* In München singen die Soldaten in den Kasernen allabendlich zu Hunderten das „Schleswig-Hol- ßetii meerumschlungen" mit einer Begeisterung, „als gelte es", wie der „Nürnb. Kourr." äußert, „in einer Stunde auf die Dänen loszuschlagen." Man sieht einem Verbot dieses Liedes entgegen. — Die Münchener Künstler geben im Oveonsaale eine Vorstellung von lebenden Bildern für Schleswig-Holstein. Es wäre besser, sie nähmen das Gewehr zur Hand und zeigten, daß die Kunst nicht blos nach Brod geht, sondern auch auf den Feind!
Wien, 1. August. Heute wurde unter Serie 441 der älteren Staatsschuld, enthält böhmische Aerarial- obligationen von verschiedenem Zinsfüße, gezogen.
^ Wien, 2. August. In der „O.P.A.-Ztg." ereifert man sich über die neuesten Amnestirungen des Kaisers, „daß jene, ohnehin meist der verworfensten Klasse angehörigen Individuen (die Amnestirtcn!) schwerlich ihre Zeit anders als zum Anspinnen Neuer hochverräterischer Ränke und Pläne benutzen werden, wozu das abermalige Auftauchen der Nationalitätsfragen und der begreifliche Wunsch nach Adoptirung eines gemäßigten Föderativsystems einen ganz entsprechenden Deckmantel liefern können." Sind dann die Fürsten den konservativen Korrespondenten deutscher Blätter nie unerbittlich genug? — Die Nachricht der „Köln. Ztg.", die österreichische Negierung wolle Waldeck und Temme in ihre Dienste ziehen — eine Nachricht , welche dem politischen Verstände der „K. Ztg." allerdings wenig Ehre machte — wird in der O.P.A.- Ztg. für „eine der vielfachen Erfindungen erklärt, mit denen die Köln.-Ztg. es Tag für Tag versuche, Oesterreich und seine Regierung zu verleumden."
* Wien, 2. August. Der Bankausweis für den Julimonat, der heute veröffentlicht worden, lautet noch weit ungünstiger als seit langer Zeit. Der Banknotenumlauf hat sich um 5t2 Mill. C. M. vermehrt, der Baarvorrath vermindert. Die Forderungen der Bank an den Staat haben durch Anhäufung der schwebenden Schuldpapiere in den Portefeuilles derselben eine Zunahme von 2% Mill. fl. erlitten!
Der „Köln. Zeitung" wird über das österreichische Bankwesen unter Anderem aus Wien geschrieben: „Die angebliche Redaction des Heeres beläuft sich auf etwa 30,000 Mann , aber die Lücke in den Aüsgabcu wird durch siebenzehn Regimenter Gcnsd'armcn mehr als verdoppelt. Die Millionen, welche die neuen Befestigungen in Anspruch nehmen, werden nicht bei der Entlassung einiger Mannschaft erspart. Da der Posten für die Armee das Deficit verursacht, so ist an eine Ausgleichung der Einnahme und Ausgabe, welche Mittel man auch ergreift, nicht zu glauben. Man lavirt, man schwimmt, man macht allerhand Börsen - Gaukeleien, und patscht froh in die Hände, wenn an einem Tage das Agio für Silber von 19 auf 18 Proceut fällt. Als vor Kurzem der Cours um zwei bis drei Procent herabsank, da wurden an den gouvernemen- talen Leuchtthürmen bunte Laternen ausgesteckt, daß alle Geldmänner höher segeln möchten, denn nun sei festes Land gefunden. Ein solches Börsenspiel, meinen diese Herren, könne den durch und durch zerrütteten Haushalt der einzelnen Bewohner des Staates verbessern; das Steigen oder Fallen der Gold- und Silber- preise vermöge den Ruin der Besitzenden aufzuhalten. Man hat die Stützen des Credits weggezogen, und die Risse im ganzen Gebäude verkünden den Schaden und den Einsturz. Was wird es dem Gutsbesitzer nützen, der heute sein Besitzthum veräußern muß, weil der Gläubiger keine papicruen Zinsen für ein vielleicht gänzlich verlorenes Capital beziehen will und daher kündete , was wird es dem Gutsbesitzer nützen, wenn morgen Banknoten und Silber al pari sieben? Was wird es all den armen Beamten nützen, die bei den enormen Preisen der Lebensmittel (das Pfund Fleisch kostet wieder 14 Kreuzer C.-M.) nicht mit ihrem firir- ten Gehalte ausreichen und daher in Schulden stürzen, was wird es den armen Beamten nützen, wenn die Staatspapiere über 100 kommen? — Wer nicht vom Tage zum Tage erwirbt und ausgibt, der lebt auf einem vulkanischen Boden und ist jeden Augenblick des Zugrundegehens gewärtig.
