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Fmc Zeitung.

âerhert und Nceht!"

^ B^k Wiesbaden. Mittwoch 7. August BS^O.

DieFreie Zeit ung" erscheint, mit 2luduai>me deS Montags, täglich in einem Bogen. - Ler Asonnemeniopr. delragl vcerikliasrig b>er in W-evdaden I fl. 45 h aus. w5. durch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen »no Sav bei der großen Berbreitung derFreien Zeitung" stetâ von mirs» amcin Erfolge. Die ZnserationSgebührc» betragen für die vierspaltige Petttzeile 3 Kreuzer.

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Die Diplomaten und die überelbifchen Herzogthümer.

X Schleswig wird aufßeßcbcn und dem Könige von Dänemark überlassen, in Holstein, wie dort, wird die Gemeinsamkeit der Thronfolge aufrecht erhalten, mit andern Worten: Alles wird zum Alten zurück- gezwangt! So stehen die Sachen jetzt schon. Man muß so blind sein, wie die Herren Diplomaten das dumme Volk" wähen, wenn man das nicht sieht. Eine kurze Uebersicht über die heutigen Tägesneulg- kriteu in Betreff der Herzogthümer mag Den Beleg geben! Zuerst erfahren wir, daß England das Pro­tokoll vom 4. Juli hat fallen lassen, uno daß bereits ein revidirlks neues Protokoll verfaßt wurde, dessen Grundgedanke jedoch derselbe bleibt, nämlich Inter­vention Der Großmächte für das Zusammenhalten des dänischen Staats in seinem alten Bestände. Dies rc- vibirte Protokoll wurde beliebt, um Oesterreichs Bei­tritt zu ermöglichen; Preußens Gesauster verweigerte jedoch, der Konferenz nur beizuwohnen, zu der am 2. August die Gesandten der Großmächte zur Unterzeich- zeichnung des Protokolls aufgefordert wurden. Rußland ist es besonders, das darauf unter Erinnerung an ge­wisse Zusagen dringt. Wird Oesterreich also den offe­nen Brief des dänischen Christian bestätigen, wird es die Abtrennung Schleswigs gutheißenV DieO.P.A-- Ztg." meldet aus Berlin, daß dem österreichischen Ge­sandten in London vom Wiener Kabinett die Weisung zugegangen sei, daß es die Gemeinsamkeit Der Thronfolge in Dänemark und in den Herzogthümern für wünschenswert^ halte. Jenes Schreiben, das dies meldet, setzt hinzu:Die Hoffnung, daß wenigstens in dieser nationalen Sache die beiden deutschen Groß­mächte zur Wahrung deutscher Ehre und deutschen An­sehens Hand in Hand gehen würden, scheint also auch auf wankendem Boden zu ruhen, da Die vsterrrWyche Haltung mindestens in ihrer Unbestimmtheit keine Zu- verficht gewährt. Zwischen dem preußischen Gesandten, Dr. Bunsen und Lord Palmerston find in Bezug auf die Londoner Protokollangelegenheit Schreiben gewech­selt worden, welche cinestheils die entschieden ausge­sprochene Haltung Preußens bekunden, anderntheils aber auch darthun, wie unangenehm diese feste preu­ßische Haltung den englischen Minister der auswärti­gen Angelegenheiten berührt hat. Wir heben letzteres aus dem Grund hier hervor, da man sich in Deutsch­land noch fortwährend Täuschungen in Hinsicht des Lord Palmerston überläßt. Auch Heinrich v. Gagern sprach sich bei seiner kurzen hiesigen Anwesenheit in irrigen Voraussetzungen in Bezug auf England ans, in welcher Beziehung er indessen von unsern hiesigen Staatsmännern die nöthige Aufklärung erhalten hat."

