Einzelbild herunterladen
 

â' iss»

SZR

Wiesbaden Samstag 10 August

1850.

DieFreie Zeit ung« erscheint, mit Änünayme des Montags, tagUch in einem Logen. - Der AooniiemcntSpreis betragt v ieH«lta»rtg hrer in Wiesbaden 1 fl. 45 kr,. aus­wärts durch die Post bezogen mit verhâltnißmäßigem Aufschlag«. Inserate werden bereitwillig ausgenommen un» finv bei der großen ÄrrüktUung derFreien Zeitung" stets von wirt- samem Erfolge. Dir JnserattonSgedühren betragen für die vterspalttge Petttzetle 3 Kreuzer.

jiTwaHMBW liHwiMiJ^yi^«^ »»riwi'i'ip^~ii«ittügLJiLie^^vijgauauMuiiMM^WS'RiwwMiXniJÉBliiiii-süZaHKIJiaiaiieawMgä^g^^ «pi «^^. ^>^1 <*; i .¥ '.M.y^iâtk, b liMät

Sozialismus, Commuuismus und Aristo­kratenthum.

V.

(Schluß.)

^ Nach Babeufs Fall schweigt der Communismus eine lange Zeit, er ist wie von der Erde ver­schwunden. Es lag dies in der natürlichen Entwick­lung der Dinge. Während der Htrrschaft Napole­ons konnten sich die gesellschaftlichen Theorien nicht ausbreiten, weil die gestimmte Nationalkraft nur auf den Ruhm, auf den Kampf gegen die äußern Feinde gerichtet war. Auch in der R e st a u r a t i 0 n s p e r i 0 d e unter den Bourbonen [1815 1830] war weder Zeit noch Raum für den Sozialismus; damals gab es keine allein berechtigte Bourgeoisie, es war ein Kampf Aller gegen das wieder hergestellte absolute Königthum, und seine Adels und Pfaffencamarilla. Erst 1630, nach den Tagen der Julirevolution zerfiel die bürgerliche Gesellschaft in Bourgeoisie und Pro­letariat. Die besitzenden (Bourgeois) beu­teten den mittelst des Volkes, mittelst der Arbeiter errungenen Sieg lediglich für sich aus.

Die Arbeiter hatten auf den Barrikaden mitge- str/tten und geblutet, sie hatten für die Volksrechte in begeistertem Kampfe ihr Leben eingesetzt und nach dem Siege wurden sie vergessen. Die Bourgeoisie trat al­lein und ausschließlich in den Genuß der errungenen Freiheiten ein. Was Wunder, wenn die ganze ar­beitende Klasse, mit ihren Wünschen und Interessen lediglich auf sich selbst angewiesen, von der herrschen­den Gewalt in die frühere Bedeutungslosigkeit zurück­gedrängt, an jener überhaupt zu verzweifeln und nur auf eigene Faust und gestützt auf eigene Grund­lagen, an der Sie form ihrer Zustände zu arbeiten be­gann? Die Revolution der Julitage hatte mit Macht den schlummerden Gedanken der Gleichheit aller Person im Volke wieder erweckt, aber diese Gleich­heit fand an der besitzenden Klasse den todtlichen Feind. Allgemeine Menschenrechte wurden vom Besitze abhän­gig gemacht, was Wunder, wenn sich nun das Volk erbittert gegen den Besitz selbst wandte, wenn es mit derselben Entschiedenheit die Geldaristokra­tie bekämpfte, mit der cs einst, in Vereinigung mit der Bourgeoisie, gegen den Geburtsadel zu Felde ge­zogen war? eo' entstand die schroffe Scheidung der französischen Nation in zwei Klassen, der bour- geoisie (Besitzenden) und des peupie (derarbeitenden Klaffe.) Nun konnte der Communismus in den Rei­hen des Proletariats zahlreiche Anhänger werben. Buonarotti, ein Schüler Babeufs, hatte ein Buch über die Lehre seines Meisters geschrieben, und sehr schnell war eine kommunistische Seele da.

