veilchen und Disteln, sie alle stiegen, von Sehn­sucht getrieben , herauf zum Lichte der Sonne, hier strömten ihnen die Mittel und Kräfte zu, sich als Rosen und Lilien, als Veilchen und Disteln entfalten zu können; lie blühen nun im Lichte der einen Sonne, im belebenden Hauche der einen Lust. Im nämlichen Boden wurzelnd, von der gleichen Sonne beschienen, von der nämlichen Luft umspielt , entwickeln sich doch die emzclnen Pflanzen als das, was der ursprüngliche Kern

ihres Wesens ist; als eine Gesellschaft gleicher Wesen stehen sie cha, alle den gleichen allgemeinen Lcbensbe- dingungen unterworfen, allen Die Bedingungen ihrer in­dividuellen Entwicklung und Ausbildung zugänglich. Daß alle Pflanzenarten eines Gartens z. B. den nämlichen allgemeinen Lcbcnsbcbingungcn untcrwvrfen, daß ihnen allen die Bedingungen ihrer Entfaltung zugänglich sind, das ist Gleichheit; daß aber alle Pflanzen die Bedingungen zu ihrer individuellen Entwicklung finden, daß sie alle im Lichte derselben Sonne im lebenspendenden Hauche der nämlichen Luft sich zu dem entwickeln, was ursprünglich der Kern ihres Wesens ist, bas ist Freihei t. Frei fühlt sich die Rose nur im Vvtlgenusse ihrer In­dividualität und gleich ist sie den andern Blumen des Gartens, weil ihr zur Entwicklung ihrer Individualität Die nämlichen Mittel und Kräfte vom allgemeinen Natur- leben bargereicht werden, wie allen andern Blumen. Jedes Pflanzenindividuum empfängt sich selbst, aber blühend und kräftig entfaltet aus der pflegenden und bildenden Hand der Natur. Aber nicht nur, baß alle Natur- wesen Die Bedingungen der Entfaltung ihrer Eigenthüm­lichkeiten finden.; cs umschlingt auch das Band der Brüderlichkeit die großen Gesellschaftsklassen der Natur, welche wir Pflanzenreich und Thier re ich neunen. Das Thier, um leben zu können, muß athmen; durch jeden Athemzug führt es dem Pflanzenreiche Lebens- lust zu, und die Pflanze» erzeugen in ihrem Innern wiederum Den Stoff, der Den Thieren Lebenslust ist.

Wäre eines dieser beiden Lebcnsrciche vernichtet,

das andere müßte augenblicklich nachstürzen in den Ab- I gründ des Nichts. Keines von Beiden kann leben, ohne ! dem andern Leben zu spendsn. Tobet bas Thier die Pflanze und benutzt sie als Nabrnug, so kann anderer­seits das Thier weder leben noch sterben, weder athmen noch vernieten, ohne dem Pflanzenreiche nährende Stoffe zuzuführen. Die Eristenz der genannten Lebent- reiche ist solidarisch.

Gehen wir nun mit dem Maßstabe der Natur, in welcher wir das Walten der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erkannten, an Die men schliche Gesell­schaft. Wie der Pflanzensame nach den Strahlen der Sonne, so sehnt sich Der Mensch nach dem Lichte des Geistes; wie im Sonnenlichte die Kraft liegt, das Pflanzenindividuum zu entfalten, so erblühen die Menschen im vollen Schmucke ihrer Individualität nur in Der Sonne des Geistes. Aber nicht jedem Menschen ist diese GeisteSsonne zugänglich, einer ganzen Menfchenklasse ist der Weg zur Ausbildung versperrt. Die Mittel zur Ausbildung hängen ja in Der menschlichen Gesellschaft durchweg vom Gelde, von Der Abstammung ab und der­jenige sehnt sich vergebens nach geistigem Licht, nach geistiger Luft, der Die genannten Bedingungen nicht zu erfüllen vermag. Welche Grausamkeit, welche Natur- widrigkeit liegt in Dieser Einrichtung! Fragt bas Son- nenlicht Den hcrvvrbrechenden Keim, auü^ welcher Familie