Was bedeutet es also, wenn die bairischen und würtembergischcn Blätter, nachdem sie kaum die Anwe­senheit des dänischen Diplomaten von Dircking-Holmfeld gemeldet haben, von einer Konferenz des Kaisers von

Oesterreich mit den Königen von Baiern und Wür« temberg reden und wenn das Fr. I. peilte aus Stutt­gart berichtet, daß die drei genannten, (nach einer andern Angabe in Verbindung mit Ernst August von Hannover) dahin übereingekommen seien, Die Sache der Herzogthümer selbst in die Hand zu nehmen. Will Oesterreich, das in London für die gemeinsame Thron­folge sich erklärte und auf Rußlands Befehl sich so er­klären mußte, sich der Sache Schleswig-Holstein im Volkssinne «»nehmen? Will der König von Würt­temberg, der jetzt ganz in russischem Einflüsse steht, in Beseler's Geiste die Sache in die Hand nehmen L Will der König von Baiern, der eben erst von Brüssel aus Metternichs hoher Schule kommt, für eine Volkerhe­bung einstehen? Wahrlich nicht! Wenn sie Truppen marschiren lassen, so geschieht es, um den alten Stand hcrzustcUen, und höchstens die Frage über die Thron­folge offen zu lassen, bis die Herzogthümer dänifirt sind. Aber Preußen zeigt ja doch in London eine weit deutschere Politik! Ritter Bunsen wird das Pro­tokoll nicht unterzeichnen! Natürlich, Preußen lavirt: Preußen hat seit der Sprengung der Na­tionalversammlung die Gagernsche Rolle in der Contrerevolution übernommen, es spielt immer so lange den Volksfreund, bis die Frage in dem Sinne gelöst ist, den Rußland will, dann fügt es sich, dann giebt es nach mit wehmüthigem Gefühle. Wie Preußen in Sachen der Herzogthümer gehandelt, bedarf keines weiteren Nachweises. Daß aber Preußen ist, welches den Unionsstäaten nicht gestatten will, den Schleswig-Holsteinern Hülfe an Offizieren, Geld u. s. w. zukommen zu lassen, ist of­fenkundig: der Großherzog von Baden ist ehrlich ge­nug gewesen, es geradezu einzugestchen. (S. Mannheim.)

Was bedeutet es also, wenn das Wiener Neuig- keits-Bnreau vom 1. August berichtet, Sachsen und .Hannover jeien von xr^ ^u^p .> . -, o... I <r - . vor feindlicher Invasion zustyützen, während Oester­reich die Mainlinie decken wolle. (?) Fürchtet Schwarzen­berg etwa, die Dänen könnten bis an den Main kommen? O nein, es will beide von Preußen noch mehr abtrennen, zu den andern zwei Königen hinüber­ziehen und unter der Firma, Holstein zu schütze» von Schleswig ist gar nicht mehr die Rede!

die Restauration des Bundestags verwirklichen. Man schickt zu dem Zwecke vielleicht also Truppen ge- gcii die Dänen nach Holstein, um die Schles­wig-Holsteiner zu überwachen und dahin zu sehen, daß aus jenem Feuer kein anti-dynastischer Brand werde; man sammelt zugleich Truppen im Herzen von Deutschland, um sich gegen etwaige Volksbewegungen bei der Wiederausscharrung der FrankfurterLeiche" sicher zu stellen und um Preußens Diplomaten den Schein zu geben, daß sie nur gezwungen sich in die Wendung fügen, gegen die sie sich bisher so oft hoch und theuer verschworen haben. Oesterreich fürchtet allerdings, daß in Deutschland noch politische Scham