Diese gab eint Zeitschrift heraus, in welcher in der feurigsten Weise Haß gegen Königthum und Be­sitzende gepredigt wurde. Das Grundthema dieser Pre­

digten war das alte: das Eigen thumsrecht alles Volkes an allem Besitz. Der Zweck sollte natür­lich durch Mittel der Gewalt verfolgt werden. Man organisirte wieder eine Verschwörung, welche in der bekannten Pariser Straßenrevolte vom 12. Mai 1837 zum Ausbruch kam. Die nur etwa 400 Mann starke Schaar wurde nach verzweiflungsvollem Wiederstande unterdrückt. *)

Nun hatte diese wilde Art von Communismus ihr Ende erreicht. Er tritt von nun an milder, als soge­nannter ikarischer Communismus auf, dessen Stifter Cab et ist. Dieser findet die Lösung der so­zialen Fragen gleichfalls in der Gütergemeinschaft, will aber dieselbe nicht durch Gewalt einführen, sondern istinnerlichst überzeugt, daß sie durch Uederredung, durch die Ueberzeugung gewonnen werden könne."

Von dieser Anschauung geleitet, schrieb er seine Reise nach Jkarien", einem erdichteten Lande, wo er sich seine Ideen bereits verwirklicht denkt, und wo daher nur rosiges Glück, heiterer Friede, brüderliche Liebe herrschen. Aber diese Friedensstätte ist ein Friedhof. Die menschlichen Leidenschaften, das Fleisch und Blut der Individualität sind begraben, und über dem Grabe schwebt, befreit vom Leidenschaftendrang, aber auch entblößt von persönlicherKraftfülle, der abstrakte Mensch. Gäbet will uns einreden, es sei dies ein seliger Geist, ein glückliches Wesen. Wir aber sehen nur ein Gespenst, das unheimlich am Grabe scharrt, das seine liebe Menschenuatür, sein persönliches Fleisch und Blut wieder anziehen möchte.

Der nach sozialer Erlösung ringende Mensch ver­langt ja nur sich selbst, er verlangt die Gelegenheit, seine volle Individualität entfalten, bethätigen, genießen zu können; der Communist aber ist von dem Wahne beherrscht, das menschliche Sehnen nach sozia­ler Befreiung werde befriedigt, wenn man gründ­lich dafür sorgt, daß er nicht seine volle Persönlichkeit entfalten, bethätigen, genießen kann. Der Communis- mus ist eine Abstraktion von Natur und Vernunft, also Wahnsinn. Der Wahnsinn zeigt sich aber bald in wildem, unmenschlichem Toben, bald im Spinnen und Weben von zarten, aber natur - und vernunftlosen Träumen. Das Erste tritt uns bei Babeuf, daS Zweite bei Cabet entgegen.

© t 8 t f ^ I R ).

* Wiesbaden, 9. August. Mehrere nassauische. Offiziere sollen um ihren Abschied eingekommen sein, um nach Schleswig-Holstein zu gehen, doch bis jetzt noch keine Resolution erhalten haben.

5 Mainz, 8. August. Unsere Konservativen haben sich der Wahl enthalten; warum? Weil sie kaum ein Fünftel so viel Stimmen ins Feld zu stellen gehabt

*) Ausführliches über diese Periode stehe den so eben erschiene­nenArm and Carrel" von Karl lsche in den Männern des Volks 8ter Band letzte Lieferung.

