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Freit Zeitung.

âeiheit und Recht!"

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Wiesbaden. Freitag. 9. August

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1830.

Dir-(reit Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, taguch in einem Bogen. Der AbonnementSpreis beträgt v ierteltährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr aus« wärts durch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirk« mein Erfolge. Die JnserattonSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 Kreuzer.

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Geschichtsparallelen.

X DieKöln. Ztg." lägt sich aus Berlin schreiben, daß sich die Erinnerungen an Schleßwig-Hvlstein in Ver preußischen Armee bewähren , da täglich Offiziere ihren Abflöicd verlangen, um in die Reihe ihrer alten Kampf­genossen wieder eintreten zu können; die erste Niederge­schlagenheit in Folge des 25. Juli verliere sich mit jedem Tage mehr oder habe sich vielmehr schon ganz ver'orcu.Die Geschichte aller Zeiten und Völker be­lehrt und ermutigt uns/ heißt es dann weiter. Occu- pirte ver Spanier nicht die ganzen Niederlande, und war er den eroberten Provinzen nicht ein gefährlicherer Feind als Alba, dessen Schrecknisse blutige Spuren in den blühenden Landen hinterließen, dessen milder Nachfolger Don Louis de Neguesenz yZuniga? Wurde nicht Oranien ermordet, siegte nicht der Herzog von Parma fast allcnthabeu? Dennoch wurden die Niederlande frei! Ist es vergessen, welchen Fortgang der Kampf der amerikanischen Colonieen gegen England nahm? Die erste Schlacht im amerikanischen Kriege war die berühmte Niederlage von Bunkershill der Rückzug der Ameri­kaner nach heldenmüthigem Streit. Dennoch ward Amerika frei! Ja, der Anfang der deutschen Freiheitskriege war Der ehrenvolle Rückzug von Groß-Görschen!"

Vollkommen richtig, durchaus einverstanden! Nur passen diese Beispiele aus den Jahrbüchern der Befreiungs­kämpfe leider gar zu wenig auf die Thaten der Män­ner, welche die schleswig-Holsteinische Sache in die Hand genommen haben. Oder waren es etwa die Holländer, welche Ketzergerichte gegen die Verfechter der Glaubens­freiheit und der zVolksausklärung organisirten? Die Spanier waren es und ein Akt spanischer Politik ist es, daß gegen Johannes Ronge ein Steckbrief wegen einer Schrift gegen den Absolutismus erlassen wurde! Hab ferner: haben die Amerikaner nach der Schlacht bei Bnnkershill die Volksversammlungen verboten, weil die an der Spitze stehenden Männer anderer Ansicht waren, als die, welche in den Meetings debattirt werden^sollte ? Und endlich, haben sich die Feldherrn nach der Schlacht bei Groß-Görschen gescheut, den Massenaufruf ergehen zu lassen? Haben sie Napoleon sich im Herzen Deutsch­lands festsetzen, verschanzen und die deutschen Brüder französiren lassen? Haben sie diplomatifirt und die Po­lizeimeister gemacht? Sie haben den Feindmit Kol­ben gelaust", sie haben den Rus erhoben:das Volk steht auf, der Sturm bricht los!" Und der alte Blü­cher, derMarschall Vorwärts" kannte nicht Ruhe noch Rast, als bis die deutsche Sache denFeder­fuchsern", wie er zu sagen pflegte, aus den Händen gerissen und die Entscheidung aus die Säbelspitze gesetzt war. Zeigt derdiplomatische" General Willisen nur eine Ader von diesem Kriegsseuer? Doch sreilich, wäre er ein Blücher, die Herren von der Feder würden ihn als einen Tollkopf über die Elbe transportiren lassen. So steht die Sache, die, wenn sic dennoch nicht ganz

verloren gehen sollte, was wir so herzhaft wünschen, wie jener Geschichtskundige, jetzt nur noch gerettet wer­den kann, wenn der Volksgeist jenen geistlosen Profes­ssoren das Handwerk legt, kurz wenn er lernt, daß die­jenigen, welche Geschichte schreiben ich erinnere nur an Guizot und Thiers in Krisen gar zu häufig die­jenigen sind, welche am allerwenigsten ba$u taugen, Geschichte zu machen, Geschichte, welche den Völkern Heil und Segen, Ruhm und Ehre bringt und woran die Nachwelt Freude hat.

Sozialismus, Commuuismus und Aristo­kratenthum.

V.

^W Die Auflösung des Mittelalters brachte auch die Auswüchse des Coinmunismus ans Tageslicht. So erblicken wir in den Landsknechten acht com- munistische Horden. Sie waren ähnlich orgamsirt wie die Mönchsorden, nur mit dem Unterschiede, daß sie sich im Freien, durch offene Gewalt ihre Lebensmittel verschafften, während letztere hinter Klostermauern durch frommen Betrug sich in den Besitz des Ihrigen zu bringen wußten. Das Aristokratenthum haßt und brandmarkt den Coinmunismus nur dann, wenn er sein eigenes Geschäft treibt, wenn er der herrschenden Aristokratie Concurrenz macht, wenn er deren eigent­liches Wesen durch seine Offenheit allzusehr blos- stellt. So wie sich aber der Coinmunismus dazu ver­steht, mit der nöthigen Verhüllung in den Dienst des Aristokratenthums zu treten, empfängt er sofort die Weihe der Gesetzlichkeit. So nahm auch bei der Auf­lösung des Mittelalters das Aristokrateuthum die ent- menschten, in Eigenthumsverletzungen geübten Commu- nistenhorden in seinen Dienst, in seinen Sold, und es ist in dieser Weise das Soldatenthum, die Soldateska, entstanden.