vorhanden sei, denn es protestirt aufhalboffiziellem" Wege wegen Einberufung des engere Bundesraths auf das Nachdrücklichste" gegen dieInsinuation", alsbeabsichtige es die vollständige Wiederherstel­lung des Bundesstaates"; cs wollenicht zu den früheren Zuständen und Formen zurückkehren", der Schritt gelte nur,als das allein übrig gebliebene Mittel, zu einer den Bedürfnissen der Zeit entsprechen­den Neugestaltung (?) des Bundes zu gelangen." In ähnlicher Weise muß dieOestr. Reichs-Ztg." klagen: Wir sind an dem Punkte angelangt, den Oesterreich um jeden Preis hätte vermeiden wollen, Deutschland ist in zwei Theile getrennt nnd gerade in einer Epoche, wo die Einheit aller Kräfte allein im Stande wäre, seine Rechte nach außen, die Ordnung nach innen auf­recht zu erhalten. Unsere Regierung geht indessen auf dem betretenen Wege vorwärts; gemeinschaftlich mit den Bundesgenossen unternimmt sie es, den Bund zu gestalten, die Bildung des engeren Rathes wird es möglich machen, die allgemeinen Interessen zu vertreten. Die Bundescommissäre, deren Anwesenheit in Frankfurt nicht mehr nö­thig ist, werden diese Stadt verlassen. Die Geschäfte des Bundes werden von dem neu zu schaf­fenden Organe übcriwmmen werden." Während Oesier- reich sovorschreitet", dabei aber seine Armee reduzirt, um Preußen dadurch einen weitern Schritt zum Ver­trauen entgegen zu thun, renommiren die von der preus­sischen Regierung inspirirten Blätter und Korrespon- deuzcbureaur:Die gespannteste Aufmerksamkeit richtet sich auf die Schritte unseres Ministeriums, dem beab­sichtigten Vorgehen Oesterreichs gegenüber. Die Stim­mung drängt von allen Seiten, unser Heer am aller­wenigsten ausgenommen , zum entschiedenen Handeln von Seite Preußens. Man ist der Mieten und der bloßen Einsprüche im höchsten Grade überdrüssig, man will ein thatkräftiges Auftreten. Diese Stimmung fin- welcher indessen gegen Einflüsse aller Art fortwährend zu kämpfen hat!" .Einflüsse!" und wieder:Einflüsse!"

In dieser letzteren Bemerkung liegt, wie nach allen solchen Deklamationen, das Hintertyurchen! Und was geschieht indeß in Schleswig und Kopenhagen? Die Dänen setzen sich im Herzogthum Schleswig militärisch so fest, daß sie schwerlich wieder hinauszuschlagen sind; zu­gleich sind sie bereits eifrig mit Austreibung des deut­schen Teufels und mit Danisirung beschäftigt; endlich erheben sich bereits Stimmen genug, welche erklären, man habe Schleswig und das sei die Hauptsache! Hol­stein überläßt man bis zur Restauration des Bundes­tags seinem Schicksale, überzeugt, daß eS so gründlich durch Protokolle mürb gemacht werde, wie Schleswig durch Kolbenstoße. Und was sagen die Edlen und Ge­treuen in Kiel und Rendsburg zu dem allen? Die neueste telegraphische Depesche lautet:Rendsburg, 4. August. So eben sind zwei Proklamationen des

Die russischen Findlinge in Polen.

(Fortsetzung.)

Doch bevor zu diesen beiden Acten geschritten wurde, mußte erst abgewartet werden, ob es Dem Wächter mög­lich war, die Ueberbringerin des Kindes einzufangcu. Dieser nämlich hatte die Verpflichtung, sobald er gewahrte, daß ein Kind eingelegt wurde, aus dem Thore zu stürzen, Die Trägerin gefangen zu nehmen und in das Haus zu schleppen. Hier mußte sie »»verweilt vor Den beiden barmherzigen Schwestern bekennen, ob sie die Mutter Des Kindes war. War sie es muthmaßlich und leugnete sie, so wurde sie untersucht. Ergab sich ihre Verdäch­tigkeit, so wurde sie gefragt, ob sie 45 Gulden bezahlen wolle. War ihr das unmöglich, so wurde sie, selbst die kräftigsten Einwendungen waren ungültig und um wirksam in das Haus der Säuglinge gebracht und hatte hier das fürchterliche Schicksal zu erdulden, auf so lange, als ihre Brust Milch gab, vier, fünf und »vch mehr Säuglingen als Amme zu dienen. Da den Kin­dern nur 4 Wochen lang die Brust vergönnt wurde, so erhielten diese Ammen alle Augenblicke andere Säug­linge und dies mochte das Schrecklichste in ihrem Schick­sale sein; wenigstens äußerte eine gegen mich:Herr! fortwährend zwei, drei, ja fünf Kinder an der Brust zu haben, und noch dazu immer wieder andere; sich fortwährend auf neue»Säuglingsmucken"" einlernen müssen v da verflucht man sein Leben!"