Wien, 3. Aug. (Nat.Z.) Seit gestern ist wiederholt das Gerücht im Umlauf, Minister Schmerling würde zurücktreten. Dies scheint um so weniger be- g ündet, als der dazu besprochene Anlaß wohl gehoben sein dürfte, indem die cepnuive Verlegung des obersten Gerichtshofs von Verona nach Wien nun wirklich beschlossen ist. Provisorisch dürfte derselbe jedoch noch einige Zeit daselbst verbleiben. — Nach dem „Solda- tenfreund" wäre zur Vermeidung der Staatsansgaben eine abermalige Reduktion des Heeres um nicht weniger als 100,000 Mann im Anzuge. Der „Soldaten- frcund" zeigt sich einer solchen Maßregel sehr abgeneigt und meint, nun die Armee gesiegt, der äußere und innere Feind durch sie bezwungen worden, soll sie mit Blitzesschnelle in Rauch und Wolken aufgehen. (Der Soldatenfreund denkt aber nicht an die Finanzklemme: ohne Geld sind keine Soldaten möglich!) —
Die „Wiener Ztg." bringt ein, die Verhältnisse des Privatunterrichts regelndes Gesetz, wodurch die Privatlehrer verpflichtet werden, dem Staate die Garantien ihrer moralischen und intellektuellen Befähigung zu geben. Es bezieht sich zunächst auf den in Mittelschulen ertheilten Unterricht.
Prag, 2. August. (O.-P.-A.-Z.) Für das böhmische Armeecorps, dessen Auflösung, wie es scheint, doch nicht so nahe bevorsteht als einige Blätter an- kündigten, ist die Lieferung von beiläusin 27,000 Metzen Korir und Hafer und 12,600 Gentnern Stroh ausgeschrieben und binnen sechs Wochen zu beschaffen.
S ch le s w i g - H o l ft e i u.
*Seit Willisen erklärt hat: „Ist es dem Feinde nur mit Mühe gelungen, es dahin zu bringen", daß wir die offene Feloschlacht abgebrochen, so wird er es nicht wagen, uns hinter unsern Verschanzungen aufzusuchen!" seit diesem vielsagenden Bekenntnisse dürfen wir natürlich seine neue Waffenthaten erwarten, als bis der Däne aufsucht. Heinrich von Gagern ist also, trotz seiner Majorscharge, noch weit vom Schuß. Die Vor- Postenneckereien, welche die bis Gottorf, halbwegs zwischen Eckernförde und Kiel, vorgeschobenen dänischen Vorposten veranlaßten, waren höchst unbedeutende Pulver- Verpliffereien. Die Statthalterschaft geht desto eifriger anderem Waidwerk nach: der Demokrateuyetze. In diesem Lande, das denn doch seiner ganzen Schwungkraft bedürfte, um Stand zu halten, wird das Verein srecht von der Regierung mit Füßen getreten! Für den 4. August, Nachmittags, war eine Volksversammlung auf der Altonaer Bürgsweive angekündigt; man wollte, wie ein Hr. I. L. Schmidt, Namens und im Auftrage des Vorstandes mehrerer Vereine, erklärte, dort zuvörderst berathen, „was dem Lande noth thut und die Mittel, wodurch demselben geholfen werden konnte, ehe es zu spät ist". Es scheint, daß man einen Aufruf an deutsche Freischaaren beabsichtigt hat; ein Placat der Altonaer Polizei-Behörde hat jedoch „bei ernsthafter Ahndung" die Versammlung verboten, da ihr Programm den Absichten und Anordnungen der StaatS-Regierung ent- gentretc. Ist das nicht höchst erbaulich? Die Herren Heseler und Genossen wollen sich vom Volke heben lassen j aber das Volk soll zu allem Unsinn schweigen. — Gcrvinus ist nach London geeilt, um sich als Diplomat die Sporen zu verdienen. Wir werden bald erfahren, was er ausrichtet, doch scheint in Kiel selbst wenig Vertrauen auf diese Reise gesetzt zu werden, da das Kieler Correspoudenzblatt äußert, „auf ein Einschreiten Palmerstons zu Gunsten der Herzogthümer dürfte wohl nicht zu rechnen sein". Trotz auer Londoner Protokolle, meint das Kieler Blatt, werde die Sache zuletzt doch von Deutschland entschieden werden; dann fährt es fort: „Oesterreich zunächst befindet sich, Deutschland gegenüber, wesentlich in derselben Lage, wie Dänemark; es hat dasselbe Interesse, wie dieses, an der Niederhaltung einer deutsch-nationalen Bewegung und laßt deßhalb den dänischen Intentionen alle mögliche