Der dreißigjährige Krieg, der gewöhnlich den TitelReligionskrieg" führt, hatte sehr weltliche Motive: es lag eben das materielle Inte­resse der Geistlichkeit mit dem materiel­len Gelüste e i n z e l n e r F ü r st e n i m K a m p f e.

Die lutherischen Fürsten machten das Kirchengut ihrer Länder zum Staatsgut; die katholische Geistlich­keit fühlte sich durch diesen kühnen Griff in ihrem hi­storischen Rechte gekränkt, und hetzte die ihr anhängcn- den (nämlich die katholischen) Fürsten gegen die das Eigenthum verletzenden" Lutheraner. Die lutherischen Fürsten wollten das in den Hmnsterhöhlen der Klöster aufgespeicherte weltliche Gut der Welt, dem Staate, wieder zuführen: sie waren daher in den Augen der katholischen Geistlichkeit freche Kirchen räuber. Dies der Grund der beiderseitigen Feindschaft und Erbitterung.

Im Mittelalter war der Kaiser nur der oberste Lehnsherr, den privilegirten Ständen gegenüber der erste unter Gleichen. Er theilte m t diesen Ständen

die an den Grundbesitz geknüpften Hoheitsrechte, er war der Verwalter und Beschirmer der Rechte, die den einzelnen Ständen verfassungsmäßig zukamen. Mit dem Mittelalter verschwand auch der Feudal- und Lehnstaat; über den Wirren seines Auflösungsprozesses gestaltete sich das absolute Königthum, die ab­solute Monarchie. Alle Stände lagen nun in gleicher Unterthanenschaft zu den Füßen des Allein­herrschers. Die Bevorzugung des Adels und der Geistlichkeit hatte jetzt nicht mehr ihren Grund in verfassungsmäßigen Rechten, sie war ein Akt königlicher Huld und Gnade. Das Königthum bevorzugte Adel und Geistlichkeit in seinem eigenen In­teresse: der Trieb der Selbsterhaltung hieß ihm Wälle aufführen zum Schutze desThro- nes gegen den Anlauf des seiner Souverä­nität beraubten Volkes. Die aristokratische Mit­telmacht Deutschlands, von der wir bereits gesprochen, ging aus dem dreißigjährigen Kriege als eine Reihe selbstständiger Fürsten hervor, der Kaiser war zum ohnmächtigen Schattenbilde herabgesunken. Frankreich wurde durch Mord und Raub ein Einheitsstaat, das Land eines Monarchen. Ludwig XI. griff so lange zu, bis Frankreich ein stattlich abgerundetes Reich war. Daß aber Niemand über Verletzung des Eigenthumes kla­gen und jammern konnte, dafür sorgte seinGevat­ter" Henker, der den großen Monarchen auf seinen Raubzügen begleitete. Unter Ludwig dem Vierzehn­ten, der das Geschäft fortsetzte, hatte das Königthum in Frankreich seinen Höhepunkt erreicht. Als dieser König den berühmten Ausspruch that:der Staat, das bin ich", da hat er unbewußt das Todesurtheil Ludwigs desSechszehnteii ausgesprochen. Denn jetzt konnte das sein ursprüngliches Recht herausfordernde, die herrschende Willkür bekämpfende Volk sich nicht mehr (wie im Bauernkrieg) mit einem Anlauf gegen die be vorzugten Klassen begnügen: es mußte den Kampf fortseßen, bis das Centrum des Despotismus i n F o rm des k ö n i g l i ch e n K o p- fes gefallen war. Dies geschah denn auch in d.'r ersten französischen R volution. Das während d.'r Ebbe aufgebaute Königthum wurde durch die wieder anwogende Volksfluth vollständig zertrümmert.