hätten, als die Demokraten und es ihnen also am Ge- rathensten scheinen nullte, die Schwäche ihrer Partei nicht aufs Neue mit Zahlen zu belegen. Müller-Mel­chiors und Schmitz waren vor dem Kampfe schon Sie-^ ger, obgleich die Listen der Wähler auffallend genug tingefertigt worden waren. Bürger, welche seit zwanzig Jahren hier wohnen, zwei Häuser besitzen und stets mitwählten, wurden von der Liste ausgeschlossen. Man erzählt sich sogar, und ich erzähle es'weiter, weil es die Stimmung bezeichnet, man habe geäußert, es koinme aus die ganze Sache doch nicht viel an, da man die­selbe von oben doch nicht scrieux betrachte. Diese letztere Ansicht hat allerdings, wenn sie geflissentlich ver­breitet wurde, zu der verhältnißmäßig lauen Operation mancher Demokraten beigetragen. Unsere Partei wählte lässig: erstens weil sie keine Gegner und folglich die Siegsgewißheit hatte, und zweitens weil ob mit Recht oder nicht, wird die Zukunft lehren die Be­fürchtung herrscht, die Kammer werde nach ihrer Ein­berufung sogleich wieder aufgelöst werden. Wie dem mich sei, die ziveite Kammer wird entschiedener zurückkehren als sie heimgeschickt wurde.

-1-Darmstadt, 8. August. Hoffmann und Si­mon, die beiden Candidaten der Demokratie, haben in dieser Haupt-, Residenz- und Beaintciistadt gesiegt! Hätten Sie das vor einem Jahre noch für möglich gehalten? Die demokratischen Wähler stehen also hier und in Klungen zu den (konstitutionellen wie 794 und 707 zu 667 und 570. Bei den letzten Wahlen hatte Gager_n hier 2297 und Kahlert 2141 Stim­men. Die offenen Constitutionellen sind also ans ein Drittel heradgeschmolzen. Jetzt sage man noch, daß es keinen Fortschritt gibt! In Offenbach wurde der selige Hofgerichtsrath Metz, ein entschiedener Demokrat, fast einstimmig gewählt. In Michel­stadt wurde Bogen wieder gewählt. In R t e r sie i n, dem Sitze Wern Hers, erhielt der Reichstelegraph mit der Inschrift:Ich liebe mein Volk!" volle drei Stimmen; der demokratische Cnndidat Paulsackel 117. Im Odern heim er Wahlbezirk erhielt der Erfurtler Regierungsrath Pfannebecker zwei, sein Gegner Behlen, einer unserer Fieigcsprochencn, 1211 Stimmen. In Obcringelheim erhielt der Demo­krat Gebhard alle weniger eine, unleserlich geschrie­bene Stimme. Ebenso glänzend fallen überall in Ober­hessen die demokratischen Wahlen aus. Im Wahlbe­zirk Gießen hat Frank mit eminenter Majorität gesiegt; von den Gegenkandidaten ist kaum die Rede. Noch eine Kammerauflösung und kein Constitutioneller bekommt mehr eine einzige Stimme.

* Aus Darmstadt bringt die O.-P.-A.-Ztg. einen merkwürdigen Artikel. Es wird zuerst zugegeben,daß von den 50 Deputieren der 2. Kammer kaum 4 oder 5 zur konstitutionellen Partei gehören werden;" es wird sodann bemerkt,daß auch in dem konservativen Darm­stadt ein wenig gekannter (?) demokratischer Advokat mit einem noch unbedeutenderen Eberstadter Bierbrauer

Die Schlacht bei Sehestedt.

* Bei der lebhaften Theilnahme, welche der schles­wig-holsteinische Kampf gegen ihre dänischen Dränger in ganz Deutschland finden, dürfte es denjenigen Lesern, welche sich zur Politik gern mit historischer Lektüre aus- rüsten, nicht uninteressant sein, wenn wir sic auf C. F. Alten'sGeschichte des Königreichs Dänemark« aufmerk­sam machen. Dieselbe erschien im Jahre 1836 als ge­krönte Preisschrift für die beste Bearbeitungeiner Ge­schichte Dänemarks mit besonderer Rücksicht auf die inneren Entwickelung in Volk und Staat". Sie ist vom Standpunkte des Nationaldänemhums aus geschrieben, aber die deutsche Bearbeitung von Professor Falck in Kiel trägt den Rechten Schleswigs nach deutschem Prinzipe Rechnung. Das Werk ist tresflich geschrieben und bildet die rechte Mitte zwischen dem breiten stcifgclchrten Dahl- mann'schen Werke und den dürren Compendien, welche wir über dänische Geschichte besitzen. Wir heben eine Stelle aus, um zu erinnern, daß die Dänen in der letzten Schlacht auf classischem Boden kämpften, ein Um- stand, der zur Begeisterung ihrer Reihen nicht wenig mitgewirkt hat. Die Verhältnisse waren im Jahre 1813 allerdings ganz anders: damals standen den Dänen ihre jetzigen treuen Freunde , die Russen, Schweden und Preußen als Feinde gegenüber; damals aber nahmen sie es mit einer Armee auf, welche mindestens doppelt so