Die armen Dirnen, in der Furcht vor einem solchen Schicksal, pflegten die Früchte ihrer Liebe des Nachts durch alte Frauen in die Wiege schaffen zu lassen, waren aber deßhalb durchaus nicht gesichert, sobald sie nicht die Stadt und ihr nächstes Gebiet verlassen hatte. Und auch diesen alten Frauen drohte eine andere unheimliche Gefahr. Weigerten sie sich 45 Gulden zu erlegen, vier | die Mutter des Kindes nachzuweisen, so wurden sie selbst in der Anstalt zurückbchalten uno zu den unangenehmsten Dienstverrichtungen im Hof und in den Krankensäleu gezwungen. Meist ließen sich Die entsetzten alten Damen durch die Schilderung des ihnen bevorstehenden Looses bewegen, an der vertrauten Dirne den Judas zu spielen. Es war dann Die Sache eines KlvsterkncchteS, diese aus ihrer Wohnung zu holen, wobei es DL weilen ohne sca- - dalöse Balgereien nicht abging, wie denn auch oft bei dem Einfängen derjenigen Personen, welche Kinder in die Wiege legten, nichtswürdige Rausireicu statlfandeu. Ich .selbst habe einmal mitten in Der Narbt eine Scene mit angesehen. Auf der einen Seite kämpften Drei Straßenwächter, welche ihre Buke an der Ecke des Kindlein Jesus" hatten, als Alliirte des Klosterknechts, auf der andern zwei Freliiidc des Mädchens mit großen Fäusten; es floß sogar Blut, denn der eine der Straßen- solvaten hieb seine Hellebarde in das Genick eines der beiden jungen Männer, so daß t ich r »»verweilt in das Spital desKindkein Jesus" getragen werden mußte.

Das Recht des Findelhavscs auf Die Mütter Der

Findelkinder brachte aber bisweilen auch Anccdoten hei­terer Art hervor. So z. B. trug ein junger Herr v. B., als Weib verkleidet, das Kind einer Dirne, Die er kurz vorher aufgespürt hatte, in die Wiege und ließ sich geflissentlich gefangen nehmen. dtachdem die beiden barm­herzigen Schwestern bei der Prüfung mit großem Schrecken und noch größerem Geschrei entdeckt, daß er eine Manns­person sei, wurde er Den vier Klostcrkncchte» für ein halbes Jahr zum Gehülfen übergeben, denn zu einer Erlegung von 45 Gulden für das Kind, entschloß sich der junge Herr nicht. Er verfiel mit Klagen und sehr traurigen Mienen der Jurisdiction des Klosters, und wurde Arbeiter im Kloster. Es waren kaum 4 Monate verflossen, als man entdeckte, daß der Gehülfe der Klv- sterknechte, der alte Geliebte einer Der jungen barmher­zigen Schwestern, und eie ganze Geschichte eine ver­zweifelte Gaunerei der Liebe sei. Zum größten Unglück war das junge, erst neunzehn Jahre alte Mädchen, trotz ihrem Gelübde, in Die peinliche Lage gerathen, selbst die Arbeit Der Anstalt vermehren zu müssen. Die Priester- schaft der heiligen Kreuzkirche wurde durch diesen tollen Streich des versiebten Paares in die bitterste Verlegen­heit versetzt. Man wußte weder, was mit dem jungen Herrn, noch was mit Der jungen Dame anzufangen war, um so weniger, da man die Geschichte unmöglich konnte offenkundig werden lassen. Man beschloß nach langem Seufzen und Beten , Die barmherzige Schwester in das Kloster' eines strengen Frauen-Ordens zur Bußleistung,