Unterstützung angedeihen; augenblicklich bekämpft es freilich aus Opposition gegen Preußen alles, was dies in Sachen der Herzogthümen vornimmt, sucht Preußens Verdienst möglichst herunterzusetzen, und gibt sich selbst den Anstrich, als wenn es geneigt wie im Stande wäre, alle Rechte des Bundes wirksamst zu schützen und geltend zu machen. Allein das ist bloß Maske, und, wie man schon aus den intimen Verbindungeu schließen kann, die es ununterbrochen mit Dänemark unterhalten hat, ist es durchaus feindlich gegen die Herzogthümer gestimmt. Baiern und Wür- temberg stehen ganz unter österreichffchem Einflüsse; Sachsen will den Status quo ante und zunächst Absetzung der Statthalterschaft; in Hannover mag der König persönlich uns nicht abgeneigt sein, aber dem Ministerium Stüve ist unsere Sache ein Dorn im Auge; es gibt kein Blatt, welches eine herzlosere, schroffere Haltung gegen uns beobachtete, als das Organ des Hrn. Stüve, die „Hannov. Ztg." So bleibt denn Preußen mit den Unionsstaaten allein für uns noch, Preußen, das vielgefchmahte, und doch der einzige Halt für die Hoffnungen aller wahren Patrioten, auf den man immer und immer wieder zurückkommen muß, so oft man sich auch verzweifelnd abgewandt hat. Unter all den feindlichen Elementen, die sich gegen uns vereinigt haben, zeigt sich Preußen allein uns geneigt, und an Preußens Stern ist auch unser Schicksal gebunden."
An Preußens „Stern" ist Schleswigs-Holsteins Schicksal gebunden durch „alle wahren Patrioten" (was natürlich nur die Herren Gothaer sind!), welche auf einen Fürsten hoffen im Kampfe gegen einen Fürsten,^welche die ersten Menschenrechte und politischen Waffen — Preßfreiheit und Vkrèlnsrecht — mit Füßen treten, und eine solche Politik treiben, daß sie die Wahrheit allerdings nicht vertragen können, weil sie vor Scham in die Erde sinken müßten, wenn sie zur Erkenntniß ihrer ganzen freventlichen Hohlheit und strafbaren Verblendung kamen. — Last die Dänen Holstein schwerlich eher betreten werden, als bis der dcut- tche Bundestag in Frankfurt wieder tagt, wird immer wahrscheinlicher. Oesterreich hat in Kopenhagen erklärt, daß es ein Einschreiten in Holstein ohne ein Anrufen ceö deutsche Bundestags von Seiten Dänemarks nicht dulden werde. In gleichem Sinne soll die hannoversche Regierung in Kopenhagen bei einigen deutschen Häfen und in London thätig gewesen sein.
Die Nordd. Fr. Presse, welche in ihrer Politik sonst ganz mit der der Statthalterschaft Hand in Hand geht, ruft aus die Gefahr hin, von ihren Freunden in Kiel lind Altona mit Beschlag belegt zu werden, bei dem gegen Ronge am 27. Juli wegen seiner Schrift gegen die russische Politik erlassenen Steckbriefe aus:
r—"Wir können nicht ohne tiefen Unwillen auf diese in unserm Lande immer mehr überhand nehmenden politischen Verfolgungen blicken. In einer Zeit, wo das ganze Land zusammenwirkt, um seine Freiheit zu behaupten, wo Deutschland in unserm Lande den Rest seiner Freiheit und seiner Ehre mit zu vertheidigen glaubt, verurteilen und senden unsere Behörden Männer ins Zuchthaus wegen politischer Vergehen — nicht etwa wegen Verraths an den Feind — nein! weil sie sich im jedenfalls vermeintlichen Interesse des Vaterlands zu starker Ausdrücke oder Demonstrationen bedient, sie instruiren neue kriminelle Preßprozesse und verfolgen mit Steckbriefen! Zwei Tage, nachdem die Schlacht bei Idstedt für die Freiheit Schleswig-Holsteins geschlagen, erläßt ein Gericht — nicht etwa in dem den Danen unterworfenen Schleswig — nein! in dem noch von seinem feindlichen Soldaten betretenen Holstein einen Steckbrief gegen den Stifter des Deutsch- katholizismus, der gegen die Kosaken, für die enropäische, die deutsche, die fchleswia- holsteinische Freiheit geschrieben! — Ronge mtrb durch diesen Brief nicht gefangen werden, seine Ehre wird er nicht verletzen."