stark war, als die jetzige schleswig-holsteinische. Hätten die Herren Professoren in Kiel, diese famosen Historiker, an das Jahr 13 gedacht oder denken wollen, so würden sie mit dem Aufgebot aller streitbaren Kräfte nicht so lässig gewesen sein. Nachdem Allen den Ueberfall Kopen­hagens durch die Briten im Jahre 1807 geschildert hat, kommt er auf die Zusammenkunft des Czars Alexander mit Bernadotte im Jahre 1812, wo der Czar versprach, Dänemark zur Abtretung Norwegens zwingen zu wollen, um Schweden für Finnlands Abtretung an Rußland zu entschädigen. Rußland handelte damals wie jetzt rein in seinem egoistischen Interesse, nur daß ihm damals die Theilung der dänischen Monarchie gerade so gut paßte, wie es jetzt in seinem Vortheil liegt, gegen die Abtretung der Herzogthünur Himmel und Hölle in Be­wegung zu seyen.

Im folgenden Jahre, 1813," erzählt Allen weiter, machte man Dänemark den Vorschlag, seine Waffen gegen Frankreich zu richten und Nor wegen an Schwe­den abzutreten. Eine so ungerechte Forderung ließ Dänemark keine Wahl: zum zweiten Male wmdc es genöthigt sich dem französischen Kaiser in die Arme zu werfen und dadurch an dem Kampfe gegen das ganze Europa Theil zu nehmen. Napoleons Glücksstern war in Rußland untergegangen, und nachdem er in der Schlacht bei Leipzig (am 18. October 1813) besiegt worden, drang ein vereinigtes Heer von Russen, Deutschen und

. Schweden, 80,000 Mann stark, unter der Anführung des Prinzen von Pontecordo, in Holstein ein. Einer so ungeheuren Masse krieggewohnter Truppen zu widerstehen war für das an Zahl weit geringere dänische Heer un­möglich; doch es kämpfte mit einer Tapferkeit, die den Feinden Achtung einfiößte. Unter beständigen Gefechten worunter besonders das Treffen bei Bornhöved (a n 7. December 1813) hitzig und blutig war, zog cs sich gegen die Eider hinauf. Während der größte Theil des dänischen Heeres im östlichen Holstein kämpfte, gelang es einer aus Kosaken bestehenden Abtheilung des feind­lichen Heeres nach Westen vorzudringen und bei Fried­richsstadt über die Eider zu gehen, worauf sie sich im Herzogthum Schleswig zu beiden Seiten auöbreiteten und bis zur Gränze von Jütland hinaufstreiften. Es war der Hauptplan des Feindes, das dänische Heer von der Festung Rendsburg, welche den Rückzug decken sollte, abjUfchneiden, und dem General Wallmoden gelang cs auch, zwischen dieser Festung und den dänischen Truppen, welche von dem P.inzen Friedrich von Hessen angeführt wurden, vorzudringen. Um sich den Weg nach Rendsburg zu eröffnen, mußten die Dänen sich durch das feindliche Heer durchschlagen, das an der nord- lichen Seite der Eider bei Sehestedt ausgestellt war. Hier kam es (am 10 December 1813) zu einem blutigen Treffen, welches von 7 Uhr Morgens bis Nachmittags 4 Uhr dauerte. Es wurde mit großer Hartnäckigkeit auf beiden Seiten gekämpft; zuleyt aber gelang es durch