Auch diese Revolution hatte, namentlich auf sozia­lem Gebiete, ihre Auswüchse. Statt die Vorrechte des Besitzes zu beseitigen, statt allen Persönlichkeiten die Rechte der freie» Entwickelung uns der freien Bewegung zu verschaffen: ging eine fana­tische Partei darauf aus, Besitz und Indivi­dualität vollständig zu vernichten. Babeuf hieß der Mann, der die Aufhebung des persönlichen Eigenthums als Grundlage der neuen Gesellschaft pre­digte. Wir wollen, um seine Lehre näher zu bezeich­nen, einige Stellen ans seinem Manifeste vom Jahre 1796 ausheben:

Art. 1. Die Natur hat jedem Menschen ein

Der Creitt.ismus

w Zur Ausarbeitung einer statistischen Uebersicht über den Cretinismus nebst Angabe der Entstehungsgründe desselben in den sardinischen Staaten hat der König von Sardinien eine Gelehrtenkommission veranlaßt, wiche jetzt ihre Arbeiten veröffentlicht hat. Diese Schrift ent­hält manche neue Beobachtung über diese eigenthümliche Krankheit. Nach den Arbeiten der Commission ist cs jetzt erwiesene Thatsache, daß der CretMism.iS beinahe immer von einer unvollständigen Bildung der Hirnschale begleitet ist und ebenso auf den Mangel jeder Muskel- unv Geisteskraft schließen läßt. An mehreren Leichen angeftefite Beobachtungen haben gezeigt, daß bei Diesen unvollkommenen Wesen die Gehirnmaterie sich in viel geringerer Quantität vvrfand, als bei den anderen Menschen. Die Commission ist nicht der Meinung, daß der Cre- tinismus nothwendig mit dem Kropfe verbunden sei, in­dem man bei den sardinischen Alpbewohnern beinahe regelmäßig Kröpfe, aber keine Spur von Cretinismus findet, während man in den obern Thälern , wo der Cretinismus häufig ist, keine Kröpfe findet. Die Krank­heit ist einzig in den Thälern und Ebenen der höchsten Alpgegenden zu Hause; je mehr man in diese tiefen und feuch­ten , kaum erleuchtete Gegenden eindringt, iro die Luft durch die Granitfelsen eingeengt und gedrückt erscheint, desto mehr scheint die menschliche Natur zu verschwinden, um einer entarteten Gattung Play zu machen. Als ob

sie den Instinkt des zurückstvßendcn Gefühls hätten, daß sie Jedem einflößen, suchen diese ungestalteten Wesen die düstersten Orlen auf, Löcher in den Felsen, von Bäumen umgebene Sümpfe. Bei ein r Bevölkerung von 2,650,905 Seelen zählt Sardinien 5073 Cretins mit Kröpfen und 2014 ohne Kröpfe. 2165 dieser Unglücklichen haben gar keine vernünftige Fähigkeit, nicht einmal das Be­wußtsein ihres Gsschtechts. 3518 haben einige Fähigkeit zu sprechen, aber ihr geistiges Vermögen, wenn man so sagen darf, beschränkt sich auf ihre körperliche Bedürf­nisse. 1414 endlich sind weniger unvollkommen in mo­ralischer und physischer Beziehung. Mit vieler Mühe könnte man sie ein Gewerbe erlernen lassen. Man glaubte bisher, der Cretinismus sei nicht in den Gegenden an- zntreffen, die mehr als 1000 Meter über der MeereS- fläche erhaben seien; diese Meinung scheint durch die sardinische Commission widerlegt zu sein, welche gefunden bat, daß bei einer Höhe von 1600 Meter die Anzahl der Kretinen mit Kröpfen regelmäßig 9 Proz. der Be­völkerung beträgt.

Die russische» Findlinge in Polen.

(AuS den Grenjboteii.)

(Schluß.)

Das Findelhaus erschien der Regierung als eine schänenswerthe Hülfe, sowohl Die Bevölkerung ihres öden Gebietes, als auch die Russisten ung Polens zu be­

fördern, und wenn dabei ein nachtheiligcr Einfluß auf die Sittlichkeit als eine unvermeidliche Bedingung l)er- vortrat, so hatte dies, gegenüber dem Prinzip, keine große Bedeutung. Als ich bei meiner letzten Anwesen­heit in Warschau dasKindlein JesuS" besuchte Mittags nach ein Uhr befand sich eine gemeine Frau an der Wiege beim Eingänge und legte ohne Furcht ein in Windeln gewickeltes Kind in dieselbe. Als ich dieselbe

I barmherzige Schwester, welche mir sechs Jahre früher ; so freundschaftlich die Besichtigung der Anstalt gestattet : hatte, frug, woher eine solche Erscheinung komme, sagte sie mit großer Bitterkeit:Mein Herr, dieselbe Frage wird sich Ihnen beim Durchschreiten Der Anstalt wohl tausend Mal aufwerfen und läßt sich nur durch den ' Wechsel der Zeit und den jetzigen Zweck des Instituts ; erklären."

Vom Jahr 1819 bis 1830 hatte das Findelhaus im Durchschnitt jährlich 280 vom Jahre 1832 bis 1839 durchschnittlich dreihundertundfüüfzehn, vom Jahre 1840 bis 1846 aber im Durchschnitt siebenhun- dertttndneunzig Kinder erhalten, und vom Jahre 1840 bis 1846 hatte die Steigerung jährlich 11 Prozent betragen.

Betrachtet man die Verhältnisse, in welchen die Freudenheuser zum Polizeiwesen stehen, wie die Polizei gestattet, daß die 340 Cafeehäuser zugleich Freudenhäuser sind und sich die Bordelle täglich vermehren ; betrachtet man die scandaleusen polizeilichen Begünstigungen der