Dänemark.
* Aus Kopenhagen 3. August bringt die neueste Post eine Bekanntmachung des Kriegsministeriums, in weiter alle in dem Hcrzogthum Schleswig oder Holstein nicht Geburtigten, welche in der Jusurgentenarmee die- neu oder Dienste nehmen, sey es als Offiziere, Unter- ofüziere oder Gemeine, aufgefordert werden, diesen nicht unter dem Schutze des Völkerrechts stehenden Dienst sofort zu Verlagen. „Widrigenfalls werden sie, wenn sie in Gefangenschaft gerathen sollten, nicht als Kriegsgefangene behandelt werden." Sie verfallen also dem Standrechte. Diese Maßregel ist vollkommen geeignet, die schleswig-holfteiniiche Armee not standhafter zu ma- teil. Werden die Herren von der Statthalterschaft jetzt endlich auch bedenken, daß es sich fortan um Haut und Klagen handelt und darnach ihre Maßregeln treffen? — Außer den 10 gefallenen Offizieren, welche die Ber- lmg'fche Ztg. bereits namhaft machte, bringt sie jetzt die Namen von 32 andern, die bei Idstedt geblieben sind. In Flensburg sollen bereits an 1000 Gemeine und 40 Offiziere der dänischen Armee beerdigt sein und noch alle Spitâle voll liegen, darunter 85 Offiziere. Die transportabeln Verwundeten wurden bekanntlich gleich zu Schiff nach Kopenhagen gebracht.
Gro^dritannien.
* London, 3. August. Die Times melden, daß die Kollektivuote der Großmächte gestern im Ministerium des Auswärtigen von den Bevollmächtigren Englands, Frankreichs, Rußlands, Dänemarks lind Schwedens unterzeichnet worden sei. Der österreichische Gesandte ließ das Protokoll für die Annahnie feiner Regierung offen halten. Der preußische Gesandte hatte sich, wie von der Sitzung am 4 Juli fern gehalten, ohne daß die übrigen Gesandten jedoch von dieser Demonstration weiter Notiz nehmen.
Die Lasten der englischen Staatsschuld, 27,686,458 Pfv Sterl., jährlich, werden durch Ablauf der Annuitäten bis zum Jahre 1860 um 3,207,500 Pfv. Swrl. bis 1867 um 3,793,000 Pfo. Sterl, jedes Jahr vermindert.
Italien.
* Den neuesten Berichten aus Neapel zufolge wird die Montemolin'lchc Hei rath keinen ernstlichen Bruch mit der spanischen Regierung zur Folge haben. Der neapolitanische Hof wird den Fürsten Carini zu- rückrufeii und wie 1839 statt eines Gesandten nur einen Geschäftsträgen tu Madrid halten. Das ist Alles!
Spanien.
* * Madrid, 30. Juli. La Patria versichert, daß Don Juan de la Concha jum Generalkapitän von Cuba, Serrano zu dem von Neu-Castilien und der General Marguis de Duero zum Kriegsminister an Figueras' Stelle ernannt worden sei. Die Cortes sollen Anfangs August aufgelöst und die neuen am 19. November durch die Königin in Person eröffnet werden.
§§epuö!i§ ^raafreid).
• Paris, 5. August. Die National-Versammlung beeilt sich. Heute wurde das Gesetz über die Kon- traktsverauderungen der Effentzahnen von Nantes und Bordeaur und das Gesetz über Aufhcöung des Zwaugs- courses der Banknoten angenommen. Bebrigens uat die National-Versammlung auf Antrag des Marine- ministers beschlossen, auch noch das Gesetz über die Presse in den Kolonien vorzünehmen, was ihre Prorogirung um einige Tage verzögern wird. — Troy der Aukündlgnug d s Abend- Monilem-s wird der Präsident Louis, wie bente bestimmt versichert wird, nicht die Flotte bei Cherbourg iuspiciren, sondern am nächsten Montag direct nach Lyon ab reinn. Die Miitelmeer- flotte, 9 Schiffe stark, war am 26. Jaki vor Gibraltar. Der Marseiller Stadtrath bleibt bei seiner Bedingung' aus sofortige Wiedereinsetzung der Sanitälsintendantur; die Ailsregung ist noch nicht beschwjMt. der Minister soll durchaus gcdemüthigt werden. — An der Börse herrscht wieder großes Vertrauen: 3pCt. 58, 55 (Hausse 25 C.); 5pGt. 97, 35 (H. 45 C.); Bankaktien 2395 (Hausse 15 Fr.). Eisenbahnaktien sehr gesucht, besonders Nord und Straßburg.